20/08/2013 - 09:29

Stadt-Mama Katharina

Die Kinder spielen im Sand, die Eltern am Rand mit ihren Iphones...

Hey Lisa!

Ich weiß, ich weiß, Du wolltest heute morgen frisch aus dem Urlaub gleich losbloggen. Aber relax erstmal, heb Dir Deine Gedanken auf, pack erstmal aus und komme ganz laaaangsam wieder an. Wie im Büro. Erster Tag nach den Ferien. Erstmal E-Mail-Postfach aufräumen, sich in der Raucherecke (auch ohne Zigarette) auf den neuesten Klatschstand bringen und früh Feierabend machen...

Ich muss auch sagen, dass mein Leben zumindest an den Nachmittagen immer aus Müßiggang auf dem Spielplatz besteht. Sprich, wenn ich nicht arbeite... Und dann liebe ich es die anderen Eltern zu beobachten, wie sie wahrscheinlich auch mich beobachten. Passend dazu habe ich nämlich gestern einen Artikel im Süddeutsche-Magazin von Marc Baumann (Autor des Buches "Von Null auf Papa") gelesen. Darin ging es um Ipad-Spiele für Einjährige und wie schlimm das denn nun sei. Ich zum Beispiel finde das gar nicht so schlimm, zumal mein 20-Monate alter Maxime ja auch den kleinen Maulwurf (die Episoden dauern immer fünf Minuten) schauen darf. Und auch Baumann kommt zu dem Schluss, dass das ja alles gar nicht so schlimm ist mit den lustigen Spielen, sondern dass die Eltern vielmehr das Problem seien. Die wären es, die am Rand des Sandkasten mit ihren Ipads und Iphones säßen und dabei doch eigentlich ihren Kindern vermitteln wollten das die reale Welt und das Draußensein sooo viel schöner ist...

Ist das ein Großstadtphänomen, Lisa? Eltern mit Iphones auf dem Spielplatz. Das musst Du mir beantworten, auf jeden gibt es die bei mir in Berlin-Prenzlauer-Berg zu Hauf. Manche machen das sogar richtig systematisch. Sie führen Geschäftsverhandlungen am Telefon, während ihr Zweijähriger auf dem Klettergerüst tobt. 

Andere sind wiederum so cool wie ich es niemals sein werde. Sie setzen sich hin und packen ersteinmal 700-Seiten Fantasyroman aus und fangen gemütlich an zu lesen. Das Kind packt das schon alleine mit dem Spielplatz. 

Grundsätzlich ist das auch meine Einstellung. Eltern haben IM Sand wenig zu suchen, es sei denn das Kleine hat sich gerade blöd in der Schaukel verhakt und brüllt wie am Spieß. Ich schreite auch nicht ein, wenn ein Kind Maxime das Spielzeug klaut. Ist halt die echte Welt, muss er durch. Allergisch bin ich dagegen, gegen die Eltern, die Hand in Hand mit ihren bereits Zweijährigen den Sand erkunden. Die Kinder (meistens in Strickjacke bei 25 Grad) tun mir dann irgendwie leid. Ich will hier keine Mama-Bashing betreiben, aber dann denke ich mir doch so für mich: "Mann, Mann, der zieht mit zwölf aus".

Ich dagegen habe mir übrigens strenge Handy-Abstinenz auf dem Spieli verordnet. Nicht weil ich es sooo schlimm finde, sondern weil es mich irre macht. Ich kann einfach nicht multitasken. Und will es auch nicht. Stattdessen starre ich wie eine bräsige Kuh einfach in die Leere und lass Maxime spielen. 

"Oh, Mann, die hat sich echt aufgegeben", denken die anderen Eltern dann wahrscheinlich um mich herum. 

 

Tags: Stadt-Mama

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Kommentare

Nina — Di, 08/20/2013 - 09:44

Hey Caro, du sprichst mir von der Seele, genau so ist es. Und denke da ähnlich wie du, auch ich lass meinen Kleinen spielen und bin dann so froh, wenn ich das handy zufälligerweise zu hause vergessen hab :-)

Susanne — Di, 08/20/2013 - 10:19

Hi Caro, Du sagst zwar selbst, dass Du kein Mütter-Bashing betreiben willst, aber irgendwie tust Du es ja doch mit der Aussage, dass 2-jährige alleine spielen sollen, statt mit Mama an der Hand. Du hast kürzlich geschrieben, wie toll und unabhängig und entspannt Maxime mittlerweile ist. Das ist super, aber ohne das nun voraussehen zu wollen: Das KANN sich auch ändern, vor allem wenn die "ich-Werdung", wie es fachlich so sympathisch heißt, volle Kanone einsetzt. Dann wollen sie alles alleine, aber auch plötzlich vieles nicht mehr. Dann heißt es wieder "Mama mitkomm" in Situationen, die vorher problemlos alleine gingen. Und das passiert dann gerne mal so um 2 Jahre herum. Bei uns nämlich grad sehr aktuell. Sohnemann turnt selbstvergessen auf hohen Holzpalettenstapeln rum und im nächsten Moment will er nicht allein zur Sandkiste gegenüber laufen. "Mama mitkomm" halt. Ich denke mir mal, dass Du diese Kinder & Mütter gar nicht meinst, diese Kinder haben meist nämlich keine Strickjacke bei 25 Grad an. Aber jede Mutter denkt sich ihren Teil, bei dem, was sie macht. Während Du denkst "Zieh dem Kind endlich die Jacke aus!" denkt sie über Dich "Setz Deinem Kind endlich eine Mütze auf!" Schwierig. Aber lass sie halt. Übrigens: Smartphones gibt's hier auf dem Dorf auch, aber leider sind -wie Lisa weiß- die Spielplätze gähnend leer. Elende Trampolin-Gärten :D Viele Grüße von einer Mama, die ihrem Kind bestimmt viel zu früh schon Sandalen und T-Shirt anzieht!

Hanna — Di, 08/20/2013 - 11:07

Hach ja, ich bin auch ein Landei mit smartphone und wie Susanne schon sagt, findet man auf dem Land kaum bis keine anderen Kinder :( . Jeder hat seinen eigenen Spielplatz im Garten, entweder man hat guten anschluß und spielt also in diverse Gärten oder man hat Pech, so wie ich :( . Also caro, ich würde sagen, genieß deine Spielplatzzeit und das beobachten von anderen Eltern und Kindern! Ich würde es auch gerne tun!

Nicki — Di, 08/20/2013 - 12:12

Du beobachtest andere und regst dich über sie auf, aber regst dich wiederum (in einem anderen Blog) über andere (Freunde, Familie) auf, die dich und deine Art mit deinem "Sohnemann" umzugehen kritisieren. Warum haben Eltern nichts im Sand zu suchen? Dürfen sie sich auf dem Spielplatz nicht mit ihren Kinder beschäftigen - möglicherweise sogar mitrutschen, beim Schaukeln Anschwung geben, etc. Was ist dabei, wenn eine Mutter einen 700seitigen Roman liest? Meinst du, es bloggt auch jemand darüber, dass eine Mutter wie eine bräsige Kuh ins Leere guckt? Übrigens könnte man Desinteresse am spielenden Kind deuten. Oder gar Unsympathie. Vielleicht versteh ich das falsch, aber ich hab den Eindruck, du widersprichst dir. Du setzt dich ein gegen Ungerechtigkeiten, regst dich auf, willst die Welt verbessern, bist dann aber doch genauso unsicher mit deinem Kind, weil keine Gebrauchsanweisung dabei lag. Die lag übrigens bei keinem Kind dabei. Aber es gibt sie sicher als iphone-App! Frag doch mal die anderen Mütter und sprich sie an, anstatt bräsig am Rand zu sitzen! Könnte neuen Blog-Stoff bieten. Freches PS: Das Wort "Sohnemann" ist übrigens schrecklich uncool! Sagt man das in Berlin? Genauso wie Mama-Bashing?

Jenny — Di, 08/20/2013 - 13:36

Ich gehe oft und gern mit meinen 2jährigen Sohn auf den Spielplatz und ich rutsche, schaukele und spiele mit ihm im Sandkasten, wenn er es wünscht. Und das Kind in mir hat soviel Spaß dabei. Ansonsten sitze ich im Gras oder auf der Bank und erfreue mich an meinem Kind, das sich austoben kann. Jeder sollte das machen worauf er Lust hat... Landmami Jenny

Stadtmama Caro — Di, 08/20/2013 - 13:56

Danke für Eure Kommentare! Vielleicht kommt das ein bisschen radikal rüber, wenn ich sage, dass Eltern nichts im Sand zu suchen haben, nein, so soll das nicht klingen und ich kann da auch sehr gut über mich selbst lachen... Grundsätzlich, denke ich, ist der Spielplatz ein guter Ort, an dem sich Kinder selbst ausprobieren können mit Mama in Sichtweite. Auf unserem Spielplatz interagiert mein Sohn einfach so super mit anderen Kindern. Gestern stand er da mit einem Kleineren und beide haben den riesigen Bagger eines Größeren angestarrt. Sollte ich da etwa mitmischen? Ich finde es total süß zu sehen, dass er dort sein eigenes Sozialleben pflegt und dort immer ein paar aus seiner "Clique" trifft oder eben "neue Leute". So habe ich das ungefähr gemeint. Und um Nicki zu antworten. Huch! Habe ich etwa Sohnemann geschrieben? Ich machs nie wieder, versprochen!

Lise — Di, 08/20/2013 - 15:24

Hallo Caro! Kennst Du das Gefühl kurz nach der Geburt...Wenn man sich an den Kopf fasst und denkt: "Was habe ich früher nur für einen Mist geredet! Nicht im Geringsten konnte ich mir vorstellen, wie es ist, ein Kind zu haben. Wie anmaßend war es, andere Eltern zu kritisieren und dabei immer zu glauben, ich würde es besser machen." Falls Du diese Gedanken kennst, dann versuche bitte, Dich ab und zu daran zu erinnern. Denn genau so ist es, wenn man auf unterschiedliche Eltern mit den verschiedensten Kindern in deren jeweiligen Phasen schaut! Vielleicht fällt es Dir dann leichter, in Deinen Posts auch mal die Perspektiven zu wechseln und nicht immer nur aus dem eigenen kleinen Fenster zu schauen und dabei mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ich finde das, was Du hier geschrieben hast, einfach zum Fremdschämen. Tut mir leid, wenn das zu radikal rüberkommt, aber es macht mich traurig, dass wir Mamas so schrecklig verkopft in der Öffentlichkeit unterwegs sind, auf Plätzen, wo doch ein jeder einfach ein bisschen Zeit mit seinem Kind verbringen möchte. Ob im Sandkasten, davor, daneben oder dahinter, ob mit Handy oder ohne. Wir sitzen doch alle in einem Boot. Was soll diese fratzenhafte zur Schau stellung des eigenen ach so vorbildlichen Erziehungsstils in Gegenwart anderer Eltern? Leben und leben lassen!

Jana — Di, 08/20/2013 - 20:53

liebe Caro, wie du es schaffst mit ein paar dahingeworfenen Sätzen sofort die Gemüter der Leserinnen-Nation zu erhitzen :-D Seltsam, dass dir keine eigene Meinung über andere zugestanden wird, oder? Denn die haben wir ALLE - IMMER! Das hat der liebe Gott sozusagen genetisch angelegt :-P Und als ich neulich lernte, was ein Blog ist, stand da: Das Blog [blɔg] (auch: der Blog) oder auch Weblog [ˈwɛb.lɔg], engl. [ˈwɛblɒg], Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch, ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert ('postet') oder Gedanken niederschreibt. Ach na sowas? Ich finde es toll, dass ihr dieses Blog habt und eure Meinung zur Diskussion stellt, denn das war wohl der Plan? Meine Meinung dazu: Mal hab ich Lust die Kinder anzuschubsen, zu rutschen und Sandburgen zu bauen und mal eben nicht.

Stadtmama Caro — Di, 08/20/2013 - 22:29

Liebe Jana, einfach nur Danke für Deinen Kommentar! Der tut gut :-)! Und im Übrigen mag ich wirklich ALLE Kommentare. Und Kritik lässt mich durchaus auch nachdenken. Aber aalglatt und Everybodys Darling sein, wie Du schon sagst, liebe Jana, möchte ich nicht. Dann lieber im Zweifel gar nicht bloggen. Lieben Gruß, Caro xxx

a. — Di, 08/20/2013 - 23:29

hi caro, ich glaub' ich verstehe, was du sagen wolltest ;-) trotzdem kurz: ich bin eine von den mamas, die ihrem Kind auf dem Spielplatz total uncool hinterher rennen ;-) oder es zumindest nicht aus den augen lassen (ich finde mich selber schrecklich dabei!), aber er hat halt leider eine sehr ausgeprägte recht lang andauernde orale Phase, sprich er stopft sich gerne alles in den mund, eben auch Zigarettenkippen, die es leider bei uns auf den Spielplätzen zu hauf gibt...außerdem zieht er leider anderen kindern gerne die schaufel über den kopf oder nimmt ihnen die spielsachen weg und das finden die und ihre Eltern meist gar nicht lustig... das verhalten anderer hat also manchmal schon seinen grund, genauso wie du halt mit den Erdnüssen (waren es Erdnüsse?) vorsichtig bist. das verstehen außenstehende vielleicht zuerst auch nicht. viele grüße a.

Katharina — Mi, 08/21/2013 - 12:10

Liebe Caro, liebe Mitleserinnen (und Mitleser :-)) sorry, dass das thematisch jetzt nicht ganz passt. Aber im weitesten Sinne vielleicht...:-) In letzter Zeit frage ich mich öfter, ob es -jenseits von Spielplätzen und Kindercafés- nicht auch die Möglichkeit eines etwas anderen "Aufenthaltsortes" für Mütter geben könnte, bei dem/ in dem wir auch etwas Zeit für uns abzweigen könnten...So was wie ein Mama-Coworking-Space z.B. Gibt es das? Wisst Ihr da etwas? Ich meine etwas, wo man mit den Kinder spielen und sich mit anderen Eltern unterhalten, aber auch mal in einen Hinterraum mit Schreibtisch verschwinden kann, wenn eine andere Mama oder ein anderer Papa mal mit nach dem Kind schaut... Würde mich freuen von Euch etwas dazu zu hören und ob Ihr grundsätzlich auch Interesse an so etwas habt/hättet. LG aus dem Winskiez Katharina

Vikenty — Mi, 08/21/2013 - 17:50

Hallo Caro, es ist schon erstaunlich, dass diejenige, die hier ihre Kommentare hinterlassen, auch noch für wichtig halten, einen guten Rat auf den Weg zu geben. Was ich nun zu deinem Post sagen will, ich denke, es ist völlig ok, dass die andere halt ihre Händys statt einen Schaufel in der Hand drücken. Du machst es so wie du das am besten kannst. Denn ich hoffe, jede Mutter möchte dem eigenen Kind nur das Bestmögliche angedeihen lassen, wenn es auch nicht direkt so aussieht (wie z.B. auf dem Spielplatz). Das Problem ist aber, dass jede Mutter, die es anders macht als man selbst, glaubt doch im Grunde, dass du (nicht direkt auf dich, Caro bezogen) falsch machst und sogar froh sein kannst, wenn aus dem Kind kein Kettensägenmörder wird, weil du per Kaiserschnitt entbunden, Gläschenkost gefüttert oder eben auf dem Spielpaltz nicht mitgerutscht hast. "Locker bleiben" ist mein Motto seit kurzem, obwohl es mir auch nicht immer gelingt. Liebe Grüße aus Köln

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