Interviews

23/08/2017 - 07:00

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Frühchen-Serie, Folge 3: Sofort nach seiner Geburt wurde Elias fünf Stunden operiert

Liebe Claudia, Dein Sohn Elias ist heute 1,5 Jahre alt. Er kam 32+0 SSW zur Welt. Wie verlief die Schwangerschaft und hatte sich die Frühgeburt angekündigt?

Elias war ein absolutes Wunschkind - als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen. In der 12. Schwangerschaftswoche ging ich zum ersten großen Ultraschall und nach wenigen Minuten bemerkte ich, dass der Arzt immer wieder auf der gleichen Stelle schallte und dabei kein glückliches Gesicht machte. Es stellte sich heraus, dass der Bauch von Elias nicht geschlossen war, der Darm komplett heraushing. Der Arzt sagte, das könne ich noch verwachsen, ich solle in drei Wochen wieder kommen. 

Wie bist Du mit der Diagnose umgegangen?

Ich spürte sofort, dass sich das nicht verwachsen wird und stellte mich darauf ein. Ich war erstaunlicherweise relativ gefasst und hielt mich auch an den Rat des Arztes, nicht im Internet nach der Diagnose zu googeln. Er sagte, es gäbe dort schreckliche Bilder, die uns nicht helfen, sondern nur Angst machen würden. Tatsächlich hatte sich drei Wochen später nichts verwachsen und wir wurden zu einem Spezialisten geschickt. 

Wie ging es weiter? 

Ich fuhr einmal die Woche nach München zu dem Spezialisten, ab der 25. Schwangerschaftwoche wurde ich krankgeschrieben. Für den offenen Bauch gab es keine Erklärung - ein Gendefekt wurde ausgeschlossen, es war wohl einfach eine Laune der Natur. An einem Dienstag hatte plötzlich Ziehen im Unterleib, der Arzt machte ein CTG und es wurden leichte Wehen festgestellt. Da war ich in der 32. Schwangerschaftswoche. Am nächsten Tag hatte ich wieder einen Termin in der Münchner Klinik und die haben mich aufgrund des CTGs vom Vortag direkt da behalten. Elias bekam Lungenreife-Spritzen und wir hofften alle, er würde noch ein paar Wochen im Bauch bleiben. 

Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht, richtig?

Ja, nach einer Woche Krankenhaus hatte ich plötzlich ein komisches Gefühl. Ich merkte, dass sich mein Baby nicht mehr richtig bewegte und schlug Alarm. Elias wurde kurz darauf per Kaiserschnitt geholt, er wog 1450 Gramm, war 42 Zentimeter groß und ich durfte kurz sein Gesicht sehen, bevor er intubiert und stabilisiert wurde. Für Elias ging es sofort in den OP, die Ärzte schlossen in einer fünfstündigen Operation einen Bauch, verlegten den Darm nach innen. 

Wie ging es Deinem Mann und Dir während der fünf Stunden?

Ich war noch benebelt vom Kaiserschnitt, mein Mann war sehr angespannt. Wir durften Elias kurz nach der OP auf der Intensivstation besuchen. Sein winziges Kind verkabelt in dem Brutkasten zu sehen, ist ein Schock. Es bricht einem das Herz. Aber wir wussten, dass Elias dort am besten aufgehoben ist. 

Wie hat Elias die OP überstanden?

Sehr gut. Am übernächsten Tag bekamen wir ihn schon auf die nackte Haut gelegt und durften kuscheln. Das war wunderbar. Allerdings hat es drei Wochen gedauert, bis der Darm wirklich selbstständig gearbeitet hat und außerdem brauchte er bis zu seiner Entlassung eine Magensonde. Es stellte sich heraus, dass eine zweite OP nötig sein würde. Kurz nach seinem ersten Geburtstag wurde Elias nochmal operiert, auch diese OP verlief gut. 

Wie lange musste Elias nach der Geburt im Krankenhaus bleiben?

Fünf Wochen. In dieser Zeit wohnte ich in einem Appartement, wo Frühchen-Eltern unter kommen. Es war sehr wichtig für mich, möglichst nah bei Elias zu sein. Da Elias zu schwach war, um voll gestillt zu werden, bestand unser Alltag aus Abpumpen, Fläschchen geben, kuscheln und hoffen. Als wir entlassen wurden, war das ein wirklich seltsames Gefühl. Ich hatte Angst, plötzlich alleine für Elias zuständig zu sein. 

Wie lief der Alltag zu Hause?

Elias entwickelte sich nach kurzen Startschwierigkeiten gut, ich pumpte weitere drei Monate ab, die Magensonde brauchte er bald nicht mehr. Ich allerdings fühlte mich nicht gut. Die ganze Anspannung seit der Geburt, die Ängste, die Sorgen - all das hatte viel Kraft gekostet. Ich funktionierte nur noch und war einfach kaputt. Gespräche mit einer Therapeutin halfen mir in dieser Zeit durch das Tief. 

Wie geht es Elias heute?

Er ist ein fröhlicher Junge - kein Draufgänger, etwas vorsichtig, aber voller Lebenslust. Die meisten Meilensteine, wie krabbeln oder drehen machte er genau wie andere Kinder - nur mit dem Laufen war er etwas später dran. Bis auf eine große Narbe quer über den Bauch erinnert nichts mehr an seinen schweren Start ins Leben. 

Hat Dich der schwere Start von Elias vorsichtiger gemacht?

Ich würde eher sagen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wer sein Kind einmal so verkabelt gesehen hat, regt sich kaum mehr über einen Schnupfen auf :-)

Wie würdest Du im Rückblick die erste Zeit beschreiben?

Ich werde diese Zeit niemals vergessen. Die Bilder, die Erfahrungen haben sich eingebrannt. Ich habe mitbekommen, wie das kleine Mädchen neben Elias im Brutkasten vier Tage nach der Geburt gestorben ist - so was kann man nie mehr vergessen. 

Was würdest Du Dir im Umgang mit Frühchen-Eltern wünschen?

Die Frage „Wann kommt Ihr denn endlich nach Hause?“ konnte ich nicht mehr hören. Und wir konnten darauf auch nichts antworten, denn es lag ja nicht in unserer Hand. Außerdem wünsche ich mir mehr Verständnis für Eltern von sogenannten späten Frühchen. Nur weil ein Kind ein paar hundert Gramm mehr wiegt, sind seine Eltern nicht weniger besorgt. Außderdem wünsche ich mir, dass die Eltern von Frühchen nicht so sehr mit der Gewichtszunahme unter Druck gesetzt werden. Klar ist es wichtig, dass die Kleinen zunehmen, aber jedes Kind is(s)t anders und aus meiner Sicht sollte gerade hier den Müttern doch etwas mehr Vertrauen entgegen gebracht werden.

Hintergrund-Info: In dieser Serie berichten wir über vier Frühchen-Familien, um anderen Eltern Mut zu machen. Die Serie ist Teil der Pampers Frühcheninitiative im Rahmen von „Deutschland wird Kinderland." Pampers hat gemeinsam mit Kinderkrankenschwestern und -pflegern von Neugeborenen- Stationen eine extrakleine Windel für Frühgeborene entwickelt. Die neue Größe P-3 wurde für die ganz kleinen Frühchen (kleiner als 800 g) entwickelt, sie zeichnet sich durch einen besonders schmalen Windelkern aus der extra an die Größe der kleinsten Frühchen angepasst wurde, um den Babys eine optimale Hüftposition zu ermöglichen. Ab Oktober kommt die kleinste Frühchenwindel sowie eine weitere Größe (P-1 für Frühchen unter 2.300 Gramm) in den Krankenhäusern zum Einsatz.

Tags: Pampers, Frühchen, Kinder, Familie, Baby, Geburt, OP

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