Gastbeiträge

18/05/2018 - 07:00

Land-Mama Lisa

"Ich bin nicht alleinerziehend - und trotzdem am Rande meiner Kräfte"

Hallo, ich bin XY, Mitte 30, Mutter von vier Kindern zwischen Kleinkind- und Teenageralter. Ich bin nicht alleinerziehend, sondern seit sechs Jahren mal mehr und mal weniger glücklich verheiratet.

Heute Morgen hat der Mann wie jeden Morgen gegen 6 Uhr das Haus verlassen. Er geht beinahe immer nur Minuten, bevor das erste Kind aufwacht. Wenige kostbare Minuten, in denen ich eher erfolglos versuche, das Chaos vom Vorabend zu beseitigen. Wie immer werde ich es nicht ganz schaffen, das Aufräumen wird bis später warten müssen.

Wie immer wird der Mann erst kurz vor dem Abendessen wieder nach Hause kommen...

Der Vierjährige ist seit gestern Abend krank. Er bleibt daher heute zu Hause, und ich überlege, ob es weniger Stress bedeutet, den Sechsjährigen zusammen mit dem kranken Kind sowie dem knapp Zweijährigen irgendwie in den Kindergarten zu bringen - oder ihn ebenfalls zu Hause zu lassen. Was ich vermutlich spätestens beim ersten Kleinkrieg zwischen den Geschwistern um halb 9 bereuen werde.

Das kranke Kind in Kombi mit dem Zweijährigen wird wieder eine spannende Herausforderung heute. Dazu kommt, dass ich ausgerechnet heute in meinem Aushilfsjob arbeiten muss. Die Arbeit macht mir Spaß, aber durch den ganzen Stress drumherum ist es sehr anstrengend... denn ich bin diejenige, die ja „zu Hause“ ist und sich um alles Organisatorische kümmern muss. Unabhänhig von der besonderen Situation heute.

Ich bin diejenige, die morgens drei Kindern anziehen muss, ihre Brotdosen vorbereitet, ihre Unlust aushalten, auffangen und bestenfalls umkehren muss, die mit drei Kindern zum Kindergarten startet und hofft, dass auch zwei davon dort bleiben (das ist nämlich nicht unbedingt sicher).

Ich muss den Haushalt quasi alleine schmeißen. Die Berge von Wäsche sind alleine mein Job. Ich schaffe ihn nicht.

Der Teenager muss jeden Morgen geweckt werden, zum Medikamente nehmen überredet und zur Schule geschickt werden. Über seine Launen reden wir nicht. Mittagessen kochen schaffe ich nur selten, oft gibt es das, was wir noch so finden. Es sind ja eh nie alle zufrieden mit dem, was es gibt. Nicht mal Pizza und Nudeln mögen alle.

Wenn ich arbeiten muss, ist es meine Aufgabe, die Kinder wegzuorganisieren.

Abends ist es hier regelmäßig sehr laut, da alle - vor allem die Erwachsenen - völlig überlastet sind, und am Ende bin ich es, die drei Kinder ins Bett bringt und zum hundertmillionsten Mal die Handyzeit mit dem Teenager ausdiskutiert. Wenn endlich Ruhe ist, falle ich selber todmüde ins Bett. Dann kommt die Nacht. Die Nächte sind hier immer noch nicht entspannt.

An den Wochenenden ist es ähnlich, denn entweder muss der Mann da auch arbeiten oder er geht alle zwei bis drei Wochen seinem Hobby nach (was ich verstehen kann, und was auch ok ist). Manchmal nimmt er auch bis zwei Kinder mit, aber zumindest der Jüngste ist eigentlich immer zu Hause, wenn ich auch zu Hause bin.

Als das große Kind klein war, war ich alleinerziehend, und damals war ich deutlich ausgeglichener als jetzt. Ich finde jedenfalls nicht, dass man immer sagen kann: "Nur Alleinerziehende haben es schwer. Alle Familien mit zwei Elternteilen haben es leicht."

Es ist alles individuell zu betrachten. Bei mir jedenfalls fühlt sich das alles gerade nicht besonders leicht an. Eine Familie mit mehreren Kindern und einem Elternteil kann besser organisiert und sozial aufgefangen sein, als eine mit nur einem Kind und zwei Elternteilen. Viele bedenken das nicht.

Auch wir sind darauf angewiesen, dass ich ein paar Stunden arbeite, denn ohne dieses Extrageld liegen wir mit dem Gesamteinkommen ein paar Euro unter dem Hartz-IV-Satz und haben lediglich einen Wohngeldanspruch, der, so die entsprechende Stelle, um die 15 Euro betragen dürfte.

Bei uns bin ich diejenige, die die Hauptlast der Familienarbeit alleine trägt. Die nicht, wie hier bei euch mal so schön geschrieben wurde, einfach so eine kleine Auszeit nehmen kann. Geht nicht!

Wie sehr wünsche ich mir einen halben Tag mal nur für mich – und gleichzeitig fallen mir spontan tausend Dinge ein, die ich in dieser Zeit erledigen müsste, weil ich es sonst nicht schaffe.

Und ich kenne so viele Familien, bei denen es so ist. Bei denen insbesondere die Frauen beinahe alles selbst erledigen und organisieren müssen.

Ich glaube, dass Familien grundsätzlich mehr Entlastung erfahren müssten, wenn sie diese benötigen. Egal, wie viele Erwachsene oder Kinder dazu gehören.

 

Tags: Kinder, Familie, Gleichberechtigung, Erziehung, Alltag, Eltern, Vereinbarkeit, Haushalt

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Kommentare

Regina Kienatz — Fr, 05/18/2018 - 07:36

Danke,danke, danke.... Endlich jemand der es auch so sieht. Ich werde immer komisch angeschaut wenn ich das sage. Wobei ich den "Vorteil" habe , 5 Kids zu haben, dass ruft oft Mitleid und dir Frage " wie schaffst du das"hervor. Ganz ehrlich:" manchmal gar nicht!! Es gibt Tage da läuft alles etwas aus dem Ruder und wenn die Kids abends im Bett sind , sieht es aus als hätte bei uns der 3. Weltkrieg stattgefunden. Mittlerweile gehe ich damit sehr offen um und bin sehr erstaunt wieviele Mütter erleichtert vor mir stehen und zugeben das es bei Ihnen auch oft so ist. Ich denke in der heutigen Zeit haben es die meisten Mütter schwer, egal ob mit oder ohne Partner. Das schlimme ist nur das wir Mütter es uns gegenseitig schwer machen. Wieso tun wir so als ob alles perfekt und nie stressig wäre??Das stimmt einfach nicht... Ich finde wir Mütter sollten mehr zusammenhalten und nicht überlegen wer es schwerer hat und wem es schlechter geht. Wir sollten uns endlich zusammenschließen und auf die Barrikaden gehen damit es endlich eon Umdenken in der Gesellschaft ind besonders der Politik gibt!! Wir alle sind tolle Mamas und geben jeden Tag das Beste für unser/e Kind/er.

Britta Dörner — Fr, 05/18/2018 - 07:41

Hallo! Ich nehme hiermit mein“Los“ aus dem Gewinnspieltopf und will es an diese Mutter weitergeben. Die Schilderungen schnüren mit die Luft ab und ich bin gerade sehr froh, dass es bei mir doch viel einfacher ist wie bei ihr. Ich wünsche ihr von Herzen, dass sie so wie ich es tue, auch mal alleine und in Ruhe einen leckeren Milchkaffee in einem schönen Café trinken kann. Ich wünsche Dir von Herzen Auszeiten!!!!

Eva — Fr, 05/18/2018 - 09:05

Wirkliche Emanzipation wäre es, wenn die Gesellschaft endlich den Wert von Familienarbeit anerkennen und entsprechend vergüten würde. Dann wäre bei vielen Familien die finanzielle Lage entspannter, und erst dann wären vielleicht Auszeiten drin.

Ellen — Fr, 05/18/2018 - 10:36

Liebe XY, Danke für diesen Beitrag <3 Wie oft in der Woche stoße ich an meine Grenzen mit Job, Kindern, Haushalt und oft noch Uneinigkeit über die Erziehung der Kinder. - Ich liebe meine Familie und will sie gegen nichts in der Welt eintauschen! - Doch stehen wir in einer neuen Stadt ziemlich alleine da - ohne Familie und großes Netzwerk. Mein Mann ist viel auf Geschäftsreise und ich mit den zwei Kindern wochenweise alleine. Meine Freundin im Gegensatz ist 'alleinerziehend' mit drei Kids, hat ihre Eltern nebenan und neben einer Hand voll hilfsbereiter Freundinnen noch die Schwägerin um die Ecke. Ich würde behaupten, ihr gelingt es besser als mir sich ab und zu mal eine Auszeit vom Alltag zu verschaffen - spätestens immer an den Wochenenden an denen die Kinder beim Vater sind... Ich sende Dir mein Mitgefühl und starke Nerven. Gott sei Dank ist es wie mit dem Geburtsschmerz. Eines Tages blicken wir zurück und schwelgen seelig in vernebelten Erinnerungen :-)

Silvie — Fr, 05/18/2018 - 12:16

Ich verstehe die Belastungssituation zu 100%.. mehr oder weniger alleine mit mehreren Kindern alles zu „wuppen“ geht an die Grenzen, keine Frage. Umso weniger verstehe ich, warum das so viele Frauen machen. Wo sind die Männer? Oft lassen sich mit ein bisschen Fantasie und Flexibilität doch Möglichkeiten finden die Arbeit zu teilen, beide Teilzeit, Mann elternzeit, Frau Vollzeit.. Aufgaben teilen hat nicht nur den Vorteil dass man selbst ausgeglichener ist weil man auch mal rauskommt, sondern auch dass man den jeweils anderen auch so viel besser versteht.

Sandra — Fr, 05/18/2018 - 12:50

Das hört sich sehr stressig an. Was ich aber nicht wirklich verstehe, wieso bringt der Mann die Kids den abends nicht ins Bett? Du sagst er kommt vor dem Abendessen nach Hause...dann kann er doch diese Aufgabe übernehmen oder ?! Oder er in der Zeit wo du die Kids ins Bett bringst schon was aufräumen oder Wäsche waschen o.ä? Alles Gute euch....

Marie — Sa, 05/19/2018 - 20:18

Liebe Sandra, ich weiss natürlich nicht, wie die Situation bei der Verfasserin ist, aber ich kann Dir berichten, wie es die ersten Jahre bei mir war (mittlerweile haben wir uns glücklicherweise anders organisiert, ich habe mich durchgesetzt, dass mein Mann mehr da ist, und er versteht inzwischen, wie wichtig das ist - das geht aber auch nur/erst, weil wir uns das beruflich und finanziell erlauben können): Mein Mann war den ganzen Tag, am Abend und samstags arbeiten (eigenes Geschäft). Die Kinder kannten ihn zuwenig, als dass sie sich von ihm ins Bett hätten bringen lassen. Wenn man die Wahl hat zwischen stundenlang nach Mama schreienden und am nächsten Tag übermüdeten Kindern und sie ‚schnell‘ selbst ins Bett bringen, wählte ich letzteres (sie hätten sich wohl nach einigen Wochen daran gewöhnt-aber ich habe es nicht übers Herz gebracht, weil ich wusste, dass sie weinten, weil sie ihn zuwenig kannten. Geändert hat sich dies, als er zuerst so lange mehr Zeit mit uns verbrachte, bis sie ihm vertrauten, und er ab da auch alleine mit ihnen sein konnte-wie eine ‚Eingewöhnung‘ im Kindergarten sozusagen). Meines Erachtens geht dieser Punkt oft unter: Kinder vertrauen Menschen, bei denen sie sich wohlfühlen *und* die ihnen vertraut und bekannt sind. Das ist man nicht einfach qua Familienstatus, sondern durch die Zeit, die man mit ihnen verbringt. Arbeitet ein Elternteil so viel, dass dieses die Kinder sehr selten sieht und für die Kinder fast Fremde sind (das ist überspitzt gesagt und war bei mir nicht so, aber fürs Verständnis), lassen sich die Kinder tatsächlich nicht problemlos abgeben. Das kann oft der Grund sein, warum die Mutter sich nicht ‚einfach Auszeiten nehmen‘ kann, zumindest nicht ohne grosse Einbussen für die Kinder. Ändern tut sich das mur, wenn man die Gesamtsituation ändert: Der ‚andere‘ Elternteil muss auch im Alltag präsent genug sein, dass sich Auszeiten ohne zu grosse emotionale Kosten realisieren lassen.

Mimi — Fr, 05/18/2018 - 13:28

Huhu xy, ja, das klingt schon sehr sehr anstrengend und ich wünsche euch, dass ihr vielleicht eine etwas andere Arbeitsteilung findet, die nicht mehr ganz so anstrengend ist. Könntest du vielleicht etwas mehr ausser Haus arbeiten und dein Mann etwas weniger? Gibt es eine Möglichkeit, das Jüngste in die Kita zu geben, damit du vormittags ein paar Stunden Luft für Haushalt/Job oder einfach mal einen Kaffee hast? Bekommt ihr bereits Wohngeld oder gibt es da noch eine Möglichkeit der finanziellen Unterstützung? Ich weiss nicht, ob es vielleicht noch einige Stellschrauben gibt, an denen ihr drehen könnt, damit ihr es etwas leichter habt. Ich finde es allerdings etwas gewagt, sich als Paar mit Alleinerziehenden zu vergleichen. Auch wenn du es damals mit "nur" einem Kind alleinerziehend leichter fandest, so wäre es heute mit vier Kindern sich nicht einfacher (schon allein finanziell). Dann müsstest du in spätestens einem Jahr wieder viele Stunden arbeiten gehen und deinen Lebensunterhalt allein bestreiten. Familienarbeit verteilt sich schon deutlich besser auf vier Schultern... und diese Vergleicherei finde ich nervig.

Lucy — Fr, 05/18/2018 - 13:46

Um ehrlich zu sein, fürchte ich, die Mutter ist schon weit über ihrer Belastungsgrenze und nicht erst am Rande... Daher würde ich auch dringend nach Entlastungsmöglichkeiten suchen. Was ich auch nicht verstehe, sie schreibt der Mann ist zum Abendessen zurück. Dann kann er ab dem Zeitpunkt auch die Kinder übernehmen, sie bespaßen, bettfertig machen und auch ins Bett bringen! Warum macht das die Mutter, wenn der Vater doch zuhause ist? Außerdem würde ich sofort etwas an der Betreuungssituation der Kinder ändern. Sowohl der Teenager, als auch der 6- und 4-jährige können in der Kita bzw. Schule zu Mittag essen. Auch das würde der Mutter Freiräume verschaffen. Ebenfalls sehe ich es wie meine Vorrednerin und würde auch das jüngste Kind in Betreuung geben, wenigstens für den Vormittag, falls eine Ganztagesbetreuung nicht gewünscht ist. Damit hätte die Mutter an 5 Tagen alle Kinder zumindest vormittags aus dem Haus und könnte sich Ruhezeiten schaffen, oder einfach das tun, was ihr gut tut und worauf sie Lust hat! Im Zweifel schlafen :-)

Eva — Fr, 05/18/2018 - 14:22

Und wer bezahlt das, die Fremdbetreuung, das Mittagessen ausser Haus? Es geht doch darum, anzuerkennen, was Frau/Mutter oftmals leistet und nicht nach kaum umsetzbaren Lösungen zu suchen. Tatsächlich gibt es oftmals keine Lösungen. Dass beide Elternteile Teilzeit arbeiten, wer kann das, und wer kann sich das leisten?

Mimi — Fr, 05/18/2018 - 16:11

Liebe Eva, das ist doch Quatsch, es gibt (meistens) Lösungen. Nur ob die ausreichen, das ist die Frage. Von der Anerkennung allein wird es dieser Mama nicht besser gehen.... Sollte diese Familie tatsächlich knapp über dem Hartz 4-Niveau leben, werden für sie kaum bis keine Betreuungskosten anfallen. Auch für das Mittagessen der Kinder kommt in den meisten Fällen das Sozialamt auf, wenn es in den Familien tatsächlich nachweislich zu knapp wird. All das wiederum wird durch Steuern der arbeitenden Bevölkerung (also auch von Eltern) bezahlt. Dass beide Eltern Teilzeit arbeiten könnten sich mehr Menschen erlauben, als du vermutlich glaubst. Teilzeit bedeutet ja nicht 20 Stunden, sondern kann auch zwei Mal 75 Prozent bedeuten. Klar, es gibt die Gender Gap. Ein wichtiges Argument. Die lässt sich aber nur schliessen, wenn Frauen früher wieder in den,Job einsteigen und dann nicht jahrelang auf den beliebten 20 Stunden hängen. Ich sehe so oft, dass die vielen Möglichkeiten, die der Staat bietet (Stichwort Elterngeld Plus, das vor allem für Geringverdiener interessant ist usw.) viel zu wenig genutzt wird. Stattdessen bleiben Paare in traditionellen Rollenbildern hängen und bejammern, wie schlecht es ihnen geht. Jedes Paar hat allein in der Hand, wie es Familien- und Erwerbsleben gestaltet.

Sarwat — So, 05/20/2018 - 12:33

Bei vielem stimme ich zu, aber was die Betreuungskosten angeht, erlebe ich es anders. In Stuttgart gibt es da bei den städtischen und kirchlichen Trägern keine richtige Staffelung. Wer über 60.000/Jahr verdient, zahlt den vollen Satz. Wer darunter liegt den reduzierten. Aber der ist immer noch so hoch, dass das Kindergeld komplett weg ist, denn inkl Mittagessen liegt er be 240,-. In anderen Städten ist das anders, also wer weiß, wie hoch die Kosten für die Mama aus dem Beitrag wären. Ich hoffe auch, dass sie und ihr Mann eine bessere Aufgabenstellung finden und sie jemanden findet, der sie entlastet...evtl eine Leih-Oma? Liebe Grüße

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