Landleben

26/06/2019 - 06:30

Land-Mama Lisa

Die überforderte Mutter: Von ätzenden Tagen und der Gewissheit, dass bessere kommen

Ihr Lieben, ihr kennt uns ja hier sehr ehrlich und geht es euch manchmal nicht auch so, dass ihr euch einfach an manchen Tagen in einem tiefen Loch vergraben wollt? An Tagen, die schon mit Geschwisterzoff beginnen, mit einem verstopften Klo weitergehen, an denen du allein verantwortlich bist, weil keiner sonst da ist.

In denen alle dauernd Huuuuuuuunger haben, Maaaaama rufen und umgekippter Apfelschorle und du doch eigentlich gerade eine Pause brauchst? In denen du das Gefühl hast, eingesperrt zu sein in das Korsett aus Schule und Arbeit und Hausaufgabenbetreuung und Kinderhobbys und Haushalt – während da draußen alle anderen Spaß haben und Freiheiten und Urlaub? Du im dunklen Maulwurfs-Loch der Überforderung?

Ich hatte neulich mal wieder so einen Loch-Tag, an dem ich alles ungerecht fand. Ich hatte mein einziges Date der Woche mit einer Freundin absagen müssen, weil der Babysitter ausfiel und der Mann auf Reisen war. Damit ging es schon los. Alle können fröhlich ihr Leben weiterleben, nur ich nicht. Unfair! Gemein!

Die Kinder haben seit Wochen nie fünf Tage am Stück Schule, wegen Feiertagen und Studientagen und Lehrerausflügen und Klassenfahrten und Hitzefrei (jaajaaa, die ganze Woche grad Kurzstunden, alle um 12 Uhr zu Hause). Als Selbstständige heißt das: Alles, wofür du sonst fünf Tage hast in drei Tagen erledigen. Leider geht diese Rechnung kaum auf. Aber es soll ja vor dem Urlaub alles fertig sein... ein Dilemma…

Die Liste der zu erledigenden Dinge wird immer länger, die Kinder verweigern Hausaufgaben und Müll rausbringen, kramen stattdessen das gerade von mir versteckte Ipad einfach wieder hervor und glotzen weiter. Zum In-die-Tischkante beißen. WEG DAMIT! Den ganzen Tag wirbeln und erziehen und Bedürfnisse befriedigen und dabei nicht wirklich irgendetwas SCHAFFEN. Gnah!

Du kämpfst dich durch, schaust kurz zu Instagram – OH GOTT, ES SIND JA WIRKLICH ALLE IM URLAUB ODER HABEN SPAß – und du fühlst dich wie der ärmste Schlucker auf diesem Planeten. Schrecklich! Elendig! Selbstmitleidig! Die dritte Spülmaschine heute. Die zweite Wäsche. Verdammt! Wie sieht eigentlich der Boden aus?

Und du bist nur noch ein Schatten deiner Selbst und merkst, wie die Laune schlechter wird und kommst trotzdem nicht raus aus der Spirale und du kaufst dir selbst Blumen, um ein bisschen Farbe ins Grau deiner Gedanken zu bringen und es hilft nicht, weil gleich wieder die Vase umkippt oder die Blüte abknickt oder Neiiiiiiiin, nicht mit dem Edding ins Gesicht malen!

Und die nächsten Klassenarbeiten stehen an und der Lerndruck liegt wie ein Damoklesschwert über der Familie und statt einfach mal schwimmen zu gehen, gibt’s Bedingungen (nur wenn du vorher lernst! Ok, dann gehen wir halt nicht - wie ätzend, sowas zu sagen!) und dann kippt auch die Stimmung bei den Kleinen. So sollte das doch alles gar nicht sein!!!

Und dann kommen sie, die Selbstzweifel: Du kriegst es halt nicht hin. Was bist du nur für eine Mutter! Was für ein Mensch, der anderen den Spaß heut einfach nicht gönnen kann! Dabei finde ich doch kaum etwas ätzender als Neid.

Es gibt so Tage! Wir haben sie doch alle! Und dann kommt aus Versehen ein neuer Tag um die Ecke und wird das Gegenteil. Und alle erwachen schon entspannt und alle tun freiwillig was für die Schule und alle springen ins Wasser und liegen auf der Wiese und mixen Apfelschorle-Zitrone-Cocktails und du entscheidest dich freiwillig, nichts zu tun.

Die Arbeitsstapel Stapel sein zu lassen und einfach mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Was am Tag zuvor noch absolut undenkbar gewesen wäre im Grau-Loch der Elternschaft ist heute wie ein Urlaub von den eigenen Gedanken. Wie gut, dass wir mittlerweile so erfahren sind, dass wir das an den ganz grauen Tagen auch schon wissen: Dass morgen wieder ein neuer Tag ist.

Und vielleicht du diejenige bist, die Spaß hat, während bei anderen die Gewitterwolken aufziehen. Was für ein Ritt der Emotionen! Ganz schön lebendig. Ganz schön normal.

 

Tags: Erziehung, Job, Vereinbarkeit, Geschwister, Gleichberechtigung, drei Kinder, Mutter, Überforderung, Familienalltag

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Kommentare

Antje — Mi, 06/26/2019 - 12:09

...jeder kennt sie wahrscheinlich. Aber so lange es auch die anderen Tage gibt - und davon möglichst mehr als von den doofen - übersteht man die "Graues-Loch-Tage" dann ja doch irgendwie. :) Alles Liebe und bald eine schöne Urlaubszeit!

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