Gastbeiträge

08/02/2019 - 07:00

Land-Mama Lisa

Gastbeitrag von Svenja: Mein Sohn ist unbeschulbar - und keiner hilft mir

Ich habe einen 14jährigen Sohn. Im April wird er 15. Er geht nicht zur Schule und ich habe keine Lust mehr. Unsere ganze Geschichte würde vermutlich sogar in komprimierter Version mehrere Seiten füllen.

Wir haben inzwischen so viele Therapeuten, Psychologen und Psychiater durch und die aktuellen Diagnosen (denn in der Vergangenheit haben sie sich mehrfach geändert) lauten Asperger-Autismus, schweres ADHS, eine Impulskontrollstörung, Tourette-Syndrom und Stottern.

Er fällt durch dissoziales Verhalten auf, wird bei kleinster Belastung hoch aggressiv. Seit Jahren kämpfen wir mit und für ihn und ich habe keine Lust mehr.

Im Kindergarten fiel er bereits auf, wurde nach zwei Jahren von heute auf morgen nach vielen Schwierigkeiten fristlos gekündigt. Das letzte Kindergartenjahr verbrachte er in einem anderen Kindergarten.

Die Grundschule war fantastisch. Es war eine private Schule mit christlichem Hintergrund, die ihn nahm, wie er war, obwohl andere Eltern ihre Kinder von der Schule abmeldeten, nachdem sie gehört hatten, dass unser Sohn dort aufgenommen wurde.

Es war wirklich nicht leicht, aber er lernte lesen und schreiben und zumindest ein bisschen von dem, was man als Basis so braucht. Ein hoher IQ wurde mehrfach durch Tests bestätigt.

Nach der Grundschule wechselte er nach einer Überprüfung auf sonderpädagogischen Förderbedarf auf eine besondere Schule für Kinder mit sozialen und emotionalen Entwicklungsstörungen. Das erste Jahr bekamen wir gerade noch so herum. Ab dem zweiten Jahr dort, also in der 6. Klasse und erfolgtem Lehrerwechsel, ging es steil bergab. Er wurde mehrfach und lange suspendiert (aus nachvollziehbaren Gründen), niemand wusste eine Lösung. Kontakte zu Therapeuten, Ärzten und Jugendamt bestanden die ganze Zeit.

Schließlich eskalierte die Situation derart, dass er nach einem heftigen aggressiven Ausbruch erneut suspendiert wurde, ohne Aussicht auf eine erneute Beschulung an dieser besonderen Schule. Von September bis Anfang Mai des folgenden Jahres war er ausschließlich zu Hause. Da das Jugendamt eine Unterbringung in einer Jugendhilfeeinrichtung anstrebte, sah man sich nicht genötigt, etwas an der Schulsituation zu ändern. Egal, was wir taten, es hieß immer nur, er würde dann später von der Einrichtung beschult werden.

Dies passierte, wie gesagt, ab dem erwähnten Mai und dauerte bis Mitte Juli, in einem Umfang von ein bis zwei Stunden am Tag. Mitte Juli scheiterte die Jugendhilfemaßnahme und unser Sohn kehrte zu uns zurück. Sofort schrieb ich Briefe, rief meinen Mann in der Landesschulbehörde an; niemand fühlte sich zuständig, nichts passierte. Wochenlang. Erst nach den Herbstferien erhielt er eine Einzelbeschulung, da klar war, dass er in keiner Schulform beschulbar sein würde.

Diese Einzelbeschulung muss durch die vor Ort zuständige Schule sichergestellt werden. Aber auch unsere Schule hier ist vom Lehrermangel betroffen, jemanden nur für einen Schüler abzukommandieren, stellt auch sie vor ein großes Problem. Am Ende bedeutete diese Einzelbeschulung eine Unterrichtszeit von vier Schulstunden.

In der Woche!

Die Einzelbeschulung lief gut, unser Sohn ging gerne hin und machte zum ersten Mal in seiner Schullaufbahn sogar seine (für ihn reduzierten) Hausaufgaben. Es lief so gut, dass die Schule nach kurzer Zeit glaubte, eigentlich gebe es keine wirklichen Probleme und man könne ihn in eine Regelklasse integrieren, erst nur stundenweise, dann aber dauerhaft.

Wir äußerten unsere Zweifel und Bedenken, wollten diesem Versuch aber nicht im Wege stehen. Wer wusste es schon, vielleicht würde ein Wunder passieren?

Ist es aber natürlich nicht. Dass er keine Gruppen aushalten kann und alles über zwei bis drei Gleichaltrige für ihn nicht aushaltbar zu viel ist, wussten wir zu diesem Zeitpunkt schon lange, aber wie in der Vergangenheit so oft, glaubte man uns Eltern nicht.

Es kam, wie es kommen musste: innerhalb der Klasse wurde er in kürzester Zeit wieder so aggressiv gegen Mitschüler und Lehrer, dass die Schule sich nicht in der Lage sah, in weiter zu beschulen.

Erneut folgten Wochen zu Hause. Während ich dies schreibe und versuche, alles in zeitlich korrekte Reihenfolge zu bekommen und mich nur auf das Thema „Schule“ zu beschränken, finde ich es ein bisschen schade, niemals konsequent alle Fehlzeiten unseres Sohnes dokumentiert zu haben. Es wäre sicher beachtlich.

Wieder lag es an uns, für Maßnahmen zu kämpfen, und ich hatte keine Lust mehr. Wir telefonierten, beantragten, setzten Schreiben auf. Es dauerte, aber endlich bekamen wir eine Zusage für das Schulische Klinikum hier in der Stadt. Dies ist eine Rehamaßnahme, in der es in erster Linie nicht um das Vermitteln von Schulstoff geht, sondern um das Gewöhnen an schulische Strukturen und Gruppen, alles im besonderen, geschützten Rahmen.

Wie so oft, sah es anfangs gut aus. Aber schnell wurde klar, dass es nicht lange gut gehen wird. Es folgten aggressive Eskalationen, vor Weihnachten wurde er dann sogar von dieser Maßnahme suspendiert. Es hieß, dass er nach den Weihnachtsferien noch einen Versuch wagen dürfte. Als mein Mann am Montag nach den Ferien beim Leiter des Klinikums anrief, informierte dieser ihn darüber, dass man sich im Team zusammengesetzt und entschieden habe, dass unser Sohn nicht mehr dorthin zurückkehren darf.

Und an diesem Punkt sind wir nun, und ich habe. Keine. Lust. Mehr.

Ich bin so satt davon, immer wieder verantwortlich zu sein, immer wieder kämpfen zu müssen.

Ich möchte es nicht klein reden: unser Sohn IST in Gruppen nicht haltbar. Er gefährdet andere durch sein Verhalten massiv. Das wissen wir. Das wissen auch die Fachleute um uns herum.

Aber warum, verdammt, ist es in Deutschland möglich, dass Kinder und Jugendliche monatelang oder auch gar nicht mehr die Bildung erhalten, auf die sie angeblich Recht haben? Warum muss dieser junge Mensch, der nicht das geringste Interesse an Integration hat, auf Teufel komm raus integriert werden? Warum zahlt man teure Jugendhilfemaßnahmen, aber kann niemanden einstellen, der eine Beschulung für diese jungen Menschen sicherstellt?

In unserem Fall würde ich behaupten, dass das, was dieser fast 15jährige Bengel braucht, eine Einzelbeschulung außerhalb von zu Hause ist, die sich ihm anpasst. Wenn er heute keine Lust auf Mathe hat, wird ihn niemand dazu zwingen können, dann muss man halt Deutsch machen. Das hat nichts mit mangelnder oder falscher Erziehung zu tun, wie ich inzwischen auch weiß (und lange, lange!, habe ich so sehr an mir gezweifelt), sondern an seinem sehr besonderen Störungsbild.

Die Leute lesen die Diagnose: „Autismus“, und denken: „Jo, klarer Fall, gebt dem Jungen Strukturen und das Ding läuft!“ Nein, so einfach ist es nicht.

Heute gab es ein Telefonat mit dem Jugendamt. Es wird einen Gesprächstermin geben, Ende des Monats. Bis dahin wird es selbstverständlich keine Lösung geben, und danach? Vermutlich auch nicht.
Ich mag einfach nicht mehr.

Erzählen wir diese Geschichte, sagt man uns oft, wir sollten doch an die Öffentlichkeit gehen. Aber wie soll das aussehen? Was bedeutet „Öffentlichkeit“? Ein kurzer Beitrag im Frühstücksfernsehen? Nein, danke.
Welches Ziel würde man damit verfolgen? Würde das wirklich eine Veränderung bewirken? Ich glaube kaum.

Es heißt, es gebe mehrere Familien, wo so etwas vorkommt. Wo sind diese Familien? Wie haben sie das gelöst?

Ich müsste mich darum kümmern. Aber ich kann nicht mehr. Ich habe keine Kraft mehr.

 

Foto: pixabay

Tags: Schule, Bildung, Erziehung, Gesundheit, Diagnose, Unbeschulbar

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Kommentare

Barbara — Fr, 02/08/2019 - 08:45

... Respekt, für euren Kampf und alles, was ihr schon durch habt! Ich wünsche dir viel Kraft und eurer ganzen Familie von Herzen, dass ihr einen Weg findet!

Zamboli — Fr, 02/08/2019 - 10:17

Wir sind so eine Familie, allerdings nicht in Deutschland sondern in der Schweiz. Eine Lösung kann ich dir leider nicht präsentieren. So viel haben wir schon versucht und immer sind wir auf uns gestellt. Was so schade ist, keiner sieht dass diesen Kindern durch den Verlust der Bildung auch die Möglichkeit einer Berufsausübung genommen wird. Auch unsere beiden haben einen hohen IQ, leiden aber in der Schule so sehr, dass ihnen der nichts nützt. Viel Kraft wünsche ich dir.

Gast — Fr, 02/08/2019 - 10:36

Deine Geschichte hat mich sehr ergriffen. Ich selber habe ein Kind, das in der Schule immer wieder auffällig ist und von uns abgeholt werden muß, wenn das überforderte Lehrpersonal die Situation nicht auffangen kann. Er kann aber noch im regulären Schubetrieb mitlaufen, denn sein „anderes Ich“, wenn er sich nicht durch die Gruppe provoziert & belastet fühlt, ist durchaus leistungsbereit und sozial. Habt ihr euch schon mal mit dem Begriff HSP (High Sensitive Person) beschäftigt? „Zart besaitet“ ist ein sehr interessantes Buch dazu. Ich glaube es ist eine wichtige Einsicht, dass man ihn gar nicht in das System pressen kann und sollte. Das macht frei von Vergleichen und offen für neue unkonventionelle Wege, die ihm vielleicht gerechter werden. Gibt es vielleicht die Möglichkeit einer anerkannten Online-Beschulung? Viel Kraft dir & deinem Sohn!

Englert — Mi, 09/18/2019 - 14:14

Es tut gut von anderen zu hören , denen es di ergeht . Ich schließe mich an , unser Sohn 15 , sozial eingestellt , viele soziale Hobbys . Aber eben auch eine Persönlichkeit das er wenig Menschen braucht Tribbel mag er nicht . Auch inmer wieder " Auffällig" nur seltsam es gibt Lehrer die sein Potential erkennen , aber due gehen meistens wieder von der Schule . Ein Schulleiter hat große Macht , teaurig eigentlich , er kebt von unseren Steuern eigentlich traurig . Ein so offenes gerzliches Kind , das kann er nicht leiden, also hagelt es Lügen ohne Aufklärung , Bußgelderbescheide , aber wie gut man hat sonst nichts zu tun , dokomentiert man wann man was entschuldigt hat , scannt ein etc. Etc . Strafanzeige wegen falsch Aussagen wetden eingestellt . Die Familie steht Kopf , Der Lehrermangel nimmt zu und die Kids sind die Leitragenden , Gemeinschaftachulen aind fatal es gibt keine Führung , alles ein Durcheinander , warum soll man dann lernen. Also igr seit alle nicht alleine ,aber wenige reden . Schade . Wir leben in einer unruhigen Zeit ..... leider leider , ich bin auch fertig , man will einfach nicht mehr . Traurig genug alle holen nur ihren Profit raus , Politiker schreien wir haben eine gute Schulbildung nein haben wir nicht , auch das Entfalten der Kinder will man nucht , wir haben großartige Kinder . Nie wird im Zeugniss stehen was,Sie gut können. Meiner war in einer Grundschule da gab es,LOB ganz offiziell und egal was und wenn es nur war das man den Hof unduffefordert reinigt oder oder ....mensch Leute was unsere Kids brauchen ein Fach LEBEN ... Sie müssen doch im Leben zu recht kommen und wird sich jeder später raus suxhen ob viele Mensvhen oder wenig , dafür brauchen Sie keinen Gruppenzwang und Bestrafung . So komme tum Ende , ich gebe die Hoffnung nicht auf . Alles Gute .....

Gimiko — Fr, 02/08/2019 - 11:36

Gehört, lernt zB. ein Junge, der so unter Mobbing gelitten hat und nicht mehr auf eine "normale" Schule gehen wollte bzw konnte und auch Kinder, die viel fürs TV drehen. Die soll in Bochum ihren "Sitz" haben, von wo aus die Lehrer täglich "online"-gehen und ihre Schüler betreuen. Vielleicht mal " googeln" : online-Schule Bochum. Leider wurde in Beitrag nicht über die Voraussetzungen für eine Aufnahme als Schüler gesprochen. Aber vielleicht habt ihr da ja eine Möglichkeit bzw Chance. Ich drück euch beide Daumen.

Doro — Fr, 02/08/2019 - 15:24

Das ist ja eine echte Odyssee und es tut mir für Kind und Eltern sehr leid. Ich hoffe dass es bald eine gute Lösung gibt!! Und ich finde es einfach krass, dass es sowas in einem Land, wo die Kinder unter Schulpflicht stehen, überhaupt gibt.

Sabine Klemm — Fr, 02/08/2019 - 16:50

Wenn Du magst, kannst Du dich gerne mal melden und ich erkläre Dir wie!

Anke — Fr, 02/08/2019 - 17:29

Erst mal viel Kraft für euch. Wir haben ähnliches durch, allerdings in geringerem Ausmaß und da dachte ich schon, das sei schlimm. Viel raten kann ich dir nicht. Nur als Tipp, ich weiss nicht, ob es so etwas bei euch gibt.... wir haben im Ort eine Einrichtung, die sich neuer Lernort nennt. Richtet sich an Schulverweigerer und Kinder mit schulängsten etc. Die Einrichtung arbeitet schulersetzend. Unser war dort bis der Wechsel auf sie Förderschule durch war. Auch eine Möglichkeit ist, sich an die Einrichtung gemeinsam leben NRW in Köln zu wenden. Dort konnte man uns wertvolle Tipps und eben diese Einrichtung neuer Lernort vermitteln.

Carmen — Fr, 02/08/2019 - 21:01

das hört sich wirklich schlimm an- ich hoffe, dass ihr bald eine Möglichkeit findet. Einiges wurde ja schon genannt... als weitere Möglichkeit fällt mir eigentlich nur ein, es mal mit einer privaten Schule (z. B. Waldorf) zu versuchen. Ob das für euren Sohn eine gute Alternative wäre, kann ich aber nciht beurteilen...Viel Glück!

gedankenkarrussel — Fr, 02/08/2019 - 22:52

Wäre für euch eine dauerhafte Heimbeschulung denkbar? Und zwar nicht durch die lokale Schule, sondern durch einen Fernschulanbieter wie die Flex Fernschule oder Web Individualschule. Das kann in Einzelfällen durch die Schulbehörde genehmigt und auch vom Amt finanziert werden, wenn eine Beschulung sonst nicht möglich ist.

Klara — Sa, 02/09/2019 - 12:50

Ich kenne das auch, wir haben das ebenfalls in noch etwas härterer Form mitgemacht. Zum Glück aber nicht in einer weiterführenden Erziehungshilfeschule, aber irgendwann mit einer Zwangsauschulung. Hilfe habe ich in Online-Selbsthilfegruppe gefunden, denn dort waren die Familien mit ähnlichem Schicksal. Und das waren so viele, dass ich darüber ein Buch herausgebracht habe. Mit einem Protagonisten - frühkindlich autistisch und hochbegabt -, der für die Jungen (für Mädchen kann ich nicht sprechen) stand, die Ähnliches wie wir durchgemach haben. Bei uns war es Zwangsausschulung ohne Schulabschluss und danach innerhalb kurzer Zeit die Mittlere Reife und das Abitur als Externer. Wer die Kosten übernimmt, darüber ist sich das Gericht noch immer nicht ganz einig; auf das Urteil der ersten Instanz warten wir nun schon über ein Jahr. Für uns war es wichtig, rauszugehen, kein Unterricht zu Hause. Zuhause ist der Schonraum, darum ging das nicht. Und Einigeln hatten wir schon genug. Also raus zu Lehrern und Dozenten, die den Stoff für die Prüfungen beibringen konnten, denn, das ist richtig, die Einzelbeschulung in der Schule beträgt nur 4 Stunden pro Woche bei den jüngeren und 8 - 10 bei den Älteren. Das ist aber normal, weil nur die Hauptfächer gelehrt werden. Und allein lernt man ja auch wesentlich intensiver. Aber davon ab: in meinem Bundesland war das lange Zeit kein Einzelfall, was uns passiert ist. Wie gesagt, es reichte für ein ganzes Buch ;-)

Ruth Brand — Sa, 02/09/2019 - 18:27

Ich kann die Web-Individualschule in Bochum (https://webindividualschule.de/index.php) auch nur empfehlen!! Ganz ganz tolle und engagierte Lehrer und es gibt immer individuelle Lösungen. Einfach mal dort melden, die helfen euch bestimmt!

Ella — So, 02/10/2019 - 07:30

Mein Sohn ist 20 Jahre alt und bei uns ist auch Schule abgesagt, egal war das dass meine Sohn hat sich gut integriert in der Schule (BVB) und er möchte dort bleiben. Keine von der Amt wollte ihn helfen, niemand wollte hören was er gesagt hat . Schade. Villeicht bei euch kann nur CBD oil helfen. Bei uns hat es funktioniert. (Verzeihung für die Grammatik aber ich bin keine Deutsche )

T. Flormann — So, 02/10/2019 - 08:20

Ihr seid nicht alleine...auf der privaten Förderschule meines Sohnes gab es Kinder, die es in Gruppen nicht aushielten und aggressiv wurden. Und ja - die Behörden arbeiten selten effektiv. Ist mal geschaut worden, was ihn so überlastet? Hatte er einen I-Helfer? Dass Ihr keine Kraft habt, ist absolut nachvollziehbar. Aber vor allem er tut mir leid. Was für eine Wut muss in ihm stecken, dass er seine Überforderung bei anderen so dermassen ablädt...durchgereicht wird...kognitiv gerade bei einer Hochbegabung verdurstet. Wie sieht es mit der webschule aus? Im für ihn richtigen Setting mit den richtigen Leuten (Grundschule / 1. Jahr Förderschule/Hausunterricht) scheint es ja funktioniert zu haben.

Anja Kramer — So, 02/10/2019 - 12:35

Hallo Svenja.... Es ist gut was sie gemacht haben, sich alles von der Seele schreiben. Ich bin seit knapp 9 Jahren im sonderpädagogischem Bereich tätig, als Schulbegleitung. Ich hatte auch ein Autisten dabei....der auch schwer zurecht kam, sehr schwer akzeptiert wurde und die Mutter auch nur mit kämpfen zutun hatte und kaum noch eine Einrichtung fand, ihn unterzubringen. Ich kann es gut nachvollziehen wie es ihnen geht. Es ist schlimm, auch für mich immer wieder mit ansehen zu müssen....das diese " besonderen " Kids nicht verstanden und soooo integriert werden....wie es für die möglich ist. So jemand, ohne ihn zu kennen....wie ihren Sohn, wenn ich das so lese.....den kann man nicht mal so im eine regelklasse setzen. Logisch knallt das früher oder später wieder, dass ist vorprogrammiert. Das liegt nicht an dem Jung oder der Schule .....aufgrund seiner Diagnose geht das nicht. Ich hoffe sehr, dass es eine dauerhaft Lösung gibt und man vielleicht wieder von ihnen hört. Alles gute.....geben Sie nicht auf !!!

Barbara Windisch — So, 02/10/2019 - 13:18

Uns gehts so ähnlich. Wir wollen dem Jugendamt gerade klar machen, dass eine Fremdunterbringung nichts bringt. Dein Sohn könnte meiner sein. Hochbegabt ist er und schon zwei Jahre nicht mehr in der Schule. Uns glaubt auch keiner. Alle wissen es besser. Und Schuld sind die Eltern und natürlich das Kind, das sich anzupassen hat.

Severine — So, 02/10/2019 - 18:56

Liebe Mama. Dein Beitrag hat mich sehr berührt. Glaube mir du bist nicht allein. Es geht ganz vielen Eltern so oder ähnlich. Ich bin alleinerziehende mein Sohn ist 14 und lebt unter anderem mit der Diagnose Autismus Spektrum Störung. Mein Sohn ist in einer Förderschule, in der Klasse sind noch 3 weitere Schüler. Erst ist den ständigen Mobbing Angriffen ausgesetzt und alles was man tut ist mit den Kids zu reden. Dein Sohn befindet sich wahrscheinlich in der Pubertät und das ist eine zusätzliche Baustelle. Wenn ihm der Einzelunterricht was gebracht hat kämpft nur an dieser Stelle, das er die bekommt. Du kennst deinen Sohn am besten und nicht irgendwelche Beamten die nur nach Vorschrift handeln. Ich kämpfe auch für meinen Sohn das er das bekommt was er braucht. Deutschland hinkt leider hinterher mit Inklusion, und der BRK. Ich weiß nicht aus welchen Bundesland du kommst aber hier in Sachsen glauben die Pädagogen Vielfalt und Inklusion würde Faulheit bedeuten und unterstützen dies nicht. Das ist sehr armselig für das Bildungssystem. Darum kämpfen wir um das Verständnis zu verstehen, um den Horizont derer zu erweitern die es nötig haben. Leider nicht so einfach aber aufgeben ist nicht. Es kostet viel Kraft. Einen Austausch findest du auf www.ellasblog.de Da gibt es betroffene und man kann sich austauschen. Viel Kraft dir, und bedenke es ist nicht schlimm sich auch Mal eine Pause zu gönnen und Kraft zu tanken. Wir dürfen Pausen machen und wir müssen nicht perfekt sein. Liebe Grüße

Esther — Mo, 02/11/2019 - 01:49

Ich kann eure Situation so gut verstehen. Ich begleite seit einigen Jahren einen Jungen mit Autismus, Gehörlos und Lebertransplantiert. Die Grundschule und Förderschule hat er irgendwie überstanden. Doch ohne einen Abschluss, dafür Lehrer nicht wussten wir die ihn Fördern und Unterstützen sollten. Durch langes Krankheitsbedingtes fehlen an der Schule haben wir es geschafft, das er nochmal ein Jahr da bleiben darf. Aber auch dies läuft alles andere als gut ab. Wir bekommen keinen entsprechenden Unterricht. Müssen ständig die Klassen wechseln was für einen Autisten nicht gerade optimal ist. Umso mehr kann es nicht sein das wir den Unterricht in der 5. Klasse mitmachen sollen,obwohl er in die 10 klasse müsste. Aber dort ist es für die Lehrern zu viel Aufwand. Fakt ist das wir nach den Sommerferien keinen geeigneten Ort haben wo er weiter beschult werden kann oder einen Beruf erlernen kann. Die Kombi von Autist und Gehörlos überfordert alle Schulen und andere Maßnahmen. Und das ihr es noch schwieriger habt, kann ich total verstehen. Ich wünsche euch nur das beste. Das ihr für euren Sohn eine Lösung findet.

Jessica — Mo, 02/11/2019 - 09:43

Hallo, ich habe deinen Artikel gelesen und kann total mit dir fühlen. Wir haben das „Ganze“ 5 Schuljahre mitgespielt. Am Ende war es uns ziemlich egal was Ärzte, Behörden oder Schule gesagt haben. Wir waren immer froh wenn wir unseren Sohn mal nicht zu Schule bringen „durften“. Unsere Geschichte ist sehr ähnlich und hat mich ebenfalls an den Rande der Verzweiflung getrieben. Ich möchte dir sagen: freue dich wenn du dein Kind nicht mehr in die Einrichtung oder Schule bringen darfst. Orientiere dich an der Freilerner Szene da hörst du 100 ter solcher Geschichten und auch von Kindern die selbstständig glücklich zu Hause lernen. So wie unser Sohn jetzt auch. Wir haben Deutschland allerdings verlassen, wie die meisten die keine Lust mehr auf diesen Irrsinn haben. Wir leben jetzt auf den Kanaren. Mit einem glücklichen Kind. Das zwar immernoch nicht „einfach“ ist, aber das vom System nicht noch mehr zerstört wird! Übrigens habe ich alle meine Schulabschlüsse extern gemacht und bin heute individual-psychologische Systemberaterin. Schule ist nicht der einzige Ort wo Bildung stattfindet. Wenn du magst, schreib mir gerne eine E-Mail. (Die E-Mail-Adresse hat der Blog Betreiber). Ich wünsche dir und deiner Familie vom Herzen ganz viel Kraft, Liebe und Verständnis für einander und eine neue Perspektive auf die Dinge. Vom Herzen Jessica Verfürth

Britta — Di, 02/12/2019 - 21:04

Liebe Svenja , wir haben vieles das du beschreibst auch hinter uns. Mein Sohn ist jetzt 16 und auf einer Förderschule mit Internat, es läuft ganz gut , aber nur weil die Lehrerin engagiert ist. In der Wohngruppe läuft es leider nicht gut und vermutlich wird die Maßnahme nach dem Hauptschulabschluss nicht verlängert obwohl er weiter machen möchte weil es in der Wohngruppe nicht läuft .....

Munnu — Mo, 02/18/2019 - 23:42

Wir haben ein Sohn, der jetzt 26 ist. Ich bin dabei noch viel zu lernen, ich habe 26 Jahre lang gelernt. Meine Frau ist fix und fertig. Das wichtig ist immer das hören, was diese Kids sagen. Es liegt an viele Sachen, ich bin noch dabei zu forschen. Das 1000 Tipps helfen nicht, ausser das Sie, als eltern das lernen, das Kind zu verstehen. Ich mache es 26 Jahre lang. In Deutschland ist es sehr sehr schwere, in Schule oder Bildung was zu machen. Das einzige wichtig ist das überleben, weil diese Kinder den Gefahr nicht kennen. Sie sing ehrlich, sagen Wahrheit, lügen nie. Vielleicht nehme ich mal mehr Zeit für diese Thema.

Bibiana Irentschiuk — Do, 06/06/2019 - 08:02

Ich habe das Gefühl als würde die Mutter von meinem Sohn schreiben, da es uns genauso ergeht. Mein Sohn ist jetzt 10 Jahre alt und momentan seit 9 Monaten in einer Jugendhilfeeinrichtung in der es auch nicht gut läuft. Es ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit bis er wieder zu Hause ist und der tägliche Kampf von zu Hause aus weiter geht. Er ist inzwischen an seiner 4. Schule. Einzelunterricht hatten wir auch für 2 Stunden in der Woche. Alles was mein Sohn bislang gelernt hat musste ich ihm beibringen, lesen, schreiben und rechnen. Ich bin es so leid zu kämpfen und doch nie ein einigermaßen zufriedenstellendes Maß an Unterricht für ihn zu erreichen.

Claudiq — Sa, 06/15/2019 - 09:32

Unsere Geschichte verläuft fast genauso. Er wird jetzt 13.das Drama begann im Kindergarten. Wir planen ueber die Flex Schule Hessen eine Beschulung. Das ist eine Beschulung von Zu Hause ueber Lernmaterial per Post und einen Lehrer ueber Skype. Ich weiss noch nicht ob es genehmigt wird.

Lona — Fr, 06/21/2019 - 00:04

Es gibt eine Fernschule. Sie heißt Flex-Fernschule und ist eine Jugendhilfe Maßnahme und kann vom Jugendamt finanziert werden. Der Sitz ist in Badenwürttemberg und die Kinder der Schule erhalten nach der Einstufung wöchentlich ihre Aufgaben Nachhause. Vielleicht ist das für euch eine Lösung. Viel Kraft.

Annerose — Di, 09/10/2019 - 14:01

Unser Sohn geht jetzt in die 6. Klasse. Im Kindergarten war er "schwierig". In der 2. Klasse haben wir die Diagnose Autismusspektrum-Störung und ADHS bekommen. Der Schulbegleiter wechselte. Als wir Millimeter vor dem Schulausschluss standen, hat er Medikamente bekommen. Das hat uns damals "gerettet". Die Grundschule hat er einigermaßen bewältigt und die 5. Klasse lief zu unserer Überraschung gut. Nun hat er selbst beschlossen, keine Medikamente mehr zu nehmen. Er möchte essen können, zunehmen und wachsen..... seit dem sind 4 Wochen Schule... und es geht nichts mehr. Kurzbeschulung, aufgrund der impulsiven Aggressionen schmeißt der I-Helfer bald hin, er ist täglich nur noch 1-3 Stunden in der Schule. Am Unterricht nimmt er nicht mehr teil. Entweder weil er nicht im Raum ist, oder er die Mitarbeit verweigert. Wir sehen keinen Lösungsweg. Die Schule ist ratlos. Und er weigert sich weiter vehement, Medikamente zu nehmen. Ich kann ihn verstehen. Es zerreißt mich, wenn er "so leichtfertig" seine Bildung über Bord wirft, aber ich kann doch verstehen, dass es ihm unter Medikamenten einfach körperlich schlecht geht und ef das nicht möchte.

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