Gastbeiträge

10/07/2018 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Gastbeitrag von Steffi: Ich wollte eine Bauchstraffung, doch dann kam ich ins Grübeln...

Mein Name ist Steffi und vor drei Tagen war ich bei einem plastischeen Chirurg in einer renommierten Hamburger Schönheitsklinik. Er fragte ganz nüchtern: "Warum kommen Sie? Ich sagte: "Wegen meines Bauches." 

Tja, mein Bauch. Ich habe drei Schwangerschaften hinter mir und das siehrt man meinem Bauch an. Er ist nicht mehr der flachtste und straffste. Eigentlich nicht verwunderlich. Aber irgendwie sehe ich überall Mütter mit perfekten Bäuchen. Meinem Bauch sieht man dagegen an, was er durchgemacht hat. Dass er gelebt hat. Er ist gezeichnet von tiefen Rissen durch die maximale Dehnung meiner Bauchhaut. Er ist gezeichnet von den kleinen Menschen, die in mir wachsen konnten. Mein Bauch hat Unglaubliches geleitet. Und genau deswegen bin ich auch hin-und hergerissen. 

Ich bin kein Typ für Schönheits-OPs. Und dennoch fühle ich mich unter Druck gesetzt. Als Frau und Mutter. Manchmal verstecke ich meinen Bauch beim Sex mit meinem Mann, weil ich mich unwohl fühle. 

Und nun ziehe ich mein Kleid hoch und zeige meinen Bauch einem Chirurgen. „Ja, da könnte man gut operieren, ihr Bauch schreit förmlich nach einem flachen, straffen Bauch", sagt er. Er macht ein Foto, misst meinen Bauch ab und zeigt mir am Computer, was alles geformt werden würde. Ich gucke nach rechts, dort liegt eine Broschüre mit dem Titel: "Gutes Aussehen steigert ihr Selbstbewusstsein." Und plötzlich fühlt es sich total falsch an, hier zu sein. 

Ich bin nicht das erste Mal hier. Das letzte Beratungsgespräch fühlte es sich auch schon falsch an. Ich verließ die Klinik und fühlte mich unsicher, traurig, verletzt und abgewertet.Danach beschloss ich dennoch: Ich lasse mich icht am Bauch operieren. 

Nun stehe ich wieder hier und gucke mir den Arzt an. Er und auch sein Kollege letztes Mal sehen sehr gestriegelt aus. Ich frage mich: Warum ist er wohl Schönheitschirurg gewoden? Was war seine Motivation? Ist ihm Schönheit das Wichtigste? Und was wäre, wenn ich seine Frau wäre und nach drei Schwangerschaften so aussehen würde? Würde er mich austauschen gegen eine junge, straffe Frau, wenn ich nicht mehr dem Schönheitsideal entspräche?

Jetzt werden sich sicher viele fragen, warum ich einen zweiten Termin ausgemacht habe. Vielleicht brauchte ich nochmal die Bestätigung, dass dieser Ort nichts für mich ist. Vielleicht musste ich nochmal merken, dass eine Bauch-OP Schwachsinn ist. Ich höre, dass der Bauchnabel ausgeschnitte wird und sehe Bilder, die mich eher an Unfallopfer erinnern. Narben, komplett gestraffte Haut. Irgendwie Frankenstein-mäßig. 

Ja, ich finde meinen Bauch nicht mehr so schön wie früher. Ich wünschte, er wäre straffer, flacher und hätte keine tiefen Risse. Ich trage seit Jahren keinen Bikini mehr. Und trotzdem habe ich mich nun endgültig gegen eine OP entschieden. Ich möchte meine Schwächen akzeptieren und nicht durch eine OP zum Glück und zum Selbstbewusstsein kommen. Eigentlich ist es doch gaga: Es ist doch nur ein Bauch. Mehr nicht. Ich bin soviel mehr.

Ich bin eine Frau und Mutter mit drei Kindern. Mein Körper hat Höchstleistung vollbracht. Ich verneige mich vor mir selbst. Mein Bauch nicht der schönste Bauch ist, er zeigt Spuren vom Leben, vom Kinder-Kriegen, von Bindegewebsschwäche, von Gewichtsabnahme. Rein nüchtern betrachtet, ist mein Bauch vermutlich für viele nicht attraktiv. Das ist ok so. Ich bin eben nicht perfekt. 

Ich lasse mich auch wegen der Kinder nicht operieren.Die Kinder hätten mich sicherlich gefragt, was mit meinem Bauch passiert ist. Ich finde die Vorstellung so traurig, sagen zu müssen, dass Mama ihren Bauch hat „schön“ operieren lassen. In unserer Welt voller Perfektions- und Optimierungswahn hätte ich damit einen großen Teil dazu beigetragen und meinen Kindern vermittelt: „Wenn dir etwas nicht an deinem Körper gefällt, dann gibt es tolle Chirurgen, die deinen Körper verändern." 

Das will ich nicht vermitteln. Ich kann nicht sagen: "Mein Bauch ist wunderbar und ich liebe ihn." Aber ich kann sagen: "Mein Bauch gehört zu mir. Und ich akzeptiere ihn." Und ich kann wieder anfangen, Bikinis zu tragen....

Foto oben: Pixabay

Tags: Schönheitsoperationen, Arzt, SchonheitsOP, Bauch, Bauchstraffung, Kinder

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Kommentare

Wiebke — Di, 07/10/2018 - 07:58

Vielen Dank, liebe Steffi! Das musste genau so mal gesagt werden! Ich mag meinen Busen nicht mehr leiden nach zwei Schwangerschaften und zwei Stillzeiten. Aber ihn operieren zu lassen kommt auch für mich nicht in Frage. Ich kann das unmöglich vor meinen Kindern rechtfertigen und mit diesem (fragwürdigen) Bespiel vorangehen. Alles Gute für dich und viele Grüße Wiebke

Alexsandra — Di, 07/10/2018 - 08:06

Hallo Steffi, ich wünschte ich hätte einen Bauch wie du. Ich habe "nur" 2 Kinder, aber leider ist mein Bauch ein Alptraum...und das ist nicht übertrieben sondern Realität. Ich bin 29 Jahre jung und mein Bauch sieht aus, wie von einer 80 Jährigen...dies ist wirklich so,keine Übertreibung :( ....oder man kann es auch so sagen, wenn eine 100kg Person 50 kg Abnehmen würde...leider nicht sehr schön.... Und ich habe mich auch etwas informiert bei einer Praxis per Mail wieviel sowas den Kosten würde... Knappe 7000 Euro...ich werde demnächst das Persönliche Gespräch der Praxis aufsuchen und mich weiter informieren, aber es muss gemacht werden, denn auch wie du, versuche ich beim Geschlechtsverkehr meinen Bauch zu verstecken...und nicht nur dort... Ich bin natürlich froh darüber 2 super tolle Kinder zu haben, aber wenn ich meine Freundin sehe mit 4 Kindern, darunter sogar Zwillinge, denke ich mir, warum habe ich nicht so einen Bauch ?? Wenn er nur was runter hängen würde, wäre ich ja schon sowas von zufrieden... Mein Mann sagt zwar, dass er weiß was mein Bauch geleistet hat usw und er würde es auch akzeptieren wenn ich es nicht machen würde, aber ich möchte auch gerne mal wieder einfach mal irgendwo liegen im Bikini und meinen Bauch bräunen oder Shirts tragen die was enger sind.... Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl in meiner Haut... Jetzt heißt es halt sparen... Alles Gute Dir Und ich meine es wirklich ernst, wenn ich schreibe, wenn ich Deinen Bauch hätte, wäre ich einfach überglücklich... Liebe Grüße Alexsandra

Jana — Di, 07/10/2018 - 16:20

Genau so fing es bei Taryn Brumfit an, unbedingt den Film schauen, wenn man wissen möchte, wie es mit ihr dann weiter ging!

Sandy — Di, 07/10/2018 - 22:27

Liebe Steffi, ich finde Dich wunderbar! Wenn es mehr Frauen wie Dich gäbe, dann müssten wir Mamas weniger unter diesem AfterBabyBody-Optimierungswahn leiden! Kranke Welt, in der sich frau schämen muss, dass ihr Körper ein Wunder vollbracht hat! Schön, dass Du Frieden mlt Dir schließen konntest!

Alexsandra — Mi, 07/11/2018 - 07:14

Deine Aussage finde ich mehr als Lächerlich. Schämen ??? Warum soll sich eine Frau schämen, wenn sie etwas an sich ändern möchte? Natürlich kann ich es auch nicht nachvollziehen, wenn eine Frau, die schon einen schönen Körper hat nochwas dran machen will, nur damit sie dem Ideal entspricht. Aber es gibt wirklich Frauen (wie in meinem Kommentar oben), die haben wirklich Probleme... Und nicht nur mit "da hängt ein bisschen was runter, schlafe Brüste o.ä." Traurig dein Kommentar

Tina — Mi, 07/11/2018 - 07:23

Hallo Steffi, ich finde dich Klasse und deinen Bauch auch! Ich habe 2 Kinder und auch mein Bauch ist durch die Schwangerschaften stark gezeichnet. Anfangs konnte ich meinen Anblick im Spiegel kaum ertragen. Ich habe lange gebraucht Ihn als einen Teil von mir zu aktzeptieren. Aber wie du sagst unser Körper und unser Bauch hat Höchstleistungen vollbracht und verdient Stolz. Einen Bikinie werde ich wohl nicht mehr tragen. Ansonsten können wir zwei (ich und mein Bauch) uns jetzt ziemlich gut leiden :-).

Martina — Mi, 07/11/2018 - 09:53

Mir ging es vor ein par Jahren gleich. Ich hatte noch keine Kinder und wollte mir meine Ohren operieren lassen. Ich fand, die seien abstehend und ich habe meine Haare nie zusammengebunden, wenn doch, habe ich mir die Haare über die Ohren gezogen. Ich war auch beim Arzt und hatte mich beraten lassen. Ich war sogar bei mehreren. Der erste meinte zu mir, Sie müssen dies nicht machen, so schlimm ist es eigentlich gar nicht, aber wenn sie es möchten.... Dieser Satz hat sehr viel in mir ausgelöst. Ich denke am Schluss muss sich jede Frau selber überlegen was sie machen möchte. Ich verstehe beide Seiten. Finde es aber schon sehr sehr stark, wenn man dazu/drüber stehen kann und sich einfach akzeptieren kann. Wenn das mehr Frauen machen, können vielleicht auch mehr mitziehen. :)

Gast — Mi, 07/11/2018 - 11:29

Ich war früher jahrelang essgestört/sportsüchtig und habe meinen (damals straffen, flachen) Bauch gehasst und als wabblig empfunden. Nach der Geburt meines Sohnes hat mein Bauch frappierende Ähnlichkeit mit einem Streifenhörnchen, dem die Luft ausgegangen ist. Ich hatte Angst, dass die körperlichen Veränderungen zum Wiederaufflammen meines Selbsthasses führen würden - bisher war das nicht der Fall. Auch ohne, dass ich mir die vollbrachte Leistung des Gebährens vor Augen halten muss. Ich hoffe, das sind nicht nur sedierende Stillhormone. Ich fürchtete einen ganz anderen Umgang damit, denn immerhin könnte ich mit aller (fehlgeleiteter) Selbstdisziplin der Welt den Bauch nie wiederherstellen. Was ich bzgl. Schönheitschirurgie allerdings in Betracht ziehen würde, ist eine Bruststraffung. Durch das Stillen sind meine (ohnehin im vergelcih zum Körper relativ großen) Brüste unterschiedlich groß, was an sich für mich und meinen Mann kein Thema wäre, aber es sieht selbst in Kleidung sehr skurril aus, als wäre der BH kaputt, meine Kleidung falschgeschnitten oder im schlimmsten Fall, die imaginäre (!) Silikoneinlage ausgelaufen. Letzteres wurde ich schon gefragt... Insofern kann ich verstehen, dass manche unter ihren Bäuchen leiden, ohne dass das die Leistung schmälert, damit ein Kind 9 Monate behütet und genährt zu haben. Anhand der Fotos möchte ich allerdings anmerken, dass mit Sport und ggf. Gewichtsabnahme viel erreicht werden kann - sofern man dazu die Zeit hat und den eigenen Körperzustand nicht so akzeptieren möchte. Es müsste überhaupt nicht gleich die OP sein. Es gibt aber auf der anderen Seite auch keinen Grund sich, sich schlecht zu fühlen oder unter Druck zu setzen, denn "Mein Bauch gehört zu mir. Und ich akzeptiere ihn." ist eine tolle Einstellung. Das nur als Hinweis, da man ja doch beim Lesen oft zum Vergleichen neigt.

Gast — Mi, 07/11/2018 - 11:30

*Gebären natürlich ohne h!

Gast — Mi, 07/11/2018 - 13:47

Ich hatte während der Stillzeit auch unterschiedlich große Brüste. Zeitweise war ich richtig deprimiert und dachte schon, dass rein äußerlich für mich nur noch ein Job im Kuriositätenkabinett in Frage käme. Als auch das einseitige Stillen mit der kleineren Brust nichts half, hab ich es so hingenommen. Vor gut zwei Monaten habe ich abgestillt - und die Brüste haben sich von der Größe wieder angeglichen. Manchmal muss man nur etwas Geduld haben und tief durchatmen. :-)

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