Landleben

25/08/2018 - 07:45

Land-Mama Lisa

Es ist ein Wahnsinn, den wir Eltern da täglich rocken!

Ihr Lieben, ihr kennt das ja vielleicht aus eurem eigenen Leben. Man hat eine gute Idee oder man schmiedet Pläne – und dann kommt das Leben und erst dadurch erfährst du, ob die Idee so gut war, ob der Plan aufgeht.

Ich möchte euch jedenfalls heute erzählen, dass ich zum ersten Mal ohne Bauchweh und Anspannung in die sechseinhalb Wochen Sommerferien unserer drei Kinder gestartet bin. Meine Festanstellung in Teilzeit hatte ich bereits zu Ende Februar gekündigt und meine freien Aufträge tatsächlich so gelegt, dass in den Ferien außer diesem Blog hier nichts anstehen würde.

Sommerferien ohne Arbeit: Endlich mal Zeit für die Kinder

Wie oft hatte ich Ferienfreizeiten suchen müssen, die irgendwie zu meinen Arbeitszeiten passten, wie oft hatte ich Freunde oder Großeltern fragen müssen, ob sie mir die Kinder mitnehmen, irgendwohin bringen oder auf sie aufpassen, damit ich irgendwie alles geschafft bekam in den Ferien. Das wollte ich diesmal nicht.

Ich wollte Zeit mit den Kindern und ich merkte auch nach vielen Jahren der Mehrfachbelastung, dass mein Hirn mal eine Pause braucht. Einfach mal in den Tag reinleben ohne Abgabestress oder Druck von außen. Es ist die erste berufliche Leerlaufphase, die ich mir gönne.

Die erste Woche begann mit vier Tagen Fußballcamp für die Jungs, das hatten sie sich so gewünscht. Die Große „chillte“, während ich noch Restaufträge beendete und vor mich hinwurschtelte.

In der zweiten Woche fuhren wir in den Urlaub, was wirklich wunderbar entspannt war – auch, weil wir nicht wie so oft völlig erschöpft und überarbeitet starteten, sondern schon mit Beginn der Reise recht entspannt waren.

Zurück in Deutschland ging der Mann wieder arbeiten und ich lebte mit den Kindern so vor mich hin. Eine Woche, zwei, drei, viereinhalb Wochen werden es, bis sie nächste Woche wieder zur Schule gehen. Und ich muss sagen: Wahnsinn.

  • Wahnsinn, was ich tagtäglich an Essenrationen einkaufe, vorbereite, verarbeite, koche, wegräume, vom Boden wische.
  • Wahnsinn, wie viele Spülmaschinenladungen pro Tag anfallen, wenn vier Menschen plus oft Nachbarskinder oder Freunde einfach nur da sind und Durst haben und Hunger und wieder Durst.
  • Wahnsinn, wie viele Geschwister-Streitigkeiten man pro Tag schlichtet, wenn alle sich 24 Stunden am Tag auf der Pelle hocken.
  • Wahnsinn, wie oft ich die Worte MAMA, NEIN, LANGWEILIG und BAH gehört habe.
  • Wahnsinn, wie oft der Wischer im Einsatz ist – allein gestern nach dem Frühstück einmal. Dann, nachdem die Tochter mit dem Nachbarskind beschlossen hatte, allein einen Kuchen zu backen und dann, als der Freund unseres Kleinsten dazukam, mit dem er so gern an Gift-Smoothies herumexperimentiert.
  • Wahnsinn, wie viele Tüten Kram ich aus den Kinderzimmern geholt habe, weil ich seit Jahren nun endlich die Zeit hatte, mal so richtig großflächig und nachhaltig auszumisten.
  • Wahnsinn, wie erschöpft man von dieser Aufgabe, von so einer beruflichen Leerlaufphase sein kann.
  • Wahnsinn, dass diese Wahnsinnsarbeit die so wahnsinnig anstrengend ist, nicht nur kein Geld in die Familienkasse spült – sondern dass sie auch noch wahnsinnig teuer ist. Denn hier ein Eintritt in den Baumwipfelpfad, da ein Eis, dort noch ein neues Oberteil. Wenn man viel unterwegs ist, gibt man auch viel aus. Was ich allein an der Supermarktkasse gelassen habe, weil alle ja immer da waren…

Jetzt könnte man sagen: Hey, das ist die Realität. Nun bist du mal nicht vor alle den Haushaltsaufgaben weggelaufen. DeinZuhause sieht wieder halbwegs passabel aus, die Kinder hatten wirklich viel Zeit mit ihrer Mama und das stimmt ja auch. Aber ich will ehrlich sein:

Sechseinhalb Wochen fast 24 Stunden Mutter und Hausfrau zu sein, hat mich vor Ehrfurcht in die Knie gehen lassen vor Müttern, die diese Aufgabe auch außerhalb der Ferien so ausfüllen.

Denn mein Fußboden sagt nicht Danke, wenn ich ihn gewienert habe, mein Regal nicht, wenn ich es entstaubt habe, meine Kinder nicht, wenn ich ihnen schon wieder etwas Gesundes serviert habe. Mir verleiht auch niemand den Friedensnobelpreis, wenn ich es mal wieder geschafft habe, den Streit der Jungs um diese EINE versiffte Socke mit Engelsgeduld zu schlichten.

Diese Arbeit bleibt erstmal unsichtbar. Oder wird als selbstverständlich angesehen. Oder – schlimmer – wird kommentiert mit einem „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ oder mit „Ach, die Luxussituation, dass einer zu Hause bleibt, hätte ich auch gern“.

Ich muss sagen: In den letzten Tage wäre es für mich eine Luxussituation gewesen, mal wieder rauszukommen. Zu arbeiten. Dafür ein Dank vom Auftraggeber zu erhalten, positives Feedback vom Leser und eine feine Überweisung auf mein Konto. Ich brauche meinen Strohhalm nach draußen – bereuen tue ich diese Zeit trotzdem nicht.

Das Zelten auf der eigenen Wiese, der Bau eines Kinderhäuschens im Garten, das Düsen mit den Fahrrädern durch den leeren Teich, der saniert werden musste, die Fahrt mit dem Gummiboot über unser Flüsschen. Die vielen Rezepte, die ich ausprobiert habe, weil mir dazu im Alltag Zeit und Geduld fehlen. Das Gefühl, endlich mal ausgemistet zu haben. Das war schon alles gut so. Wahnsinnig anstrengend, aber auch wahnsinnig gut (zumindest jetzt im Ergebnis ;-)).

Aber mir hätten auch ein paar Wochen weniger gereicht, ich glaub, so ehrlich kann man das sagen. Uns allen hätte da weniger gereicht. Die Kinder brauchen jetzt auch einfach nochmal ein anderes Gesicht als meines, das merk ich grad deutlich.

Und trotzdem: Als eines von ihnen gestern bei einem Freund übernachtete und mir zum Einschlafen „Du bist die Beste“ schrieb, dachte ich, dass das Genervtheitslevel eben nur so lang anhält, bis wir uns dann auch mal wieder in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Nächste Woche beginnt hier wieder der Alltag. Bis dahin bleibt mir nur, all jenen meinen höchsten Respekt auszusprechen, die Tag für Tag das Familienleben rocken!

Damn, das ist ein Wahnsinn, den ihr da vollbringt!!!

 

Tags: Vereinbarkeit, Job, Anerkennung, Hausarbeit, Mutter, Arbeit, Kinder, Ferien, Urlaub, Freizeit, Erziehung

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Kommentare

Pia — Sa, 08/25/2018 - 11:34

Herzlichen Dank für das "Gesehen- werden"! Ich bin eine Vollzeit Mama mit 3 Kindern! Dies waren meine 14. SOMMERFERIEN, die gerockt werden mussten. Es wird nicht leichter!!!

Yvette — Sa, 08/25/2018 - 13:10

wirklichen Respekt verdienen dann erst Recht Vollzeitmuetter , die ihre kids zu Hause betreuen. Das ganze Jahr ueber. nicht nur in den Ferien. das sind wahre Wunder. ich kenne mehrere und bewundere sie!

Mimi — Sa, 08/25/2018 - 18:22

Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Auffassungen sein können. Für mich waren die 6 1/2 Wochen Ferien mit unseren 3 Kindern im Kindergarten und Grundschulalter tatsächlich richtige Erholung! Kein frühes Wecken am Morgen (endlich schlafen alle länger), keine Hetze um pünktlich das Haus zuverlassen, keine Termine, keine Hausaufgaben! Einfach in den Tag hinein leben, verabreden mit Freunden und draußen sein, ohne die Uhr im Nacken zu haben, weil alle morgens wieder früh raus müssen. Herrlich!!! Meine Freundinnen teilweise dagegen, berufstätig mit Kita und Grundschul Kindern, haben 2 Wochen Ferien gehabt und ansonsten ganz normal durchgearbeitet. Da denke ich: "Respekt!". Da hat man doch kaum mal Zeit durchzuschnaufen. Und ständig steht man vor dem Problem, wohin mit den Kindern?! Ich persönlich möchte die 6 1/2 Wochen Ferien nicht missen und freue mich gar nicht so sehr auf den Schulstart nächste Woche, wenn aller Stress wieder los geht...

Lena — Sa, 08/25/2018 - 22:02

Wenn mir meine Kollegin (Kinderlos) am Anfang der Sommerferien "Eine wunderschöne, erholsame Zeit!" wünscht, wird mir ganz schwummerig. Wunderschön,manchmal ja, aber erholsam?????

Martina — So, 08/26/2018 - 19:59

Dieser Beitrag ist Balsam für meine Seele! Bin 4fache Mama und seit der Geburt meines Ältesten, seit über 16 Jahren, Vollzeit Mama und Hausfrau. Gewünscht und gewollt, aber manchmal zehrt es. Schön, dass es Menschen gibt, die erkennen, dass auch "Nur"-Hausfrauen/Mütter etwas leisten. Danke!

Manuela — Mo, 08/27/2018 - 02:27

Ich bin auch seit der Geburt meiner Zwillingsbuben vor 7 Jahren Vollzeitmama von drei Kindern (7,7,13) und kümmere mich um meine drei Kinder, um meinen Ehemann, um unsere drei Katzen, um unsere drei Zwergkaninchen, um das Haus und den Haushalt und den Garten. Ja ich mache es gerne , aber manchmal hätte ich auch gerne einen Strohhalm nach Draußen, um einfach mal was anderes zu sehen und zu hören. Das erkläre ich auch manchmal meinem Mann, wenn ich dann mal schlecht gelaunt bin, weil mir die Decke auf den Kopf fällt, ich keine Gespräche mit Erwachsenen führen kann usw. Danke für Deinen ehrlichen Text! Tja, ich finde, dass Mütter vom Staat viel mehr Unterstützung bekommen sollten, wenn sie zu Hause alles managen und ihre Kinder betreuen! Diese Arbeit wird nicht gesehen , geschweige denn anerkannt und unterstützt.

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