Gastbeiträge

25/11/2019 - 06:45

Land-Mama Lisa

Gewalt unter der Geburt - Hier erzählt Jana von ihrer ersten traumatischen Geburt

Mein Name ist Jana und ich möchte Euch heute zum Roses Revolution Day meine Geschichre erzählen. Im Oktober 2015 sollte unsere erste Tochter zur Welt kommen. Wir planten die Geburt in einer Klinik, von der wir viel Gutes gehört hatten. 

5 Tage vor dem Termin platzte die Fruchtblase. Vier Stunden später fuhren mein Mann und ich ins Krankenhaus. Ich hatte noch keine Wehen, aber es war unsere erste Geburt und wir waren so aufgeregt. 

Ich wurde im Kreissaal kurz untersucht und dann in ein 3-Bett-Zimmer geschickt. Dann setzten die Wehen ein und die Schmerzen überrannten mich. Ich brauchte Unterstützung, deshalb gingen wir zurück zum Kreißsaal. Dort wurden wir immer wieder mit schlechter Laune und wenig Einfühlungsvermögen abgewiesen. Wir sollten auf dem Flur spazieren gehen oder aufs Zimmer gehen.

Auf dem Flur waren überall wildfremde Menschen, das Zimmer war auch voll - eine Frau hatte dort gerade Besuch von ihrer sehr großen Familie. Ich wollte mich mit meinem Mann zurück ziehen, aber wir wussten nicht wohin. Die Wehen wurden stärker, diese unfassbar großen Schmerzen, auf die man trotz Vorbereitungskurs einfach nicht vorbereitet ist. Und wir fühlten uns alleine. Ich hätte mir sooo sehr eine liebevolle Betreuung gewünscht.

Irgendwann waren die Hebammen von uns wahrscheinlich so genervt, dass sie anboten, mir ein angeblich schmerzlinderndes Medikament intravenös zu verabreichen. Bis heute wissen wir nicht, was das für ein Zeug war. Ich bekam eine Wehenflut, wurde noch ängstlicher, gleichzeitig war ich so erschöpft und mir wurde schwindlich. Insgesamt hatten wir vier Hebammen in der Nacht, die allesamt unfreundlich waren und mir eher noch Vorwürfe machten, weil ich die Wehen nicht richtig veratmen könne. Und weil ich panisch sei. Mein Mann machte mir immer wieder Mut, aber ich war echt am Ende. 

Irgendwann hieß es, es wäre zu spät für eine PDA. Auf einmal füllte sich der Kreißsaal, aber keiner der Menschen in den weißen Kittenl, redete mit uns - nur Geflüster. Die Zimmertür vom Kreißsaal stand immer weit offen. Jemand sagte, die Herztöne vom Kind würden runter gehen. Eine Oberärztin kam und übernahm. Sie schnitt an meinen Damm und nahm die Saugglocke. Der Kinderarzt nahm einen Hocker, drängte meinen Mann beiseite und schob mit seinem Ellenbogen und seinem Körpergewicht meine Tochter "Richtung Ausgang". Dann wurde sie endlich geboren. 48cm groß und 2950g schwer. Kerngesund.

Sie legten das Baby kurz auf meinen Bauch, dann wollten die Ärzte die untersuchen und waschen. Mein Mann ging mit. Ich lag mutterseelenallein, blutend, mit beiden Beinen auf diesen Beinstützen wie beim Frauenarzt. Ohne Decke oder Laken, bei halb offener Tür im grellen Licht, ohne zugezogene Fenstern. Ich fühlte mich wie im Schlachthaus. 

Und dann - nach einer furchtbaren Nacht im lauten Dreibettzimmer - durfte ich nach Hause und wir ließen die U2 beim Kinderarzt machen.

Lange konnte ich nicht über diese Erfahrung sprechen. Nur unter Tränen mit meiner Hebamme, die mich zu Haue betreute. Ich hatte ganz klar ein Trauma. 

Ich habe noch zwei Kinder bekammen, in einem anderen Krankenhaus. Dort gibt es nur 1-2-Bett-Zimmer. Die Hebammen, Ärzte, Pflegerinnen waren sehr nett, einfühlsam und rücksichtsvoll. Ich wurde in dieser intimen, besonderen Situation der Geburt liebevoll gut gut begleitet. Das hat mich mit der ersten Geburt versöhnt und ich bin froh, dass ich nochmal solche Geburten erleben konnte. 

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Kommentare

Lena Steudtner — Mo, 11/25/2019 - 09:07

Hallo liebe Jana, Oh man, es tut mir echt leid, was du für eine Erfahrung machen möchtest. Leider ist es mir 2005 bei der Geburt unserer ersten Tochter ähnlich ergangen in einem großen Klinikum. Erst die Geburten meiner zwei folgenden Kinder konnten mir darüber hinweg helfen. Nun warten wir auf No4 und es wird wieder eine Hausgeburt mit Hebamme, wie schon bei No3. Ich bin das erste mal völlig entspannt und angstfrei. Von der Geburt in der Klinik von Kind No1 hatte ich mir 2016 den Geburtsbericht geben lassen und habe dort auch Sachen gelesen wo ich dachte Bitte? Und das alles ohne vernünftig mit mir zu sprechen unter der Geburt? Es ist unglaublich, was in Kliniken mit manchen Frauen unter der Geburt geschieht und das hat viele Ursachen: zu wenig Personal, zu schlechte Bezahlung usw..... Alles Gute für euch :-)

Dani — Mo, 11/25/2019 - 10:02

Es tut mir leid, dass man so mit dir umgegangen ist. Das ist einfach unentschuldbar. Das sollte keine Frau in einem Moment wie der Geburt erleben müssen, wo man im Mittelpunkt stehen sollte und einfach nur einfühlsame Begleitung braucht. Ich hatte damals auch einen vorzeitigen Blasensprung und ahne, was mir alles erspart geblieben ist, weil ich meine Tochter im Geburtshaus zur Welt gebracht habe. Hier am Ort haben wir auch nur so ein großes Krankenhaus, das ich niemals freiwillig betreten würde. Aber: Du musstest doch nicht über Nacht bleiben. Du durftest immer gehen. Man muss sich auch wehren. Das ist nicht vorwurfsvoll gemeint, sondern als Aufruf, die Verantwortung über sich selbst nicht abzugeben, nur weil man ein Krankenhaus betreten hat. Ich weiß, es sollte anders sein – man sollte es betreten können und vertrauen dürfen. Aber solange das nicht so ist, braucht es wohl leider einen Roses Revolution Day. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und freue mich, dass du auch schöne Geburten erleben durftest.

Sabrina — Mo, 11/25/2019 - 15:05

Klar muss man für sich selber einstehen aber wer hat dieses Selbstvertrauen schon bei der ersten Geburt? Ich jedenfalls nicht. Ich habe blind den Anweisungen von Ärzten, Hebammen und Schwestern vertraut, sofern den welche kamen. Das hätte ich bei der zweiten schon nicht mehr und bei der dritten habe ich offen der Hebamme widersprochen. Hat mir nur nichts genützt. Ich wurde trotzdem aus dem Kreissaal geschickt, was die gute Frau später bitter bereut hat. Sie musste aus dem OP-Saal eines geplanten Kaiserschnitts heraus geholt werden weil ich sonst ohne sie entbunden hätte. Mir hätte das nichts ausgemacht aber krankenhausintern wäre das vermutlich nicht so gern gesehen worden.

Sabrina — Mo, 11/25/2019 - 15:01

Liebe Jana, ich kann total nachvollziehen, wie es dir ergangen ist. Auch ich war mit der Geburt meines ersten Kindes sehr unzufrieden aber zum Glück war es nicht ganz so heftig wie bei dir. Mir wurde geraten in einem großen Krankenhaus zu entbinden, da ich aufgrund einer Gestationsdiabetes eine Risikoschwangere war und die großen Häuser eine angeschlossene Kinderintensivstation haben. Beim ersten Kind ist man ja so verdammt unsicher und vertraut daher auf den Rat der Ärzte. Wer will sich schon hinterher vorwerfen müssen, dass er nicht alles mögliche getan hat um sein Kind zu schützen. Die Geburt dauerte sehr lange. Wir kamen morgens in den Kreissaal und abends kam die Kleine dann. Zwischendurch war kaum jemand da. Alle paar Stunden kam mal eine Praktikantin und ist vorbei gehuscht. Keine Hilfe, als die Schmerzen schier unerträglich wurden, keine Vorschläge für einen Wechsel der Geburtsposition, keiner, der uns geholfen hat, als ich anfangen musste, mich zu übergeben. Ich habe einen Geburtsvobereitungskurs gemacht aber das ist eben alles nur Theorie und das meiste hatte ich im "Ernstfall" vergessen. Mein Mann hat sein Bestes gegeben um mich zu unterstützen aber auch für ihn war es aufregend und sein "erstes Mal". Ich hätte mir gewünscht, eine Hebamme als Ansprechpartnerin zu haben. Jemand, der mir erklärt, wie die Geburt voran schreitet. Oder mir Tipps gibt oder was auch immer. Nach Stunden der Quälerei kam dann eine mürrische Hebamme und meinte, der Muttermund sei offen aber die Wehen noch nicht stark genug. Sie bot mir an, die Fruchtblase zu öffnen und eine halbe Stunde später war unser Baby da. Ich war da schon so geschwächt, dass ich mich geweigert habe, meine Kind auf die Brust zu nehmen. Ich hatte solche Angst, dass meine Kraft nicht mehr reicht, sie zu halten. Mein Mann hat das dann übernommen und wenige Minuten später kam dann die schlecht gelaunte Hebamme wieder und rammte mir ihren Ellbogen in den Bauch. Hinterher erklärte sie kurz, dass die Nachgeburt noch fehlt und sie das ein bisschen beschleunigen wollte. Hat übrigens nicht funktioniert. Es hat eine weitere halbe Stunde gedauert, bis die vollständige Nachgeburt da war. Nur weil mein Mann eingeschritten ist, wurde ein Teil der Plazenta für die Nosoden, die wir anfertigen lassen wollten, aufgehoben. Wir hatten das am morgen gesagt aber bis zum Abend wusste das keiner mehr. Ich war übrigens den ganzen Tag allein im Kreissaal. Es ist also nciht so, dass die Angestellten übermäßig viel zu tun hatten. Alle weiteren Geburten hatte ich im hiesigen Krankenhaus in dem auch meine Hebamme gearbeitet hat. Die Betreuung war viel besser, wofür ich mein Leben lang dankbar sein werde. PS: Obwohl das Krankenhaus, in dem ich das erste Mal entbunden habe, als stillfreundlich ausgezeichnet (!) wurde, haben die Hebammen sich geweigert, mir mit dem Stillen zu helfen. Sie haben mir das Kind angelegt aber kein Wort darüber verloren, worauf ich achten muss. Die Kleine wollte nie von sich aus trinken und hat dadurch viel zu viel abgenommen. Statt mir die Stillerei ausführlich zu zeigen, wurde ich genötigt, mindestens alle 60 Minuten zu pumpen. Obwohl ich einen Tag länger als üblich (alos damals 4 Tage) im Krankenhaus war, hatte ich meinen Milcheinschuss erst zu Hause. Und der war so heftig, dass ich fast übergangslos in einen üblen Milchstau geraten bin. Zum Glück hatte ich zu Hause eine super fürsorgliche Hebamme, die sich wunderbar um mich gekümmert hat.

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