Gastbeiträge

08/06/2016 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Gastbeitrag von Dani: Hyperemesis - die schlimmste Form von Schwangerschaftsübelkeit

Ihr Lieben, manchmal ist es ganz schön gemein, dass einige so viel mehr leiden müssen, als andere. Denn das, was unsere Leserin Dani in ihrer Schwangerschaft durchgemacht hat, war ganz schöne gemein. Heute kann sie mit Humor darüber schreiben, während ihrer Schwangerschaft aber fand sie diese Übelkeit alles andere als lustig... 

"Wisst ihr, woran ich gemerkt habe, dass ich ein Kind bekomme? Ich hatte einen Magenvirus. Schlimm. Mit Erbrechen im Stundentakt. Morgens, mittags, nachts.

Als der auch nach zwei Wochen noch anhielt, machte ich einen Test. Bingo! Aber, Glück beiseite, war das auch Bullshit-Bingo: Ich hatte Hyperemesis. Und das schon in der neunten Woche. Ein echter Aha-Moment, denn bis dahin hatte ich gedacht, Schwangere spuckten nur morgens…

Noch schlimmer: das ging so weiter, Wochen und Monate lang. Morgens, stimmt. Aber auch vormittags. Mittags. Abends. Nachmittags, zwischendurch und hinterher – und nachts um zwei. Und das war nicht wie „ichgehmalkurz“. Nicht wie Nase pudern oder eben „schnell spucken“. Sondern wie: Mein Magen krampft auch dann noch, wenn es nichts mehr zu erbrechen gibt. Ich musste noch würgen, wenn selbst die Galle schon aufgebraucht war.

Es gab Nachmittage, da habe ich mich auf die Rollstuhltoilette im Büro gelegt (mehr Platz!), weil ich nicht mehr aufrecht sitzen konnte vor Erbrechens-Erschöpfung. Und weil ich wusste, dass das regelmäßig passiert, hatte ich immer Melitta-Pausenbrotbeutelchen aus Plastik dabei. Als mobile Auffangbecken (Sorry, wenn das PR-Strategen bei Melitta jetzt nicht gefällt. Oder Ihr anderen Eltern,weil Ihr nie mehr Pausenbrote reinpacken könnt).

Ich habe in Papierkörbe, in Büsche, sogar meine eigene Handtasche erbrochen. Ich habe im Zug, im Modegeschäft, im Auto und mitten in der Innenstadt erbrochen. Auf einem Flug war ich so erschöpft, dass ich beim Übergeben mein Gesicht auf der Flugzeugtoilette abgelegt habe, schön die Wange in den Urinflecken auf der Brille. Ihr schreit vor Ekel? Hey, ich auch, innerlich!

(Die Alternative wäre gewesen, monatelang nicht aus dem Haus zu gehen, das war für mich nicht vorstellbar. Ich wollte schwanger sein wie alle anderen! Bodys shoppen, Bettchen gucken, mein Baby im Bauch vor mir herschaukeln! Ich wollte arbeiten und, nun ja: Normal sein!)

Prinzessin Kate war zeitgleich mit mir schwanger und landete mit Hyperemesis in der Klinik – von ein bisschen „Morgenübelkeit“ wäre es so weit wohl kaum gekommen. Trotzdem verwendeten alle Journalisten den Begriff, ohne mal eine wahrhaftige Beschreibung zu liefern – diese Verharmlosung hat mich damals total geärgert. Denn neben das körperliche Problem trat nach einer Weile noch ein seelisches.

Das Schlimme war nämlich nicht nur das Erbrechen (obwohl ich das schon ziemlich mies finde). An mir nagte irgendwann die Frage, warum meine Schwangerschaft nicht auch einfach schön sein kann. Warum etwas so Tolles wie ein Baby sich bei mir anfühlt wie eine Vergiftung.

Und ich hatte noch Glück: Es war verrückt, aber jeden Tag etwa zwischen 17 und 19 Uhr zog die Übelkeit sich zurück. Ich konnte essen, trinken, Kraft tanken. Und: Nach dem siebten Monat war es so gut wie vorbei. Dann war mir nur noch oft flau, und das Klischee schlug zu: Pommes. Saure Gurken. Aufgieß-Suppentöpfe. Saure Limonaden. Alles, was mir Linderung des flauen Magens versprach. Das waren keine „Gelüste“ – das war Verzweiflung.

Wisst ihr, was mir in meiner Not, Einsamkeit und Schwäche damals geholfen hat? Das viel gescholtene Internet.

Denn die unfassbar traurige Wahrheit ist: Es geht noch viel, viel schlimmer. Es gibt Frauen, die wochenlang deswegen in der Klinik liegen. Und ganz selten treiben sogar Schwangere ab, weil sie einfach nicht mehr können. Als ich diese Berichte im Internet fand, schossen mir darüber sofort die Tränen in die Augen und ich wusste: So schlimm hatte es mich nicht getroffen. Ich würde das schaffen. Zusammen mit meinem großartigen Mann, mit dem ich ganz manchmal sogar darüber lachen konnte. Getrennt voneinander durch die Toilettentür. Das war fast ein bisschen wie Herzblatt – nur mit Brechreiz."

TIPP

Ihr seid auch Hyperemesis-Opfer? Es soll immer noch Ärzte geben, die dafür kein Händchen haben. MERKE: Dann haben Sie es eben noch nicht bei einer Patientin erlebt. Oder sie sind doof. In so einem Fall würde ich raten: Anderen Arzt suchen. Und im Extremfall ruhig ins Krankenhaus einweisen lassen. Sehr tröstliche und hilfreiche Seite, auf der Betroffene berichten:http://www.hyperemesis.de/

Wer noch mehr von Dani lesen möchte, hier geht´s zu ihrem Blog. 

 

Tags: Schwangerschaft, Übelkeit, schwanger, Baby, übergeben, Arzt, Hyperemesis

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Kommentare

Miriam — Mi, 06/08/2016 - 21:18

Hallo, ich habe auch zwei Hyperemesis Schwangerschaften hinter mir mit stationären Krankenhausaufenthalten und bis zu 16 mal spucken am Tag. Ich möchte hier nur kurz drei Medikamente aufführen, die gegen die Übelkeit helfen können: 1. Vomex (gibt es rezeptfrei in der Apothek und hilft bei leichter Übelkeit), 2. Agyrax (wird aus Belgien importiert und ist schon ein recht starkes Mittel) und 3. Zofran/ Ondansentron (hat bei mir dann endlich angeschlagen, ist aber eigentlich für Chemo-Patienten gedacht und eher Mittel der letzten Wahl. Aber wenn sonst nix mehr geht...). Meinen Kindern haben sowohl die Kübelei, als auch die Medikamente zum Glück nichts ausgemacht. Beide kamen bei 40+1 zur Welt und wogen 3.500 bzw. 3.900 Gramm. ;-) Btw: Ich hatte nach der Schwangerschaft 10 Kilo weniger auf der Waage als zuvor.

Gaby — Do, 08/18/2016 - 13:23

Hallo und oh weh... Die Erfahrung Hyperemesis "durfte" ich während meiner 2. Schwangerschaft machen. Übelkeit und Erbrechen ab dem 2. Schwangerschaftsmonat bis fast zum Ende rund um die Uhr. Ich konnte kein Essen riechen, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Die Gerüche, die Enge, die Erschütterungen beim Bremsen und Anfahren... Es war einfach die Hölle. Einen Namen hatte diese "Befindlichkeit" 1986 nicht. Dafür machte man sich in der Schwangerenbetreuung hinter vorgehaltener Hand Gedanken über uns Frauen, die wir während der Ereignisse in Tschernobyl schwanger geworden waren... Eine Kur wurde mir im Sommer angeboten nach wochenlanger Krankschreibung. 4 Wochen Erholung, Entspannung in Buckow (Märkische Schweiz). Wirklich genießen konnte ich dies dazumal nicht, meine Mutter lag im Sterben (45 Jahre, Krebs), mein Mann allein mit unserer zweijährigen Tochter daheim... Unsere zweite Tochter wurde dann im Eiswinter 1986/87 gesund und propper mit 4,5 kg Gewicht und 17tägiger Verspätung geboren. Ansage einer Hebamme damals in der Klinik Maria Heimsuchung: "Bei diesem Wetter wirft man nicht..." Errechneter Geburtstermin war der 31.12. Meine Schwiegermutter brachte mich all die Tage bei Schnee und Eis mit dem Auto einmal quer durch die Stadt in die Geburtsklinik zur Kontrolluntersuchung. Einmal half ich mit meinem dicken Bauch auf dem Hof der Klinik sogar den Trabbi anzuschieben. Zuhause habe ich Schnee geschippt. Aber das hat der Kleinen nichts ausgemacht. Erst als Tauwetter einsetzte, taten das auch die Wehen... Ich hatte inzwischen über 13 kg an Gewicht verloren, meine Mutter beerdigen müssen, die Vormundschaft für meine Schwester übernommen... Aber entscheidend war nur eines: das Baby ist gesund!

Christine — Do, 12/01/2016 - 18:42

Oh, es kommt mir so bekannt vor! Ich habe auch zwei solche Schwangerschaften hinter mir. Inklusive Krankenhausaufenthalt etc. Und, wie bei Miriam oben, hat bei mir am Ende nur Odansetron geholfen. Darum ein ganz wichtiger Appell: Diese Medikamente werden in Deutschland nur sehr zögerlich eingesetzt und viele Frauenärzte kennen sie schlichtweg nicht. Grund ist eine fast schon unverhältnismäßige "Vorsicht" in Deutschland beim Einsatz von Medikamenten in der Schwangerschaft. Und da können wir alle ein bißchen helfen. Bei der Platform embryotox werden Wirkungen und Einsatz von Medikamenten in der Schwangerschaft erforscht. Nimmt mal nun aus welchem Grund auch immer während der Schwangerschaft ein Medikament ein, kann man sich dort melden und freiwillig an einer Studie teilnehmen. So gewinnt die Forschung mit der Zeit belastbare Daten und davon profitieren auf längere Sicht andere Schwangere, die angstfreier auch unbekanntere Medikamente in der Schwangerschaft einsetzen können.

Manuela J. — Do, 12/01/2016 - 21:28

Oh ja da kann ich auch mitreden. Erste Schwangerschaft mit einem Einling, Zweite mit Zwillingen, beide Male sehr starke Hyperemesis. Bei der Zwillingsschwangerschaft sogar noch deutlich schlimmer als bei der Ersten. Ich fühlte mich gefangen in meinem eigenen Körper. Konnte nicht mehr arbeiten gehen, so wurde mein befristeter Vertrag auch nicht verlängert. Ich lag wochenlang halbsitzend auf der Couch mit Infusionen und Kübel. Da ich Arzthelferin bin und mein Mann Rettungssanitäter ist, konnte ich daheim bleiben und die Infusionen daheim selber legen oder von meinem Mann legen lassen. Was gut so war, denn ich glaube im Krankenhaus wäre es mir noch schlechter gegangen... fremde Menschen, fremde Umgebung, komische Gerüche und viell. Keine netten Schwestern.... dann lieber daheim kotzen.. (sorry). Es ist grausam und ich konnte in dieser Zeit das Haus nicht verlassen, ich war zu schwach. Sogar beim Duschen musste mir mein Mann helfen sonst wäre ich umgekippt, aber man wollte sich ja auch mal wieder frisch fühlen. Es hängt da so viel dran...wer es nicht selber mitgemacht hat kann nur annähernd ahnen, wie Frauen sich da fühlen. Ich hab geheult und gekotzt im Wechsel. Jeder hatte sicher schon mal einen Magen-Darm-Infekt oder einen Rausch.. wenn man dann nach 3 - 4x seinen Magen entleert hat, ging es einem wieder besser. Nicht aber so bei einer Hyperemesis, das ist das Grausame dabei. Manchmal denk ich mir... ach noch ein viertes Kind... doch dann denke ich, wie soll ich das nochmal durchhalten und vorallem wie soll das funktionieren mit meinen drei Kindern...?

Claudia — Do, 12/01/2016 - 21:39

Ich fühl mich gerade in meine eigene Schwangerschaft zurück versetzt :-( --- wir waren wohl zur gleichen Zeit schwanger hihi Ich hatte bis zum Ende 5. Monat auch schwere Hyperemesis mit dauernden Krankenhausaufenthalten wegen Dehydrierung und Erschöpfung! Aber was ich finde, dass nicht unterschätzt werden darf ist auch die psychische Belastung und hier bedarf es wirklich guter Betreuung, die ich zum Glück hatte! Denn...man wird schwanger (1. Kind) und will sich freuen doch schon in der 8. Woche nur noch kotzen tag ein tag aus, da ist die Freude schon mal getrübt! Dann sofort die Ängste ob das Kind das alles gut überstehen kann (in der eh sowieso riskanten Anfangsphase) und ob man selbst das durchsteht! Typischer Kommentar der "Leute" ... nach 3 Monaten ist es vorbei!!! Okay man kotzt sich also durch die 3 Monate und irgendwie is nix vorbei :-( Und irgendwann wird die Kraft weniger, die Energie und leider auch die Freude! Und als ich im 5. Monat wieder mal im KH war mit Dehydrierung kommt eine "neue" Schwester und sagt "ach werdens sehen nach 3 Monaten is alles vorbei" und da bin ich echt heulend dagesessen und hab gesagt sie soll gehen und dass ich einfach nimma mag! Ich wollte nicht mehr schwanger sein! Ich habe zum Glück eine Traum Frauenärztin und das übrige Team im KH war auch sehr einfühlsam und haben mich jedes Mal wieder aufgebaut - ich dachte aber viel an Frauen die das vielleicht nicht haben - was tun? aufgeben? ich hoffe nicht dass das zu oft vorkommt :-( jetzt sind wir am überlegen, 2. Kind?? und so zach es klingt - Hyperemesis ist der Grund warum ich zögere, denn ich bin mir nicht sicher ob ich da nochmal durchkomm :-( ich höre nämlich selten Fälle wo es beim 2. dann recht viel anders abgelaufen ist :-(

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