Gastbeiträge

12/01/2017 - 07:00

Land-Mama Lisa

Petzen: Warum ich finde, dass einem Kind dafür niemals ein Vorwurf gemacht werden sollte

Ihr Lieben, das hier liegt unserer Leserin Sylvia gerade witrklich schwer im Magen. Sie ist interessiert an Meinungen von anderen Eltern zum Thema „Petzen“. Das hier schrieb sie uns:

Irgendwie stößt mir das Thema Petzen ständig sauer auf... Natürlich mag auch ich es nicht, wenn ein Kind ein anderes Kind „verpetzt“ im Sinne von „die hat was gemacht, was man nicht soll, nicht darf oder dir nicht gefällt“. Dieses „Beifall-heischen“ weil man gesehen hat, wie ein anderes Kind etwas Verbotenes oder Verpöntes gemacht hat und nun nur die Bestrafung bzw. Tadelung des anderen herbeisehnt, obgleich es einen selbst überhaupt nicht betrifft. Das ist nicht schön – völlig klar.

Mit Petzen macht man sich keine Freunde?

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses Wort seine ursprüngliche Bedeutung ein wenig verloren hat. Am Spielplatz bekommt ein Junge die Schaufel drüber. Weinend rennt er zu seiner Mama: „Der XY hat mich mit der Schaufel auf den Kopf geschlagen...“ Von der Mama bekommt er zwar eine kurze Streicheleinheit, aber dann auch gleich zu hören, dass sie dieses „Gepetze“ nicht leiden kann und er das bleiben lassen soll. Er soll einfach selbst zu XY sagen, dass das nicht schön war und dann brav mit ihm weiter spielen, schließlich sei das doch eigentlich sein Freund. Da müsse er nicht gleich zur Mama gerannt kommen. „Petzen“ seien unbeliebt und damit mache er sich keine Freunde.

Auch von Kindergärtnerinnen habe ich das zufällig schon mal in dieser Art aufgeschnappt. Ein Kind, das erzählt, das ein anderes gerade was Böses gemacht hat, wird – auch wenn es selbst betroffen war – schlicht als Petze hingestellt und alles damit abgetan, dass es die Kindergärtnerin selbst nicht gesehen hat und daher auch nichts machen kann. Auch die anderen Kinder übernehmen das ja und dann wird also einer z.B. an den Haaren gezogen, erzählt das der Erzieherin und steht dann auch noch als „Petze“ da, was die anderen alle „total doof“ von dem Kind finden – ja geht’s noch?! Jetzt ist das Kind eh schon traurig, weil ihm weh getan wurde und dann wird es auch noch runter gemacht?

Ich frage mich immer öfter: Warum sollen Kinder es schlucken, wenn ihnen Unrecht getan wird? Mit welcher Begründung darf mir denn ein Kind nicht sagen, wenn es sich unfair behandelt fühlt? Macht man es dadurch nicht auch noch schwieriger, zu Mama oder Papa zu kommen, wenn etwas RICHTIG Schlimmes passiert ist?

Natürlich würde ich auch nicht gleich zu dem anderen Kind hinrennen und es dafür tadeln, dass es jetzt meinem Sohn mal die Schaufel über den Kopf gezogen hat (kommt auf die Situation an...). Aber ich würde mein Kind dennoch darin bestärken, dass es gut war, wenn es zu mir gekommen ist und ich nun die Situation kenne und etwas genauer darauf achten kann.

Ich kann trösten und erklären, dass das nicht schön von dem anderen Kind war und mein Kind das auch – zu mir und zu dem anderen Kind – sagen darf. Und ich würde ihn sogar ausdrücklich darum bitten, es mir zu sagen, falls so etwas wieder passiert. Denn irgendwann kann es ja doch mal sein, dass es erforderlich wird, einzuschreiten und gegebenenfalls mit der Mutter des anderen Kindes mal zu reden.

Das kann doch nicht immer nur dann gehen, wenn ich es selbst mit eigenen Augen gesehen habe. Das muss mir doch mein Kind auch erzählen dürfen, ohne gleich eine „Petze“ zu sein oder nicht?

Ich käme mir jedenfalls absolut schäbig dabei vor, meinem Kind zu sagen, dass es sich da jetzt mal nicht so haben soll und dass ich nicht will, dass es zu mir petzen kommt. Es soll doch Vertrauen in mich haben und darauf, dass ich ihm helfe, wenn es Schwierigkeiten hat oder verletzt wird, oder nicht? Sehe ich das völlig falsch? Wie sind denn andere Meinungen hierzu?

 

Zum Weiterlesen:

Wenn die Kinder dauernd streiten

Was tun, wenn mein Kind mich haut?

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Fotohinweis: tobbo/pixabay

Tags: Petzen, Kinder, Verpetzen. Spielen, Erziehung, Eltern, Eingreifen, Streit, Vertrauen

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Kommentare

Kalu — Do, 01/12/2017 - 08:00

Guten Morgen Sylvia, mich hat Dein Beitrag etwas überrascht. Ich habe so Situationen noch nicht erlebt, würde es aber auch so einordnen. Für mich ist es absolut kein petzen, wenn mein Kind Schmerzen hat oder ihm Unrecht zugefügt wurde, das es zu mir kommt. Meine Tochter ist erst 3, und natürlich tröste ich sie und bespreche mit ihr die Situation. Das ist doch meine Aufgabe! Petzen ist doch, wenn ein Unbeteiligter etwas beobachtet hat und Dritte verpetzt. Und das können auch nur ältere Kinder, bei kleineren Kindern würde ich nicht von Petzen sprechen, sondern mit den Kindern die Situation besprechen. Auch Deine Schilderungen aus dem Kindergarten finde ich befremdlich. Ich denke, wir sollten unsere Kinder unterstützen, sie in der Selbständigkeit stärken und das geht nur, wenn wir die Dinge besprechen und nicht als Petzen abtun. Damit ist niemandem geholfen. Viele Grüße!

Julia — Do, 01/12/2017 - 08:26

Ich habe hier gerade die gleiche Problematik, dass meine Tochter- wird sie geärgert oder gehauen - das über die Erzieherinnen im Kiga löst. Ich hatte vor kurzem ein Gespräch in dem mir mitgeteilt wurde, dass sie schon viel selbstbewusster geworden sei, sie jetzt aber noch daran arbeiten, fass sie nicht immer petzt. Soweit fand ich das in Ordnung, denn welche Mutter möchte schon, dass ihr Kind von den anderen Kindern als Petze verhöhnt wird. Schon zwischendurch würde ich nachdenklich, als meine Tochter mit einem Stock auf den Kopf geschlagen wurde, sie dies der Erzieherin berichtete und diese nur lapidar sagte, sie solle endlich lernen, das allein zu klären. Dein Beitrag bestärkt mich nun darin, das Gespräch zu suchen und um eine differenziertere Betrachtung zu bitten.

Teresi — Do, 01/12/2017 - 08:44

So genau habe ich das ehrlich gesagt noch nie gesehen. Hier danke ich auf jeden Fall für den Denkansatz :) Ich finde du hast vollkommen recht, ich werde auf jeden Fall versuchen, da in Zukunft genauer drauf zu achten.

Gesine — Do, 01/12/2017 - 08:44

Das ist auch hier zur Zeit ein schwieriges Thema... meine Kinder sind 3 und 5 und die Diskussionen fingen auch im Freundeskreis früh an. Als mein Großer 2 war, bekam er von seinem Kumpel beim Grillnachmittag eins übergezogen und kam zu mir. Der andere Vater bezeichnete ihn sofort als Petze. Ich war völlig irritiert:"Moment-dein Kind haut mein Kind, mein Kind holt Hilfe und ist jetzt der Dumme?" Ich stoße oft auf Eltern, auch bei engen Freunden, die eine andere Auffassung haben als ich, das ist ja auch ok. Ich sage meinen Kindern immer, dass es ein Unterschied ist, ob man petzt oder Hilfe holt und dass es aber ganz schwer ist, das zu unterscheiden und man viele Jahre braucht, um das zu lernen. Mit ist es wichtig, dass meine Kinder IMMER zu mir kommen, wenn sie eine Situation haben, die blöd für sie ist. Ich kann ihnen dann erklären, ob ich ihnen Hilfe gebe oder nicht und auch warum. Oft kann ich Ihnen Ratschläge geben, wie sie die Situation allein meistern, ohne dass ich kommen muss oder sie mit "meine Mama kommt sonst" drohen. Kinder können so etwas aber nicht von alleine, sie brauchen jemand, der ihnen die Situation durchleuchtet und aufzeigt, ob ein ernsthaftes Problem vorliegt oder sie wirklich in Schwierigkeiten stecken. Ich finde es wichtig, dass sie versuchen ihre Probleme und Streitigkeiten selber zu regeln, das müssen sie früher oder später einfach können. Aber wichtiger finde ich, dass sie wissen, dass sie immer kommen können, ohne als 'Petze' beschimpft zu werden. Ich kann ihnen auch ohne so eine Zurechtweisung sagen, dass das ein Problem ist, was mich grade nichts angeht und es unfair ist, jemanden zB zu verraten und ich deswegen jetzt auch nichts unternehmen werde. Aber so weiß ich, dass mein Kind auch bei einem echten Problem keine Angst sich meine Hilfe zu holen.

sonaholic — Do, 01/12/2017 - 09:23

Auch wir kennen das, aus unserem Umfeld und auch aus dem Kindergarten. Die Kinder kommen, erzählen erst einmal etwas (ab einem gewissen Alter hört man dann auch heraus, ob es "petzen" ist oder wirklich nur das Erzählen!) und werden als Petze abgestempelt, geholfen wird dann auch nicht. auch ich bin der Meinung, die Kinder müssen, können und sollen immer zu uns kommen dürfen, wenn etwas ist. Das ist doch essentiell und sooo wichtig für gegenseitiges Vertrauen. Sie vertrauen doch auf uns, dass wir ihnen helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Bei uns in der Kita wird den Kindern beigebracht, es erst einmal untereinander zu klären, zwei oder drei Mal und erst dann, wenn es dann immer noch nicht klappt, sollen sie einen Erzieher dazu holen bzw. Bescheid geben. In den banaleren Fällen, kleine Streitigkeiten, mag das ok sein und wichtig, dass sie lernen sich einzusetzen und sich zu unterstützen bzw. Probleme zu lösen. Aber nicht in den Fällen, wo wirklich gehauen, geschlagen, geschubst wird, wo es um größere Themen geht. Auch ich bin für eine Differenzierung. Aber wie kann das denn umgesetzt werden? Mit Erziehern zu sprechen ist schwierig, gerade wenn Beispielsituationen fehlen - das wissen wir alle. Und dann kommt das persönliche Umfeld dazu, wo es auch irgendwie Sitte geworden ist, dass wenn Kinder zu einem kommen, diese kurz gehätschelt werden, manchmal noch nicht einmal ernsthaft getröstet/wahr genommen und dann gleich wieder weggeschickt werden. Ich denke auch, dass es anders geht, man es anders, vielleicht sogar besser machen kann. Aber dieses Bewusstsein, diese Differenzierung, müsste ja allen erst einmal bewusst werden, oder? Wie soll das gehen? Wir hier beschäftigen uns mit diesen Themen, folgen und lesen Blogbeiträge. Aber wie viele sind das im Alltag - auf dem Spielplatz, vielleicht höchstens 3 von 10? Oder 2 oder 1. Der Alltag ist die Krux und die uns mitgegebenen Verhaltensweisen, über die man sich ja erst einmal bewusst werden muss, ehe man sie ggf. anpasst/ändert. Für mich ein ganz schwieriges Thema - danke für den schönen Beitrag. Kurz und knapp schön zusammengefasst und die Differenzierung herausgearbeitet. Also teilen wir den mal alle fleißig und hoffen auf mehr Verständnis!

Claudia — Do, 01/12/2017 - 09:30

Ich hatte ao ein ahnlich Situation vor ein paar Wochen. Da kam mein großer Sohn zu mir und "verpetzte" seinen Bruder. Ich war dabei ihm zu erklären das petzten nicht nett ist, da ging mir ein Licht auf: von uns als verantwortungsvolle Erwachsene wird erwartet, dass wir Kriminalität der Polizei melden bzw. Z.B. bei Unfällen als Zeugen zur Verfügung stehen. So, machte ich fast mitten im Satz kehrt, bedankte mich bei ihm und erklärte was mir durch den Kopf ging und das die Erwachsenen schon manchmal komisch sind. Ich denke es kommt darauf an, wie wir mit "petzten" umgehen und den Kindern helfen manche Situation selbst zu lösen und zu erkennen, wann es besser ist einen Erwachsenen oder (ich denke da schon an später) die Polizei einzuschalten.

mareike — Do, 01/12/2017 - 10:04

Ich finde den Artikel sehr gut. und danke für den Kommentar. Ist es nicht so, dass wenn wir 'alles' was unsere Kinder uns berichten, als petzen abtun, dass wir sie in der Gesellschaft später zum Wegschauen annimieren? Sie sollen Dritte nicht mit einbeziehen, ihre Sachen selbst regeln... Ist das teilweise nicht etwas viel, in so jungen Jahren, verlangt?

Lena — Do, 01/12/2017 - 11:51

In unserer Kita geben sie sich wirklich Mühe, aber es ist der Personalmangel und die schlechte Ausbildung/Bezahlung der Erzieherinnen, die es so schwer machen, wirklich bei Konflikten in Ruhe nachzuvollziehen, wer angefangen hat und dann gerecht zu sein. Ganz oft wird einfach der bestraft, bzw. ausgeschimpft, der als letzter gehauen hat und dann dabei gesehen wurde; das ist aber dann oft auch der, der attackiert wurde und einfach keine andere Wahl hatte und sich irgendwann wehren musste. Da heißt es dann nur ganz banal: nicht hauen!Das finde ich auch sehr ungerecht, ich werde meinem Kind jedenfalls nicht beibringen, dass es sich alles gefallen lassen muss und immer einstecken muss. Sehr schwierig, die Erzieherinnen können ja auch oft nichts dafür!

Frauschroeder — Do, 01/12/2017 - 15:42

Ich sehe das so wie Kalu: es ist doch eine Definitionssache. Wenn mein Kind verletzt oder beschimpft wird, kann es natürlich zu mir kommen und dann ist das für mich auch kein petzen. Genauso ist es das für mich auch nicht, wenn es einen Vorfall gab, ein Kind weint und ein anderes dann sagt, was geschehen ist (quasi die Zeugensituation). Wenn aber ein Kind kommt und sagt, der/die xy hat aber das gemacht und bezweckt damit eine Bestrafung, dann ist es für mich Petzen und da kann ich auch nur sagen, "das war nicht ok, aber ich habe es nicht gesehen und kann da nun auch nichts zu sagen."

Jana — Do, 01/12/2017 - 18:26

Hallo, ich bin Erzieherin im Kindergarten und auch Mutter eines fast Dreijährigen. Ich finde euer Empfinden richtig. Kommt ein Kind und erzählt mir, was ein anderes getan hat, dann fühlt es sich hilflos und braucht mich. Egal worum es dabei erstmal geht, Spielzeug weggenommen, darf nicht mitspielen, wurde gehauen. Und ich finde es toll, dass es mir dabei vertraut, dass ich im helfen darf - das Kind hat also eine Bindung zu mir aufgebaut, dieses Vertrauen darf ich nicht wieder zerstören und es allein mit seinem Problem lassen. Außerdem hat es schon gelernt, sich Hilfe zu holen und nicht "einfach nur zurück zu hauen". Das erfordert ebenfalls Anerkennung. Je älter die Kinder werden, desto besser können sie solche kleinen Zwischenfälle allein lösen, aber mit drei Jahren auf keinen Fall, bestenfalls im Vorschulalter. Das Kind muss dafür schließlich die Fähigkeit besitzen, sich in andere hinein versetzen zu können und dessen Verhalten reflektieren zu können - das kann nicht mal mancher Erwachsener. Deshalb versuche ich so gut es geht solche Situationen mit den Kindern gemeinsam zu lösen, beide Seiten zu fragen, was denn da los war. Die Kinder zu fragen, was sie denn tun könnten. Immer wieder. Jedesmal. Irgendwann schaffen sie es allein. Natürlich gibt es in großen Gruppen auch immer die ganz am Anfang des Textes beschriebenen Kinder, die sich hervortun wollen, aber auch diese suchen schlicht Aufmerksamkeit, die ihnen fehlt. Aufhorchen, dem Kind erklären, andere verpetzen ist nicht richtig, aber an anderer Stelle diese Aufmerksamkeit dem Kind dann auch geben. Ich finde das ist durchaus auch ein Punkt fürs nächste Elterngespräch. Lasst sowas nicht einfach geschehen, macht die Erzieherin darauf aufmerksam, dass ihr damit nicht einverstanden seid. Jedoch ist es mir an dieser Stelle auch ein Bedürfnis zu sagen, dass solch intensive Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Kind leider, leider in vielen Kitas gar nicht möglich ist. Der Betreuungsschlüssel ist immer noch überall massiv zu hoch. 12 Kinder auf eine Betreuung und im Krankenfall der anderen noch höher. Da gehen Kinder, oft gerade die stillen unter, die Erzieherinnen sind überarbeitet und hoch gestresst, da fallen dann im Hochbetrieb aus Zeitmangel zur Überprüfung und dem Befassen solcher Geschehnisse leider solche Floskeln wie, petz nicht. Das ist traurig. Und ein Armutszeugnis unseres Landes, was Kinderbetreuung und Erzieher in diesem Land wert sind. Wert euch, beschwert euch. Unterschreibt Petitionen. 8 Kinder auf 1 Erzieher wären ideal. Ich gehe dafür auf die Straße, nicht für mehr Lohn, sondern für weniger Kinder auf einen Erzieher!

Lilli — Do, 01/12/2017 - 20:26

Du hast so Recht, vielen Dank für deinen Kommentar, deinen Einsatz und deine Arbeit mit den Kindern unserer Generationen.

Nele — Do, 01/12/2017 - 19:46

Das würde ich - wie die meisten hier - auch nicht als petzen abtun. Wir haben hier aber häufig die Situation, dass unser "Hauspolizist" (4 Jahre) ständig den Großen (8 Jahre) "verpfeift", wenn der etwas macht, was er nicht soll (z.B. nicht aufräumt, sondern spielt, mein iPad nach der vereinbarten Zeit nicht ausmacht usw.), auch wenn es den Kleinen nicht unmittelbar selbst betrifft. Das finde ich schwieriger. Einerseits möchte ich, dass Regeln und Absprachen etwas gelten und nicht disponibel sind, andererseits ist das meine Aufgabe, das zu "überwachen" und durchzusetzen und ich möchte keinen Hilfssheriff dafür. Das er nicht petzen soll, sage ich aber selbst dann nicht, sondern nur, dass er Recht hat, ich mich aber selbst darum kümmern werde. Wir wollen doch, dass Kinder Regeln lernen. Da finde ich es jedenfalls bei kleineren Kindern problematisch, wenn Sie Regelverstöße "melden", dann aber selbst den Ärger bekommen. Trotzdem nervt es und einem guten Verhältnis zwischen den Brüdern nicht immer zuträglich ... ;-)

Lilli — Do, 01/12/2017 - 20:16

Ich bin baff! Mein Kind ist wohl noch zu klein ( 2 1/2 jahre), ich bin gespannt ob ich sowas auch erleben werde. Dazu kann man finde ich nur sagen: Solidarität fördern; immer dafür! Solidarität mit "Tätern" fördern? Dumm, faul, weltfremd und einfach daneben. Ich will doch auch erfahren, wenn mein Kind jemanden verletzt, um mit ihm darüber zu sprechen und ggf vorzuleben, wie man sich entschuldigt, wenn es dazu noch nicht in der Lage ist.

Gast — Do, 01/12/2017 - 23:15

Ich sehe es anders: Erstens finde ich durchaus, dass Kinder ab etwa vier Jahre ihre kleinen Streitigkeiten selbst lösen können und sollen. Zweitens: Das Problem, wenn man ausführlich tröstet und jedes Problemchen als Erwachsene mit den Kindern durchdiskutiert, ist, dass man diese kleinen Streitigkeiten absolut unnötig aufbauscht. Kinder streiten sich meist kurz und vertragen sich eine Minute später wieder. Wenn Erwachsene sich einmischen, machen sie schnell aus einer Mücke einen Elefanten. Das bezieht sich natürlich nur auf die kleinen, täglichen Streitigkeiten und Ungehorsamkeiten von Kindern. Bei Richtigen Probleme MUSS man als Erwachsener natürlich eingreifen.

Ani — So, 09/17/2017 - 21:56

Da kann ich dir nicht zustimmen. Es geht erstmal nicht darum, dass sich erwachsene einmischen, sondern aktiv von den Kindern angesprochen werden, wenn sie ein Problem haben. Wenn die Kinder den Schritt schon auf uns zu machen, ist es in deren leben schon keine Lappalie mehr, sondern ein Problem dass sie allein nicht lösen können, warum soll man sie dann nicht ernst nehmen? Wie soll enn ein 4 jährige Kind beurteilen, wann das hauen mit der Schaufel vom anderen Kind so schlimm ist, dass es auch dich als erwachsenen etwas angeht? Erst wenn es blutet? Oder wie soll es wissen was deiner Auffassung nach ein richtiges Problem ist?

Simona — Fr, 01/13/2017 - 12:01

Oja, du hast so recht! Bei uns ist dieses Thema neulich aufgetaucht. In unserem Kindergarten ist es üblich das man alles den Erzieherinnen sagen kann, dann wird kurz geredet, manchmal mit dem "Schuldigen" geschimpft, manchmal nur getröstet und erklärt dass der anderes etwas nicht so gemeint hat, ich fand das immer prima. Jetzt kam ein neues Kind aus einem anderen Kindergarten, bei denen gab es Gruppenregeln und Punkt 2 war "Petzen verboten"! Dieses Kind beschimpft jetzt alle als Petze, die Mutter möchte dass "Petzen verboten" auch bei uns gilt und Kinder Probleme "unter sich ausmachen", sonst werden Kinder nicht stark und selbstbewusst! Ich kannte diesen Gedankengang bisher gar nicht, für mich ist ein selbstbewusster Mensch jemand, der Probleme anspricht, sich Hilfe sucht, weiß an wen er sich wenden kann. Wenn mein Kind mir Dinge "petzt" kann ich doch aufklären, was wirklich schlimm war und was nicht.

Sandra — Do, 01/26/2017 - 13:27

hatte ich vor kurzem auch. Zu einer Situation im Kindergarten. Ein Kind dort berichtet gar nichts mehr, weil es von einer Erzieherin als Petzte tituliert wird. Will heißen, er erzählt auch den Eltern nicht mehr wenn etwas im Kindergarten vorfällt. Ich finde dies sehr gefährlich und grenzwertig. Kinder lernen ja erst die Dinge einzuschätzen, wenn man Ihnen nun grundsätzlich untersagt Dinge zu erzählen udn zu berichten, dann besteht schnell die Gefahr, dass auch wirklich wichtige Dinge nicht gesagt werden. Wenn Kinder zum Beispiel von Bekannten/vermeintlichen Freunden fragwürdige "Angebote" bekommen. In diesen Alter ist alles, was die Kinder berichten für diese wichtig. Die Einschätzung es sei unwichtig ist unsere und ganz schnell gehen dann auch Sachen dabei unter, die aus unserer Sicht sehr wichtig wären, die unser Kinder dann aber auch nicht mehr erzählt.

Kostula — Do, 01/26/2017 - 13:29

Ich bin da absolut und 100% deiner Meinung

Nancy — Do, 01/26/2017 - 15:48

An sich gebe ich dir und euch da Recht. Nun wird mein Kind mittlerweile bald 9 und es ist für die Lehrer und mich nicht immer leicht, rauszufinden, was den Tatsachen entspricht, wer nun angefangen hat. Dazu muss ich sagen, dass mein Kind eine lebhafte Phantasie hat und sich ihr Erlebtes gern während der Erzählung anhand meiner Reaktion auf das Gesagte verändert/anpasst. Sie erzählt mir auch gern, wer was wie falsch gemacht hat. Also an sich schon ein wenig Petze, nur ohne Konsequenz für die anderen Kinder. In ihrer Schule sind die Kinder auch angehalten, ihre Probleme selber zu lösen. Es gibt auch eine Institution, die Konfliktlotsen, also ältere Kinder, die dann geholt werden können, um das gemeinsam mit Ihnen zu klären. Manchmal klappt das. Manchmal ist auch keiner auffindbar. Also geht mein Kind zu den Erziehern oder Lehrern, die die Hofaufsicht haben und berichtet über ihr Erlebtes. Soweit sie mir berichtet, wird sie nie Ernst genommen oder es wird gar ihr die Schuld gegeben. Sicherlich ist es für diese Aufsichtspersonen bei all den Schülern und dem großen Aussenbereich schwierig, den Schuldigen zu finden... aber ich finde dann sollte man neutral sein. Kann nicht sein, dass es oft meinem Kind in die Schuhe geschoben wird, weil das andere Kind nicht zu seinem Verhalten steht und sie anlügt. Was das angeht ist mein Kind nämlich übernatürlich ehrlich. Sie gibt alles zu, was sie getan hat und macht sich selber fertig. Leider kann ich dann später nichts mehr an dieser Situation ändern. Ich kann nur für sie da sein und ihr zuhören. Und bei schlimmen Fällen das Gespräch mit der Erzieherin suchen. P.S.: Ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, ich wäre gegen die Erzieher und Lehrer. Ich möchte nicht tauschen... es ist schwierig, immer richtig und zeitnah zu reagieren....

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