Gastbeiträge

25/02/2016 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Gastbeitrag von Judith: Wie Gummibärchen die Vererbungs-Lehre erklären

Ihr Lieben, auch heute dürfen wir mal wieder einen Gastbeitrag einer Bloggerkollegin veröffentlichen (hier geht´s zu ihrem schönen Blog). Judith ist 31, hat eine fünfjährige Tochter Sina und wartet gerade auf Baby Nummer 2. Und das sollte eigentlich ein Mädchen werden, jedenfalls hatten alle fest damit gerechnet. Als irgendwann heraus kam, dass es doch ein Junge wird, hatte Sina viele Fragen. Die Judith auf ganz ganz tolle Weise beantwortet hat. Viel Spaß mit diesem schönen Beitrag: 

"Wir haben lange damit gerechnet, ein zweites Mädchen zu bekommen. Unser Sohn wollte sich im Ultraschall einfach nicht zeigen und lag lieber auf dem Rücken als auf dem Präsentierteller. Sein gutes Recht wie ich finde. Als es dann im achten Monat hieß „Herzlichen Glückwunsch zum Sohn“ waren wir erstmal baff. Alle einschließlich Sina. Die Frage unserer Tochter ließ nicht lange auf sich warten: „Mama, warum ist unser Baby ein Junge?“

Die Antwort ist uns Hobbybiologen natürlich klar. Von der Frau das X-, vom Mann das Y-Chromosom und die Sache ist geritzt. Fortpflanzung und Genetik sind spannende Themen. Gleich kam mir Mendel in den Sinn und gerne hätte ich mein tief in mir schlummerndes Schulwissen von DNA und Vererbung hervorgekramt. Nur gab es da einen Haken. Sina ist fünf. Zu jung für Chromosomen. Ihr muss die Welt erstmal simpel erklärt werden und zwar in kleinen Happen, altersentsprechend und am besten bildhaft. Bildhaft klingt gut. Warum nicht auch mit Geschmack? Kurzerhand haben wir den Inhalt einer Packung Gummibärchen auf dem Esstisch verteilt. Die roten und grünen haben wir zu einem Stapel gehäuft. Während wir uns die restlichen Farben schmecken ließen, haben wir eine kleine Biologiestunde abgehalten.

Wir alle sind einzigartig

„Jeder Mensch ist anders. Es gibt Menschen mit blonden, Menschen mit braunen und Menschen mit schwarzen Haaren. Manche haben grüne, manche blaue Augen. Die einen sind groß, die anderen klein. Auch der Charakter jedes Menschen ist anders. Der eine ist immer lustig, der andere spielt gerne für sich allein und so weiter. Warum das so ist, verraten dir jetzt die Gummibärchen. Schließe die Augen und nimm zehn Gummibärchen. Welche Mischung hältst du in der Hand? Wieviel grüne und wieviele rote Gummibärchen hast du? Nun ein zweites Mal. Alle Gummibärchen zurück und wieder mit geschlossenen Augen ziehen. Wetten, dass du jetzt eine andere Mischung in der Hand hältst? So ist das auch wenn ein Baby entsteht. Das Baby besteht zum einen aus den Gummibärchen der Mama. Diese Gummibärchen heißen Gene. Und zum anderen aus den Gummibärchen, den Genen, vom Papa. Mama und Papa haben jeweils eigene Stapel mit roten und grünen Gummibärchen. Der Grund warum wir so sind wie wir sind, liegt also auch in unseren Genen. Wir haben je zehn Gummibärchen ausgewählt. Es sind in Wirklichkeit aber sogar ungefähr jeweils 30 000 Gene. Und keiner kann voraussagen, welche Mischung ein Baby in sich trägt.

Wie ist das jetzt also mit der Frage, ob ein Baby ein Junge oder ein Mädchen wird? Mama gibt wieder ein paar Gummibärchen, die in Wirklichkeit gleich ein ganzer Haufen Gene sind. Dieser Haufen Gene nennt sich X-Chromosom. Spannend wird es bei den Gummibärchen vom Papa. Die haben nämlich die Macht und entscheiden, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen wird. Abhängig davon, ob Papa das eine, das Y-Chromosom oder das andere, das X-Chromosom. weitergibt, entsteht ein Bruder oder eine Schwester. Selbst bestimmen können das die Eltern nicht. Welche Mischung das Baby bekommt entscheidet der Zufall.“

Natürlich waren am Ende der Erklärung fast keine Gummibärchen mehr übrig. Sina und ich fanden die Vorstellung sehr amüsant, dass sich ihr Bruder in meinem Bauch das Essen greift und mitisst. Dass Kinder manchmal mehr wissen, als wir glauben, zeigte sich prompt. Kurz habe ich von der Nabelschnur erzählt, über die ihr Bruder ja eigentlich Nährstoffe aufnimmt und die der Grund ist, warum wir alle einen Bauchnabel haben. Als ich ihr dann – so viel zum Thema kindgerecht – einreden wollte, dass die Nabelschnur nach der Geburt von selbst abgeht (was ja nicht unbedingt falsch ist, zumindest was irgendwann den Rest angeht) hat sie mich verbessert. „Nein Mama, die fällt nicht ab, die wird mit einer Schere abgeschnitten. Aber das tut nicht weh.“ Das hätte ich ihr dann ja gleich schonungslos erklären können.

Viele Grüße

Eure Judith von malimuc"

NACHTRAG: Heute hat Judith geschrieben, dass ihr Söhnchen vor zwei Tagen zur Welt kam! HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!!!!

Tags: Geburt, Junge, Gene, Vererbung, Erklärung, Vater, Mutter, Frage

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Kommentare

Magda — Do, 02/25/2016 - 10:02

Erst einmal herzlichen Glückwunsch! Und am Anfang sind Babies ja noch Babies -also quasi geschlechtsneutreal bis auf die Farbwahl beim Strampler ;-). Da hat Sina ja noch etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen, dass es ein Junge wird. Und ich würde auch erst einmal bis zur Geburt abwarten. Wer weiß, vielleicht wird es doch noch ein Mädchen? Hihi. Bei einer Freundin von mir haben zwei Ärzte unabhängig voneinander bis zum Schluss gesagt, dass sie einen Jungen bekommt. Nach der Geburt wurde dann fröhlich "Bonding" gemacht und SMS mit der frohen Botschaft und Namen des Jungens verschickt bis dann beim Waschen des Babies den Eltern auffiel: "Oh, das ist doch ein Mädchen!" Die Hebamme war ganz überrascht a là "Ach, das wussten sie nicht?". Die Verwirrung war bei allen Beteiligten sehr groß. Ich bin gespannt, ob es bei Euch wirklich ein Junge wird. Aber Hauptsache gesund ;-)

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