Stadtleben

24/11/2018 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Familien-Update: Seit zwei Jahren zu fünft

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Zwei Jahre. Ist das nicht unglaublich? Heute vor 24 Monaten wurde mein drittes Kind geboren. Es war ein ungewöhnlich warmer Novembertag, die Sonne schien, wofür ich dankbar war. Denn als die Wehen einsetzten, hatte ich das Bedürfnis spazieren zu gehen - und so lief ich ein paar Mal um den Block, die Sonnenstrahlen wärmten dabei mein Gesicht. Ich wusste, dass das Baby an diesem Tag kommen würde - auch wenn sich die Geburt noch länger hinzog, als ich das morgens dachte. 

Wahrscheinlich ist genau das das Motto, das sich durch die letzten zwei Jahre gezogen hat. Dass vieles ganz anders kam, als ich es mir vorgestellt habe. Keinen Satz habe ich in der Schwangerschaft so häufig gehört wie: "Das Dritte läuft einfach so mit." Und kein Satz sollte sich als so unzutreffend herausstellen. 

Das erste halbe Jahr war hart. Die Kleine hat viel geschrieen, viel mehr als ihre Geschwister. Jeden Abend, pünktlich um 17 Uhr, ging es los und zog sich dann bis in die späteren Abendstunden. Selten wurde meine Geduld so auf die Probe gestellt. Mit zwei größeren Kindern zu Abend zu essen, sie dann fürs Bett fertig zu machen, mit einem brüllenden Säugling auf dem Arm - das war für mich sehr anstrengend. 

Die Kleine hat nie einen Schnuller genommen - ihre beiden Geschwister dagegen waren große Schnullerfans. Die Kleinste hat auch lange die Flasche abgelehnt und wollte nie in ihrem eigenen Bett schlafen. All das kannte ich nicht und hat mich auf völlig neue Art gefordert. 

Während ich bei den beiden Großen noch festangestellt war und somit nach der Geburt im Mutterschutz und in Elternzeit, war ich bei der Kleinsten selbstständig und musste relativ schnell zurück an den Rechner. Wir hatten ein Haus gekauft und konnten auf mein Gehalt nicht verzichten. 

Ich weiß noch, dass ich damals oft geweint habe, weil mir alles zu viel erschien und weil so gar nichts nebenbei laufen wollte. Ich war manchmal ganz schön frustriert. 

Die gute Nachricht: Von Frustration ist heute keine Rede mehr. Ja, ich bin oft müde, oft auch nervlich durch, aber ich bin nicht frustiert. Weil ich dankbar auf das sehen kann, was wir in den letzten zwei Jahren alles geschafft haben. 

Wir sind als Familie gewachsen, haben uns neu sortiert und einige schwierige Situationen überstanden. Dieses kleine Mädchen hat uns komplett gemacht, sie überrascht mich immer noch, weil es ihr natürlich völlig egal ist, was wir von ihr erwartet haben. Sie hat ihren eigenen Kopf - und wie. Ich möchte fast behaupten, dass sie mein willenstärkstes Kind ist. Von Beginn hat hat sie sehr deutlich gemacht, was sie gut findet und was nicht. Sie kann sich jetzt schon gut gegen ihre älteren Geschwister durchsetzen, sie will in nichts nachstehen. 

Sie redet erstaunlich viel, plappert und singt. Sie isst freiwillig Zucchini (als Einziges meiner Kinder), braucht immer noch Einschlafhilfe (als Einziges meiner Kinder), mag Fußball und Monchichis. Sie durfte viel früher als die anderen Süßigkeiten naschen, bringt uns beim Abendessen zum Lachen, weil sie Grimassen schneiden kann. Sie ist sehr lustig, hat keine Angst im Dunkeln, kuschelt gerne und hat strohblonde Haare. 

Sie bringt eine neue Farbe in unsere Familie, bereichert und fordert uns. Wir lieben sie wie verrückt und finden sie perfekt, genau so wie sie ist. Die letzten zwei Jahre waren spannend, laut, fröhlich, belastend - sie haben uns reicher gemacht - reich an allen Emotionen. Ich bin durch die drei Kinder gewachsen und habe mich weiterentwickelt. Ich habe in den letzten zwei Jahren viel mehr geschafft als ich anfangs dachte. 

Wie wir heute den Geburtstag feiern? Wir werden uns Pizza bestellen, eine Flasche Wein aufmachen, ich werde den Kindern von dem 24.11.2016 erzählen. Wir werden die Kleinste hochleben lassen und uns auf all das freuen, was das Leben noch für uns bereit hält.

Foto: Leni Moretti und Lina Grün

 

 

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Kommentare

Dorothee — Sa, 11/24/2018 - 08:37

Das hört sich an wie Lotta aus der Krachmacherstraße! Die Kleinste zeigt den beiden Großen, wie der Hase läuft. Feiert schön!

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