Gastbeiträge

16/10/2018 - 07:45

Stadt-Mama Katharina

Chronische Brustentzündung: Wie schwierig das für Helen war

Krank wird man oft ohne Vorwarnung. Plötzlich ist sie da, die Krankheit. So war es auch bei mir. Von einem auf den anderen Tag bekam ich eine dicke Brust, sie schmerzte. Es war eine Brustentzündung. Nur, dass ich nicht stillte. Ich war in der 10. Woche mit meinem dritten Kind schwanger. 

Ich ging am nächsten Tag sofort zum Arzt. Er war ratlos, kam nicht sofort auf eine Brustentzündung, obwohl ich mir bereits ziemlich sicher war. Der Ultraschall zeigte nichts an. Zwei Tage später ging ich ins Krankenhaus. Ich hatte starke Schmerzen, meine Brust war steinhart. Dort versuchte man ,die Entzündung zuerst mit einem Antibiotikum zu behandeln. Nachdem dies erfolglos blieb, musste ich unter Vollnarkose operiert werden. Das alles im Ausland. Ich lebe mit meiner Familie in Jordanien, in Amman.

Nach der Operation sagte der Chirurg, dass er noch nie eine derartig bösartige Brustentzündung gesehen hatte. Unter meinem Brustgewebe war eine riesen große Ansammlung von sehr zähflüssigem Eiter. Da die Masse so dick und zäh war, konnten die Ärzte auf dem Ultraschall keine Flüssigkeiten oder Abszessbildung erkennen. Ich wurde ambulant weiter behandelt und durfte nach Hause gehen.

Doch nur eine Woche später bildete sich eine erneute Entzündung, die so viel mehr schmerzte als die erste und noch bösartiger war. Ich musste wieder operiert werden, blieb diesmal eine Woche stationär in der Klinik. All dies mit meinem kleinen Baby im Bauch und meinen 2 Kindern im Alter von fünf und zweieinhalb Jahren zu Hause.

Mein Mann meisterte diese Situation wunderbar. Er kümmerte sich liebevoll um die beiden großen Kinder. Machte sie morgens fertig, brachte sie in die Kita, kochte und brachte sie abends ins Bett. Er war bei den OPs an meiner Seite, war da, wenn ich aufwachte. Er gab mir in jeder Minute das Gefühl: "werde Du gesund, ich habe alles im Griff." Und nebenbei arbeitete er natürlich auch noch. Es war wichtig für mich zu sehen, wie eng man noch als Familie zusammenwachsen kann, wie man über sich herauswächst.

Ich hatte entsetzliche Sorgen vor den OPs. Vorallem hatte ich Angst, dass dem Baby im Bauch etwas passieren könnte. Sogar die Möglichjeit eines Schwangerschaftsabbruches stand im Raum, weil wir nicht sicher waren, wie die Auswirkungen auf das Baby sein würden. Aber die Ärzte in Amman und mein Frauenarzt in Deutschland beruhigten mich. Meinem Kind würde es gut gehen, ich solle mir nicht zu große Sorgen machen.

Nach der zweiten OP blieb ich zwei Wochen symptomfrei bis sich ein fühlbarer neuer Abszess bildete. Nachdem wieder kein Antibiotikum anschlug, flog ich nach Deutschland in eine spezielle Brustklinik nach Erkelenz und ließ mich dort vom Chefarzt behandeln. Die Betreuung und Beratung dort war von Anfang bis Ende einfach nur toll. Da ich an einer sehr seltenen Form der Brustentzündung litt, dauerte aber auch hier im Krankenhaus der Heilungsprozess mehrere Wochen. Ich benötigte zwei weitere Operationen, musste einige Wochen stationär behandelt werden, und auch zu Hause in Mönchengladbach ging der Prozess noch einige Wochen weiter.

Aber im Vergleich zum Ausland in Amman wurde ich mit den besten und neuesten Methoden behandelt. Nachdem die Punktion des Abszesses keinen Erfolg zeigte, weiterhin kein Antibiotikum wirkte und sich die gesamte Brust wieder entzündete, musste ich erneut operiert werden. Ich bekam Drainageschläuche mit Vakuumflaschen. Eine vielversprechende Behandlungsmethode, die das Wundsekret abfließen lässt und die Heilung des Gewebes fördern soll. Wir setzten das Antibiotikum ab, um die Chance zu bekommen, ein Bakterium und eine Kultur bestimmen zu können. Leider blieb auch dies erfolglos, die Schmerzen der Drainageschläuche und Vakuumflaschen waren sehr stark.

Ich muss sagen, dass es ein sehr schwerer, schmerzhafter und für mich endloser Leidensweg war. Ich war an einem Punkt der Hoffnungslosigkeit angekommen, dass man mir auch in Deutschland nicht helfen kann. Ich fürchtete, dass diese Krankheit chronisch bleiben würde. Ich hatte von vielen Fällen gelesen, in denen Brustentzündungen und Abszesse immer und immer wieder kamen. Nur wenige Tage später wurde ich wieder operiert, da die Entzündung wieder ausbrach. Der Chefarzt wirkte ratlos, aber er wollte nicht aufgeben. 

Ich las viel im Internet und schlug dem Arzt vor, einen speziellen Prolaktinhemmer zu probieren und verwies immer wieder auf Kortison hin. Beides sollte helfen. Wir versuchten ein weiteres Antibiotikum und den Hemmer. Der Arzt sagte, er würde Kortison erst nehmen, wenn es Hinweise gibt, dass es hier das richtige Medikament se,i da die Nebenwirkungen zu stark seien. Der Hemmer wirkte aber bereits und stellte die Brust sofort ruhig. Während der zweiten Operation in Deutschland entnahm der Arzt eine Gewebeprobe und konnte eine Historie erstellen. Dies brachte endlich die finale Diagnose: Ich litt an einer ideopathischen granulomatösen Mastitis.

Das ist eine Autoimmunkrankheit, die nicht mit einem Antibiotikum, sondern nur mit Kortison behandelt werden kann. Somit bekam ich das Kortison und bin mittlerweile über 5 Wochen schmerz- und symptomfrei. Es ist für mich wie ein Wunder, wieder gesund zu sein. Wieder für meine Kinder da sein zu können. Mich auf meine Schwangerschaft zu freuen! Unserem Neugeborenen geht es gut. Ich muss nur den Wachstum genauestens überprüfen, alle zwei Wochen. Bis jetzt wächst der Kleine brav weiter, alles verläuft gut. Nur meine Brust wird nie wieder schön sein. Sie ist voller Narben und wird mich immer an diese Zeit erinnern. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass es unserem Baby gut geht, dass es meinen Großen gut geht. Dass wir als Familie diese schlimme Zeit überstanden haben. Die Zeit, wenn Mama plötzlich krank ist, und das noch in der Schwangerschaft. Unbeschreiblich wichtig ist auch für mich, dass ich auch unser drittes Kind stillen kann. Es gibt keine Hinweise, dass diese Krankheit erneut durch die Geburt ausbrechen könnte. 

Die Nebenwirkungen des Kortison sind wirklich nicht zu unterschätzen. Ich schlafe sehr schlecht, mein Kopf bleibt nicht mehr still, man ist kirre. 10 Wochen Therapie, eine lange Zeit. Rückblickend fühlte ich mich beraubt vieler Wochen, die ich nicht mit meinen kleinen Kindern verbringen konnte. Keine Ausflüge, kein Kuscheln. Viele Wochen war ich allein in Deutschland, das erste Mal getrennt von meinen Kindern. Ich fühlte mich auch meiner letzten Schwangerschaft beraubt, die ich so gar nicht genießen konnte. Aber all das spielt jetzt keine Rolle mehr, ich bin dankbar, wieder gesund zu sein und kann nun alle Dinge nachholen.

Ich kann allen Frauen empfehlen, bei Krankheiten die wiederkommen und nicht gleich behandelbar sind, viel selbst zu recherchieren. Ich habe mir gezielt einen Spezialisten gesucht, dem ich vertraut habe und durch mein angelesenes Wissen war ich immer aktiv involviert. Geholfen haben mir auch viele Einträge im Internet zu den Brustentzündungen. Durch die Erfahrungsberichter der anderen Frauen fühlte ich mich nicht so alleine. 

Die schweren Monate haben mich und mein Baby im Bauch ganz besonders eng zusammenwachsen lassen. Ich freue mich schon so sehr darauf, den kleinen Mann in den Armen zu halten und ihn zu küssen. 

 

 

 

 

 

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Kommentare

Kathrin — Di, 10/16/2018 - 20:38

Schön, dass es der Autorin wieder gut geht. Dennoch finde ich den Rat selbst zu recherchieren nicht uneingeschränkt gut. Viele ziehen daraus katastrophale Schlüsse und auch Kortison ist kein Medikament, was in der Schwangerschaft geeignet ist. Natürlich ist es bei so schwerer Krankheit eine Einzelfallabwägung und bevor noch viele weitere Operationen und Medikamente folgen die bessere Entscheidung es zu nehmen, dennoch finde ich es zu wenig herausgestellt, dass es gerade für das Ungeborene erhebliche Risiken mit sich bringt

Helen — Do, 10/18/2018 - 09:17

Liebe Kathrin, ich habe die Risiken doch erwähnt für das Ungeborene. Zum einen habe ich frühzeitig mit den Ärzten über die die Möglichkeit eines Abbruches geredet gerade weil ich Angst vor den Risiken hatte. Mir haben die Ärzte gesagt, dass es keinen Grund dafür gäbe. Ebenso bei dem Kortison. Ich nehme eine sehr kleine Dosis, es kommt nur sehr wenig durch die Plazenta. Ja, das Wuchstum kann sich verlangsamen. Darum kontrolliere ich alle 2 Wochen das Gewicht und die Maße des Babies. Ich höre außerdem mit der Therapie vor der Geburt auf. Weitere Komplikationen für das Baby würden nur erfolgen, sollte ich das Medikament über die Geburt hinaus nehmen. In meinem Fall wäre es keine Option gewesen, KEIN Kortison zu nehmen. Weitere Operationen und Vollnarkosen wären viel schlimmer gewesen. Ab der 30 SSW kann es zu Frühgeburten durch Vollnarkose kommen. Von den Schmerzen und Schmerzmitteln wollen wir gar nicht reden. Ich kann Dich versichern, dass die Gesundheit des Babies sehr wichtig für mich war und ist und ich die beste Entscheidung für uns beide getroffen habe. Es würde mich aber interessieren, welche Informationen Du über Kortison hast, die mir nicht vorliegen. Zum Thema Recherche: In meinem Fall war es richtig, sich selbst zu informieren. Ich wollte mit meinem Text anderen Frauen helfen und zeigen, wie ich es gemacht habe. Natürlich kann das in anderen Fällen falsch sein. Mir hat es aber sehr geholfen.

Gast — Di, 10/16/2018 - 22:45

Die eigene Recherche, grade im Internet, ist wohl Fluch und Segen zur gleichen Zeit. Einerseits birgt sie die Gefahr, sich selbst und das Umfeld durch falsche Interpretationen oder voreilige Schlüsse verrückt zu machen. Andererseits kann man sich, wie im Beitrag geschildert, mit anderen Betroffenen austauschen und dadurch nützliche Informationen erhalten, die vielleicht sogar auf dem Weg zur richtigen Diagnose behilflich sein können.

Helen — Do, 10/18/2018 - 09:35

Ja alles hat Vor- und Nachteile. Mich hat verrückt gemacht, dass ich viele Fälle von chronischer Brustenzündung gefunden habe, viele Leidenswege, aber die Frauen haben nie von der Heilung berichtet. Deswegen habe ich diesen Text geschrieben, um bis zum Ende zu berichten. Welche Krankheit ich genau hatte und was mir genau geholfen hat. Ich hoffe sehr, anderen Frauen hiermit helfen zu können. Klar ist das Internet Fluch und Segen zugleich. Für mich war es aber mehr Segen als Fluch.

Breuer Stefanie — Mi, 11/13/2019 - 22:15

Liebe Helen. Ich habe das gleiche Problem wie Sie hatten könnten wir uns in Verbindung setzen ich bin auch echt verzweifelt. Liebe Grüße Steffi

Nadine — So, 07/14/2019 - 11:20

Hallo, der Beitrag ist zwar schon länger her aber vielleicht besteht ja trotzdem noch die Möglichkeit des Austausches. Auch bei mir wurde eine granulomatöse Mastitis diagnostiziert. Allerdings bekommen meine Ärzte diese nicht wirklich in den Griff!

Rahel Althenn — Fr, 11/01/2019 - 12:12

Gerne würde ich mich austauschen wollen, da es meine Ärzte auch nicht wirklich in den Griff bekommen.

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