08/05/2014 - 10:49

Land-Mama Lisa

Erschütternd: ZDF-Doku 37 Grad über Kindesmisshandlungen

Ihr Lieben, ich muss die Geburtstagswochen doch kurz unterbrechen, hat Caro ja gestern auch schon. Es geht um eine Reportage, die ich vorgestern zum Thema Kindesmisshandlungen gesehen habe. Wobei: Thema war eigentlich „Der Rechtsmediziner“. Wie er arbeitet, was er erlebt, wie er damit umgeht.

Schon in der letzten Woche gab es die erste Folge, nun am Dienstag also die zweite. Und diese zweite Folge der ZDF-Reihe 37 Grad zum Thema Rechtsmedizin legte also den Fokus auf Kindesmisshandlungen. Hat irgendjemand die Sendung gesehen?

Ich sag`s Euch, das war sehr sehr harter Stoff, als Mutter konnte ich wirklich kaum hinschauen. Ein Baby, das mit Schütteltrauma eingeliefert wird und vom dem auf dem Röntgenbild klar wird, dass es fast alle Knochen gebrochen hat. Unerträglich. Fotos von Quetschungen eines Kindes, das von der Mutter in die Waschmaschine gesteckt worden war.

Wer es sich zutraut, die Sendung ist noch in der Mediathek zu sehen. Es ist wirklich schwer, diese Bilder zu ertragen und doch ist es wichtig, dass dieses Tabu thematisiert wird, denn offenbar, so sagte es eine Rechtmedizinerin im Interview bleiben Kindesmisshandlungen hierzulande auf einem stetig hohen Niveau.

Ich habe mir nach der Sendung, wahrscheinlich zur eigenen Verarbeitung des Gesehenen, viele Kommentare zur Sendung im Netz angesehen. Und darin machte sich so viel Hass breit, dass es mir abermals den Atem stocken ließ.

Da wurde nach Rache geschrien, nach Todesstrafe, da entlud sich so viel Aggressivität. Aber Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen, halte ich nicht für den richtigen Ansatz. Die Forderung nach jahrzehntelangen Haftstrafen interessiert mich wirklich nur am Rande, denn dem Kind ist damit nicht geholfen. Das Kind trägt lebenslang diese Geschehnisse mit sich herum.

Es muss meines Erachtens also viel früher angesetzt werden. Nicht erst dann, wenn es zu spät ist, wenn schon eine Strafe fällig wird, sondern vorher. Ich möchte, dass die Gelder nicht in die Haftanstalten fließen, sondern in die Hilfe zur Vorbeugung solcher Grausamkeiten.

Wir müssen die Kinder schützen. Und die Eltern vermutlich auch vor sich selbst. Wir haben es in den meisten Fällen nicht mit Monstern zu tun, wie es gestern in den Kommentaren den Anschein bekam. Es geht hier um verzweifelte und überforderte Menschen, die vermutlich selbst viel Gewalt erfahren haben, in ihrer eigenen Kindheit, in ihrem Leben, Menschen, die dringend Hilfe brauchen. Hilfe, damit es nicht so weit kommen kann wie in den Fällen, die da gestern gezeigt wurden.

Ein hartes Thema für den Donnerstagmorgen. Aber eins, das mich beschäftigt hat. Und das nicht vergessen werden darf.

P.S. Hier der Link zur Mediathek: http://37grad.zdf.de/37-grad/37-grad-5988498.html

Tags: TV, Fernsehen, Misshandlungen, Kinder, Prävention

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Kommentare

http://innerfam... — Do, 05/08/2014 - 12:55

Ich habe ein Pflegekind und habe mit Pflegemüttern zu tun, die misshandelte, traumatisierte Kinder aufgenommen haben und ihnen Halt, Sicherheit und Geborgenheit geben. Diese Kinder haben monatlich oder wöchentlich Besuchskontakte mit ihren Eltern (die ihnen körperlich oder seelisch Schaden zugefügt haben). Denn hier in Deutschland, ist das Recht der Eltern immer noch stärker, als das der Kinder. Ich stimme dir zu, diese Eltern brauchen Hilfe. Die schreckliche Verzweiflung der Pflegeeltern ist es, dass sie die Kinder immer wieder in diese Löwengrube geben müssen. Zurück bleibt, ein verstörtes Kind und eine ausgebrannte Pflegefamilie. Das ist das kranke System hier in Deutschland und wir können nichts tun. Diese Pflegeeltern die das auf sich nehmen sind wahre Helden und davon kenne ich so viele. Leider stehen sie alleine da und wenn es ganz schlimm kommt, darf das Kind nach einigen Jahren zurück und das Ganze beginnt von vorne.

Nina — Do, 05/08/2014 - 13:21

Ich arbeitete vor meiner Elternzeit in der Familienhilfe und unterstützte überforderte Eltern. In diesem Bereich werden immer mehr Gelder gekürzt und wir kämpfen für jeden Fall. Was ich gesehen hab war nicht immer einfach und ich muss ehrlich sagen, dass ich schon Bedenken habe als Mama zurück in den Job zu gehen. Ich glaub ich bin viel weicher geworden und kann vielleicht nicht mehr so gut abschalten, wenn Feierabend ist. Das große Problem ist aber auch oft, dass Kinder durch Misshandlungen traumatisiert sind. Trotzdem lieben sie ihre Eltern und wollen nicht von ihnen weg.

DuoMama — Do, 05/08/2014 - 13:50

Ich habe die Sendung gesehen und mir ist der Atem gestockt. Durch meine ehrenamtliche Arbeit in einem Frühchenverein treffen wir sehr oft auf Eltern am absoluten Limit ihrer Belastbarkeit. Das sind "ganz normale" Eltern, die stressbedingt irgendwann einfach "austicken" weil sie nicht mehr können. Auf diese Eltern, deren Kinder oft Fütterstörungen und einen hohen Pflegebedarf aufgrund von Erkrankungen des Kindes haben, wird dann sehr oft auch noch ein fast unterträglicher Druck von Außen ausgeübt (z.B. bei Fütterstörungen : Ärzte: das Kind muss mehr zunehmen, Verwandte: stell dich nicht so an, Bekannte: In Deutschland ist noch kein Kind verhungert, wenns Hunger hat wirds schon essen). Viele wandern Monate lang auf einem ganz ganz schmalen Grad in einer Teufelsspirale. Die Eltern stehen und Druck, sind gestresst, geben den Stress an das Kind weiter, das Kind reagiert mit noch mehr Problemen, die Eltern werden noch gestresster... Diese Teufelsspirale wird der von äußen fast nie erkannt, weil keine Anlaufstellen für die Belastung da sind. In den allermeisten Fällen entlädt sich dieser Druck zum Glück nicht in Kindesmisshandlungen, ab und an aber leider doch (Frühchen stellen einen sehr hohen Prozentsatz der Misshandelten Kinder). Was uns dabei immer wieder auffällt ist, dass die Eltern selbst wenn sie versuchen Hilfe zu bekommen (also für den Auslöser der Stresssituation, die Fütterprobleme, Schlafstörungen, Monitoralarme, den Plfegeaufwand etc.) kaum kompetente Anlaufstellen haben, und fast immer gegen verschlossene Türen rennen. Selbst dann wenn sie merken und sagen dass sie nicht mehr können. Zudem werden die enormen Belastungen die sie oft haben kaum erkannt geschweige denn anerkannt, selbst vom aller engsten Umfeld. Wir wissen dass die meisten sich irgendwann einmal denken sie würden "ihr Kind am liebsten an die Wand klatschen". Aber leider wird den Eltern fast nie ein Ausweg aufgezeigt wenn sie akut mitten drin stecken. Schon allein, weil die Eltern glauben allein durch den "bösen" Gedanken schlecht zu sein, und sich nicht trauen drüber zu sprechen. Von langfristigen Ansätzen abgesehen geben wir für die aktuen Phasen meist folgenden Rat: "Wenn du merkst du bist kurz vor dem explodieren (und glaube uns, dieses Gefühl ist normal und ALLE Eltern sind da mal), dann lege das Kind mit einer Decke auf den Boden und verlasse den Raum. Atme tief durch (schrei kurz im Bad, geh eine rauchen etc.) und komm nach ein paar Minuten, wenn du dich beruhigt hast zurück" Denn die Folgen was passieren kann wenn sie sich nicht trauen kurz rauszugehen konnte man leider am Dienstag sehen, und das schnürt einem den Atem ab.

AnnyS — Do, 05/08/2014 - 14:54

Ja genau diese Worte kamen mir auch in den Sinn... es sind oftmals Verzweifelungstaten... soll nicht heißen das es dann weniger schlimm ist! Ich meine nur wir sollten alle mal darüber nachdenken wie wir anderen gegenüber treten und ob wir hohe Erwartungen stellen...

Gast — Mo, 05/12/2014 - 17:10

Sehr wichtiger Beitrag zum Thema. Und ja, es sind die frühen Hilfen, die die Eltern auffangen und ein offenes Ohr für Überforderungen aller Art haben. Dazu gehören auch und im besonderen Maß auch die Hebammen. Lasst im Kampf für die Erhaltung der Hebammenhilfe nicht locker. Der Deutsche Hebammenverband hat zum 5.Mai, dem internationalen Hebammentag mehrere Online-Aktionen gestartet. www.meinegeburt-natürlich-sicher.de

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