Interviews

20/10/2018 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

"Darum stand für mich fest, dass ich nicht stillen will" - Interview mit Alexandra

Liebe Alexandra, in den sozialen Medien wurde kürzlich wieder über das Stillen diskutiert. Du hast uns dazu geschrieben, dass Du dich bewusst dafür entschieden hast, Deine Tochter nicht zu stillen. Erzähl mal warum. 

Meine Tochter ist heute vier Jahre alt. Wir haben sehr lange auf diese Schwangerschaft gehofft, Charlotte ist ein absolutes Wunschkind. Ich musste in und nach der Schwangerschaft Blutverdünner spritzen und niemand konnte mir garantieren, dass diese Medikamente sich nicht auf das Kind übertragen weden. Schon deshalb schloss ich das Stillen für mich aus. Und es gab noch einen weiteren Grund. Ich bin chronisch krank - ich wollte also sicher sein, dass die Kleine gut versorgt ist, wenn ich gesundheitlich bedingt mal ausfalle. Da war klar, dass Ersatznahrung dies sicher stellen würde. 

Wie hat denn Dein Umfeld auf Eure Entscheidung reagiert?

Ich habe eine wunderbare Familie, die immer hinter mir steht. Mein Mann und meine Eltern haben von Anfang an gesagt, dass es egal ist, wie ich mich entscheide - für sie ist alles in Ordnung. Unsere Freunde haben sich nicht geäußert. 

Und was hat Deine Hebamme dazu gesagt?

Leider habe ich keine positive Beziehung zu meiner Hebamme, ich bin da wohl an die falsche geraten. Wir haben uns auch nicht besonders häufig gehen, daher war es mir auch total egal, was ihre Meinung dazu war. 

Wie war die Situation im Krankenhaus? Hattest Du dort Ansprechpartnerinnen?

Ja, absolut. Die Betreuung in der Geburtsklinik war wunderbar. Die Hebammen dort haben mich in meiner Entscheidung begleitet und unterstützt. Niemand hat mir das Gefühl gegeben, ich sei eine schlechtere Mutter, nur weil ich nicht stille. 

Wie war dein Mann in das Ganze eingebunden? 

Mein Mann und ich haben uns genau informiert. Wir haben viel mit Ärzten und miteinander gesprochen. Das Schöne war, dass er mir die Kleine viel abgenommen hat. Er hat sie gefüttert, gewickelt oder einfach nur Zeit mit ihr verbracht. So hatte ich Zeit für mich. 

Hattest du oft das Gefühl, dass du dichin der Gesellschaft für das Nicht-Stillen rechtfertigen musst?

Am Anfang habe ich mich oft gerechtfertigt, aber irgendwann wurde mir bewusst, dass es keinen etwas angeht, warum - weshalb - wieso ich mich wie verhalte. In meiner ersten Krabbelgruppe waren jedoch einige Mütter, die totale Still-Anhänger waren. Da habe ich schon gehört: "Wie kannst Du es Deinem Kind antun, es nicht zu stillen? Das ist doch schlecht für die Gesundheit!"  Ich habe diese Gruppe dann relativ schnell verlasssen.

Welcher Vorwurf hat dir am meisten zugesetzt? 

Es ist eher das Gesamtpaket, also keine gute Bindung, schlecht fürs Immunsystem und so weiter. 

Und? Hast Du eine schlechte Bindung zu Deinem Kind? 

Nein. Charlotte und ich haben eine sehr innige und wundervolle Beziehung.

Findest du, dass es momentan einen Still-Hype gibt?

Oh ja, das finde ich. Ich finde, jeder sollte für sich selber entscheiden dürfen, ob er stillen möchte oder nicht. Und ich finde, dass niemand das Recht hat, einfach so über einen anderen zu urteilen. 

Was willst du Frauen in ähnlichen Situationen mit auf den Weg geben?

Bitte hört auf Euer Bauchgefühl - und nicht darauf, was andere sagen. Und sucht Euch eine vertraute Person, mit dr ihr über alles reden könnt!

 

Foto: Pixabay

Tags: Stillen, Brust, Baby, Entscheidung, Stillbeziehung

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Kommentare

anja — Sa, 10/20/2018 - 10:02

dieses thema ist doch so ausgelutscht. die diskussion langweilt mich unendlich.

Martina — Sa, 10/20/2018 - 11:24

Jede Frau darf für sich selbst entscheiden ob sie stillen möchte oder nicht, absolut. Und ja, es gibt manchmal auch Gründe, da ist es vielleicht sogar besser sich gegen das Stillen zu entscheiden. Niemand hat das Recht eine Frau deswegen zu verurteilen, sehe ich ganz genauso. Aber, diesen Still-Hype finde ich gut. Werbung fürs Stillen ist absolut unterstützenswert. Denn Stillen IST generell nun mal die beste und gesündeste Ernährung fürs Kind. Das ist nun mal einfach eine Tatsache.

Katharina — Sa, 10/20/2018 - 13:01

Finde ich auxh so! „Überall“ ist Werbung für Flaschennahrung, unterwegs sieht man eigentlich nur „Flaschenkinder“, da gibt es auch kein genervtes: „jetzt reicht es aber mal!“.

Marina — Sa, 10/20/2018 - 13:04

Ich schließe mich meiner Vorrednerin an, ich fand den Artikel leider auch eher langweilig. Alexandra schreibt dass eigentlich niemand sich negativ dazu geäußert hat dass sie nicht stillt, bis auf ein paar Mütter in einem Kurs. Die hat man überall, das ist nun echt nix worüber es sich zu schreiben lohnt, finde ich.

Line — Sa, 10/20/2018 - 21:32

, dass sich niemand negativ geäußert hat aus dem engeren Umfeld.... Dem Interview fehlt die emotionale Seite...

Ziege — Sa, 10/20/2018 - 13:22

Ich finde sogar, man braucht keine medizinische Erklärung oder Krankheit, um nicht zu stillen. Auch das sollte OK sein. Das vor anderen durchzuziehen bedeutet aber mehr Mut haben zu müssen, als mit den o. G. Begründungen in petto.

Bine — So, 10/21/2018 - 11:51

Ich wollte nur klarstellen, dass man natürlich auch mit bluverdünnenden Medikamenten stillen kann und darf. Entsprechende Informationen gibt es genug im Internet. Müsste selbst diese Medikamente nehmen und das der Arzt dazu keine Info geben kann bezweifle ich stark. Ob man natürlich stillen will ist ja eine andere Sache. Leider frage ich mich immer noch was uns der Artikel sagen soll? „ stillen ist das beste fürs Kind- ich mach’s aber trotzdem nicht?“ oder soll es einfach eine Provokation sein? Kann doch jeder selbst entscheiden. Also jeder wie er will...

Martina S — Di, 10/23/2018 - 14:59

Ich finde das Thema nicht ausgelutscht. Es sollte mehr Frauen geben, die sich gegen das Stillen äussern. Aus welchen Gründen auch immer. Ich habe 3.5 Monate gestillt und wurde immer wieder dafür kritisiert. "hattest wohl keine Geduld", "du hast ja nicht wirklich lange gestillt, kannst also nicht so mitreden" etc. Solche Aussagen verunsichern viele Frauen. Man hat ja sonst keinen Druck von der Gesellschaft als Mutter *Achtung-Ironie* Ich hatte ständig das Gefühl ich müsse mich rechtfertigen und erklären. Ich hatte zu dieser Zeit nicht das Selbstbewusstsein wie heute. Es wird viel kritisiert und man ist doch, was das Kind betrifft einfach etwas empfindlicher. Jeder versucht doch immer einfach das Beste für sein Kind zu tun. Jeder tut das, was er denkt, ist das Beste. Da gehen Meinungen eben auseinander. Ist die Stillnahrung wirklich das Beste, wenn man sich quälen muss? Muss der Druck so hoch sein, dass man sich als Versagerin fühlen muss, weil man nicht stillen kann? (Aus welchen Gründen auch immer) Es geht ja auch nicht immer nur um das Thema Stillen. Es wird allgemein immer so schnell geurteilt. Als neue Mutter ist mir das soooo aufgefallen und es hat mich anfangs sehr beschäftigt. Mittlerweile umgebe ich mich echt gerne mit Mütter, die einfach die selbe Meinung haben, da ich mich nicht rechtfertigen möchte oder über gewisse Dinge unendliche Diskussionen führen möchte.

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