Gastbeiträge

02/12/2017 - 07:45

Stadt-Mama Katharina

Gastbeitrag: Wie wäre mein Leben, wenn ich nur ein Kind bekommen hätte?

Mein Name ist Henrike, ich bin 38 Jahre alt und meine Kinder sind 7, 4 und 2. Sie sind hinreißend - und anstrengend. Ich würde nicht sagen, dass ich überfordert bin, aber ich stoße oft an meine Grenzen. 

Mir war immer klar, dass ich nicht nur ein Kind haben will. Ich fand die Vorstellung toll, an einem großen Tisch mit vielen Kindern zu sitzen. Ich wollte Trubel und Leben in der Bude. Ich wollte sie auch auf ihrem Weg begleiten, daher war mir klar, dass ich nicht vollzeit arbeiten werde und reduzierte auf 25 Stunden. Ich mag meinen Job - was ich aber nicht gemacht habe, ist die große Karriere. Das ist - meiner Meinung nach - in Teilzeit nicht machbar. 

Ich bin mit meinem Leben zufrieden, es gibt gute und weniger gute Tage, aber wir sind alle gesund und das ist das Wichtigste. Doch manchmal ertappe ich mich bei einem seltsamen Gedanken: Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich nur ein Kind bekommen hätte?

Meine Antwort lautet: Es hätte viele Nachteile, aber es wäre auch definitiv weniger anstrengend. 

Ich müsste mich nicht ständig zerteilen, um allen Kindern gerecht zu werden. Ich hätte viel weniger Wäsche. Ich würde mich weniger wie ein Taxiunternehmen fühlen, wenn ich mal wieder alle zu den Hobbies fahre. Die Abendessen wären ruhiger, wenn wir nur zu dritt am Tisch säßen. Wir könnten auch mal in den Urlaub fliegen - nur drei anstatt fünf Flüge zu zahlen scheint machbar. 

Ich hätte mehr Zeit für mich, könnte regelmäßig zum Sport und Freunde treffen. Wir als Paar hätten abends mehr Zeit füreinander, weil wir nicht damit beschäftigt wären, eine ganze Rasselbande ins Bett zu bringen. 

In Restaurants könnte ich vielleicht mal wieder mein Essen genießen, weil das eine Kind ganz friedlich malt und nicht seine Geschwister unter dem Tisch tritt. 

Ich hätte beruflich aufsteigen können, wenn das eine Kind alt genug gewesen wäre, um nchmittags auch mal alleine zu Hause zu sein. 

Neulich stieß ich zufällig auf ein paar alte Fotos. Sie zeigten meinen Mann und mich mit unserem ältesten Sohn im Griechenland-Urlaub. Er war etwa zwei Jahre und unfassbar süß. Ich erinnere mich gut an den Urlaub, er war wunderbar. Wir waren total entspannt. Während der eine mit dem Kind buddelte, konnte der andere lesen. Es gab keinen Geschwister-Zoff und ZWEI Erwachsene konnten sich um EIN Kind kümmern - was für eine Luxus-Situation. 

Die Erfahrung, eine Mama zu sein, möchte ich nie mehr in meinem Leben missen. Ich habe nur oft das Gefühl, dass wir Eltern uns ständig zerreisen und es doch nicht reicht. Ja, manchmal frage ich mich: Wäre es nicht für alle leichter gewesen, hätten wir nur ein Kind? Wäre dann noch ein bisschen mehr von uns als Personen übrig und wären wir dann ein bisschen weniger "nur Eltern"?

Ich weiß, das sind keine populären Gedanken. Man hat deshalb gleich ein schlechtes Gewissen und NATÜRLICH würde ich keins meiner Kinder je wieder her geben. Aber dennoch: Manchmal denke ich sehr gerne an die Vater-Mutter-ein Kind-Zeit zurück. 

Geht es noch irgendjemand so? 

Foto: Pixabay

Tags: Kinder, Kind, Familie, Einzelkind, Entscheidung, Leben

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Kommentare

Mimi — Sa, 12/02/2017 - 09:17

Liebe Henrike, ich finde nicht, dass das Gedanken sind, für die man sich schämen muss und ich glaube auch, jeder halbwegs reflektierte Mensch hinterfragt ab und an Entscheidungen. Dazu gehört eben auch die Entscheidung, Kinder zu bekommen. Ich glaube aber, dass du einen kleinen Denkfehler hast, was Ein-Kind-Familien angeht. In deinem persönlichen Rückblick mag das entspannter gewesen sein mit einem Kind. Ich erlebe aber im Bekanntenkreis sehr oft, dass Eltern mit einem Kind fast gestresster sind als Eltern mit zwei oder mehr Kindern. Es kann unglaublich anstrengend sein, wenn sich alle Aufmerksamkeit um ein Kind dreht. Und zwar für das Kind genauso wie für die Erwachsenen. Ich erlebe auch sehr selten, dass Einzelkinder ruhig im Restaurant malen, alleine spielen usw. Ich gebe zu: Geschwisterstreit kann total anstrengend sein, allerdings spielen Geschwister eben auch mal miteinander und man hat nicht ständig das Gefühl bespassen zu müssen. Ich glaube es ist sehr individuell, wann man sich gestresst fühlt und nicht unbedingt abhängig von der Anzahl der Kinder. Was ich nur auch oft sehe, ist, dass das Rollenverständnis und Verhältnis eines Paares sehr oft dann klassisch wird, wenn mehrere Kinder da sind. Mama wuppt Kinder, Hauhalt usw., und arbeitet wenn es gut läuft ein wenig, Papa arbeitet Vollzeit und hält sich beim Rest raus. Das macht wahrscheinlich viele Frauen unzufrieden, weil sich immer irgendwann das Gefühl einstellt, hinter den eigenen Möglichkeiten gebliebem zu sein. Mein Rat: versuch deine Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Auch der Papa kann mal ein Kind zum Sport fahren, mitnehmen, einkaufen usw. Die Nachbarin passt vielleicht mal auf die Kleineren auf, damit ihr einen freien Abend habt.... euer Jüngstes ist gerade mal zwei. Das kommt alles wieder. Und irgendwann wirst du merken, dass du vielleicht auch mit drei Kindern das entspannte Lebem haben kannst, das du dir sehr wünschst!

Nele — Sa, 12/02/2017 - 10:30

... und ich habe nur zwei Kinder. Ich liebe beide von ganzem Herzen und würde keines hergeben. Natürlich nicht. Wenn wir aber gewusst hätten, ganz genau wieviel anstrengender es mit Nr. 2 im Allgemeinen, aber auch mit seinem ganz speziellen Charakter wird, vielleicht hätten wir uns gegen das zweite Kind entschieden. Versteht mich nicht falsch: es ist gut, dass wir es nicht wussten, sonst hätten wir ihn vielleicht nicht und das wäre ein Verlust, er ist entzückend und eine Bereicherung, aber ... das „aber“ bleibt... Ich bin im Moment mit Job und Kindern und allem, was dazu gehört, gerade am Ende meiner Kraft. Und dann hat man schon die Gedanken, wieviel leichter es wäre mit einem Kind, dass zudem schon in die 4. Klasse geht und sehr selbständig ist. Ich wünsche Euch allen eine möglichst stressfrei Adventszeit - egal ob ohne Kinder, mit einem, zwei, drei oder mehr Kindern!

Andrea — Sa, 12/02/2017 - 15:24

..habe ich bewusst nur ein Kind. Es ist genau richtig für mich und uns. Ich glaube ich wäre sonst überfordert. Wir können uns Urlaube leisten und beide arbeiten gehen, ich jetzt auch wieder voll. Man muss auch an später und die Rente denken und ich möchte mich auch privat absichern. Das geht nur mit genug Gehalt. Unser Sohn ist mittlerweile 12 und auch froh, wenn er alleine ist wenn er von der Schule kommt. Klar hatten wir auch den Gedanken noch ein zweites zu bekommen, aber ich hatte immer Angst vor diesem zerteilen und organisieren und keiner Zeit für sich. Wir hatten ein ruhiges entspanntes Baby, ich weiss die zweiten sind immer anders. Ich wollte das Glück nicht herausfordern. Wir sind eine glückliche kleine Familie.

Tamara — Sa, 12/02/2017 - 15:54

....was ich heute weiß, dann hätte ich wahrscheinlich gar kein Kind. Mein Mann und ich wollten immer Kinder. Zumindest wollten wir immer ein Kind. Unsere Tochter stellte sich dann in den ersten 1-2 Jahren als so einfach heraus, dass ich mich immer fragte, warum stellen sich andere Eltern eigentlich so an?! Kindererziehung ist ja wohl kein Hexenwerk! Die anderen sind einfach zu doof! Dies waren meine Gedanken. Also wurde in gnadenloser Selbstüberschätzung das zweite Kind geplant. Und da kam die Strafe für meine Überheblichkeit! Heute sind Tochter und Terrorzwerg 10 + 8 Jahre alt. Und ich wünschte ich könnte mal Urlaub haben....allein! Ich bräuchte gefühlt ein paar Monate Zeit für mich. Gerne dürfte mein Mann nach ein paar Wochen dazukommen, aber nicht die Kinder. Gerade laufe ich auf dem Zahnfleisch. Und ich habe oft den Gedanken, wie wäre mein Leben und meine Persönlichkeit heute ohne die Zwei?! Aber nach all der vorpupertären Zeit und dem „sich beweisen müssen“ des kleinen Bruders, bin ich zuversichtlich, dass auch ich irgendwann mal wieder mehr als nur funktioniere.

V — Sa, 12/02/2017 - 20:35

Meiner Mutter ging es genauso wie dir. Ich war das ältere Kind und total pflegeleicht. Auch meine Mutter dachte, dass das doch total einfach ist und was die anderen Eltern nur haben. Und bekam ein zweites Kind, meinen kleinen Bruder. Er hat/hatte ADHS, war sehr schwierig, jeden Tag Gespräche mit der Grundschullehrerin, meine Mutter bekam immer schlimmere Migräneattacken aufgrund des Stresses. Die Polizei stand mehrmals mit ihm vor der Tür. Als Jugendlicher wurde er zu Sozialstunden verurteilt. Ich habe gesehen und gespürt, wie sehr unser kleiner Bruder meine Mutter und auch die Beziehung der Eltern belastet und habe mich umso angepasster verhalten. Ich bin eine Einser-Schülerin gewesen, immer tadellos, vorbildlich, meiner Mutter geholfen, niemals Widerworte. Aber mein ganzes Verhalten hat sich nur so entwickelt wegen des tyrannischen Bruders. Ich wollte keinen Funken Anlass geben für Sorge oder Ärger. Hätte ich einen anderen Bruder gehabt, wäre ich auch ein anderer Mensch. Mein Bruder war fordernd, auch was Klamotten und kostspielige Hobbies anging. Meine Eltern hatten nicht viel Geld, also bin ich wahnsinnig sparsam und bescheiden, um meinen Bruder auszugleichen. Ich habe mir verkniffen zu studieren und habe direkt nach dem Abi eine Ausbildung gemacht. Mittlerweile weiß ich auch, dass mein Bruder sich ohne eine Schwester wie mich anders entwickelt hätte. In unserer Familie war der Platz der Guten, der Strebsamen und Folgsamen belegt. Der Platz des Bad Boy war noch frei, also hat er ihn ausgefüllt. Es gibt gute Literatur zu dem Thema, ich möchte bei meinen beiden Kindern nicht denselben Fehler machen. Lieben Gruss

Ma — So, 12/03/2017 - 22:12

Kannst Du dazu ein bestimmtes Buch empfehlen? Ich würde mich über tips freuen.

V — Mo, 12/04/2017 - 08:59

Meine Psychologin hat mir zur Kindererziehung das Buch "Kinder fordern uns heraus" von R. Dreikurs empfohlen. Hier wird auf das Thema der Familienkonstellation am Anfang eingegangen und im Innenteil finden sich dann noch Tipps, wie man als Eltern mit Geschwistern umgeht. Dieses Buch ist in das Thema ein erster Einstieg und die Erziehungstipps darin sind teils umstritten, weil aus den 1960er Jahren. Für detaillierte Informationen finde ich "Geschwisterkonstellationen" von Leman, "Geschwisterdynamik" von Sohni oder "Familienkonstellationen" von Toman gut. Aber das ist Geschmackssache, schau dir mal die Rezensionen zu den Büchern an. Ich kann auch die anonyme Familienberatung des Jugendamtes empfehlen. Wenn man sich ein wenig in das Thema einliest merkt man, dass wir als Eltern sehr großen Einfluss auf das Miteinander der Geschwister haben. Das beste: wir können es positiv gestalten/beeinflussen!

Lena — Sa, 12/02/2017 - 20:40

Ich an deiner Stelle würde mir dringend Hilfe holen. Einerseits von einer Erziehungsberatung und andererseits mir irgendwie freiräume schaffen. Ich kenne auch Zeiten in denen die Kinder wahnsinnig anstrengend sind. Allerdings betrifft das bei den meisten Leuten eher die Kleinkindzeit. Nicht, dass große Kinder nicht auch anstrengend sein können, aber dieses "auf dem Zahnfleisch gehen" muss aufhören. Und einen achtjährigen "Terrorzwerg" zu nennen finde ich eher befremdlich. Das zeigt aber wahrscheinlich das massive Problem, was ihr habt. Deine Kinder werden noch einige Jahre bei euch wohnen und da würde ich schon mit Hilfe von außen versuchen etwas zu ändern... Viele Grüße

Ich — So, 12/03/2017 - 00:01

beantrage eine Kur- Mit oder ohne Kind...rauskommen, Zeit für dich haben- drei Wochen Mutter-Kind-kur können eine ganze Menge bewirken. Und normalerweise wird dieses alle 4 Jahre bewilligt. Und noch ein Hinweis: lass bitte auch mal deine Blutwerte checken. Eine nicht erkannte latente Schilddrüsenunterfunktion z.B. kann auch dazu führen, dass man über lange Zeit das GEfühl hat, nur noch zu funktionieren und auf dem Zahnfleisch zu laufen.

Kathrin — So, 12/03/2017 - 00:09

Ich habe zwei Kinder, 4 und 6. Sie verbringen hin und wieder ein paar Tage getrennt voneinander ein paar Tage bei den Großeltern, so dass wir da „nur“ ein Kind haben. 2-3 Tage ist das wie Urlaub, aber ab dann müssen wir ständig als Spielgefährte für das „Einzelkind“ herhalten... ich denke Einkindeltern kennen das nur zu gut! Da merkt man erst wieder, wieviel Zeit sie sich zusammen beschäftigen, einander helfen usw... das geht manchmal im Geschwistergestreite einfach unter! Zum Thema Urlaub: Wir haben echt Campingplätze und Jugendherbergen für uns entdeckt, seit wir Kinder haben... aber wir waren auch vorher nie die Cluburlauber.

Lena — So, 12/03/2017 - 14:26

Was für traurige Kommentare sich hier teilweise finden- meiner Meinung nach zeigt das vor allem, dass viele Mütter immer noch viel zu alleine dastehen. Hier sind vor allem die Väter gefragt! Aber auch Jugendämter. Mit einer Haushaltshilfe wäre vielleicht einigen schon sehr geholfen. Wenn die Mütter mehr entlastet würden, würden Sie ihre Kinder vielleicht auch ganz anderes wahrnehmen.

Claralama — So, 12/03/2017 - 17:23

Ob es wohl auch Mütter gibt, die mit ihren Kindern glücklich und zufrieden sind? Die Kommentare hier sind echt traurig... Viele Grüße Claralama mit ihrer Tochter, die hoffentlich mal Geschwister haben wird

Lena — So, 12/03/2017 - 19:24

Ja, es gibt sie. Ich habe zwei noch recht kleine Kinder und es ist manchmal wahnsinnig anstrengend und Wunder Wunder schön. Ich bin so froh beide zu haben. Die erste Zeit mit meinem Sohn war heftig. Schreibaby, viel krank, aber jetzt ist es toll und mich hat diese super anstrengende Zeit auch menschlich voran gebracht. Es ist alles gut so wie es ist, ich wünsche mir irgendwann ein drittes Kind und freue mich sehr diese beiden zu haben. Es ist sowieso schwierig diese „was wäre wenn?“ fragen zu stellen. Man hat die Entscheidung für ein weiteres Kind nunmal getroffen und natürlich ist das anstrengend, aber man gewinnt so viel. Und die paar Euro weniger Rente machen es dann später auch nicht aus, finde ich... Und diese Paarzeit und die Zeit für sich, die jetzt fehlt, die kommt ja wieder, schritt für schritt. Das hat Lisa in ihrem Artikel ja wunderschön beschrieben :-)

Claralama — So, 12/03/2017 - 21:53

Danke für diesen schönen Post. :)

V — Mo, 12/04/2017 - 09:18

Hallo Claralama, obwohl mein kleiner Bruder sehr schwierig war und unsere Familie damals negativ bestimmt hat, wollte ich selbst immer mindestens zwei Kinder. Ich habe die schlechten Erfahrungen aus unserer Familie und die ausgelaugten Eltern, nicht auf meinen eigenen Kinderwunsch übertragen. Mein erstes Kind war gefühlt seeehr anstrengend und ist es auch heute noch. Er war in der Kleinkindzeit sehr viel krank und hat uns Eltern nahezu ausgelaugt. Deshalb hat es etwas länger gedauert, bis wir uns für ein zweites Kind entschieden haben. Unser zweites Kind ist jetzt 2,5 Jahre alt und ich bin jeden einzelnen Tag froh, dass ich mich dafür entschieden habe. Es wäre so schlimm gewesen, wenn ich mich wegen des ersten Kindes nicht auf das zweite eingelassen hätte. Ich kann mir unser Leben auch nicht ohne das zweite Kind vorstellen. Es wäre so trostlos nur mit unserem Erstgeborenen. Sie streiten sich viel, aber ich würde es nicht ändern. Meine Erfahrungen aus der Kindheit mit meinem Bruder haben mich dazu veranlasst, mich mehr mit dem Thema Erziehung zu beschäftigen um unser Familienleben positiv zu beeinflussen.

Maria — Mo, 12/04/2017 - 06:54

Hallo. Ich habe nochmal ein Kind weniger als du und kann es trotzdem gut verstehen. Ich ertappe mich auch immer wieder mal dabei, Eltern mit einem Kind zu beneiden. Aus finanzieller und zeitlicher Sicht und auch wegen des Stresses. Ich finde es mutig von dir, hier von deinen Gefühlen zu schreiben. In Deutschland haben wir einfach nicht die Situation, dass Mehrkindfamilien besondere Unterstützung bekommen. Leider... Es sollte genau anders herum sein!

Katharina — Mo, 12/04/2017 - 08:33

Ich habe „nur“ ein Kind - noch , das zweite ist unterwegs. Er ist fast zwei Jahre alt und ich habe Unterstützung durch meinen Mann, der zwar arbeiten muss aber mir soviel es geht annimmt wenn es mir zu viel wird, und meine Schwiegereltern auf dem gleichen Grundstück die auch sehr gerne aushelfen. Trotzdem ist es mir manchmal auch zuviel und ich sehne mich gerade an so Tagen wie gestern einfach nur vorm zu zu hängen oder nicht raus gehen zu müssen oder einfach nur mal schnell einkaufen gehen oder oder. Was mit kleinem Kind halt nicht mehr so möglich ist. Ich finde so Gefühle und Gedanken auch völlig ok, wenn sie nicht die ganze Zeit da sind. Dann sollte man schon etwas unternehmen um die Zeit mit den Kindern, die ja auch begrenzt ist, wieder mehr genießen zu können. Es ist nicht immer nur alles toll. Weder in der Beziehung noch im Job noch mit den Kindern, und bei allen kann man nicht immer etwas daran ändern. Aber dies versuchen. Gibt es nette Menschen die gerne mit den Kindern Zeit verbringen und die Kindern mt diesen und denen man vertrauen kann? Dann los, Kinder zu diesen ab und zu und dann nicht nur die Hausarbeit erledigen in der freien Zeit. Gibt es die Möglichkeit einer Putzhilfe, Haushaltshilfe oder sonstiger Hilfe? Oder ist Geld da um Lebensmittel zu bestellen? Wie oben schon genannt, eine Kur beantragen, das hat vielen schon geholfen. Was kann der Mann übernehmen? Sie können mehr als sie manchmal zugeben wollen, wir arbeiten auch den ganzen Tag, und warum sollen sie ein komplett freies Wochenende haben und wir den gleichen tritt wie immer?! Und so oft es geht aus dem Alltag ausbrechen. Einen Ausflug machen, auf den Spielplatz gehen......

Susi — Mo, 12/04/2017 - 08:52

Ich habe 4 Kinder zwischen Kleinkind und Pubertät. Ich liebe meine Kinder über alles und würde sie selbstverständlich um nichts auf der Welt wieder hergeben. Ich würde mich definitiv noch einmal dafür entscheiden sie zu bekommen, denn es wäre äußerst schade, hätte ich diese 4 wunderbaren Menschen nie kennengelernt. Trotzdem kann ich deine Gedanken gut nachvollziehen. Die (für mich gefühlte) Leichtigkeit und Unbeschwertheit des Ein- oder auch Zweikind Mutterseins vermisse ich manchmal schon auch sehr. Ich erinnere mich an entspannte Urlaube, als wir nur die beiden Großen hatten. Ausflüge und angenehmes Essen im Restaurant. Und die Wohnung sah noch richtig sauber und gemütlich aus. Heute herrscht Chaos, wenn wir auswärts essen, dann höchstens bei Ikea weil alles andere viel zu anstrengend ist und Urlaub gibt's schon lange nur mehr auf dem Campingplatz. Mein Alltag ist ausgefüllt von Stillen, Kinderturnen, Schreib- und Leseübungen eines Erstklässlers, Hobbies und Abfragen von Vokabeln und Pubertätseskapaden. Dazwischen Termine bei zigtausend Ärzten, Elterngespräche hier und Bastelnachmittage bei Schulen und Vereinen dort. Schon klar, dass man dies auch mit weniger Kindern hat, aber normalerweise nicht in solch vielfach geballter Ladung. Ich wollte es so (die Kinderanzahl) und ich will es auch nicht wirklich anders haben. Aber einfach mal ein wenig entschleunigen, mal einen Gang zurück, das täte mir gut. Und da ist er dann, dieser Gedanke, wie sähe so ein Nachmittag wohl aus, mit nur einem Kind? Bewusst und exklusiv Zeit für es zu haben, ohne dass gleichzeitig das nächste Kind mit den nächsten drölfzig Anliegen schon in den Startlöchern steht......

Mimi — Mo, 12/04/2017 - 21:33

Also, ich wollte nur noch mal schreiben, dass ich es gut finde, wenn Mamas irgendwo eine Plattform haben, wo sie sich auch mal den Frust von der Seele schreiben können. Ich lese aber nix von unglücklichen Müttern, sondern nur vom normalen alltäglichen Wahnsinn. Ich glaube auch nicht, dass alle, die hier ihren Stress beschreiben, wirklich unzufrieden sind. Nur irgendwo muss das halt mal raus. Und in dieser Instagram-Blase, in der Mamas immer strahlend durch die Gegend laufen, drei Kinder und Job problemlos wuppen, bio kochen und auch noch Zeit für Yoga haben, tut so ein bisschen Realität auch einfach mal richtig gut.

Inga — Di, 12/05/2017 - 17:07

Ich glaube, es ist ganz normal, dass man sich manchmal das wünscht, was man gerade nicht hat. Weil die Vorstellung so schön ist. Als meine Tochter knapp 2 war und wir uns gerade entschieden hatten, dass wir gern ein zweites Kind hätten, wurde mein Mann schwer krank und starb einige Monate später. Neben der Trauer um meinen Mann trauerte ich auch um das zweite Kind, das ich nicht mehr würde bekommen können. Die Zeit allein mit meiner Tochter war unglaublich anstrengend. Sie war ein dickköpfiger Trotzkopf und forderte von 6:00 morgens bis 22:00 Uhr meine volle Aufmerksamkeit. An Sonntagen sehnte ich mich nach dem Montag, an dem ich sie wieder in die Kita bringen konnte. Und trotzdem war sie es, für die ich überhaupt morgens aufgestanden bin. Sie war der einzige Grund weiter zu funktionieren. In dieser Zeit habe ich Alleinerziehende beneidet, die ihre Kinder alle zwei Wochen ein Wochenende beim anderen Partner hatten und somit ein Wochenende für sich allein. Noch neidischer war ich auf Familien, bei denen noch beide Eltern am Leben und zusammen waren. Einige Jahre später lernte ich meinen Freund kennen. Er ist auch Witwer und alleinerziehend mit zwei Kindern. Wir leben noch nicht zusammen, daher bin ich während der Woche allein mit meiner Tochter und an den Wochenenden und in den Ferien sind wir zu fünft. Die Woche ist ruhiger, exklusiv für meine Tochter. Ich muss weniger einkaufen, weniger kochen, weniger Spülmaschinen ein- und ausräumen. Obwohl sie 6 ist, beschäftigt sie sich nicht allein. Ich habe Vieles versucht, um sie dazu zu bringen. Aber wenn wir allein sind, nimmt sie mich weiterhin total in Beschlag. Das Wochenende dagegen ist trubelig. Logistische Herausforderungen, Wäscheberge, große Essensmengen... Aber die Kinder spielen miteinander. Sie brauchen kein Entertainment. Sie spielen morgens und kommen nicht um 6:00 ins Schlafzimmer gestürmt. Natürlich streiten sie sich auch und irgendwer heult oder hat keine Lust auf die Aktivität, die wir gerade Vorhaben. Aber für mich ist es das große Glück. Keine Einsamkeit und leben im Haus. Ich bin durch die letzten Jahre geschlaucht und immer müde. Ich habe eine Therapie gemacht und war zur Kur. Was ich dort gelernt habe, ist, so viel es geht auf mich selbst zu achten. Und nicht so hohe Ansprüche an mich und mein Funktionieren zu stellen. Manchmal klappt das. Aber manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, wie einfach und unbeschwert mein Leben hätte sein können, wäre mein Mann nicht gestorben.

Susanne — Mi, 12/13/2017 - 08:51

Je mehr Kinder da sind, umso gleichmäßiger dreht sich das Hamsterrad. Ich habe drei Kinder (7,5,3), bin mit dem vierten ungeplant schwanger geworden, habe ein Pferd, ein Haus und arbeite 35 h. Mein Mann macht viel im Haushalt mit, auch wenn er noch mehr als ich arbeitet. Wir stemmen das alleine ohne fremde Hilfe. Aber es ist viel und sobald ein Geburtstag und Urlaub dazu kommt oder jemand krank wird, wird es noch stressiger. Klar beneide ich die Einzelkindfamilien, die am We ihr Kind zur Oma geben und dann nur Zeit für sich haben. Und schon die nächste Flugreise planen, während wir uns mit drei kleinen Kindern durch die Alpen Richtung Süden schlängeln. Aber mal ganz ehrlich? Bevor ich Kinder hatte, habe ich während des Studiums noch Nachtschichten geschoben. Ich habe mich nach der Arbeit damals täglich um zwei Pferde gekümmert teilweise bis 21/22 Uhr. Ich denke, wenn ich heute keine Kinder hätte, dann lege ich auch nicht am anderen Ende des Erdballs in der Sonne, sondern hätte mich in die Arbeit gestürzt, mich helikoptermäßig um das Einzelkind gesorgt oder eben Karriere gemacht. Ich denke, so unbewusst treffen wir keine Entscheidungen, um sie danach zu bereuen. Klar geht nicht alles im Leben. Viele Kinder und Entspannung pur sind unvereinbare Kontrastpaare. Es gab auch schon in der Jugend Charaktere, deren Leben ich nur halb so voll wie meins fand. Die waren ohne Hobby glücklich, sind zeitig aus der Disko nach Hause gegangen oder haben ganze Wochenenden nichts gemacht. Das war nie mein Ding. Ich brauche Trubel, Herausforderungen, Abwechselung. Daher vielleicht auch die vielen Kinder. Das hat nichts damit zu tun, dass man froh ist, dass abends alle Bett liegen und dass der x.Elternabend einfach nur noch nervt, wenn sich Einzelkindmamas um die Zutaten des Mittagsessens streiten, während man die wesentliche Informationen schon längst in der Tasche hat und nur noch aus Anstand sitzen bleibt. Ich denke, wir entscheiden uns schon bewusst für Lebensmodelle. Natürlich können unvorhersehbare Ereignisse Pläne verändern oder wir bereuen Entscheidungen. Zumal ich viele kenne, die sagen, ein Kind hätte gereicht oder wären wir nicht schon so alt, hätten wir auch noch ein drittes gewollt. Die 100%-richtige Entscheidung ist kaum möglich. Und im nachhinein ist man eh immer schlauer. Leben und leben lassen. LG Susi

Lulu — Do, 12/21/2017 - 13:26

..nur ein Kind; ich wünschte mir immer ein Geschwister für meine Tochter. Nun hat es leider nicht mehr geklappt; und für die Beziehnung zum Mann war das auch nicht förderlich. Nun ob ein Kind, zwei oder drei.. die Partnerschaft ist bei 50 Prozent sowieso hin.. und wahrscheinlich wäre sie das auch ohne Kinder..

Biendli0 — Do, 12/21/2017 - 13:27

Manchmal ist, was man will und was einem gut tut nicht dasselbe. Wir haben zwei tolle, gesunde Kinder und ich bin dankbar dafür. Noch ein drittes Kind zu bekommen stand lange im Raum, ich hatte aber auch immer sehr viel Respekt davor. Zum einen mich als Mutter zu überfordern zum anderen unser Recht idyllisches Familienleben mit zwei Kindern zu tauschen für mehr Lärm, mehr Interessenkonflikte..mehr Familie eben... ich denke immer noch, dass 2 Kinder für michdie goldene Mitte ist... auch wenn die Vorstellung verlockend war noch mehr Wonneproppen auf die Welt zu stellen.. ist es energietechnisch für mich als Mutter besser so.

Gast — Fr, 12/22/2017 - 19:07

In letzter Zeit ertappe ich mich dabei, die gleichen Gedanken zu haben. Ein Kind war wirklich easy, trotz komplizierter Schwangerschaft und schwierigen Start. habe ich überlegt, ob ein Kind nicht auch reicht. Wie bei seeehr vielen in meinem Bekanntenkreis. Aber all die Argumente drehten sich am Ende immer irgendwie ums Thema Geld (Job, Urlaub, Rente). Das fand ich sehr kurzfristig gedacht. Und irgendwie auch unfair dem Kind gegenüber. All die Erwartungen. Und die Verantwortung für zwei alte Eltern später. Ganz allein. Das fand ich egoistisch. Also: nach drei Jahren und vielen Gesprächen dann die Entscheidung für ein zweites Kind. Tja, und dann wurden es eineiige Zwillinge. Das Leben lässt sich eben nicht immer planen. Die Schwangerschaft und die ersten beiden Jahre waren die gefühlte Hölle. Dieser Schlafmangel, Folter! Nun sind sie vier. Und was soll ich sagen: ja, es wäre viel einfacher ohne sie. Aber es stimmt eben doch: Sie geben einem so viel zurück. Das hätte ich nie gedacht. Plötzlich werden andere Dinge wichtig. Karriere? Wäre nett gewesen. Mehr Geld? Auch schön. Die Welt sehen? Jetzt gerade nicht möglich. Aber diese Liebe kann man für kein Geld kaufen. Dieser Gedanke lässt mich die anderen Überlegungen ganz schnell beiseite schieben. Und dir helfen sie vielleicht auch...

Gast — Fr, 12/22/2017 - 19:08

In letzter Zeit ertappe ich mich dabei, die gleichen Gedanken zu haben. Ein Kind war wirklich easy, trotz komplizierter Schwangerschaft und schwierigen Start. habe ich überlegt, ob ein Kind nicht auch reicht. Wie bei seeehr vielen in meinem Bekanntenkreis. Aber all die Argumente drehten sich am Ende immer irgendwie ums Thema Geld (Job, Urlaub, Rente). Das fand ich sehr kurzfristig gedacht. Und irgendwie auch unfair dem Kind gegenüber. All die Erwartungen. Und die Verantwortung für zwei alte Eltern später. Ganz allein. Das fand ich egoistisch. Also: nach drei Jahren und vielen Gesprächen dann die Entscheidung für ein zweites Kind. Tja, und dann wurden es eineiige Zwillinge. Das Leben lässt sich eben nicht immer planen. Die Schwangerschaft und die ersten beiden Jahre waren die gefühlte Hölle. Dieser Schlafmangel, Folter! Nun sind sie vier. Und was soll ich sagen: ja, es wäre viel einfacher ohne sie. Aber es stimmt eben doch: Sie geben einem so viel zurück. Das hätte ich nie gedacht. Plötzlich werden andere Dinge wichtig. Karriere? Wäre nett gewesen. Mehr Geld? Auch schön. Die Welt sehen? Jetzt gerade nicht möglich. Aber diese Liebe kann man für kein Geld kaufen. Dieser Gedanke lässt mich die anderen Überlegungen ganz schnell beiseite schieben. Und dir helfen sie vielleicht auch...

nancy — So, 09/16/2018 - 15:03

das man sich von Mehrfachmüttern immer und immer wieder anhören muss, ja du mit deinem einen Kind hast es soviel leichter.. und auch wenn es sicher nicht böse gemeint ist und es manchmal nur in einem leichten Beisatz fällt.... Sag Euch mal was: - Ich kann nicht in irgendeinen Urlaub fahren, abgeschieden, in der Natur, weil ich es mag.. Weil mir mein Sohn dann den Hals umdrehen würde, da er nämlich Niemand zum spielen hätte. Für einen 5 jährigen ziemlich wichtig. - Ich muss ständig, STäNDIG, Jemanden zum Spielen organisieren und wenn der/die dann absagt, dann haben wir die Hölle auf Erden ( Leider passiert sowas ziemlich häufig) - Mein Sohn war von Anfang an so anstrengend, dass die Zwillinge meiner Freundin für mich wie ein wahrer Traum sind. - Ich bekomme, alle seine Launen, Missmut.. alles ungefiltert ab und darf den halben Tag als Animateur für ihn her halten. Hand aufs Herz.. Welche von Euch Müttern hat Lust 6 Stunden am Tag Lego zu spielen, auf der Couch kämpfen.. ( ja klar, 1-2 STunden aber 24/7 ?) Ich habe vielleicht weniger Berge an Wäsche, vielleicht fahr ich nicht soviel durch die Gegend.. um ehrlich zu sein... Ich vermisse es.. Ich wünschte ich hätte mehr von diesen Momenten, die den Tag füllen. Mir fehlt dieses 2 oder 3te Kind, dem ich nachräume und deren Klamotten ich zusammenlege. Es ist wunderbar, wenn wir viele Kinder hier haben und auch wenn es lauter ist, mehr Bedürfnisse gedeckt werden müssen.. Das Versorgen der Kinder, fällt mir persönlich immer noch einfacher als ein adäquater Spielkamerad zu sein.. und noch schlimmer, ich kann meinem Kind nie die Momente schenken.. wie es sich anfühlt mit dem Geschwisterkind noch unter der Decke heimlich ein Buch zu lesen oder sich Gruselgeschichten zu erzählen. Als ich kein Kind hatte, war ich gesellschaftlich abgestellt, du hast ja kein Kind, du weisst nicht wie das ist. Hab ich ich ein Kind, werde ich nicht für voll genommen, ich hab ja nur eins.. Ob das bei den Familientarifen oder im Muttistammtisch ist. Ich kann es manchmal nicht mehr hören. Jeder Mensch ist unterschiedlich, jeder Mensch nimmt Dinge unterschiedlich war. Ich kann ja auch nicht sagen, meine Kopfschmerzen sind schlimmer als Deine. Versteht mich nicht falsch - aber die Akzeptanz, dass jeder auf seine Art mit seiner Situation ein Für und ein Wieder hat, ist doch bedeutsamer, als sich hinzustellen und zu sagen.. Ja DU.. Du hast ja nur..

manu — So, 02/10/2019 - 23:32

Hallo Nancy, muss dir bei allem, was du schreibst, einfach beipflichten. Genau so ist es! Vielleicht möchtest du mit mir Kontakt aufnehmen, ich kenne niemanden dem es noch so geht.

Farina — Mo, 04/01/2019 - 23:22

zwei Kinder, möglichst noch in einem nicht allzu großen Altersabstand, beschäftigen sich u.U. Doch schon mal einige Zeit miteinander. Ein Kind bedeutet am Wochenende: Dauerbeschäftigung von Papa oder Mama… Studenlanges Rollenspiel aus dem man selbst schon gefühlte 50 Jahre raus ist, und deswegen jedes Wochenbeginn die Frage: was machen wir, welcher Aktivität (ohne Rollenspiel) gehen wir nach. Oma und Opa kommen am Wochenende nicht in Frage. Wollen wir auch nicht. Leider hat es mit dem Zweiten bei uns nicht geklappt. Aber ich bin es wirklich leid, als Einkindmutter nicht für voll genommen zu werden.

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