Interviews

11/05/2019 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Zwei Mütter erzählen: Wir begleiten unsere Kinder in den Schlaf

Liebe Nicole, erzähl doch erstmal ein bisschen was zu Euch. 

Ich lebe alleine mit meinem achtjährigen Sohn. Er ist - abgesehen vom Thema Schlafen - ein selbstbewusstes Kind, hat viele Freunde und spielt Fußball im Verein. Sein Papa und ich sind seit fast sechs Jahren getrennt, er hat eine neue Familie. Mein Sohn sieht seinen Vater aber regelmäßig. Ich bin auch in einer neuen Beziehung.

Du begleitest deinen Sohn in den Schlaf. War das von Beginn so oder hat sich das erst später ergeben?

Es gab unterschiedliche Phasen. Als Baby habe ich ihn begleitet, dann gab es aber auch Zeiten, in denen er alleine eingeschlafen ist. Nach der Trennng vom Kindsvater sind wir erstmal zu meiner Mutter gezogen. Dort haben wir aus Platzgründen in einem Bett geschlafen. Als wir dann in eine eigene Wohnung gezogen sind, konnte er nicht mehr alleine einschlafen. 

Was für eine Art Schläfer ist dein Sohn?

Er braucht nicht soo viel Schlaf, war schon immer ein Frühauftsteher ;-). Als Baby war er auch öfter nachts wach, durchgeschlafen hat er erst mit 1,5 Jahren. Als Baby hat er lange viel Tagesschlaf gebraucht, erst mit vier Jahren fiel der Mittagsschlaf weg. Wenn er heute nachts wach wird, kommt er zu mir ins Bett. Als Baby war es besser, ihn nachts wieder in seinem eigenen Bett zu beruhigen. 

Wie genau läuft das bei Euch abends ab? 

Um kurz vor 8 Uhr muss er Zähne putzen und Schlafanzug anziehen. Zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr liegt er dann im Bett. Dann reden wir noch ein wenig. Dann läuft immer die gleich CD (Mike der Ritter). Ich sitze dann am Rand des Bettes und er kuschelt sich etwas an mich. Bis er einschläft dauert es etwa eine halbe Stunde, selten viel länger. Ich darf allerdings nicht zu früh aufstehen, sonst wird er wieder wach und ich muss mich wieder hinsetzen.

Kann denn zb. die Oma oder der Babysitter das auch übernehmen oder bist Du die Einzige?

Da ich Montags Salsa tanzen gehe, hat ihn jeden Montag die Oma ins Bett gebracht. Sie hat sich dann ebenfalls ins Bett gesetzt. Wenn er jedes zweite Wochenende beim Papa ist, schläft er eher im Wohnzimmer ein, wo sein Schlafsofa ist und sich alle noch aufhalten. Wenn er bei einem Freund schläft, ist es auch kein Problem, weil ja dann die Kinder in einem Zimmer schlafen. Es ist also nicht an mich gekoppelt, sondern es geht darum, dass er nicht alleine einschlafen kann.

Genießt du diese Zeit abends oder nervt es dich auch mal?

Natürlich nervt es mich auch mal. Meistens guck ich ins Handy, während er einschläft, um mich zu beschäftigen. Manchmal, wenn ich sehr müde bin oder es mir nicht gut geht, nervt es mich natürlich schon. Ja, ich war auch schon sauer, weil es ja wirklich jeden Abend so ist. Aber ich denke, dass das normal ist. Auch Mamas sind nur Menschen ;-)...

Gerade die älteren Generationen haben ja Probleme, die Einschlafbegleitung zu verstehen. Hast du auch schon mal blöde Kommentare deshalb bekommen?

Richtig blöde Kommentare zum Glück noch nicht. Aber erstaunte Kommentare nach dem Motto "Also ich hätte da ja keine Lust drauf".

Hast du mit deinem Kind auch schon mal darüber gesprochen, wie lange ihr das noch so machen möchtet?

Er kann sich noch nicht vorstellen, dass es auch anders ablaufen könnte. Ich setze mir mittlerweile auch keine Frist mehr. Er wird alleine entscheiden, wann er bereit dafür ist. Wir haben schon oft darüber gesprochen und ich habe schon verschiedene Belohnungen gesetzt. Funktioniert aber nicht. Er sagt, er hat Angst und auch wenn andere Kinder das alleine schaffen- er könne im Moment daran nichts ändern.

Was glaubst du, liebt Dein Sohn an Eurem Ritual besonders?

Ich glaube, er ist einfach froh, dass er nicht alleine ist und dass er keine Angst haben muss. Und das ist auch für mich das Wichtigste: Mein Sohn soll keine Angst haben.  

Wann hast Du dann Zeit für Dich und wie verbringst Du sie?

Sobald mein Sohn eingeschlafen ist, meist so 20:45 Uhr ist mein "Feierabend". Dann lege ich mich aufs Sofa und gucke Serien. 

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Liebe Nina, erzähl doch erstmal ein bisschen was zu Euch.

Ich heiße Nina, bin 42 Jahre alt, mein Sohn Theo wird im Juli 6. Nachdem Theos Papa im November 2015 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, sind wir alleine. Ich arbeite in der niedersächsischen Landesverwaltung, und bin teilzeitbeschäftigt.

Auch Du begleitest deinen Sohn in den Schlaf. War das von Beginn so?

Ja, Theo ließ sich im Grunde nur durchs Stillen beruhigen, und so war das von Anbeginn auch Teil unseres Einschlafrituals.

Wie hat Theo denn als Baby geschlafen?

Er war ein absoluter Schlechtschläfer. Theo ist High Need, hat in den ersten 1,5 Jahren kaum länger als 30 Minuten am Stück geschlafen. Danach wurde es ganz langsam besser, aber selbst heute schläft er (noch) nicht durch.

Erzähl mal von Euren Abenden. 

Recht klassisch gibt es bei uns innerhalb eines bestimmten Zeitraums Abendessen - meist so zwischen 18:15 Uhr und 18:45 Uhr. Dann gehen wir hoch ins Bad zum Zähne putzen, waschen, aus-/umziehen. Nach ner kurzen Tobe- oder Versteckensrunde geht's in sein Bett. Dann lesen wir gemeinsam und erzählen noch vom Tag - wobei das Vorlesen um einiges wichtiger für ihn ist als alles andere. Danach machen wir das Licht aus. Meistens fallen ihm dann noch tausend Sachen ein, die er doch noch erzählen muss. Zwischen 19:40 Uhr und 20:00 Uhr schläft er dann. Insgesamt dauert es also gute 1,5h Stunden bis er tatsächlich schläft.

Bist Du die Einzige, die Theo ins Bett bringen kann?

Nein, meine Mutter macht das genauso mit ihm (Theo schläft einmal die Woche bei meinen Eltern). An einen Babysitter ist allerdings dahingehend nicht zu denken. Das will er nicht - für mich auch voll okay.

Genießt du diese Zeit abends oder nervt es dich auch mal?

Klar gibt es Phasen, in denen ich genervt bin! In denen ich mir wünsche, es wäre anders. Ganz klar. Dann muss ich mich immer mal wieder erden und mir sagen, dass es wahrscheinlich nicht mehr lange dauert, bis es anders ist... weil er einfach größer wird.

Hast Du schon mal blöde Kommentare deshalb bekommen?

Blöde Kommentare hab ich direkt noch nie bekommen. Komische Blicke aber auch, weil wir eben im Familienbett schlafen.

Sprecht Ihr manchmal über das Einschlafbegleiten?

Ja, von Zeit und Zeit thematisiere ich das. Ich frage ihn, ob er sich vorstellen kann, mit z.B. nem Hörbuch einzuschlafen, während ich im Nebenzimmer bin. Neulich hat er mal gemeint, vielleicht mag er das mal machen, wenn er zur Schule geht (im Sommer 2020). Schon ein großer Fortschritt für meinen Sohn. 

Vermisst du manchmal einen "schnellen" Feierabend?

Ja. Eben manchmal. Wenn auch ich völlig übernächtigt oder genervt oder sonstwas bin.

Was glaubst du, liebt Dein Sohn an Eurem Ritual besonders?

Das Kuscheln und eben das Vorlesen. Egal, wie kurz ich das Einschlafritual (an so genervten Tagen) halten möchte - Lesen muss sein. 

Tags: Schlafen, Einschlafen, Kind, Mutter, Nacht, Durchschlafen

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Kommentare

Christine — Sa, 05/11/2019 - 07:43

Es ist doch auch nachvollziehbar das Kinder es genießen ! Mein Sohn ist bereits 12 und findet es auch schön.... auch wenn er natürlich alleine einschlafen kann

Anna — Sa, 05/11/2019 - 08:07

Wir haben unseren sohn auch in den schlaf begleitet und hatten familienbett bis er vier war. Dann hat es uns aber gereicht. Wir haben ihm erklärt dass auch wir Eltern pausen brauchen, lassen nach dem ausgiebigen vorlesen die kinderzimmertür ein stück geöffnet, so dass er noch unsere stimmen hören kann. und es hat -nach kurzem protest- dann doch erstaunlich schnell geklappt. Ich denke für Kinder ist es auch gut wenn sie merken dass Eltern ihnen auch zutrauen etwas allein zu können - und sie eventuell mal etwas anschubsen. So können sie innerlich wachsen und Selbstbewusstsein entwickeln. Mein Sohn schläft jetzt sogar viel schneller ein als durch das begleiten und auch tiefer.

Annette — Sa, 05/11/2019 - 08:33

Bei uns ist es ähnlich. Unsere Tochter (4) schläft auch nur mit mir ein. In den Arm und vorlesen und singen... Auch nachts sucht sie den Körperkontakt. Es ist manchmal sehr anstrengend, aber es sind auch sehr nahe, vertauensvolle Momente, in denen der Tag kuschelig und geborgen zu Ende geht und auch mal eine Sorge angesprochen wird. Wenn es soweit ist, wird das Kind alleine einschlafen... ❤

Sabine — Sa, 05/11/2019 - 08:50

Bei uns gehen beide Kinder seit sie 1-1,5 sind alleine ins Bett wobei die Jungs sich ein Zimmer teilen, so dass sie jetzt gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Wenn er sehr müde ist schläft der kleine schon wenn der große ins Bett gebracht wird, aber oft wartet er auch ;-) Ich finde zum Einen dass die beiden Geschichten, die hier erzählt werden etwas die Ausnahme sind, weil beide Mütter mit den Kindern alleine sind und ich mir zumindest durch alleinerziehende Mütter im Freundeskreis vorstellen kann, dass dadurch die Bedürfnisse ganz andere sind - nicht nur beim Einschlafen sondern auch durch den ganzen Tagesablauf. Zum Anderen finde ich es aber auch wichtig, dass man sich deutlich macht, dass man den Kindern nicht nur etwas nimmt, wenn man die Einschlaftbegleitung irgendwann beendet, sondern ihnen eben auch die Fähigkeit schenkt, alleine einschlafen zu können. Unser Kleiner singt zum Beispiel gerne noch lauthals bevor er einschläft und das hat der Große früher auch gemacht.

Y — Sa, 05/11/2019 - 15:25

Meine beiden (3 und 6) werden auch noch immer von mir oder meinen mann noch in den Schlaf begleitet. Wenn es ist können beide auch von alleine einschlafen.

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