Elternfragen

04/12/2018 - 20:00

Stadt-Mama Katharina

Leserfrage: Wer hat Erfahrung mit Schulangst?

Mein Name ist Julia, ich bin Lehrerin und ich suche Familien, die sich mit Schulangst auskennen. Ich weiß nämlich nicht mehr weiter. Es geht um einen Schüler, der jetzt in der 5. Klasse einer Realschule ist. Er hatte zu Beginn etwas Startschwierigkeiten, weil er sich mit Neuem grundsätzlich nicht sehr gerne anfreundet.

Nach der 2. Schulwoche war aber alles gut. Er ist ein schüchterner, aber sehr netter Junge, er ist in einer sozial unproblematischen Klasse, er hat alte Freunde und neue Freunde und keine Probleme mit schlechten Noten.

Am Tag nach den Herbstferien fing es aber dann an. Er hat im Unterreicht wieder geweint, ihm war schlecht, er musste abgeholt werden. Erst ab und zu, dann täglich. Die Mutter hat ihn manchmal abgeholt, manchmal nur beruhigt und in den Unterricht geschickt.

Die Mutter erzählte, dass dann die Nächte schwierig wurden und dass er schon morgens weinte. Die Eltern haben ihn jeden Tag in die Schule gebracht. Unter Tränen und mit viel gutem Zureden. Während des Unterrichts war es dann meist gut, aber jede Pause stand er im Sekretariat, schniefend und schluchzend und wollte nach Hause.

Das Elternhaus ist stabil, er bekommt zu Hause sehr viel Rückhalt, ist behütet, sozial eingebunden. Der Junge ist ein Naturliebhaber, ein richtiges Dorfkind. Ich stehe mit den Eltern in Kontakt, sie nehmen das Angebot der Vertrauenslehrkraft wahr und haben einen Termin in der schulpsychologischen Beratungsstelle. 

Mich würde einfach interessieren, was anderen betroffenen Familien geholfen hat. Mir ist klar, dass es sich immer um sehr individuelle Fälle handelt, aber ich bin als Lehrerin hier mit meinem Latein am Ende und die Familie leidet stark unter der Situation.

Ich habe natürlich auch mit meinen Schülern gesprochen und kann Mobbing als Ursache für die Schulangst des Jungen ausschließen.

Foto: Pixabay

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Kommentare

Nicole — Mi, 12/05/2018 - 08:01

Hallo, Meine Tochter leidet auch an Schulangst, stationäre Behandlung wäre nicht in meinem Sinne. Getrennt von mir, möchte sie auch nicht aber ich Weiss mir auch so keinen Rat mehr. Die Schule arbeitet nicht mit. Meine Tochter geht nur wenn ihre Freundin auf sie wartet damit sie in die Klasse geht.

Susanne Rüster — Mi, 12/05/2018 - 08:42

Mein Sohn fährt mit dem Fahrrad zur Schule. Allerdings muß ich an der Schule auf ihn warten und ihn in die Schule begleiten. Er betritt das Klassenzimmer erst, wenn er persönlich angesprochen wird. Leider machen das nur sehr wenige Lehrer. Mein Sohn ist Kanner-Autist.

Janine — Mi, 12/05/2018 - 08:35

Liebe Julia, Zu mir kommen viele Kinder mit Ängsten - auch Schul-/Prüfungsangst. Es gibt energetische Behandlungsmethoden (Access Bars) die auch Ängste lösen. Dabei handelt es sich um 32 Energiepunkte am Kopf, die durch sanfte Berührung *laufen*. Es ist wie eine Reset Taste. Der Kopf wird leer, entspannt. Ängste, Dramen lösen sich - auch Lernblockaden. Besonders Kinder lassen sich sehr gut darauf ein. Eine Sitzung bringt schon viel Linderung. Liebe Grüße Janine

Susanne Rüster — Mi, 12/05/2018 - 08:39

Hallo Julia, ich bin Mutter eines fast 16 jährigen Autisten und kenne das Problem nur zu gut. Wir haben für unseren Sohn verkürzte Schulzeit bekommen, Schulbegleiter und auch Belohnungssysteme haben gut geholfen. Ab einem gewissen Alter wurde dann aus dem Belohnungssystem ein Bestrafungssystem und seither verweigert mein Sohn wieder an vielen Tagen die Schule.

Daniela Simon — Mi, 12/05/2018 - 10:21

Hallo, mein Sohn ist 11 und mitlerweilein der 6.Klasse. Die Schulangst fing bei ihm in der 3klasse an. Ich hab ihn fast täglich kurz vor 8 Uhr weinend beim Klassenlehrer abgegeben. Oft mußte ich ihn mittags wieder abholen. Ich hatte viele Lehrergespräche,es hieß nur er solle mehr lernen um selbstsicherer zu werden. Aber mein Sohn war nachmittags so fertig das nix mehr ging. Ich hab mit dem Lehrer vereinbart nur noch soviel zu machen wie er konnte. Wir haben sämtlichen Druck von ihm genommen, soweit wie es ging. Es wurde etwas besser. Die Noten waren im dreier Bereich, also gut. Mit der 5 klasse Hauptschule wurde es etwas besser .Er hat eine tolle verständnisvolle Lehrerin. Leider fing es in der 6.Klasse wieder an. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Unwohlsein. Ich muss ihn ständig vormittags von der Schule abholen. Morgens ist es wieder schlimm. Ich hab körperlich alles abklären lassen. Und wieder viele Gespräche mit der Schule geführt. Seid ein paar Tagen weiß ich das er hochsensibel ist. Ich hab mit ihm darüber gesprochen und bin gerade mit der Lehrerin in Kontakt. Aber es passt alles zusammen. Wenn ich mir seine 11 Lebens Jahre anschau und alles zurück verfolge.Es passt. Jetzt können wir damit umgehen lernen. Ich hoffe alles wird gut. LG Daniela Simon

Franziska Klinkigt — Do, 12/06/2018 - 00:13

Liebe Daniela, es ist schon komisch, dass in einer Welt wie unserer gerade, die gefühlt immer brutaler - vor allem, was subtile Gewalt angeht - und abgestumpfter wird, die Bezeichnung "hochsensibel" immer häufger wird. Vielleicht für Menschen, die vollkommen gesund und eigentlich genau richtig sind: empfindsam. Empfindsam für die subtile Gewalt, die Abgestumpftheit... "Hochsensibilität" klingt wieder nach etwas, womit man einzelnen Menschen ein Problem zuschieben kann, um nicht auf das Grundproblem, das große Ganze gucken zu müssen (ähnlich wie mit einem kleinen Jungen zu schimpfen, der seinen Teller nicht leer isst, und von Lebensmittelverschwendung zu reden... statt zu schauen, wer die eigentlichen Verschwender sind...). Versteh dies bitte nicht als Kritik an Dir/Euch/Deinem Beitrag - dies ist es auf keinen Fall! Ich selbst bekäme heute sicher auch das Etikett hochsensibel, wenn ich heute zur Schule gehen müsste, die vor 25 Jahren noch nicht so war... damals gab es auch kein ADHS... Ich wünsche Euch, dass es Euch gelingt, dass Euer Sohn nicht den Glauben daran verliert (oder ihn wiederfindet, falls er ihn verloren hat), dass er genau so, wie er ist, richtig ist!!! Alles Gute!

Ruth — Mi, 12/05/2018 - 23:13

Es ist ganz wichtig, zwischen Schulangst und Trennungsangst zu unterscheiden. Ist es tatsächlich Angst vor der Schule, den Lehrern, den Anforderungen, den Mitschülern....? Oder ist es die Angst "alleine" zu sein, sich von der engsten Bezugsperson trennen zu müssen, keine Sicherheit zu haben? Wenn man das heraus gefunden hat, ist man schon einen großen Schritt weiter. Und ganz wichtig finde ich, das ganze gut diagnostisch abklären zu lassen, sowohl im emotionalen als auch im Begabungsbereich, am besten in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis. In einer guten Praxis wird dann rundum geschaut und mit der Familie zusammen geguckt, wie eine gute Unterstützung aussehen kann. Und ob man eher eine Schulangst behandeln muss oder die ganze Familie therapeutisch begleiten und unterstützen sollte. Ganz viel Glück dabei und viel Kraft für diese anstrengende Zeit!

Franziska Klinkigt — Do, 12/06/2018 - 00:02

Hallo Julia, ich bin Psychologin und habe viel mit jungen Menschen zu tun, die mit/in der Schule nicht glücklich sind. Was ich schon einige Male mitbekommen habe, ist, dass es Dinge gibt, die sie empfinden und wahrnehmen, die sie ganz schlecht oder gar nicht in Worte fassen können. Dies können unbewusste Dinge sein oder bewusste, über die sie jedoch aus Angst oder Unsicherheit nicht zu sprechen wagen. Was ich auch häufig beobachte ist, dass körperliche Symptome dort "sprechen", wo sie selbst nicht sprechen können. Oft geht es dabei um das Ausdrücken der eigenen Grenze, also eines "Neins". Wenn dies nicht ausgedrückt werden darf, dann tun es die Symptome (z.B. Bauchschmerzen). Was ich also dem Jungen sagen würde, wäre: "Auch wenn Du selbst noch nicht weißt, was Deine Tränen oder Dein Unwohlsein Dir genau sagen wollen, so sind sie wichtig und gut und ernstzunehmen. Sie sagen Dir etwas, und was das ist, wirst Du irgendwie herausfinden. Die Antwort ist irgendwo in Dir." Es kann durchaus sein, dass es hier gar nicht um Angst geht. Es kann sein, dass es mit den eigenen Bedürfnissen zu tun hat, die er als nicht erfüllt erlebt (bei dem Stichwort Naturliebhaber/Dorfkind musste ich an HEIDI denken...). Die Frage ist allerdings: Darf er diese Bedürfnisse haben? Darf er sie äußern? Was geschieht dann? Wird er ernst genommen? Darf er sich selbst ernst nehmen? Ich sehe leider ein Grundproblem, das wir als strukturelle Gewalt bezeichnen müssen, von der junge Menschen wie er, betroffen sind. Und er ist einer der besonders Gesunden, die das anzeigen... und leider werden diese besonders Gesunden allzu oft pathologisiert. Falls Du magst oder die Familie, könnt ihr euch gern an mich wenden. Alles Gute! Franziska

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