Gastbeiträge

10/03/2016 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Über die Sorge um mein Frühchen und warum mein schlechtes Gewissen mich auffrisst

Ihr Lieben, vor einiger Zeit hatten wir einen wunderbaren Gastbeitrag einer Frühchen-Mama, der uns alle sehr bewegt hat. Und auch heute dreht es sich um das Thema Frühchen – unsere Leserin Yvonne hat ihre Geschichte für uns und Euch aufgeschrieben. Und sie beleuchtet einen anderen Blickwinkel: Wie schwer es ist, einem Frühchen UND einem größeren Kind gerecht zu werden. Wir bedanken uns sehr für Dein Vertrauen und Deine Offenheit, liebe Yvonne und schicken Dir viel Kraft und alles Liebe.

„Ich bin Yvonne, 37 Jahre alt. Vor sechs Wochen wurde unser zweiter Sohn geboren. 10 Wochen zu früh mit 1440 Gramm. Das hört sich erstmal sehr krass an, aber seine Überlebenschancen waren nahezu optimal. Und auch die Chance, dass er später weder groß entwicklungsverzögert oder eine geistige oder körperliche Behinderungen haben würde, lag bei 97 %.

Im Krankenhaus wurde ich mit Informationsmaterial überschüttet. Wie geht man mit dieser Situation um? Was kann man für sein Kind tun? Ich bekam zig Kontaktdaten von Organisationen, die sich um Frühchen-Eltern kümmern, überall in der Frühchen-Station hingen Hinweise, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit das Personal der Frühchenstation anrufen und kontaktieren darf. Das Internet ist zudem voll mit Artikeln und Forums-Beiträgen zum Thema Frühchen Das ist toll.

ABER: Keiner - und damit meine ich wirklich absolut niemand - geht darauf ein, was ist, wenn das Frühchen nicht dein erstes Kind ist!

Viele Tipps, die man als Frühchen-Mama bekommt, sind nämlich nur schwer mit einem zweiten Kind kompatibel. Beispiel: Es heißt, man soll so viel wie möglich Zeit mit dem Frühchen verbringen, es sich viel auf dem Bauch legen, mit ihm sprechen, ihm vorsingen.

Das ist sicher sinnvoll und schön - aber was mache ich mit meinem anderen Kind? Unser erster Sohn ist 2,5 Jahre alt, geht nicht in den Kindergarten und ist absolut nicht in dem Alter 6 Stunden täglich mit mir im Krankenhaus zu verbringen.

Also geht er seit der Geburt seines Bruders 7 Tage in der Woche zu einem Babysitter, zu meinen Schwiegereltern, meiner Schwägerin oder meinen Freundinnen.

Kein Artikel hat mich auf die Macht vorbereitet, mit der das schlechte Gewissen meinem Großen gegenüber mich auffrisst. Ich habe seit sechs Wochen nicht genug Zeit  - weder für den Großen noch für den Kleinen.

Keiner bereitet einen darauf vor, wie man sich fühlt, wenn das große Kind morgens weint, wenn man es zum Babysitter bringt.  Keiner bereitet einen darauf vor, wie man sich fühlt, wenn man abends das Frühchen weinend zurück lässt. Wie es sich anfühlt, wenn Dein großes Kind Dich "Oma" nennt, weil die den größten Teil der Betreuung übernimmt.

Wie wütend es Dich macht, wenn Dein großes Kind abends nur Theater macht, Alpträume hat, nicht essen will, nicht einschlafen will -  Deine Schwiegermutter aber nicht müde wird, Dir TÄGLICH vorzuschwärmen, wie pflegeleicht Ihr großer Enkel doch ist und dass sie nicht verstehen würde, warum er bei uns zu Hause Zicken macht.

Ich bin natürlich unendlich dankbar, dass meine Schwiegereltern mich noch nie im Stich gelassen haben und meinen Großen jederzeit übernehmen. Aber die Situation wird langsam unerträglich für mich, denn ich bade es aus, wenn er bei ihnen zu lange Mittagsschlaf macht oder zu spät seinen Nachmittagssnack bekommt. Ich könnte vor Wut schreien und vor Enttäuschung weinen.

Ich sitze abends zu Hause und fange an zu weinen, weil ich den Kleinen vermisse und ein schlechtes Gewissen dem Großen gegenüber habe.  

Wenn ich im Krankenhaus bin und dem Kleinen beim Schlafen zuschaue, fühle ich mich schlecht, weil ich die Zeit auch nutzen könnte, um mit dem Großen zu spielen.

Gehe ich jedoch früher nach Hause, um noch was vom Großen zu haben, richtet sich mein schlechtes Gewissen auf den Winzling.

Auf dieses Hin und Her meiner Gefühle hat mich nichts, rein gar nichts vorbereitet! Und auch nicht darauf, wie anstrengend diese ständige Organisation der Kinderbetreuung ist, die Fahrten zum Krankenhaus, der Haushalt nebenbei, das nächtliche Abpumpen. Ich komme an meine Grenzen und eine Folge davon ist, dass mein Geduldsfaden ständig reißt. Ich schimpfe schneller und lauter, als es eigentlich nötig wäre.

Ich weiß, dass mein Großer leidet, er muss im Moment viel zurück stecken. Ich weiß aber auch, dass er mal ein toller großer Bruder sein, wenn der Kleine endlich nach Hause darf.

Eine Frühgeburt zu haben ist kein leichter Weg für die Eltern - für alle großen Brüder und Schwestern ist es aber auch nicht einfach. Mit diesem Gastbeitrag möchte ich darauf aufmerksam machen und auch mal sagen, wie stolz ich auf meinen Großen bin. Denn das bin ich wirklich von ganzem Herzen. 

 

Kleiner Nachtrag von Yvonne, weil die Frage nach dem Papa aufkam, sie schreibt: "Der Papa unterstützt mich wo er kann. Er musste natürlich wieder zurück zur Arbeit. Aber Er hilft bei der Betreuung, im Haushalt, tröstet mich, ist auch um Krankenhaus und übernimmt alle administrativen Aufgaben."

 

Foto: germanbrina / photocase.de

Tags: Frühchen, Krankenhaus, Frühgeburt, Eltern, Großeltern, Babysitter, Gewissen

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Kommentare

M — Do, 03/10/2016 - 09:46

Euch von Herzen alles, alles Liebe und Gute. Moege der Kleine bald gesund nach Hause kommen.

Gast — Do, 03/10/2016 - 10:00

Ich wünsche natürlich auch alles Gute und viel Kraft! Mich würde aber auch noch interessieren wo der Papa ist?

Stadt-Mama Katharina — Do, 03/10/2016 - 10:05

Der Papa hilft, wo er kann, sagt Yvonne. Vorallem am Wochenende betreut er den Großen. Unter der Woche muss er arbeiten

Yvonne — Do, 03/10/2016 - 10:10

Lieber gatskommentator, der Papa ist auf Arbeit, im Krankenhaus, den Großen abholen und bespassen , im Haushalt helfen, Mama trösten. Er hilft überall mit und auch auf ihn bin ich stolz:-)

Melanie — Do, 03/10/2016 - 11:40

Ich finde es schade, dass es selbstverständlich ist, dass der Mann gleich wieder zur Arbeit muss und Dienst nach Vorschrift zu tun hat. Auch für den Vater ist diese Situation nicht leicht. Und ein Baby zu bekommen, und vor allem ein Frühchen, ist ein ganz besonderes Ereignis. Es wäre schön, wenn man den Alltag für ein paar Wochen anhalten könnte und sich mal wirklich nur als Familie fühlen könnte ohne Verpflichtungen.

Roxanne — Do, 03/10/2016 - 10:22

Ich kann das zu 100% nachvollziehen. Mein erstes Kind kam 8 Wochen zu früh und ich habe ihm ALLES gegeben. Wie man das beim 2. macht? Keine Ahnung. Hier besteht wohl noch Bedarf. Du machst alles Richtig.

Magda — Do, 03/10/2016 - 10:44

Ich wünsche Euch alles Gute. Ihr schafft das. Der Kleine darf bestimmt bald nach Hause und dann wird es mit der Logistik schon mal leichter. Und ist doch super, dass Du Unterstützung von den Großeltern hast. Das ist schon ein großes Glück. Und Deinem Großen würde doch jetzt Kindergarten bestimmt gut tun. Da hätte er auch seine Rituale und sein eigenes Leben. Fände ich jetzt persönlich besser als Babysitter. Und egal ob Frühchen oder nicht, mit zwei kleinen Kindern ist es immer anstrengend, da man plötzlich den unterschiedlichen Bedürfnissen idealerweise gleichzeitig gerecht werden muss. Und egal, ob es entsprechende Ratgeber gibt oder nicht, jeder muss sich irgendwie selbst arrangieren. Dein Bericht klingt mir irgendwie zu vorwurfsvoll: "mich hat keiner darauf vorbereitet". Sicherlich kam die Frühgeburt unvorbereitet, aber gerade als Eltern lernt man, dass man nur schwer planen kann. Auch andere Mamas haben gemischte Gefühle, wenn sie sich mal um eins ihrer Kinder mehr kümmern müssen. So wird es das ganze Leben sein. Daher einfach so viel Liebe wie möglich beiden Kindern geben und das schlechte Gewissen so gut wie möglich ausknipsen. Toi toi toi, dass der Kleine schnell an Gewicht zunimmt.

Olivia — Do, 03/10/2016 - 11:07

oh wow, mit Tränen in den Augen sitze ich nun hier und finde du machst das toll! ich wünsche euch, dass schon sehr bald Normalität eintrifft und ihr zu viert zu Hause sein könnt!

Claudia — Do, 03/10/2016 - 11:13

Bei mir War es auch der zweite Sohn, der zu früh kam. Und erst jetzt beim dritten Kind, habe ich wirklich realisiert was ich damals alles nicht haben konnte. Wie sehr es mich und alle anderen in der Familie zerrissen hat, wie sehr mein Großer zurückstecken musste. Ich hatte zum Teil flashbacks was total krass war, denn mein Sorgenkind war inzwischen längst über den Berg und ein fideler Dreijähriger, der Große inzwischen fünf. Ja es gibt viel viiieeel zuwenig Hilfe für Frühcheneltern mit großen Geschwistern und Geschwisterangebote kenne ich gar nicht, nur ein Buch, das es Kindern erklärt. Die Geschwister dürfen ja zum Teil nicht mal mit auf die Station, dürfen das Geschwister nicht sehen, müssen immer zurückstecken...dafür müsste es dringend Lösungen geben, Hilfen die diese Kinder auffangen, so wie es bei Geschwistern von todkranken oder schwer behinderten Kindern zum Teil schon der Fall ist. Noch ein Punkt der uns damals sehr getroffen hat. Es gibt keine Familienkreis, nur MukiKu oder Vakiku....betroffen ist aber die gesamte Familie. Familienrehas, wie es sie für z.B. schwer Herzkranke Kinder gibt, wären auch für Frühchenfamilien sinnvoll.

Barbara — Do, 03/10/2016 - 12:10

Hallo! Ich kann dich so gut verstehen! War zwar nicht genau in derselben situation, aber trotzdem. Meine Zwillinge wurden geboren als der große 3,5 war. Der eine Zwilling musste auf intensiv und der andere war bei mir, schon das war eine zerreissprobe für mein Gewissen! Später ging ich mit dem einen Zwilling nach Hause, zum großen. Der zweite musste noch auf der kinderstation bleiben. Zum Glück hatte mein Mann Elternzeit und blieb mit ihm dort. Ich war mit abpumpen, stillen und hin und herfahren beschäftigt. Wenn ich mit dem Zuhause Zwilling kuschelte, hatte ich ein schlechtes gewissen und wenn ich im Krankenhaus war befürchtete ich , der zu Haus gebliebene ( bei den omas) wurde vielleicht schon vor Hunger schreien. Und für den großen hatte ich so gut wie garkeine Zeit mehr! Furchtbar. Viel Tipps kann ich Dir nicht geben. Die Zeit wird zum Glück nicht ewig andauern , im Rückblick wird es eine kurze Episode sein. Und dein großer scheint sich bei der Oma wohlzufühlen, mach dir keine Sorgen, deshalb schreibt er dich als Mama niemals ab ! Später werden Zeiten kommen, wo es auch mal umgekehrt ist, und der große mehr Aufmerksamkeit als der kleine bekommt. Alles gute euch!!

one mama — Do, 03/10/2016 - 13:32

Warum der Große bei Oma und Opa brav ist und zuhause nicht? Dort ist die Welt noch die gleiche, zuhause ist sie eine komplett andere, nichts ist mehr so wie es war und Kinder tun sich extrem schwer mit Veränderungen und müssen das auch rauslasse. ich verstehe das schlechte Gewissen, die Sorgen, die Ängste und die Wut. Aber es ist möglich beiden gerecht zu werden und in relativ kurzer Zeit wieder für das große Kind die Welt in Ordnung zu bringen. Es ist kein Wundermittel, das über Nacht alles heilt, 2-3 Wochen daurt es schon und man muss an sich arbeiten, aber mit dem Ziem vor Augen kann man es schaffen! 1. Lass los. Er will nicht essen. Dann eben nicht, lass ihn. Er muss weinen, er darf! Egal was momentan 'schief' läuft, fürs erste gar nicht viel ändern wollen. Akzeptieren, ruhig bleiben, nicht ärgern und schon gar nicht schimpfen. 2. Sich von dem Gedanken verabschieden, dass Kinder viel Zeit mit Mama brauchen. Das macht einen nur fertig, wenn man sie nicht geben kann. Kinder brauchen natürlich Zeit mit Mama, aber Qualitätszeit. VOLLE AUFMERKSAMKEIT. Nicht nur körperlich anwesende Mama, auch in Gedanken nicht abschweifen. In nur kurzer Mamazeit, die vomm genutzt wird können sie sich ALLES holen um glücklich und zufrieden zu sein. 3. LIEBE. es klingt jetzt hart, aber wenn plötzlich deine Welt zusammenbricht und der wichtigste Mensch in deinem Leben nicht mehr immer da ist, dann fühlst du dich nicht mehr geliebt. Also sag es deinem Kind! Am besten dann, wenn es gerad wütend ist. "Ich liebe dich" fängt es noch ärger an zu toben, schreit 'Nein', oder 'ich liebe dich nicht' oder wird körperlich, dann bist du auf der richtigen Spur. Sag es noch mal und noch mal. IMMER wieder, solange wie es dein kleiner Engel hören muss, bis er es glauben kann. "Ich liebe dich auch wenn du mich gerade nicht willst' 'Ich liebe dich auch, wenn ich gerade nicht so viel Zeit für dich habe'.... vielleicht merkst du sofort ein Ergebnis und nach viel Wüterei schmeisst sich dein kind in deine Arme, vielleicht dauert es ein paar Tage. Und sag ihm auch, dass es nicht immer so sein wird. Für ihn ist das kein temporärer Zustand, er glaubt, die Welt wird ab jetzt immer so sein. sag ihm, dass es wieder anders wird, dass du ihn verstehst, dass es hart ist ein großer Bruder zu sein und dass du ihn immer lieben wirst. Ganz viele Gespräche und Mamazeit in der du voll da bist und ich verspreche dir, alles wird sich ändern und schlechtes Gewissen adieu! Selbst ausprobiert, am eigenen Leib erfahren und mit vielen Tränen getestet. Alles Gute

Judith Lepple — Do, 03/10/2016 - 21:44

Hallo, Mein Kleiner hat die ersten 3,5 Monate im Krankenhaus verbracht, drei davon auf der Neo Intensiv. Der Grosse war 4, 75 Jahre alt. Der Kleine war 8 Wochen alt, als der Grosse das erste Mal mit durfte. Das Krankenhaus war 1 Fahrtstunde entfernt, der Kindergarten vom Grossen ging nur bis 12.30 Uhr. Heute ist der Grosse 9, der Kleine 4 und kerngesund. Mit uns auf der Neo fast nur Erstlingseltern, die den ganzen Tag bleiben konnten - ich musste in der Uebergabe von Frueh- auf Spaetdienst gehen, am Wochenende ging der Papa ins Krankenhaus, da habe ich dem Grossen gehoert. Egal, wo ich war, ich hatte immer das Gefuehl dem anderen Kind zu fehlen und einem selber zerreisst es natuerlich so viele Abende neben einem leeren Bettchen einzuschlafen und dem Grossen immer wieder gefuehlt abzuschieben, um ueberhaupt beim Kleinen sein zu koennen. Ich kann alle Deine Gefuehle so gut nachvollziehen. Es ist unglaublich hart. Aber - es geht vorbei und wenn man dann endlich daheim ist, ist es einfach nur wunderschoen. Ueber all die Dinge, die man sich beim 1. (gesunden) Kind Sorgen und Gedanken gemacht hat, wirst Du dann lachen: Du wirst die Zeit mit Deinen Kindern einfach nur geniessen, weil Du ganz genau weisst, das DAS nicht selbstverstaendlich ist. Das spueren auch die Kinder. Uns so heilt die harte Zeit auch bei den Kindern. Ich wuensche Dir, deinem Kleinem, Deinem Grossen und Deinem Mann fuer die Zeit im Krankenhaus helfende Haende, Menschen, die Zuhoeren und in den Arm nehmen. Aber danach: geniesst Euch!!!

Kaori — Mo, 08/15/2016 - 13:21

erging es mir auch. Meine Große war 4 als die Zwillinge als Frühchen geholt werden mussten. Mal abgesehen davon das ich es als grausam empfand zwichen all den "glücklichen Mamas ohne Sorgen" auf der Station zu sein... als ich zuhause war fing das Chaos an.... Die Jungs in der Klinik (man konnte zwar jederzeit anrufen, Auskunft konnte aber immer nur die "Hauptschwester" der beiden geben), die Große zuhause / im KiGa.... am WE war immer nur 1h für die Jungs drin ... länger hat es meine Tochter im Wartesaal nicht ausgehalten. Papa und ich waren also immer abwechslend dort, meine Tochter durfte weder auf die Intensivstation noch auf der Frühchenstation mit rein... erst als die Zwei auf der normalen Kinderstation waren durfte sie das 1. Mal mit... da waren die beiden aber schon 6 Wochen alt. Ich habe meine Woche strikt aufgeteilt und war nur jeden 2. Tag im KH. An den anderen Tagen habe ich versucht etwas nur mit meiner Tochter zu machen. Mir ging es wie Yvonne... jeder Ratgeber, jede Info zielt immer nur auf Erstlings-Mamas ab.... oder sehr große, am besten 18 jährige Geschwister. Ein Betreuungsangebot im KH für Geschwisterkinder würde hier viel helfen...

me — So, 05/07/2017 - 10:40

Yvonne macht das toll und ich wünsche ihr und ihrer Familie nur das Allerbeste! Ich frage mich aber, wie sie meint, dass man sie darauf hätte vorbereiten sollen. Mit Broschüren, in denen steht "Bereiten Sie sich darauf vor, dass das schlechte Gewissen Sie zerreißen, das / die älter/n Geschwister ob der belasteten Familiensituation durchdrehen wird, Sie vor Erschöpfung weinen werden und die Verwandtschaft dumme Dinge sagen wird"? Dass Hilfsangebote ausgebaut werden sollten, ist zweifellos richtig, aber die Forderung nach Vorbereitung auf eine derartige Extremsituation ist weltfremd.

Hilke — So, 05/07/2017 - 23:25

Hallo deinen Bericht kann ich so gut nach empfinden vor fast sechs Jahren wurde unser Nesthäckchen Keno geboren in der 26.Schwangerschaftswoche er wog nur 660 Gramm . Es war leider auch nicht klar ob ich das überlebe und wenn ja wie. Nach einer Woche durfte ich schon die Klinik verlassen mit Nebenwirkungen aber genau wie bei dir keine individuelle Hilfe da. Keno ist nicht unser zweites sondern sechstes Kind und somit fingen die Probleme an .ich noch mega geschwächt fünf Kinder Zuhause .keine Omas und Opas .und der Papa am arbeiten. Ich weiß bis heute nicht wie ich das geschafft hab aber es war wie immer minutiös getaktet. Die Klinik lag 70 km entfernt von uns. Ungefähr 6 Wochen später zwang mich ein Magen Darm Infekt Zuhause zu bleiben und somit hatte ich zeit hinterher zu telefonieren um überhaupt mal zu erfragen ob uns nicht Hilfe zu steht. Da die Krankenkasse in so einem Fall ja nur solange zahlt wie die Mutter es nicht kann aber maximal zwei Wochen nach sectio. Das Jugendamt hat dann tatsächlich eine Hilfe für Kinder und Haushalt geschickt damit ich in ruhe känguruhen konnte. Egal ob was ausfiel oder jemand krank war. Ich wünsche euch viel kraft und sag dir alles wird gut! ! ♡ das hat mir auch sehr geholfen. LG hilke

Genia — Mo, 05/08/2017 - 00:20

Hallo Katharina, ich hatte gerade Tränen in den Augen als ich deinen Beitrag gelesen habe...ich kann dich so gut verstehen, denn es war gerade so als hätte ich meine eigene Geschichte gelesen, bei uns war nämlich fast alles genauso wie bei euch: große Schwester (damals gerade 2 geworden und auch als Frühchen geboren), die ständig zu diversen Babysittern abgeschoben werden musste, in dieser Zeit sehr zickig und auch weinerlich geworden ist, weil sie mit der Situation überfordert war und ihre Eltern vermisst hat (mein Mann hatte zwar zum Glück vier Wochen Elternzeit nach der Geburt unseres zweiten Frühchens, aber hat mich nach meiner Entlassung jeden Tag ins Krankenhaus gefahren, das leider auch ne Stunde Fahrt entfernt lag und uns dadurch kostbare Zeit gekostet hat)...ich habe in diesen langen Wochen, genau wie du, sehr gelittten und viel geweint, weil ich mich meinen beiden Kindern nicht gerecht gefühlt habe und teilweise wenig Verständnis um mich herum erfahren habe. Als wir unser zweites Baby dann endlich mit nach Hause nehmen konnten, hatte ich gehofft, dass alles etwas entspannter und vielleicht auch einfacher wird, aber meine Große hat mir in den ersten Wochen deutlich zu verstehen gegeben, dass ich sie zu sehr vernachlässigt habe, sie hat meine Nähe gemieden, was mich noch trauriger gemacht und mein schlechtes Gewissen verschärft hat. Gott sei Dank haben wir das alles mit viel Geduld, Liebe und Nähe aufgearbeitet und mittlerweile ist alles gut so wie es ist. Ich hätte aber furchtbare Angst jemals noch ein Frühchen zu bekommen, denn diese innere Zerrissenheit und schlechtes Gewissen nicht genug Zeit für jedes meiner Kinder zu haben, würde die Wunde nur noch mehr nähren; diese unbeschreibliche Traurigkeit (neben der Freude über das neue Familienmitglied natürlich) wünscht man wirklich keinen frisch gebackenen Eltern. Ich hoffe euch geht es mittlerweile gut, eure Kleinen sind gesund und ihr habt euer Familienglück gefunden! Auf jeden Fall alles alles Gute auf eurem weiteren gemeinsamen Weg mit ganz viel Freude und Liebe :) Ganz liebe Grüße, Genia

Genia — Mo, 05/08/2017 - 00:28

Oh Mist, tut mir leid, Yvonne meine ich natürlich, das kommt davon wenn man so spät noch schreibt hehe. LG, Genia

Anni — Di, 05/09/2017 - 15:27

So ein bisschen kann ich es nachfühlen wie es dir geht. Sohn Nr. 1 kam zwar zu spät, hatte aber leider eine Neugeboreneninfektion und musste 1,5 Wochen auf der Neonatologie liegen. Da habe ich mir natürlich auch ein Bett aufstellen lassen und war Tag&Nacht bei ihm. Sohn Nr. 2 kam 1 3/4 Jahre später zur Welt, auch nach ET und hatte ebenfalls eine Infektion. Den "Großen" konnte ich irgendwie nicht alleine lassen, auch wenn der Papa da war. Also bin ich zu fast jeder Stillmahlzeit am Tag ins KH gefahren. Und es ist genau wie du schreibst. Ist man beim großen, vermisst man den kleinen, der da so alleine liegt. Ist man beim kleinen, hat man ein schlechtes Gewissen. Da es nicht reicht, kam Sohn Nr. 3 vor 2 Wochen ebenfalls mit Infektion. Diesmal hatte ich mich einfach dafür entschieden, dass es mit 2 Kindern zuhause reichen muss, einmal am Tag in die Klinik zu fahren um zu stillen, zu kuscheln und Milch hinzubringen. Und da muss man sich beinahe vor jeder Schwester rechtfertigen, warum man so wenig da ist :-/ Dazu tun mir auch die Papas sehr leid. Mein Mann hat zwar gerne jeweils mit den großen Zeit verbracht, war aber auch immer sehr traurig, dass er kaum bei den kleinen im KH sein konnte. Ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute! Holt einfach zuhause ganz viel kuscheln nach, mit beiden Kindern!

Sandra Feldinger — Do, 11/28/2019 - 04:08

Danke ich habe das selbe durchlebt und kann es 1 zu 1 nachvollziehen. Unser Pech ist dass die große Schwester noch dazu krank geworden ist (bekam die Grippe Impfung nach Anraten der Ärztin) und jetzt nicht mehr zum Kleinen hingehen darf.

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