Gastbeiträge

20/03/2017 - 08:00

Land-Mama Lisa

Trennung: „Wie das Wechselmodell unsere Familie fast in den Wahnsinn trieb“ – Gastbeitrag von Charlotte

Ihr Lieben, "zum Wohl der Kinder", wie oft hat man diesen Spruch schon gehört. Wenn sich Eltern trennen ist das immer ein Einschnitt. Bei unserer Leserin Charlotte aber wurde gegen ihren Willen ein Wechselmodell gerichtlich angeordnet. Was das für sie bedeutete? Das hält man schon beim Lesen kaum aus. Danke für deine Geschichte, Charlotte.

"Bis zu unserer Trennung hatte ich noch nie etwas gehört von einem Wechselmodell. Meine Kinder waren noch klein, die Hintergründe der Trennung sehr unschön.
Und eines Tages fanden wir uns vor dem Familiengericht wieder, um über die Zukunft der Kinder zu entscheiden.

Ich hatte die beiden mehrere Jahre zu Hause betreut und insgesamt fünf Jahre Elternzeit genommen. Ich war mir sehr sicher, dass dem Vater regelmäßige  Besuchswochenenden eingeräumt werden würden. Dagegen sprach aus meiner Sicht auch nicht viel.

Die Realität holte mich ein, als der Richter ein Wechselmodell anordnete. Der Vater hatte das in den Raum geworfen, weil er bei dem Modell keinen Unterhalt würde zahlen müssen. Ich hatte es für eine absurde Idee von ihm gehalten. Weit gefehlt.

Die Kinder sollten nun pendeln – eine Woche bei mir und eine Woche beim Vater leben. Ich brach in Tränen aus. Das konnte doch nicht sein. Der Vater und ich sprachen kein Wort miteinander und wir konnten uns zu keinem Thema einigen. Sonst wären wir sicher auch nicht vor dem Familiengericht gelandet.

Wie sollte das werden? Die Kinder waren bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von mir getrennt gewesen. Sie waren 3 und 5 Jahre alt. Der Große ein sehr anhängliches Kind. Der Vater brachte sich bis zur Trennung wenig bis gar nicht ein.

Ich war gegen ein solches Modell, aber ich wurde ignoriert. Man drohte mir sogar, mir die Kinder ganz wegzunehmen, wenn ich nicht zustimme. Ich stimmte zwar nicht zu, aber es wurde gegen meinen Willen trotzdem beschlossen.

Der erste Abschied war hart. Morgens wachten die Kinder bei mir auf und nach der Kita würde der Vater sie abholen. Elias versteckte sich unter dem Bett und wollte nicht zum Kindergarten gehen. Lina verabschiedete sich von ihren Kuscheltieren – von jedem einzelnen. Es dauerte sehr lange. Mir brach es fast das Herz, aber ich sollte die Kinder ja motivieren.

Als sie weg waren, weinte ich erstmal. Der Vater wünschte keinen Kontakt in seiner Woche. Keinen Anruf, kein Lebenszeichen – nichts.

Er arbeitete zu dieser Zeit noch Vollzeit. Nachmittags wurden Elias und Lina nun in Kita und Hort betreut. Ich saß in dieser Zeit aufgabenlos zu Haus, da ich für die beiden nach meiner Elternzeit meine Arbeitszeit auf 20 Stunden wöchentlich reduziert hatte.

Bis 18 Uhr waren nun Erzieherinnen für meine Kinder zuständig – nicht mehr ich. Lina wünschte sich oft, dass ich heimlich zum Kindergarten kommen sollte.
Ich wechselte dann immer ein paar Worte mit ihr durch den Zaun. Einen Spaziergang machen oder ein Eis essen gehen, das ging ja leider nicht.

Briefe, die ich schrieb, kamen nie bei den beiden an.

Ich versuchte Elias über die Schule ein paar Zeilen zu senden. Aber die Lehrerin fand das komisch und stellte ihm den Brief erst gar nicht zu. Er wurde immer depressiver. An Wechseltagen klagte er über Bauschmerzen und Kopfschmerzen. Er war immer ein sensibles Kind. Nun fing er an, andere Kinder zu verletzen und auch die Schule vermeldete starke Auffälligkeiten.

Vor der Trennung fingen die Kinder an, eigene Wege zu erkunden. Der Weg zum Gemüseladen gegenüber – mal bei den Nachbarn klingeln. Elias bekam starke Ängste. Er konnte auch nicht mehr alleine schlafen, weil er dachte, ich könnte verschwinden.

Die Kinderfreunde aus der Nachbarschaft klingelten zuerst immer noch. Aber als sie merkten, dass Elias und Lina oft nicht mehr da waren, wurde das Klingeln weniger. Irgendwann hörten sie ganz auf, nach ihnen zu fragen.

Und auch wir igelten uns immer mehr ein. Dem Wiedersehen folgte schnell wieder ein Abschied. Die restliche Zeit wollten wir zusammen sein ohne dabei gestört zu werden. Die Erziehung lag dann auch brach. Wer wollte schon über Fernsehkonsum und Süßigkeiten diskutieren in der wertvollen, begrenzten Zeit?

Die Probleme insbesondere von Elias wurden immer schlimmer. Ein konsultierter Kinderpsychologe riet durch die anhaltenden Ängste zu einer stationären Einweisung
in eine Kinderpsychiatrie.

Nach einem Jahr wurde das Modell dann endlich final gekippt. Die Kinder hatten immer wieder betont, dass sie das alles nicht mehr wollen. Sie haben nun wieder ein Zuhause, bei mir und sehen ihren Vater trotzdem regelmäßig.

Die Ängste zogen sich noch jahrelang durch ihren Alltag und wurden erst durch ein spezielles Angsttraining besser. Ganz verschwunden sind sie immer noch nicht. Die beiden sind jetzt 9 und 11 Jahre alt.

Rechtlich war die Anordnung zum Wechselmodell damals bei uns nicht korrekt. Das hatte der Richter nach einem Jahr festgestellt. Er hätte es gegen den Willen eines Elternteiles gar nicht anordnen dürfen. Vor ein paar Tagen gab es aber nun ein neues Urteil zum Wechselmodell.

Der BGH (Bundesgerichtshof) hat entschieden, dass dieses nun auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden darf, wie es damals bei uns geschehen ist.

Das macht mich betroffen. Gerade in Berlin werden schon Babys ins Wechselmodell gesteckt, das musste eine Freundin von mir gerade durchmachen, die ihr Baby sogar noch stillte. Es gibt eine große Lobby für das Wechselmodell. Gerade die Väterrechtsverbände machen sich seit Jahren dafür stark. Alleine der wegfallende Unterhalt ist bei einigen sicher einer der Treiber. Es gibt natürlich auch viele Väter, denen es dabei um ihre Kinder geht, die sie lieben. Und dann spricht - wenn die Kinder keine Kleinkinder mehr sind, denn dann halte ich nichts von dem Hin und Her - auch nichts gegen das Wechselmodell. Aber eben auch nur dann nicht. Und selbst ein Residenzmodell beim Vater halte ich für okay, wenn er eben auch vor der Trennung die Hauptbezugsperson war. Darum sollte es gehen. 

Meines Erachtens funktioniert dieses Modell nur, wenn wirklich beide Elternteile einverstanden sind, wenn Mutter und Vater auch nach der Trennung noch an einem Strang ziehen, was die Kinder angeht.

Meine Freundin, die ihr Baby immer wieder zum Vater geben musste, hat es nicht mehr ausgehalten. Weil ihr Ex nicht wie sie der Meinung war, dass ein Baby einen festen Platz braucht, hat sie losgelassen. Zum Wohle ihres Kindes. Es wohnt jetzt ganz beim Vater. Wisst ihr, was zum Teik für Wechselfrequenzen für Kinder (siehe Buch zum Wechselmodell von Hildegund Sünderhauf) empfohlen werden? Ein Neugeborenes soll etwa alle zwölf Stunden zwischen Mutter und Vater wechseln. Ich frage mich, wie so etwas überhaupt umsetzbar sein soll.

Einige Mütter haben nun eine Petition gegen das „Wechselmodell unter Zwang“ gestartet, die ich persönlich nach unserer Erfahrung für sehr sinnvoll halte:

Für uns persönlich ist das Thema nun durch. Elias und Lina werden gerichtlich angeordnet wohl nicht mehr wochenweise wechseln. Ich erinnere mich trotzdem noch mit Entsetzen an diese Zeit damals. Ich würde mir wünschen, dass das anderen Eltern – und vor allem ihren Kindern – erspart bleibt."

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Zum Weiterlesen:

Die Geschichte einer Trennung: Interview mit Steffi, deren Mann keine Lust auf Familie hatte

Wie das Wechselmodell nach der Trennung gelingen kann

Jedes Leid hat seinen Sinn - von einem fatalen Familiengutachten

 

Foto: Anemone123/pixabay

Tags: Trennung, Scheidung, Ex, Partner, Familiengericht, Gericht, Kinder, Eltern, Streit, Wechselmodell

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Kommentare

Antje — Mo, 03/20/2017 - 10:07

Liebe Charlotte, wie es bei euch gelaufen ist, klingt ziemlich schrecklich und die Entscheidung des Familiengerichtes damals erscheint mir wenig überlegt und reflektiert. Meine Stiefschwester hat sich damals aus eigenem Wunsch für ein wochenweises Wechselmodell entschieden. Da war sie allerdings schon 8 Jahre alt und es hat für alle Beteiligten sehr gut funktioniert. Wichtig erscheint mir dabei, dass die Eltern bei diesem Modell an einem Strang ziehen und auch kommunizieren. Sonst kann es ja eigentlich kaum funktionieren. Man muss die Kinder ja dabei begleiten und stützen und ihnen das Vertrauen geben, dass das jeweils andere Elternteil auch in der Woche wo man bei dem anderen ist, trotzem immer erreichbar ist. Kein Wunder, dass sich da Verlustängste entwickeln, wenn der Vater absolute Kontaktsperre erteilt. Allerdings kann ich auch den Wunsch der Väter generell verstehen, dass sie ein Recht darauf haben, ihre Kinder ebenso häufig zu sehen, wie die Mütter. In meinem weiteren Bekanntenkreis sind einige Fälle, wo ich das Gefühl habe, dass die Mütter einfach nicht bereit sind, 50% der Zeit mit dem Kind an den Vater abzugeben - eben weil sie es selbst nicht wollen und nicht weil objetive Gründe dagegen sprechen. Das ist aus Vatersicht, dann natürlich auch nicht fair. Hier Bedarf es meiner Meinung nach der genauen und bedachten Prüfung des Einzelfalles - für die an deutschen Gerichten wahrscheinlich leider oft Zeit und Personal fehlt. :( Wie du schon geschrieben hast, letztlich geht es um das Wohl der Kinder. Alles Gute für euch weiterhin!

Land-Mama Lisa — Mo, 03/20/2017 - 10:40

Danke für diesen tollen und ausgewogenen Kommentar!

Charlotte — Mo, 03/20/2017 - 10:58

Ich möchte noch kurz hier antworten. Du hast Recht. Es kann auch funktionieren. Ein wichtiges Indiz wäre dafür auch die Betreuungssituation VOR der Trennung, als das Paar sich freiwillig auf das Arrangement geeinigt hat. Hier spielten unterhaltsrechtliche Aspekte noch keine Rolle. Und: wir erleben hier in Berlin auch oft Wechselmodelle bei denen die Eltern sich einig sind und die Kinder aus Loyalität wechseln, obwohl sie das nicht möchten. Unser Nachbarsmädchen (heute 16) sagte mir mit 14, dass sie den monatlichen Wechsel schlimm findet, aber sie keinem der beiden Eltern vor den Kopf stoßen möchte. So steckt sie zurück und pendelt still vor sich hin. Danke für die guten Wünsche und Euch auch alles Liebe.

go3113 — Do, 03/23/2017 - 12:39

Ja, aber... das ist es was Charlotte auch hier wieder vermitteln will.

Sabine — Mo, 03/20/2017 - 11:10

Wir leider auch erlebt. Oft geht es bei diesen Entscheidungen eben nicht um das Wohl der Kinder sondern um eine politisch korrekte und zeitgemäße Entscheidung. Trotz zweier psychologischer Gutachten wurde ein wechselmodell angeordnet von dem beide Gutachten dringend abrieten. Nichtmal der Vater wollte das da auch er sah das es für unsere Tochter nicht gut gewesen wäre. Wir haben das dann unter uns geklärt und einen Weg für unser Kind gefunden. Das war nicht leicht aber es hat sich gelohnt. Diese Urteile sind einfach traurig weil die Kinder gar nicht gesehen werden und oft sehr leiden.

Manuela — Mo, 03/20/2017 - 12:21

Eigentlich sollten alle Eltern, die sich trennen, eine fähige Mediation an die Seite gestellt bekommen (falls nötig), damit die Kommunikation wieder funktioniert. Denn kommunizieren miss man – denn man ist durch die Elternschaft dauerhaft verbunden. Wenn ich es aber nicht selbst erlebt hätte, würde ich nicht glauben, wie viel Abneigung man einem Menschen gegenüber haben kann, den man einmal liebte. Solche aufgezwungenen Urteile wie im geschilderten Beispiel sind schlimm, und es sollte sie nicht geben. Durch eine frühzeitige Mediation oder Beratung könnte verhindert werden, dass solche Fälle überhaupt vor Gericht landen. Denn was für das Kind am besten ist, wissen die Eltern genauer als ein Fremder von einem Amt oder Gericht.

Katharina — Mo, 03/20/2017 - 12:30

Meine Schwester und ich mussten nach der Trennung unserer Eltern auch zuerst wöchentlich, dann zweiwöchentlich dann dreiwöchentlich wechseln. Da war ich sechs Jahre alt, meine Schwester 8. Zwischen zwei verschiedenen Städten. Mein Vater hat schon immer nur gearbeitet und in seiner Stadt hatte ich keine Freunde und tagsüber war nur die Stiefmutter da welche sich nicht gekümmert hat. Super! Mal ganz abgesehen von dem ganzen Streit unserer Eltern, die uns immer wieder auf ihre jeweilige Seite ziehen wollten. Jahrelang Haben wir aus anderthalb Kisten gelebt die wir zum 'umziehen' hatten. Von einem zuhause in welchem ich mich wohl und geborgen fühle kann ich erst sprechen seit ich bei meinem jetzigen Mann eingezogen bin ( mit 23 Jahren ). Wir durften von unserem Vater aus erst ganz zu unserer Mutter ziehen als meine Schwester 13 war und ich 11 und nach ständigem äußern unseres wunsches. Also ich halte nichts von diesem wechselmodell! Außer es geschieht unter Einverständnis von allen und es ist offensichtlich das es dem Kind gut geht dabei. Und schon gar nicht mit so kleinen Kindern, die können das doch noch gar nicht verstehen, geschweige denn mit still- Kindern in so jungem Alter! Das macht mich sehr traurig.

Charlotte — Mi, 03/22/2017 - 09:50

Liebe Katharina, danke für Deinen Beitrag. Ich finde Deine Sichtweise sehr spannend, da damals das Wechselmodell ja noch eher exotisch war. Vielleicht hast Du ja Lust einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Wenn Du Interesse an einem Austauscht hast, kannst Du meine Kontakt über Land-Mama Lisa bekommen. Liebe Grüße Charlotte

Mimi — Mo, 03/20/2017 - 16:24

Ich finde es unglaublich traurig, was hier passiert ist. Letztlich funktioniert allerdings kein Modell, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, sich weiterhin als Erziehungspartner zu verstehen, auch wenn sie kein Liebespaar mehr sind. Die Konsequenz sollte allerdings nicht sein, dass einer komplett aussen vor ist (meist ja der Vater), sondern dass es die Möglichkeit kostenfreier Meditation und psychologischer Betreuung bereits in der Trennungszeit gibt. Wir sollten uns vor Augen halten, dass es um KinderSeelen geht.

Nina — Mo, 03/20/2017 - 16:59

Ich denke, die wesentlichen Faktoren für ein gelingendes Wechselmodell sind in diesem Text genannt worden. 1. muss darauf geachtet werden, wer bisher die Bezugsperson der Kinder war. Waren dies beide Eltern zu gleichen Teilen, dann ist das Wechselmodell eine sehr gute Möglichkeit. Gab es aber deutliche Verschiebungen nach Intensität der Betreuung zugunsten einer Person, dann müssen Eltern hier ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten der Kinder zurückstellen. Die Entlastung vom Unterhalt oder aber auch der Anspruch auf Unterhalt darf hier nicht handlungsleitend sein. 2. Ein Wechselmodell funktioniert nur, wenn die Eltern in der Lage sind, direkt und durchaus freundschaftlich miteinander zu kommunizieren. Der Austausch von Alltagsdingen und Problemen ist für das Wechselmodell unverzichtbar. Beide Eltern übernehmen Verantwortung und müssen auch die Möglichkeit haben dies zu tun. Dies erfordert jedoch, dass die Probleme, die zur Trennung geführt haben entweder offen thematisiert und aufgearbeitet oder komplett ausgeblendet werden müssen, damit nur die Bedürfnisse der Kinder im Mittelpunkt stehen. 3. Das neue Gesetz zum Wechselmodell erfordert vor allem eine ergänzende Expertise bei Familiengerichten. Anwälte und Richter sind qua Ausbildung nicht in der Lage, Entscheidungen über die psychischen Belange von Kindern und Eltern zu treffen. Wird das Wechselmodell angestrebt von einem Elternteil entgegen dem Einverständnis des anderen, dann muss eine Familienberatungsstelle aus meiner Sicht zwingend eingeschaltet werden. Nur auf diese Weise können die Sichtweisen der Eltern mit dem Willen der Kinder objektiv abgeglichen werden. Letztes Plädoyer: Kinder brauchen in der Regel das Gefühl, Mutter und Vater ohne Probleme erreichen zu können. Es liegt an den Eltern dies sicherzustellen. Dafür muss Kommunikation von beiden Seiten möglich sein!

Mary — Mo, 03/20/2017 - 19:13

Bei uns ist es so, dass ich seit 3 Jahren Vollzeit arbeite da mein Mann noch studiert. Daher übernimmt er auch einen Großteil der Fürsorge für die Kinder. Ich würde sehr gerne weniger arbeiten und mehr Zeit mit den Kindern verbringen, aber leider konnte ich den Job nur in Vollzeit oder gar nicht übernehmen. Wenn ich und mein Mann uns trennen sollten, wäre es wirklich sehr schlimm für mich, wenn er das alleinige Sorgerecht erhalten sollte, da ich mir unsere Situation so nicht ausgesucht habe. Nur mal so aus der Sicht des Hauptverdieners. Aber ich weiß natürlich, dass es einige Elternteile gibt, die viel arbeiten und kein Interesse an Kindererziehung haben!

Mimi — Mo, 03/20/2017 - 20:46

So ist es. Entscheidet sich eine Familie vor einer Trennung für eine bestimmte Aufteilung, heisst das ja lange nicht, dass die nach einer Aufteilung genau so bleibt (und bleiben kann). Der Klassiker: Sie Teilzeit oder Hausfrau, er Hauptverdiener. Nach der Trennung muss sie aber vielleicht auch (mehr) arbeiten. Nicht falsch verstehen: von einem richterlich angeordneten Wochenwechsel-Modell halte ich nix. Von der Methode "was vorher war, zählt" aber genau so wenig. Manchmal können Trennungen auch Chance sein, etwas neu aufzuteilen/zu ordnen. Was ich leider wirklich nicht nachvollziehen kann, wie sich Menschen, die sich einmal so geliebt haben, dass sie ein Kind miteinander wollten, am Ende auf dem Rücken von Kindern bekriegen. Ich finde, eigentlich sollte es gar nicht dazu kommen, dass ein Richter einer Familie ein Lebensmodell anordnen muss.

Naumann — Do, 03/23/2017 - 18:57

So wie du es sagt, stimme ich zu.... es gibt kein MUSS zum WM... daher sollte sich für jeden eine Lösung finden lassen... LG Katrin

MutterCourage — Di, 03/21/2017 - 09:54

Es ist seltsam, dass Väter mit dem Wechselmodell oder hochfrequenten Umgang zum Schaden der Kinder, fast möchte ich schon sagen ausgezeichnet werden und die tatsächliche Bindung und Verlässlichkeit außer Acht gelassen wird. Ich habe langsam den Eindruck, dass Tierhalter vernünftiger beurteilt werden als Väter. Neuester Fall ist die Messiwohnung mit dem unter Drogen stehenden alleinerziehenden Vater in Bayern. Was ich selbst erlebt habe ist, dass auch Therapien und Operationen vom Vater blockiert werden können und anstatt,. dass dem Vater damit Unbill droht, bemühen sich alle gerichtlich bestellten Verfahrensbeteiligten Vater um diesen anstatt, dass sie das Kindeswohl im Blick haben.

Naumann — Do, 03/23/2017 - 18:55

Schön, wie du alle über einen Kamm scherst. Hört sich erwachsen an ;-) sarkassmus off

strankinja — Di, 03/21/2017 - 11:16

Ich war als Scheidungskind bei Einführung des Wechselmodells völlig dagegen, habe aber in meinem Bekanntenkreis einige Eltern kennen gelernt, bei denen das gut geklappt hat. Ich finde es aber sehr anspruchsvoll und es klappt nur, weil die Eltern nahe beieinander wohnen und dort auch gute und flexible Arbeit haben. Diese jetzige Tendenz eines Wechselmodells gegen den Willen eines Elternteils finde ich wirklich nicht gut. Das Wechselmodell ist sehr anspruchsvoll für alle Beteiligten und verlangt viel Kommunikation. Und meines Erachtens gibt es so einige Väter - Stichwort Väterlobby -, die über das Wechselmodell die Möglichkeit suchen, weiter Einfluss auf Ihre Exfrau und ihr Leben auszuüben. Andererseits halte ich aber auch nichts von Frauen, die sich in der Rundumbetreuung der Kinder vollkommen eingerichtet haben. Natürlich ist es eine Umstellung für die Kinder, wenn sie dann nachmittags auch in den Hort oder Kindergarten gehen. Ich fand das als Kind aber nicht schlimm und mein Kind, das von Anfang an in Kita und Hort betreut wurde, weil ich Vollzeit gearbeitet habe, hatte auch gar keine Probleme damit. Aber Kinder sind unterschiedlich, und da muss genau geguckt werden, was für das Kind gut ist. Was ich daran nicht verstehe: es gibt das Recht der Eltern (Väter) auf Umgang mit dem Kind, aber wenn die Väter sich entziehen, gibt es kein Recht der Kinder auf Umgang mit dem Vater. Meiner Ansicht nach ist das Ausdruck einer bodenlosen Doppelmoral (auch wenn ich nicht wüsste, wie man das Recht in praxi umsetzen könnte).

Christoph — Di, 03/21/2017 - 16:45

Über das Wechselmodell kann man geteilter Meinung sein. Es gibt Fälle, da passt es, und wieder andere, da passt es gar nicht. Was mich aber wirklich nervt, ist dass einige es einfach nicht lassen können, den Vätern, die ein Wechselmodell wollen, niedere Motive zu unterstellen, wie z.B. dass sie ja nur Unterhalt sparen wollen. So etwas ist einfach nur billig und im Falle von fürsorglichen Vätern menschenverachtend - stellt Euch vor, Euch würden Eure Kinder weggenommen, und dann hiesse es, ihr wolltet sie ja nur sehen um Geld zu sparen. Ausserdem könnte man (was ich nicht tue, weil es mir eben zu billig ist), auch immer die Behauptung umkehren und sagen: den Mütter, die gegen das Wechselmodell Sturm laufen, geht es ja nicht ums Kindeswohl, sie wollen nur möglichst viel Unterhalt bekommen. Und auch die "bösen" Väterrechtler muss ich in Schutz nehmen. Selbst radikale Väterrechtsorganisationen - von denen ich mich ausdrücklich distanziere - fordern entgegen der landläufigen Meinung nämlich kein Wechselmodell für alle Fälle, insbesondere dann nicht wenn die Wohnorte weiter auseinanderliegen, oder sonst wichtige Gründe dagegen sprechen. Fakt ist aber schon, dass - entgegen dem, was man in Mütterblogs teilweise so liest - bisher in Deutschland gegen den Willen eines Elternteils verordnete Wechselmodelle die ganz grosse Ausnahme waren, und in den allermeisten Fällen ein faktisches Vetorecht der Mutter (oder in sehr sehr seltenen Fällen des Vaters) bestand. Primär daran wollen die Väterrechtsverbände etwas ändern, sie wollen nicht Wechselmodelle erzwingen in Fällen, für die ein Wechselmodell offensichtlich ungeeignet wäre.

Lea — Di, 03/21/2017 - 17:20

Ja wie die Dame schon schreibt - das wechselmodell funktionierte nicht weil sie es nicht wollte. Statt die Kinder positiv drauf einzustimmen hat sie mächtig Stimmung dagegen gemacht - das kann man aus den Zeilen gut herauslesen... Mangelnde Bindungstoleranz nennt man das - das geht bis zur Kindesentfremdung... Strafbar ist das allerdings nicht - Die TäterInnen werden von Familiengerichten meist mit dem alleinigen Aufenthaltsbestimmungsrecht belohnt... Statt solche narzisstischen Kindeswohlgefährder in den Knast oder in die Klapse zu stecken wo sie hingehören.

MaMo — Di, 03/21/2017 - 19:41

Zunächst ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass bei einem Wechselmodell der Unterhalt generell wegfiele. Es werden eben nur BEIDE Elternteile - je nach Einkommen - barunterhaltspflichtig! Zudem wird hier mal wieder das "Schreckgespenst" des neuen BGH-Urteils beschworen, ohne jedoch auf den konkreten Urteilstext zu verlinken, sondern auf die eher tendenziöse Kolumne einer Autorin der Frankfurter Rundschau. Man mag vom Wechselmodell halten, was man will - vermutlich ist es nur in einigen wenigen Konstellationen auch tatsächlich geeignet, und ganz sicher nicht, wenn die Kindeseltern deswegen bereits vor dem Kadi stehen. Nebenbei bemerkt müssten bei einem auf gegenseitigem Vertrauen basierenden Wechselmodell auch nicht ständig Briefe an die Kinder geschrieben oder ihnen heimliche Worte durch den Zaun gewispert werden. Ein regelmäßiger Austausch zwischen den Kindeseltern (z.B. auch in einer der vielen, gerade in Berlin zur Verfügung stehenden Erziehungs- und Familienberatungsstellen) wäre hierfür völlig ausreichend - vorausgesetzt ALLE Beteiligten wollen das Wechselmodell auch tatsächlich!

Antonio Freire — Mi, 03/22/2017 - 13:03

Hier wird von den Übermamas doch tatsächlich jedes noch so dumme Vorurteil gegenüber Vätern ausgepackt das sich diese besondere Spezie Mensch nur so ausdenken kann. Hoffe eure Kinder werden irgendwann mal merken was für grausame Mütter sie haben. Und ich bin einfach nur dankbar dass meine Ex nicht zu eurer Sorte gehört und wir seit neun Jahren erfolgreich unseren im Wechselmodell gemeinsam erziehen. Schämt euch!!!

strankinja — Do, 03/23/2017 - 06:36

Huh, jetzt ist die Väterlobby aufmerksam geworden.... Ein guter Rat von meiner Seite: Statt sinnfrei hunderte Kommentare im Internet zu hinterlassen, könntet ihr euch viel besser um eure Kinder und um eine Verbesserung der Beziehung zu euren (Ex-)Frauen kümmern. ;-)

Naumann — Do, 03/23/2017 - 17:54

Huh, bist du immer so von oben herab ;-) Unterstellst den Vätern sogar bevor sie was schreiben, die Kommentare sein sinnlos.... man könnte fast den Eindruck gewinnen, du gehörst zu denen, die alles ablehnen, was von den Vätern kommt. Sehr Vorbildlich, muss man sagen.... Meinst du im Ernst, daß einer der Väter, was für das Scheitern deiner Beziehung kann? Und wenn die EX desjenigen, die ja nach deiner Meinung, so lese ich es hier raus, perfekt ist ;-), sogar noch eine Rabenmutter ist und die Kinder tatsächlich verwahrlosen läßt (solls auch geben), würdest du sie bis aufs Messer verteitigen? Ich kann dir nur einen persönlichen Rat geben, respektiere die Meinungsfreiheit und versuche, wenn es geht sogar mal darüber nachzudenken.... LG Katrin

Go3113 — Do, 03/23/2017 - 12:34

So eine einseitige Sichtweise auf das Thema Wechselmodell habe ich lange nicht gelesen: "Hintergründe der Trennung sehr unschön." Papa schuld. "Vater hatte das in den Raum geworfen, weil er bei dem Modell keinen Unterhalt würde zahlen müssen." Genau, das MUSS der Grund gewesen sein. "Der Vater brachte sich bis zur Trennung wenig bis gar nicht ein." Ja genau, Frau hat 5 Jahre Elternzeit genommen und Vater völlig freiwillig 40 Stunden die Woche gearbeitet. Abend war er immer müde und hat die Füße auf den Tisch gelegt. Eine Glucke war sie nicht... "Ich saß in dieser Zeit aufgabenlos zu Haus" Vielleicht ne Beschäftigung suchen. Der Grund für die Teilzeitarbeit war ja weggefallen. Stattdessen: "Ich wechselte dann immer ein paar Worte mit ihr durch den Zaun." "Briefe, die ich schrieb..." Wegen einem Wechselintervall von 7 Tagen... "depressiver" "andere Kinder zu verletzen" "Einweisung in eine Kinderpsychiatrie. " "Die Erziehung lag dann auch brach. Wer wollte schon über Fernsehkonsum und Süßigkeiten diskutieren in der wertvollen, begrenzten Zeit? " Da hat Mutti ja alles richtig gemacht. Wie bekommen es nur die anderen Menschen hin das das Wechselmodell funktioniert. Ob Mutti unterbewusst gegen das Modell arbeitet? Einen parteiischeren Artikel habe ich lange nicht gelesen! Billigste Propaganda.

Naumann — Do, 03/23/2017 - 17:47

Ich kann diesem Gastbeitrag nicht glauben. Vielmehr erzeugt er bei mir den Eindruck der Verzerrung der Tatsachen. Warum? Im Beitrag steht: "Der Vater hatte das in den Raum geworfen, weil er bei dem Modell keinen Unterhalt würde zahlen müssen." Egal wie, aber das ist niemals so gewesen. Kein Richter würde aufgrund dieser Argumentation das Wechselmodel anordnen. Über den Rest des Beitrages bräuchten wir daher eigentlich garnicht zu reden.... Ich möchte dennoch etwas dazu erläutern: Auffällig ist auch hier wieder wer der Böse ist. Wenn Erwachsene immer nur die Fehler beim anderen suchen, ist es für mich bereits ein Zeichen fehlenden Miteinanders. Selbstreflektion hat in diesem Beitrag keinen Platz gefunden. Für mich nicht glaubwürdig. Über die Argumente des WM unter Zwang kann man streiten. Auch hier ist wiederum besonders die Darstellung zu beachten. Das BGH Urteil ist genau formuliert: "Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr das im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl." (auch wenn es zu Fehlern bei der Rechtssprechung kommt, so wie im Gastbeitrag angegeben) ist doch grundsätzlich geregelt, das eine Einzelfallprüfung Vorraussetzung für das WM ist. Welcher Richter wird also in Zukunft einfach mal so das Wechselmodel anordnen? Und ganz zuletzt wird auch wie gewohnt die Tränendrüse aktiviert. Mama muss zur Schule kommen... und durch den Zaun mit dem Kind reden. Die Mutter hatte doch kein Umgangsverbot. Und kann man sich mit dem Vater nicht zusammensetzen und vernünftig darüber reden, was ist, wenn das Kind den Wunsch verspürt, zum anderen Elternteil zu gehen? Dann macht man eben einen Tausch... die meisten von uns Arbeiten ja nicht bis spät in die Nacht hinein.... Manipulierend das ganze, sorry und ist mir zuviel auf die Tränendrüse gedrückt.... LG Katrin

Sokrates77 — Fr, 03/24/2017 - 17:39

Es ist immer wieder erstaunlich der Vorwurf "die Väter wollten das Wechselmodell nur wegen dem Unterhalt haben" während sich die Alleinerziehende sonst als diejenigen Beschreiben mit einer 120 Stunden Woche ohne angemessene finanzielle Entschädigung darstellen. Was ist denn nun aus sich der Alleinerziehenden die größere Bürde? Unterhalt zahlen oder das eigene Kind, oder Kinder, betreuen und dafür eine Grundsicherung erhalten in Form von Unterhalt, Kindergeld Steuervorteile aber Einkommenseinbusen hinnehmen?

Andreas — Fr, 03/24/2017 - 19:11

Immerhin ist das wechselmodell durch das Urteil wieder im Bereich der Möglichkeit für die Gegenseite. Einen Fall hier sehr einseitig zu schildern kann ja nun nicht die Grundlage sein grundsätzlich gegen das wechselmodell zu sein. Jedem der dagegen ist wünsche ich mal einen Sonntagabend am Bett der eigenen Kinder mit der Frage in den Ohren: Papa, warum sind wir nicht öfter bei dir? Das Argument mit dem Unterhalt kann man übrigens auch immer der anderen Seite unterstellen. Eine Aufteilung der Unterhaltsverpflichtung nach Zeit würde zumindest diesen Streitpunkt ausräumen. Auch ich als Wochenendpapa wider Willen habe ein Kinderzimmer und wasche Wäsche. Und ich würde gerne noch mehr für meine Kinder tun.

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