14/10/2013 - 10:37

Stadt-Mama Katharina

Die Geschichte vom Grüffelo ist ein bisschen dreist abgeschrieben...aber wir lieben ihn trotzdem!

Hey Lisa! 

Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber ich kann die Geschichte vom Grüffelo mitsprechen. Wenn ich sie Maxime vorlese, muss ich nicht einmal mehr auf die Buchstaben schauen, ich kenne die Sprechreime der einzelnen Seiten auswendig. Ja, ich liebe das kleine Buch von Axel Scheffler und Julia Donaldson, das ja mittlerweile weltweit als moderner Kinderbuchklassiker gilt. 

Ja, das ist wohl das Ziel eines jeden Kinderbuchautoren. DAS Buch zu Schreiben, das dann Generationen von Eltern und Kindern mitsprechen können. Die Geschichte ist auch tatsächlich ein bisschen zu genial, um nicht aus der Feder eines großen Denkers zu stammen...

Pausti hat das Buch zuerst mit Maxime gelesen und mir dann die Geschichte erzählt. Und ich dachte sofort: Huch, ganz schön dreist, einfach eine alte Geschichte, die kein Mensch, außer ein paar Sinologen wie ich kennen, neu zu verwerten. 

Das Ding ist nämlich, dass die Geschichte vom Grüffelo, der von der Maus gezeigt bekommt, dass alle Tiere vor ihr, aber ja eigentlich vor dem Grüffelo Angst haben, der einen Schritt hinter ihr geht, aus dem alten China stammt. Ich habe mich eben schon tot geblättert in meinen alten Studienaufzeichnungen, verbessert mich alle bitte, aber ich meine die Geschichte stammt aus dem Buch des Krieges und ihre Moral ist, den Mut des Tigers zu leihen. Der Hase sagt dem Tiger eben, dass er das mächtigste Tier im Wald sei und führt ihn herum. Der Tiger denkt fälschlicherweise, dass alle Angst vor dem Hasen haben und vergisst, dass die Tiere eigentlich ihn sehen. 

Im Grunde geht die Geschichte um geliehene Macht und ferner noch um strategische Kriegsführung. Komisch eigentlich, gerade die Geschichte zu einem Kinderbuch umzuwandeln. 

Aber ich mag die chinesischen Parabeln und auch das Grüffelo-Tier. Ich werde sie weiterlesen, habe aber auch sofort ernsthaft darüber nachgedacht, ob man sich nicht die anderen Geschichten zu Gemüte führen sollte und nach neuen Ideen, die man dann auch ein bisschen klauen kann, suchen sollte. 

Zum Abschluss, Lisa und ihr Lieben, werde ich Euch noch meine Lieblingsgeschichte verraten. Sie ist eigentlich auch eine Kriegsrecht-Macht-Parabel, aber ich finde sie im Alltag auch durchaus mit Kindern sehr nützlich. 

Schönen Tag Euch allen!

 

朝三暮四

Zhāo sān mù sì



Im alten China lebte einmal ein Affenzüchter, der seine Affen über alles liebte und auch von ihnen sehr geliebt wurde. Eher sparte er am Essen für seine Familie, als dass er seinen Affen weniger Futter gab. Seine Lage aber verschlechterte sich, und schließlich musste er die Futterration der Affen herabsetzen. Um jedoch keinen Aufruhr zu erwecken, erklärte er ihnen: ‚Wenn ich euch von jetzt an jeden Morgen drei Kastanien und abends vier gebe, seid ihr dann zufrieden?’

 
Wütend sprangen die Affen auf.
 
„Nun gut, da will ich euch morgens vier und abends drei Kastanien geben“, sagte er. „Nun solltet ihr aber wirklich zufrieden sein.“ 
 
Freudig setzten sich die Affen wieder auf ihr Hinterteil.



Verwendung: 

Mit Tricks einfältige Menschen täuschen. 

Bezeichnung für unzuverlässige Personen, die heute so und morgen so handeln.
 
 

 

Tags: Stadt-Mama Caro

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Kommentare

Katharina — Mo, 10/14/2013 - 16:28

Liebe Caro, bist Du nicht Französin? Jedenfalls musste ich an Dich denken als ich diesen Artikel las http://www.zeit.de/2013/37/frankreich-kinder-staatliche-fruehfoerderung/komplettansicht Spannend und herausfordernd all das. Liebe Grüße Katharina

Johanna — Mo, 10/14/2013 - 16:40

Ich kenne den Grüffelo auch als Bestseller für Kinder. Mein Sohn kennt ihn aber noch nicht. Ich finde die Geschichte für einen Zweijährigen noch nicht ideal. Da gibt es andere schöne Bücher. Altersempfehlung liegt bei drei Jahren.

Stadtmama Caro — Mo, 10/14/2013 - 22:49

Vielen Dank für den Link, ich werde es gleich mal lesen... Und "lesen" oder "vorlesen" ist beim Grüffelobuch mit einem Zweijährigen auch zuviel gesagt. Wir schauen eher die Bilder, die Pilze, die Bäume, die Tiere...aber er liebt es!

Karl D. — Fr, 10/10/2014 - 12:44

In der 15zeiligen (also sehr kurzen) chinesischen Fabel "Der Fuchs und der Tiger" legt der Fuchs den Tiger tatsächlich genauso herein wie beim Grüffelo die Maus den Grüffelo - aber was Donaldson daraus gemacht hat, ist sehr eigen und hat außer der Grundidee nicht viel mit der chin. Geschichte gemeinsam. Geklaut / abgeschrieben ist was anderes, hier höchstens: davon inspiriert, oder: ein altes Motiv aufgegriffen. Der Grüffelo ist eine richtige Märchengeschichte, während die chin. Fabel nicht mehr bietet als eben dieses Motiv.

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