Serie „Und Ihr so?“

28/06/2016 - 07:45

Land-Mama Lisa

„Und Ihr so?“: Heute bei Anna und Björn, die das Leben sooo positiv begreifen

In unserer „Und Ihr so?“-Fragereihe geht es uns darum verschiedene Familien mit verschiedenen Lebensmodellen und verschiedenen Ansichten und verschiedenen Vorlieben vorzustellen. Wie leben andere, wie denken sie?   

Wer seid Ihr?

Wir sind drei Vagabunden, eine Patchwork-Familie, die sich gefunden hat. Anna (38), Björn (38) und Mark (5). Wir leben im Schwarzwald, verbringen unsere Freizeit möglichst gerne an neuen Orten. Ob Naturcampingplatz um die Ecke, Festivals in den Schweizer Bergen oder Überwintern in Asien oder Mexico. Glücklich machen uns sonnige Tage in der Natur. Freunde und Musik dürfen in unserem Leben auch nicht fehlen. 

Was heißt für Euch Heimat?

Ein Ort, an dem wir zusammen sein können und uns alle wohlfühlen. Von der geografischen Lage erst mal unabhängig. Dieses wird sich im Laufe unseres Lebens hoffentlich immer wieder ändern.

Wie wohnt Ihr?

Wir sind eine recht junge Familie, haben im Dezember 2015 geheiratet. Ein Jahr nach unserer ersten Begegnung. Aktuell sind wir auf der Suche nach einem Häuschen mit Garten auf der badischen Seite des Schwarzwaldes. Garten, lichtdurchflutete Räume zum Leben, Toben und Arbeiten. Es soll ausreichend Platz sein, um Ideen, die in unseren Köpfen rumgeistern, Raum zu geben. Ob Bongos spielen oder Freiraum für 5-Rhythmus-Tanz mit Gleichgesinnten und Freunden.

Wie hat sich Eure Wohnsituation verändert seit Ihr Kinder habt?

Wir sind mehr an einen Ort gebunden. Mark geht in die Kita, wird nächstes Jahr eingeschult. Unsere winterlichen Auszeiten in der Sonne werden dann ein Ende haben. Allerdings gibt es auch da Impulse, wie wir trotzdem immer wieder die Welt ein bisschen mehr entdecken können.

Was tut Ihr vormittags?

Mark geht bis 15 Uhr in die Kita. Diese Zeit nutzen wir, um unsere Projekte voranzutreiben und Aufgaben, die Konzentration erfordern, zu erledigen. Anna ist Gründerin des Stillmode-Labels Mania, einer Firma, die Kleidungsstücke anbietet, die aus Eigenbedarf während ihrer eigenen Stillzeit entstanden sind. Björn arbeitet als Freelancer im Technologietransfer. Aktuell an einem grünen Projekt, welches die Einsatzfelder von Lastenfahrrädern durch Wasserstofftechnologie vorantreibt.

Und nachmittags?

Nachdem wir Mark aus der Kita geholt haben, heißt es für uns Zeit draußen zu verbringen. Wir machen Runden mit dem Fahrrad, gehen auf Spielplätze oder in den Wald, um Stockbrot zu machen. Manchmal setzen wir uns einfach nur in ein Café und lassen uns die Sonne auf die Nase scheinen. Von fixen Freizeitterminen für Mark haben wir Abstand genommen. Wir entscheiden spontan und nach Lust und Laune, was wir wann machen. Demokratisches Stimmrecht vorausgesetzt ;o)

Vereinbarkeit: Wie glücklich seid Ihr mit der Situation?

Wir leben einen nahezu optimalen Spagat zwischen Zeit für die Familie haben und trotzdem berufliche Projekte voran treiben zu können. Das wissen wir auch wirklich zu schätzen! So großartig diese Selbstbestimmtheit und zeitliche Flexibilität ist, so hat sie aber auch ihre Tücken. Sobald Mark im Bett ist und Ruhe einkehrt, entwickelt sich regelmäßig diese enorme Kraft, die uns jeweils an den Computer zieht. Wir sind beide ehrgeizig und unsere Köpfe voller Ideen. Und dann wird es schnell 23.00 Uhr. Auch am Wochenende können wir uns oftmals dieser Anziehung nicht widersetzen. Gemütliche Abende und Zeit für Zweisamkeit bleiben dann manchmal auf der Strecke.

Was bedeutet Gleichberechtigung für Dich?

Die Integrität des anderen zu wahren. Jeder von uns drei hat eigene Ideale, Werte und Wünsche und möchte diese mit dem realen Leben unter einen Hut bringen. Dabei unterstützen wir uns gegenseitig so gut wir können und versuchen durch offene und tabulose Kommunikation eine möglichst faire Ausbeute für jeden von uns zu erzielen. Wir üben uns täglich darin die Brille des Anderen aufzuziehen und das Leben aus seiner Perspektive zu betrachten. Meistens klappt es ganz gut! ;o)

Was ist etwas, mit dem Du nie gerechnet hast bevor Du Mutter/Vater wurdest?

Anna: Mark hat mein Leben komplett auf den Kopf gestellt! Nichts ist mehr so, wie es vorher war. Und das ist verdammt schön so! Er bringt soviel Sonne in mein Leben, ist mit seiner Fröhlichkeit und Lebensneugier ein großer Lehrer. Durch ihn wurde ich aber auch an meine körperlichen und psychischen Grenzen gebracht. Chronischer Schlafmangel über 2,5 Jahre ist eine Erfahrung für sich. Diese Zeit liegt zum Glück schon lange hinter uns! Durch Mark lerne ich täglich das Leben durch Kinderaugen zu betrachten. Auf Dinge mit Spontanität und vollem mit ganz viel Begeisterung zu reagieren. Das Planen und Festhalten sein zu lassen. Und dann die ganzen Veränderungen. Aus Frankfurt wurde Freudenstadt. Aus meiner Festeinstellung Selbständigkeit. Anstatt Mitarbeiter zu rekrutieren und zu entwicklen, kreiere ich heute Mode für stillende Frauen (siehe unten). Mark war dafür meine Muse ;o)

Björn: Als Mark geboren wurde, lebte ich in Genf und kannte meine künftige Familie noch gar nicht. Drei Jahre später veränderte der kleine Knopf mein Leben dann doch ziemlich. Allerdings nicht so, wie ich es mir dachte. Der Gedanke an ein Leben mit Kind ging bei mir immer mit dem Gedanken an Opfer einher. Durchweg eingeschränkt und fremdbestimmt zu sein - egal ob bei den Freizeitaktivitäten, bei der Art des Reisens oder in der Gestaltung des Alltags. Faktisch musste ich mir aber eingestehen, dass Einschränkungen hauptsächlich im Kopf geschehen. Kaum kannten wir uns zwei Monate, gingen wir für mehrere Wochen nach Asien. Und es war toll! Nach einem aktiven Nachmittag mit dem Energiebündel bin ich selbst so ausgepowert, dass ich mich auf nichts sehnsüchtiger freue, als auf eine heiße Badewanne. Ein Leben mit Kind verändert - auch die eigenen Wünsche und Bedürfnisse.

Inwiefern würdet Ihr Euer Leben optimieren, wenn Ihr könntet?

Optimieren wollen wir nur bedingt! Unsere Wohnsituation zum Beispiel, aber auch hier ist unser Leidensdruck nur mäßig hoch. Ansonsten ist das Optimieren aus unserer Erfahrung der schnellste Weg, um sich unglücklich zu machen. Viele Dinge dürfen ruhig unperfekt sein und bleiben, wenn wir auf der anderen Seite Lebensqualität und Zeit für uns gewinnen, ist das ein fairer Deal.

Was ist Euch als Familie wirklich wichtig?

Unseren individuellen Lebensplan zu leben und uns von Konventionen möglichst wenig beeindrucken zu lassen!

 

P.S.

Die stillfrreundliche Mode von Anna ist übrigens der Knaller. Schaut echt mal vorbei. Das ist genau das, wonach ich damals gesucht habe... Es gibt stillkompatible Kleider, Oberteile, Schals - praktisch und schön...

 

 

Tags: Familie, Reise, Urlaub, Ferien, Selbstverwirklichung, Wohnen, Mamablog

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