Hat, wer stillt, stillere Nächte? Oder: Warum sich Caro heute fühlt wie flascheleer!

stillen

Liebe Lisa und heute mal liebe Still-Kommissionen dieser Welt,

bitte lasst die Colts stecken und reibt Euch auch bitte nicht die Hände: Denn ich werde hier weder für jemanden Partei ergreifen, noch Werbung machen.

Weder für die Still- noch für die Flaschenkinder. Weil ich tatsächlich zu diesem hitzigen Thema keine Meinung habe und jeder das machen sollte wie er meint und kann.

Aber die kleine Geschichte meiner Nachbarin Annika über das Langzeitstillen – also ich meine damit Stillen, wenn das Kind über ein Jahr ist – geht mir nicht aus dem Kopf.

Ich fang‘ mal von vorne an.

Vor einem Jahr lag ich noch im Krankenhaus. Glückliche Neu-Mama mit Kaiserschnittnarbe und einem Neugeborenen namens Maxime auf dem Bauch. Den ersten Tag meinten die Schwestern: Ach, probieren Sie mal ein bisschen rum mit An-der-Brust-Trinken. Der braucht noch nicht soviel.

Tja und das machten wir dann auch. Mein Mann und ich und natürlich Baby Maxime. Ich probierte halt so, aber irgendwie klappte es nicht so richtig. Mal schlief Maxime, dann hatte er seinen Mund zu… Naja, die meisten kennen das.

Irgendwie bildete ich mir damals ein, das Maxime immer so einen positiven lieben Blick drauf hatte. So, als wollte er sagen: Hör nicht auf Mama, Du kriegst das bald hin. Ich glaube an Dich.

Ja, und dann kam die Kehrtwende. Am zweiten Tag. Um vier Uhr nachts.

Da betrat plötzlich eine rumänische Krankenschwester mein Zimmer. Wie gesagt. Mitten in der Nacht.

„Wenn er in einer Stunde nicht trinkt, müssen wir abpumpen“, befahl sie.

Und ich hatte zwar keine Ahnung wie das werden würde, aber ich dachte: Alles! Nur das nicht!

Oh Mann, ich kann‘ s Euch sagen: Die nächsten zwei Stunden hing sie auf mir drauf, knetete meine Brüste, drückte mir mein Baby an die Brust und hielt es nicht Nase-Drücken wach und ZWANG uns zum Stillen. Ich dachte: „So muss die Hölle sein.“

ABER! Kein Mist, nach dieser Nacht hatte ich acht Monate lang KEIN EINZIGES Stillproblem mehr.

Ich stillte acht Monate und dann ab, weil ich meine Doppel-D-Cups irgendwann unerträglich fand.

Aber, hach: Heute, wenn ich meine Nachbarin Annika sehe, die ihren Einjährigen noch stillt, bin ich manchmal ein bisschen neidisch auf ihre Gemütlichkeit.

Sie hat ein Jahr lang kein Fläschchen sterilisiert, keine Milch gemacht, ist nie morgens aufgestanden, um eine Flasche zu holen – und auch nie nachts. Wenn ihr Baby krank ist, schläft es an ihrer Brust ein und auch so hat sie diese ganze Gläschchen-Brei-Geschichte komplett ausgelassen und ihr Kleiner isst jetzt einfach am Tisch mit.

Deshalb manchmal, Lisa, habe ich irgendwie so diesen Gedanken: Erspart man sich durch Langzeitstillen, so sehr es auch oft belächelt wird, als Mama nicht echt viel Stress und schlaflose Nächte?

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9 Kommentare

  1. Ich gebe es zu
    ich habe nicht (bzw. kaum) gestillt. Ich musste relativ früh antiallergika nehmen und konnte dadurch nicht stillen. Und es war gut so. Ich vermisse nichts. Ich war eine glückliche Flaschenmamma mit einen Baby, der nach 8 Wochen 12 Stunden durchgeschlafen hat und Problemlos bei Papa/Tanten/Großeltern bleiben konnte, die Flasche sei Dank.

  2. Ich sehe es so wie Vanessa.
    Ich sehe es so wie Vanessa. Hauptsache Kind und Mama fühlen sich wohl mit Flasche oder Brust. Ich habe den ersten Sohn 26 Monate gestillt, der Zweite wird glaube ich genauso lange gestillt werden.

  3. Wie mit allem…
    ….liegt das im Auge des Betrachters. Der Eine empfindet das Stillen als Qual, der Nächste findet es mega praktisch. Ich bin für eine friedliche Co-Existenz aller Mütter :-). Lasst euch doch einfach in Ruhe und macht was EUCH gut tut. Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“! Und es gibt auch keine allgemeingültigen Pro- oder Contra-Argumente. Der Eine findet es total praktisch die Milch immer „am Mann“ zu haben, der Nächste findet das total unpraktisch, weil er ständig das Kind dabei haben muss. Dann sind die Kinder noch mal sehr unterschiedlich – das eine Kind stillt sich selbst nach 2 Monaten ab, das Nächste sieht mit 5 Jahren noch nicht ein auf die Brust zu verzichten. Jede hält das solange durch wie sie es für sich verkraften kann. Ja, Muttermlich ist und bleibt das beste, weil natürlichste Nahrungsmittel für Säuglinge, aber ich finde es schade, dass die „Nicht-Still-Mamas“ sich ständig meinen rechtfertigen zu müssen und im schlimmsten Fall sogar dämliche Ausreden erfinden (müssen), um nicht gänzlich verachtet zu werden. Ich habe meine Kinder 10 und 8 Monate lang gestillt und nun bekommt die Kleine morgens und abends ein Fläschchen – WIR sind glücklich damit und als ich gestillt habe waren wir das auch. Darum geht’s doch, oder?

  4. Warum so viel Unehrlichkeit?
    Großer Dank an die Vorreiterin Melanie, die hier als erste etwas ehrliches geschrieben hat, wie ich finde.
    Man wie anstrengend ich dieses ganze Gerede über diese vermeintlichen Vorteile des Stillens finde. Ich habe natürlich auch bis zum 7.Monat gestillt, aber warum hat nicht einmal einer ehrlich über die Nachteile mit mir gesprochen frage ich mich? Dieser ganze Druck und Zwang und diese hohen Ideale um das Muttertierdasein … schade, dass Frauen untereinander nach wie vor so wenig offen, denn dann wäre es auch ehrlich, darüber reden können.
    Und warum das Fläschen geben bei jeder Mutter immer gleich mit so vielen Unannehmlichkeiten verbunden ist, verstehe ich auch bis heute nicht. So ein Quatsch kann ich dazu nur sagen.

    Mädels macht es wie ihr wollt, nur seit bitte nicht einseitig verblendet dabei!

  5. praktisch, dass ich nciht lache
    Nee, ist schon praktisch, man muss nie was mitschleppen. bloß das kind, immer! oder die pumpe. nachts ist es besonders praktisch. für den papa, der kann nämlich liegen bleiben. immer. kommt jedenfalls noch mit auf meine liste der nervigsten pro-still argumente (und hey, ich bin nicht gegen das stillen. aber ich hab mir unsäglich viel zeug über vermeintliche vorteile anhören müssen, da könnt ich auch schon ein eigenes buch draus machen)

  6. Bei mir war das…
    ….mit dem Stillen auch irgendwie anstrengend.
    Also mein Sohn hatte Neugeborenengelbsucht und wurde mir an seinem dritten Lebenstag (bis dahin war es sehr entspannt mit dem Stillen!) quasi aus der Hand gerissen, weil die Bilirubinwerte recht dramatisch waren…

    Ich war ein nervliches WRACK!! Und hatte natürlich dann gar keine Milch mehr und habe es dann durch konsequentes Abpumpen geschafft das mein Lütter Muttermilch bis zu seinem siebtem Lebensmonat bekommen hat. Leider zwar immer nur im Zwiemilchverfahren. Aber er hat Muttermilch bekommen. Er hat dann irgendwann einfach nicht mehr an der Brust getrunken und ist von sich aus komplett auf Fläschen umgestiegen. Das mit den Nächten ist schon kein Problem mehr seit Johannes 4 Monate alt ist. Seit dem schläft er durch! Er bekommt immernoch (12 Monate alt) morgens und abends ein Fläschen und das ist ziemlich entspannt. Ansonsten isst er alles bei uns mit.
    Auch wenn es anstrengend war ihn immer erst anzulegen, dann Fläschen und dann abpumpen. Ich würde es für sein Geschwisterchen, dass bestimmt mal kommt, wieder so machen. Denn ich finde es sehr wichtig, dass das Kind Muttermilch bekommt. Leider habe ich es nicht geschafft voll zu stillen, aber ich würde es immer noch einmal versuchen. Anstrengend oder nicht. Und beim nächsten kleinen Wunder klappt es – ich bin sicher!

  7. Langzeitstillen
    Hihi,

    jaaaa, als mein Söhnchen noch im Bauch war hab ich mir so gedacht, ich stille 6 Monate und dann stille ich ab. Nur hatte ich mir irgendwie null Gedanken gemacht, was danach kommt. Ich hätte ihm ja dann Pulvermilch geben müssen und dieser Gedanke war mir dann, als die Zeit gekommen war, doch suspekt. Nichts gegen Pulvermilch, aber ich denke Muttermilch ist für Babys doch noch das Beste und wieso soll ich mich mit einem (teuren!) Ersatz abmühen (wie Du schon sagst, nachts aufstehen, Fläschchen sterilisieren usw.) wenn ich doch das Top-Produkt UMSONST!! haben kann? Dennoch hab ich es versucht, weil ich gerne wieder zwei gleich große Brüste haben wollte (ich stille von Anfang an nur mit links, da meine rechte Brust irgendwie ein Milchmach-Problem hat) und mehr Unabhängigkeit und überhaupt. Tja, hat nicht geklappt, mein Sohn hat geguckt, als wollte ich ihn vergiften und schön immer jegliche Pulvermilch verschmäht. Gut, dachte ich. Bis ein Jahr stillen find ich ja auch okay, aber alles was danach kommt ist megaöko und irgendwie ….. komisch! Ein Kind, das kommt und der Mutter am Pulli reißt, weil es stillen will?? Unmöglich! Ich gebe zu, das waren meine Gedanken und ich hab auch sicherlich oft sparsam geguckt, wenn ich irgendwo so ein großes Kind an der Brust gesehen habe. Nun kam es so, dass mein Sohn ein sehr schlechter Esser wurde. Brei wurde ausgespuckt, Banane? Pfuibäh! An Äpfeln wurde rumgewürgt, Brot nur zerkaut und wieder aus dem Mund befördert. Und so stillte ich weiter, damit er wenigstens Milch im Bauch hat. Und nun? Mein Sohn ist heute ziemlich genau 17 Monate alt und er stillt IMMERNOCH!! Sein erstes Wort nach Mama war tatsächlich „Dille(n)“ noch vor Papa und er macht keine Anstalten, dass er davon irgendwann genug haben könnte. Er stillt auch nachts noch alle 2-3 Stunden, was zwar teilweise anstrengend ist, aber da er sehr schnell wieder einschläft beim Stillen, schlaucht es nicht SOOOO sehr, wie es sich anhört. Dennoch ist das für mich der negativste Aspekt meiner/unserer Stillgeschichte. Die Nächte!! Aber alle Versuche meinerseits ihn abzustillen sind bisher an seinem schluchzenden Weltuntergangsweinen gescheitert. Ich weiß noch nicht so genau, wie ich das mal schaffe irgendwann. Aber spätestens wenn er zwei wird, muss endlich mal Schluss sein! Vielleicht, wenn ich ihm erklären kann, dass ich nicht mehr möchte, aber wir trotzdem ganz viel kuscheln können. Oder vielleicht kann ich dann sogar mit ihm handeln. Neues Buch, dafür kein Stillen oder so ähnlich. :o) Und schließlich und endlich soll ja auch irgendwann noch ein Geschwisterchen kriegen. Aber mit der ganzen Stillerei stellt sich kein Zyklus ein und ohne Zyklus kein Geschwisterchen…. 😉

    In diesem Sinne
    liebe Grüße,
    Tanja mit Noah

  8. Danke!
    Liebe Susi,

    Du hörst Dich auf jeden Fall sehr entspannt an – ganz wie meine Nachbarin. Ich glaube, ganz ehrlich, dass ich das zweite Kind, wenn ich kann, ein bisschen länger stillen werde. Ist einfach echt das praktischste wie ich jetzt immer wieder für mich feststellen musste…

  9. Langzeitstillen
    Hallo Caro,

    Ich habe einen 2 Jahre alten Sohn und mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht wie lange ich Stille. Ich hab einfach angefangen
    en, mich gefreut das es klappt und, ohne es so geplant zu haben, bisher noch nicht vollständig abgestillt. Ben isst jede Mahlzeit normal mit am Tisch und braucht nun die MuMi nur noch um Nähe und Geborgenheit zu ‚tanken‘. Ich bin weder eine typische Öko-Mama noch folge ich dem amerikan. Beispiel des Attachment Parenting (was nicht negativ gemeint ist, wir nehmen uns auch von allen Ideen etwas an). In erster Linie mach ich vieles einfach aus dem Bauch heraus. Und ich glaube entspannter und stressfreier kann es für Mama & Kind kaum sein. Das einzige was man abhalten muss sind die bösen Blicke und vereinzelt auch mal ein unqualifizierter Kommentar! Aber das hat mich noch nie wirklich interessiert und ich setzt mich auch nicht provokant mitten in die Menge zum Stillen. Mir persönlich fällt kaum ein negativer aber ein ganzer Katalog an positiven Aspekten zum (Langzeit-)Stillen ein. Und um Kritikern zuvorzukommen: es müssen bei weitem keine 2 Jahre sein. LG Susi aus Dresden