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08/06/2019 - 07:30

Land-Mama Lisa

Diese Schwimm-Regeln können Leben retten - Interview mit einem Lebensretter von der DLRG

Ihr Lieben, vermutlich könnt ihr euch denken, wann die meisten Badeunfälle geschehen. Bei gutem Wetter nämlich. Darum haben wir Achim Wiese von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) um ein Interview gebeten. Zum Schutze unserer Kinder. Und für sicheren Schwimmspaß für Groß und Klein!

Lieber Herr Wiese, immer wieder kommt es zu Badeunfällen, gerade jetzt, wo das Wetter wieder besser wird, sind Sie als DLRG gefragt. Warum ertrinken auch heute noch Kinder?

Achim Wiese: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen lernen heute nicht mehr alle Kinder richtig schwimmen. Eine repräsentative forsa-Studie von 2017 belegt, dass 59 Prozent der Zehnjährigen heute nicht sicher schwimmen können. Zum anderen geben einige Eltern am Wasser nicht genügend Acht auf ihre Kleinkinder. Sie sollten ihre Kinder immer in Griffnähe haben, um sie notfalls aus dem Wasser ziehen zu können.

Kinder sollten also erst einmal richtig schwimmen lernen. Ab welchem Alter halten Sie einen Schwimmkurs für sinnvoll?

Sinnvoll halte ich das ab einem Alter von fünf Jahren. Alles, was vorher geschieht, läuft für mich unter Wassergewöhnung. Das geht auch schon in der Badewanne und ich halte das auch für wichtig und richtig. Kindern sollte dabei vor allem auch Spaß am Wasser vermittelt werden. Richtiges Schwimmenlernen kommt dann erst, wenn die Kinder in der Lage sind, Atmung und Bewegung im Wasser gut zu koordinieren.

Ab wann können Kinder oder Jugendliche die Gefahren, die vom Wasser auch ausgehen können, richtig einschätzen?

Es ist natürlich nicht einfach, die Gefahren abzuschätzen, aber Kinder lernen das ja auch auf dem Schulweg, dass sie nicht einfach auf die Straße laufen, sondern über die grüne Ampel gehen. Es gibt gewissen Regeln – und an die wird sich gehalten.

Wir sagen immer, dass es dazu mindestens das Bronze-Abzeichen braucht. Denn mit dieser Schwimmprüfung geht ja auch eine Abfrage der Baderegeln einher. Wenn diese verinnerlicht wurden, sollte die Gefahren zumindest in der Theorie recht gut abzuschätzen sein. Sie wissen dann etwa, dass Wellen kommen, wenn ein Schiff vorbeifährt.

Und mit Bronze-Abzeichen könnten sie dann auch allein zu einer Badestelle oder ins Schwimmbad?

Nein. Nie allein! Denn wenn etwas passiert, kann niemand helfen oder Hilfe holen. Die Eltern sollten mit ihren schwimmenden Kindern Blickkontakt halten. Aber auch größere Kinder, die ohne Eltern schwimmen gehen, sollten mit Freunden bzw. in der Gruppe unterwegs sein, damit immer jemand aufpasst.

Überhaupt gilt: Wenn die Kinder allein losziehen, am besten dort schwimmen, wo es eine Aufsicht gibt – im Strandbad, im Freibad – da sind immer Bademeister bzw. Rettungsschwimmer vor Ort.

Wie und wann geschehen die meisten Unfälle?

Die meisten geschehen bei gutem Wetter. Viele verbringen Zeit am, im oder auf dem Wasser. Da schnellen dann auch die Unfälle in die Höhe – die aber ja zum Glück nicht alle tödlich enden. Es wird halt besonders kritisch, wenn Menschen leichtsonnig werden, Gefahren unter- oder Kräfte überschätzen.

Welchen Fall haben Sie persönlich nie wirklich vergessen können und warum?

Oh, da war ich 16 Jahre alt und ich habe einen Mann aus der Ostsee gezogen. Der klammerte sich beim Rettungsversuch so fest an mich, dass ich selbst fast in Not geriet. Da war ich froh, bereits bei der DLRG gelernt zu haben, wie man sich aus einer solch festen Umklammerung lösen kann. Das klappte und ich konnte ihn in Rückenlage zum Ufer bringen. Das ist mir durch die Gefahr, die plötzlich auch für mich da in Erinnerung geblieben. Aber auch, weil ich ihm das Leben retten konnte.

Wow, haben Sie noch Kontakt?

Nein, leider nicht. Das geht vielen Lebensrettern so, ob von der DLRG oder im Krankenwagen. Dank gibt es in den wenigsten Fällen. Das ist wirklich schade.

Viele glauben auch heute noch, Ertrinkende würden mit lauten Rufen und Winken auf sich aufmerksam machen. Ein Trugschluss?

Absolut! Nichts von dem, was dazu in Hollywoodstreifen gezeigt wird, entspricht der Wahrheit. Ertrinken sieht nicht aus wie ertrinken, da ist meist kein Paddeln, auftauchen, winken, schreien, es passiert in den meisten Fällen ganz leise. Gerade bei Kindern!

Inwiefern?

Ein Kind spielt bei leichtem Wellengang im Wasser und gerät mit dem Kopf unter Wasser, dabei kann Wasser in die Lunge geraten, was zum Ertrinken führt. Es kann aber auch passieren, dass das Kind nicht ertrinkt, sondern erstickt. Das liegt dann daran, dass sich die Stimmritzen zusammenziehen, wenn der Kopf unter Wasser kommt – also die, die dafür sorgen, dass Essen in die Speiseröhre und nicht in die Atemwege Gerät. Sind diese zusammengezogen, sind wir nicht mehr in der Lage zu schreien.

Können auch Gummitiere, Matratzen oder anderes Pool-Zubehör zur Gefahr werden?

Oh ja! Ich kann sehr verstehen, wenn jemand mit einer Luftmatratze durch die Gegend fährt. Im Pool ist das total okay. Auf einem See ist es aber tückischer, besonders bei Kindern. Sie liegen da, träumen womöglich vor sich hin, dann kommt ein Windstoß und schon treibt es ab. Oder die Matratze kippt und das Kind plumpst fern vom Ufer ins Wasser und weiß dann gar nicht mehr, wo Mama und Papa sind.

Schlauchboote sind okay, aber natürlich besser mit Weste. Am besten eignet sich – wenn man gern Zubehör hat – eine übliche Schwimmnudel. Die kann jemanden gut über Wasser halten. Ein Absolutes NO GO sind diese Kindersitze (siehe Foto unten). Die können tatsächlich zur tödlichen Falle für Kleinkinder werden, wenn sie umkippen und dann nicht rauskommen.

Foto: pixabay

Wie reagiere ich richtig, wenn ich sehe, dass im Wasser ein Schwimmer möglicherweise in Not gerät?

Wenn Sie selbst auch im Wasser sind: versuchen, die Person über Wasser zu halten. Wenn Sie am Ufer sind, fragen Sie sich zuerst: Schaffe ich das? Sollten Sie den geringsten Zweifel haben, schwimmen Sie nicht los, machen Sie Ihre Umgebung aufmerksam und wählen Sie die 112. Die Rettungskräfte kümmern sich dann und Sie wissen: Sie haben getan, was Sie tun konnten!

Wie kann ich meine Kinder gut vorbereiten auf die sommerliche Schwimmfreude?

Wir wünschen uns Kinder, die Freude am Wasser haben! Schwimmen ist toll! Es sollten eben nur – wie in so vielen Bereichen im Leben – die Regeln eingehalten werden!

 

Lese-Empfehlung bei unserer Kollegin Tollabea: Ertrinken sieht nicht aus wie Ertrinken - besonders bei Kindern

 

Tags: Schwimmen, Gesundheit, Gefahr, Risiken, Baderegeln, See, Meer, Nichtschwimmer, Kinder, Eltern, Aufsichtspflicht

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