Interviews

13/07/2018 - 07:00

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„Ich kann mir die Weiterbildung nicht leisten“? Doch! Wie berufstätige Mütter durch die Bildungsprämie gefördert werden

Ihr Lieben, wir sind ja immer ganz Ohr, wenn es um Hilfen und Unterstützung für Mütter geht. Frauen, die sich im Vereinbarkeitskarussell befinden, haben viel zu koordinieren. Viele Angebote sind aber einfach auch nicht genügend bekannt. Von der „Bildungsprämie“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) hatten wir zum Beispiel noch nicht gehört. Dabei ist sie ein tolles Mittel für Erwerbstätige, die eine Weiterbildung machen wollen.

Gerade für Mütter – und natürlich auch Väter – die in Teilzeit arbeiten oder in Elternzeit sind, ist es ja besonders wichtig, im Job auf dem Laufenden zu bleiben oder sich neues Wissen anzueignen, etwa, wenn sie sich beruflich nochmal neu aufstellen oder weiterkommen wollen.

Wie viele Mütter gibt es, die sich nach der Elternzeit fragen, ob sie wirklich zurück in den alten Job wollen. Wie viele gibt es, dich sich nach Input für den Kopf, nach etwas Neuem sehnen – die aber vielleicht nicht die nötigen Mittel für eine Weiterbildung haben. Für sie ist die Bildungsprämie wie gemacht.

Mit bis zu 500 Euro unterstützt sie Weiterbildungen individuell und arbeitgeberunabhängig. Ob das wirklich so gut funktioniert, wie sich das jetzt anhört, das haben wir eine gefragt, die die Bildungsprämie schon in Anspruch genommen hat: Wenke Müller nämlich. Die zweifache Mutter aus Dresden ist zwar angestellt, betreibt aber zusätzlich ihr eigenes kleines Modelabel Tomkeknits.

Foto: Uta Kilian-Moes

Von einer Bekannten hatte sie von der Bildungsprämie erfahren. Zum ersten Mal genutzt hat sie die Förderung während ihrer Elternzeit vor etwa zwei Jahren.

„Damals habe ich einen Kurs an der Volkshochschule Dresden besucht“, sagt sie. Dieser bereitete sie und die anderen Teilnehmer auf die Prüfung zum Cambridge-Zertifikat Level C1 vor. „Ich habe den Kurs erfolgreich bestanden und mich aus dieser guten Erfahrung heraus erneut um eine Bildungsprämie bemüht“, erzählt sie.

Und das klappte. Sie machte also nun auch noch eine Wordpress-Schulung, durch die sie zusammen mit dem Kursleiter René Holz ihre eigene Webseite aufbauen konnte. „Das klappte nicht komplett während der Kurs-Zeit, aber durch die Kursleitung habe ich jetzt auch im Nachhinein auch noch ein gutes Handout und einen kompetenten Ansprechpartner.“ Deshalb würde sie die Bildungsprämie jederzeit weiter empfehlen.

Wie das konkret geht, für wen die Bildungsprämie in Frage kommt und welche schönen Geschichten daraus entstehen können, das haben wir aber auch noch Eva Linke gefragt.

Linke ist Bildungsprämien-Beraterin im Beratungshaus Aachen (in Trägerschaft der Sprachenakademie Aachen) und hat wirklich auf jede Frage zum Thema eine Antwort.

Frau Linke, Sie sind Bildungsprämien-Beraterin. Wer genau kann sich denn an Sie wenden und hat eine Chance auf die Bildungsprämie?

Linke: Die Bildungsprämie ist aus meiner Sicht ein wunderbares Förderinstrument, von dem viele Menschen in ganz Deutschland profitieren können. Da es um die Unterstützung von individueller beruflicher Weiterbildung geht, bekommen die Bildungsprämie Beschäftigte, auch Selbstständige, die mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten.

Für wen ist das interessant?

Das ist dann auch interessant für Mütter und Väter in Mutterschutz oder Elternzeit und jemanden, der Pflegezeit für Angehörige nimmt. Außerdem gibt es eine Einkommensgrenze, die bei 20.000 Euro bzw. 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen (bei steuerlich gemeinsam veranlagten Eheleuten) liegt. Wir helfen in der Beratung auch gerne mit Tipps, wie man diese Grenze berechnen kann, denn vom eigentlichen Gehalt kann man ja noch das ein oder andere abrechnen, z.B. Kinderfreibeträge.

Ich sage immer, jede Beschäftigte, die einen Weiterbildungswunsch hat, sollte sich bei einer der zahlreichen Beratungsstellen melden. Wir prüfen dann gemeinsam, ob alle Kriterien erfüllt sind.

Das heißt, die Bildungsprämie kann gerade auch eine Chance für berufstätige Mütter sein?

Unbedingt! In unsere Beratungsstelle kommen sehr viele Frauen, die angestellt, selbstständig oder in Elternzeit sind. Ich finde es immer wieder toll, dass sie sich so aktiv um ihre berufliche Entwicklung kümmern und Weiterbildung nutzen, um ihren Job noch besser machen zu können, sich neue Arbeitsfelder zu erschließen oder in der Familienphase am Ball zu bleiben!

Wie hoch sind die Prämien, die Sie für Antragsteller zur Verfügung stellen, und wovon hängt diese Höhe des Betrages ab?

In der Beratung bekommen die Antragstellerinnen und Antragssteller direkt einen Prämiengutschein, den sie beim Weiterbildungsträger einlösen können – und man zahlt dann nur den ermäßigten Betrag. Der Gutschein finanziert 50 Prozent der Weiterbildung, aber maximal 500 Euro als Förderanteil. Ist der Kurs teurer als 1.000 Euro, muss man eben selbst einen höheren Eigenanteil zahlen. Kostet er weniger, bleibt es bei dem Verhältnis 50 zu 50 Prozent. Ich finde, das ist eine tolle Unterstützung, gerade auch bei teureren Kursen, die man sonst vielleicht nicht nutzen könnte.

Ihr Job klingt für uns als Außenstehende ganz wunderbar. Sie dürfen Menschen helfen, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Ist die Arbeit so schön, wie sie klingt?

Auch hier ein klares Ja! Die Ratsuchenden freuen sich doch immer, dass sie ein Geschenk bekommen und dass das recht unbürokratisch geht. Sicher müssen wir in der Beratung auch die Formalia bearbeiten, z.B. den Einkommensnachweis prüfen. Aber das geht wirklich schnell.
Und fast immer entwickelt sich dann ein kleines Gespräch über den Beruf, die Ziele, die Vereinbarkeit mit dem Familienleben. Ich liebe meine Arbeit unter anderem auch deswegen, weil ich die Chance habe, in so viele verschiedene Lebenswege hineinschauen zu dürfen. Oft fühle ich Respekt und Bewunderung vor allem für Frauen, z.B. eine Alleinerziehende, die sagt „Ich mache das mit dem Kurs. Das kostet zwar Geld und Kraft, aber ich investiere jetzt in mich selbst!“

Und gerne gebe ich, und auch die anderen Beratungskolleginnen und -kollegen in Deutschland, wenn es passt, weitere Tipps zu Beruf, Weiterbildung oder anderen Lebensfragen. Wir Beratungsstellen arbeiten ja in der Regel breit aufgestellt und vernetzt.

Gibt es Fälle, die Ihnen auch nachhaltig in guter Erinnerung bleiben?

Viele Menschen bleiben mir tatsächlich im Gedächtnis, und manche kommen auch wieder, denn die Bildungsprämie kann man ja einmal im Jahr beantragen.

Sehr in Erinnerung geblieben ist mir Frau H., eine fünfzigjährige Alleinerziehende mit 16-jährigem Sohn, eine Frau mit viel Power, aber auch vielen Lebenskrisen. Sie hatte keine abgeschlossene Ausbildung, arbeitete aber seit Jahren im kaufmännischen Bereich.

Mit der Bildungsprämie hat sie einen Vorbereitungskurs auf die Externenprüfung zur Kauffrau für Büromanagement finanziert, um endlich einen Abschluss zu haben. Neulich rief sie an: „Frau Linke, ich hab‘s geschafft! Ich bin platt, aber ich hab‘s geschafft!“ Das war an dem Arbeitstag mein Highlight.

 

Tags: Förderung, Weiterbildung, Vereinbarkeit, Familie, Job, Kinder, Eltern, Mutter, Vater, Karriere

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Kommentare

Julia — Fr, 07/13/2018 - 08:01

aber die Einkommensgrenze ist ganz schön niedrig (40.000€ brutto bei Eheleuten). Für mich kommt es leider nicht in Frage. Schade, aber der Artikel macht Lust, eine Weiterbildung zu machen. Dankeschön.

Linda Rückl — Fr, 07/13/2018 - 22:26

Es gibt ja nicht nur die Bildungsprämie! Für jede Aufstiegsweiterbildung ( Meister, Techniker, Fachwirt, Betriebswirt) gibt es das Aufstiegs-Bafög, welches 40% der Weiterbildungskosten plus Prüfungsgebühr beträgt. Die restliche Summe kann man über einen KfW Darlehen finanzieren und erhält bei bestandener Prüfung nochmals 40% erlassen. Somit liegt der bezuschusst Teil bei 64%. Dazu noch die steuerlichen Vorteile, wie Fahrkosten usw. Dies Zuschüsse werden viel zu wenig kommuniziert. Viele sehen nur die Kosten und schrecken dann zurück, jedoch durch die Zuschüsse wird es doch für viele finanzierbar.

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