Stadtleben

09/01/2016 - 07:30

Stadt-Mama Katharina

Ääähhmmm, wie alt bin ich nochmal?

Liebe Lisa, wir beide sind Mitdreißiger. Wir sind Frauen, die mitten im Leben stehen, einen Beruf haben, Kinder, Ehemänner, Freunde, Hobbies. Ich frage Dich heute: Wie alt fühlst Du Dich? Ich bemerke, dass ich irgendwie das Gefühl für Alter verloren habe.

Beispiel 1: Eine Freundin von mir hatte neulich Besuch von ihrer 25-jährigen Nichte. Weil meine Freundin auch erst 38 ist und meine Nichten und Neffen gerade mal in die Grundschule gehen, fand ich das Alter ihrer Nichte erstaunlich. Abends sagte ich zu meinem Mann: „Ist das nicht lustig, dass Kathrin eine Nichte in unserem Alter hat?“ Mein Mann guckte nur irritiert und sagte: „Ähhhm, Du bist 10 Jahre älter.“ Und ich: „Uuuppppssss, stimmt ja, wo sind nur die letzten Jahre hin?“

Beispiel 2: Die kleine Schwester meiner Freundin ist 27 und treibt sich jedes Wochenende in den wildesten Clubs Berlins rum. Wenn sie davon erzählt, fühle ich mich wie ne alte Oma. Darkrooms, tanzen bis Sonntag Mittag um 1, Warteschlangen von 200 Metern – hä? Irgendwie bin ich raus aus dem Clubleben. Aber wiiiieeesssso? Ich bin doch noch so jung!

Nur mal so: Ich hab eigentlich keine Probleme mit dem Älter werden. Gut, könnte ich mich entscheiden, ob die Falten um die Augen so bleiben oder noch tiefer werden – ich würde mich gegen das Altern entscheiden. Und es stört mich auch, dass ich mittlerweile zwei Tage brauche, um nach einer langen Weihnachtsfeier wieder klar denken zu können. Aber sonst? Mag ich mich jetzt eigentlich viel mehr als mit Mitte 20. Ich weiß besser, was ich will und was ich nicht will. Und vor allem weiß ich, dass die Welt nicht immer gleich untergeht, dass Liebeskummer vergeht und was wahre Freunde sind. Ich habe gelernt, dass es gut tut, sich nicht nur um sich selbst zu kümmern, dass Verantwortung für andere zu haben, großartig ist. Ich weiß, was ich wert bin, weiß, was ich kann und was ich nicht kann.

Aber manchmal vermisse ich die Leichtigkeit von Anfang 20. Dieses „absolut hier und jetzt leben“. Nicht an morgen früh denken. Nicht an die Kinder. Nicht an die Steuererklärung. Ich denke daran, dass ich Prinzen geküsst habe, einfach, weil ich Lust darauf hatte, auch wenn ich schon wusste, dass sie eigentlich eher Frösche sind. Daran, dass ich wild auf der Tanzfläche abgezappelt habe, im Morgengrauen nach Hause gelaufen bin, aber erst, nachdem ich bei Mc Donalds noch einen Burger gegessen habe. Daran, dass ich ruhig schlafen konnte, obwohl mein Konto überzogen war. Daran, dass ich wusste: Alles, was ich besitze, passt in zwei Kartons.

Und genauso wehmütig, wie ich jetzt manchmal auf meine 20er gucke, gucke ich vielleicht in meinen 40ern auf jetzt zurück. Dann, wenn ich mich daran erinnere, dass die Kinder noch jeden Morgen zu mir ins Bett gekrochen sind. Daran, dass ich sie noch in der Öffentlichkeit abknutschen durfte. Daran, dass wir morgens noch herrlich rumtrödeln konnten, weil es egal ist, wann wir in der Kita sind.

Wahrscheinlich habe ich dann vergessen, wie anstrengend die Tage manchmal sind mit den beiden sind. Dass es beim Fingernägel schneiden Geschrei gibt, dass sie sich manchmal von morgens bis abends nur kloppen.

Das werde ich vergessen, so wie mich kaum noch daran erinnere, wie einsam ich manchmal war, wenn ich im Morgengrauen alleine nach Hause gelaufen bin. Wie ich mich danach sehnte, gebraucht zu werden und nicht nur für mich zu leben.

Und das hab ich jetzt. Und wie! Und ich sage: Dieses Gefühl ist wesentlich besser als ein Burger im Morgengrauen...

Tags: Alter, Erwachsenwerden, Jugend, Verantwortung, Leben

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Kommentare

Anni — Sa, 01/09/2016 - 14:32

Hallo Katharina, gab es dieses Thema hier nicht schonmal? Es kommt mir so bekannt vor :-) Ich hatte eine total tolle Zeit in der Oberstufe, während des Studiums etc. mit Partys, Reisen, Freiheit ohne Ende. Das waren tolle Jahre. Ich hab mich jung und gut gefühlt. Und als es vorbei war, war ich froh. Weil jetzt was Neues, viel besseres da war :-) Und ja, ich fühle mich schon alt mit Mitte 30. Zwei Kindern, Beruf und einfach recht gesetztem Alltag. Aber gleichzeitig bin ich so viel weiter wie so manche gleichaltigen Bekannte ohne Anhang, die jetzt noch so leben wie ich vor 15Jahren. Die ich manchmal beneide, mit denen ich aber nie im Leben tauschen möchte. Ich glaube wirklich, ich fühle mich immer so alt wie ich tatsächlich bin. In 10Jahren ist meine Große vielleicht schon kurz vorm Auszug. Trotzdem schockt mich das nicht. Wenn wir dann nich gesund und munter sind, werden wir auch das genießen! Mit Mitte 40. Wenn die anderen gleichaltrigen sich mit Kindergarten- und Grundschulproblemchen rumärgern ;-) Es ist doch immer gut so wie es ist :-) LG von Anni

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