An die Kinderwagen-Hasser

Liebe Kinderwagen-Hasser von Prenzlauer Berg,

als ich heute (ja, mit meinem Bugaboo-Kinderwagen) zum Rewe schlenderte, habe ich euer selbst gemachtes Plakat entdeckt. Ein Bugaboo und daneben ein unterernährtes afrikanisches Kind. Unter neben Kinderwagen steht: „999,00 EUR for your happy child.“

Wow, dachte ich im ersten Moment: Das sitzt!

Nur dummerweise habe ich die Eigenschaft solche Dinge dann auch zuende zu denken. Gerade solche (zugegeben gut gemachten) Provokationen treffen mich im ersten Moment. Mein Stadtteil ist ja eh die Zielscheibe aller möglichen Anfeindungen gegen Schwaben, Zugezogene, etc. Diverse Presseartikel sind zu dem Thema erschienen. Wie zum Beispiel dieser hier.

Es wird euch wundern, aber ich die Bugaboo-Fahrerin stelle meine Lebensführung oft in Frage. Deshalb:

  • Habe ich mein Konto bei der Deutschen Bank gekündigt, weil ich lesen musste, dass dieses Geldinstitut mit Lebensmittel-Preisen spekuliert
  • Spende ich für die Amputees in Sierra Leone
  • Kaufe ich nur Bio-Fleisch und das nur einmal die Woche
  • Bin ich bei Food-Watch aktiv
  • Bücke ich mich nach jedem Regenwurm, der nach dem Regen hilflos auf dem Gehwegpflaster liegt

 

Und deshalb ärgern mich auch solche Pauschalveruteilungen sehr. Mir (die einige Afrikanistik-Scheine während ihres Studiums gemacht hat und monatelang in Afrika war) weiß, dass die Hunger-Katastrophe in Dafur, der Genozid in Ruanda oder die Dürren in Äthopien nicht druch mangelnde Entwicklungshilfe oder Spenden erst so schlimm wurden, sondern durch grausame Warlords und korrupte Staatschefs.

Also demnächst, wenn ihr mal wieder Kopierpapier zu viel übrig haben solltet, macht doch mal einen Spendenaufruf für ein kleines lokales Projekt in Afrika. Das macht dann Sinn. Und ich würde sogar spenden.

 


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