Landleben

20/02/2015 - 09:15

Land-Mama Lisa

Die Schatten der Nacht - wenn alles düster ist

Liebe Katharina, wenn man nachts aus dem Schlaf gerissen wird, dann kann das Müdigkeit hervorrufen. So weit, so logisch. Es kann aber nicht nur das, sondern es kann auch üble Gedanken herbeiführen. Kennst Du das? Wenn es Nacht ist und dunkel und man müde ist und nicht wieder einschlafen kann, dann sieht das Leben oft im wahrsten Sinne des Wortes düster aus.

Nie wieder werde ich durchschlafen. Nie wieder werde ich ein Hobby haben oder Zeit für mich. Nie wieder werde ich einen netten Chef haben. Nie wieder genug Zeit für meine Freunde. Nie wieder so fit, dass ich mal eine Party länger als bis 24h aushalte. Nie wieder diese unbeschwerte Leichtigkeit aus meinem früheren Leben vor den Kindern. Niemals wird mich noch mal jemand einstellen. Nie wieder werden wir gleichberechtigt leben können. Und überhaupt: Die Ungerechtigkeit dieser Welt! Die Gewalt! Kriege! Überall so viel Leid. Aaaaargh. Ich nenne diese Gedanken: Die Schatten der Nacht.

Das Schöne ist: Morgens sieht die Welt wieder ganz anders aus. Was nachts noch wie ein nicht zu bewältigender Berg vor einem lag, das löst sich morgens oft in Luft auf und man macht es dann einfach und alles wird gut. Aber nachts sind das fiese Schatten, die nach einem greifen.

So ähnlich geschieht das auch, wenn man mal richtig krank ist, so wie ich in der letzten Woche, als ich mit Schüttelfrost und über 39 Grad Fieber bereits Sterbehilfe beantragen wollte. Und Karneval verpasste. Weiberfastnacht ist für mich der heiligste Feiertag im Jahr, da organisiere ich mich frei von allen Verpflichtungen und treffe mich mit meinen Liebsten und tanze und feiere und vergesse alle Päckchen, die so auf meiner Schulter liegen.

Ich soll einfach nicht glücklich sein. 2015, Du Arschlochjahr. War ja klar, dass das jetzt auch noch passieren muss. Werd ich halt nie mehr froh sein. Solche Gedanken macht man sich dann in seinem Fieberwahn, wenn man im Dunkeln leidet, während „alle“ anderen im Hellen fröhlich feiern. Aber wie das so ist mit den Schatten der Nacht, sie hören morgens wieder auf. Oder wenn man wieder gesund ist.

Und so bin ich jetzt wieder auf den Beinen. Und bin mit viel geordneteren Gedanken da rausgekommen. Und behalte mir diesen entschleunigten Modus bei. Ich mach ganz langsam. Rege mich nicht auf, dass schon wieder ein Kind krank ist und wir anderthalb Stunden beim Kinderarzt warten mussten und es heute nicht in der Schule ist.

Wir haben uns einfach acht Müslis auf den Tisch gestellt und uns ein leckeres langsames Frühstück gegönnt, uns dann auf die Couch gesetzt und TKKG gehört und Nido gelesen. Schön, oder? Wie Urlaub im eigenen Haus. Das kann auch schön sein, wenn man den Druck von außen einfach mal Druck sein lässt und es sich in seinem Hamsterrad gemütlich macht. Dann fühlt es sich fast an wie eine Hängematte ;-) Immer positiv bleiben – zumindest tagsüber…

Tags: Gedanken, Eltern, Müdigkeit, Schlaflos

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Kommentare

Anni — Fr, 02/20/2015 - 11:38

Hallo Lisa, das nächtliche Gedankenkarusell kenne ich. Mich holen meist aktuelle Problemchen und Sorgenn nachts ein und ich suche nach Lösungen; zuletzt, dass meine Tochter nicht mehr ins Ballett wollte, weil ihre Freundin nicht mehr hingeht. Deshalb habe ich erst lange gegrübelt und konnte dann nicht mehr einschlafen. Von halbzwei bis 5 Uhr lag ich deswegen wach! Das muss man sich mal vorstellen!!!!! Um 6 Uhr war die Nacht vorbei. Sorgen wälzen nachts ist echt doof. Trotzdem klingt es bei Dir irgendwie nach "mehr", als ob es insgesamt angespannt ist bei Dir! Lass es ruhig angehen. Vor allem nach der Krankheit! LG von Anni.

Tine — Sa, 02/21/2015 - 12:28

Mir hilft gegen die dunklen Gedanken, sie komplett auszusprechen, sie herauszuschimpfen, zu meckern und zu lamentieren, wie es sonst nur Kinder können. Am Besten hilft natürlich, wenn mein Mann mir zuhört und mir zustimmt, dass die Welt wirklich gerade ganz gemein zu mir ist, das Schicksal ein Arschloch und jeder Chef, der mich nicht einstellen wird im Leben, ein bedauernswertes Würstchen. Meist kann man so solange vor sich hinschimpfen bis man bei "sowieso und überhaupt" angelangt ist oder die Absurdität der dunklen Gedanken erkennt, wenn man "und die Cornflakes heute morgen waren auch ALLE viel zu klein und die Kuh auf der Milchpackung hat mich auch schief angekuckt" schimpft. Dann kann ich über all die dunklen Gedanken lachen, sie in ihren Käfig sperren und mich des Lebens freuen, bis sie wieder ausbrechen. Ob Gedanken Werwölfe sind, die sich einmal im Monat verwandeln?!

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