Gastbeiträge

26/11/2019 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Ich gehe arbeiten, mein Mann betreut unser Kind - doch viele verurteilen mich dafür

Mein Name ist Johanna und für mich war schon immer klar, dass ich nicht die klassische Hausfrau sein möchte, wenn ich einmal Familie habe. Das heißt nicht, dass ich es nicht gut finde, wenn eine Frau diesen Weg wählt. Für viele Frauen ist es der richtige Weg, ein Jahr oder länger Zuhause zu bleiben. Ich weiß auch, dass viele Familien darauf angewiesen sind, dass beide schnell wieder arbeiten. Jede Familie ist einzigartig und muss für sich heraus finden, was sich gut anfühlt.

Bei mir war es eben so, dass ich mir nicht vorstellen konnte, nach der Geburt lange zu Hause zu bleiben. Zum Glück fand ich einen Partner, der nach der Geburt gerne die Kinderbetreuung übernehmen wollte. Als ich vor einem Jahr gerade mitten in den Vorbereitungen für meine letzte Prüfung im Studium steckte, erfuhr ich, dass ich schwanger bin.

Wir planten, dass ich nach dem Mutterschutz wieder mit 40 Stunden einsteige - zum einen aus finanziellen Gründen, weil ich nur den Mindestsatz Elterngeld bekam und zum anderen, weil ich gerne arbeiten wollte. Mein Mann freute sich auf die Zeit zu Hause mit dem Baby. 

Ich hätte nie damit gerechnet, dass unser Modell jemanden stören könnte. Mich störte es ja auch nicht, wenn meine Freundinnen das traditionelle Rollenbild lebten. Gut, ich rechnete vielleicht mit ein paar kritischen Kommentaren aus der Generation unserer Großeltern -aber ich stellte schnell fest, dass Gleichberechtigung und Wahlfreiheit von vielen Menschen meiner Generation nicht wirklich gelebt und akzetiert werden. 

Ich lernte auch, dass die meiste Kritik von anderen Müttern kam. Schon in der Schwangerschaft sagten sie: "Meinst du nicht, dass dir das zu viel wird?" oder "Du solltest lieber jede Sekunde genießen, ein Jahr vergeht doch so schnell." Oder "Was machst du denn, wenn das Baby nicht beim Vater bleiben will oder die Flasche verweigert?"

Ich weiß, dass einige Freundinnen sich nur Sorgen machten, aber auch entfernte Bekannte teilten ungefragt ihre Meinung mit. Und darunter waren auch Aussagen, die mich schockierten: „Lass den Mann doch arbeiten, der verdient doch genug“, „Ein Kind braucht das erste Jahr hauptsächlich die Mutter, nicht den Vater“ und „Du wirst eine schlechte Bindung zu deinem Kind haben." Auf meine Reaktion, dass ein arbeitender Vater doch auch eine tolle Bindung zum Kind hat, hieß es nur, dass das etwas anderes sei.

Wirklich sprachlos machten mich dann aber zwei Aussagen. Mir sagte wirklich jemand, ich sei eine schlechte Mutter, wenn ich nicht zu Hause bleiben würde. Und dass es nicht okay sei, dass ich von meinem Mann verlangen würde, dass er beruflich zurücksteckt und sich um unser Kind kümmert, nur weil ich Karriere machen will.
Auf meine Rückfrage, warum das nicht okay sei – schließlich gäbe es ja genug Männer, die dies von ihren Frauen erwarten – erhielt ich leider keine zufriedenstellende Antwort.

Liebe Mütter, wo ist an der Stelle eure Emanzipation geblieben? Warum kämpft ihr denn überhaupt für gleiche Rechte? Warum regt ihr euch über Väter auf, die sich nicht genügend um ihre Kinder kümmern? Wenn ein Vater genau das tun will, ist es auch nicht recht.

Als mein Kind dann geboren wurde, wollte und musste ich es doch etwas langsamer angehen lassen und wir passten unseren Plan an. Ich stieg zwar direkt nach dem Mutterschutz ein, aber erstmal "nur" 32 Wochenstunden. An 2 Tagen habe ich „Babydienst“, an diesen Tagen arbeitet mein Mann.

Ja, die ersten Wochen waren hart, und ich war sehr froh, dass ich noch Überstunden zum abbummeln hatte, sodass ich nicht direkt 8 Stunden am Tag arbeiten musste. Aber mittlerweile hat sich alles gut eingespielt.

Bis heute erntet mein Mann Lobeshymnen, wie toll er ist, weil er sich um die Kleine kümmert. Ich bekomme immer noch den Ratschlag, lieber den Mann zum Arbeiten zu schicken. Bei älteren Frauen passt es oft absolut nicht ins Weltbild, dass der Vater sich so viel kümmert.

Im August ging ich erneut auf Jobsuche und rechnete damit, dass es wirklich schwer werden würde. Ich wollte nur vier Tage arbeiten und immer wieder hörte ich, dass Arbeitgeber Teilzeitstellen und jungen Müttern gegenüber nicht so positiv eingestellt sind. Interessanterweise erhielt ich bei Vorstellungsgesprächen sehr viel positives Feedback von männlichen Arbeitgebern, eine weibliche Chefin aber war meinen Vorstellungen gegenüber sehr skeptisch. 

Unsere Tochter ist mittlerweile 8 Monate alt und ich würde unser Modell wieder so wählen. Unsere Tochter hat zu ihrem Vater und mir ein tolles Verhältnis. Wir gehen beide arbeiten, können sie Kleine aber dennoch zu Hause betreuen. Ich würde mir viel mehr Akzeptanz für Modelle abseits der traditionellen Rollenverteilung wünschen und bin allen sehr dankbar, die uns unterstützt haben oder denen es einfach egal war.

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Kommentare

Gast — Di, 11/26/2019 - 07:36

Liebe Johanna, ich bin nach dem Mutterschutz auch direkt wieder mit 40h eingestiegen und mein Mann hat Elternzeit genommen. Interessanterweise gab es mir gegenüber (zumindest nur offen) kritische Bemerkungen. Der Freundeskreis und unsere Familien haben eher gesagt, dass sie mit nichts anderem gerechnet haben. Mein Mann hatte es nur etwas schwer in der Zeit mit Kontakten so als einziger Mann unter lauter Mamas. Daher habe ich ihm auch alle Begeisterungsstürme und Lobeshymnen gegönnt. Wie ich das auch jeder Mama gönne. Unser Kind ist mittlerweile 2 und hat eine tolle Bindung zu uns beiden. Lass dich davon also nicht verunsichern. Und als Chefin versuche ich auch allen Eltern möglichst viel Freiraum und Chancen zu geben . Egal ob Voll- oder Teilzeit bzw Mutter oder Vater. Das einzige was hier hilft, ist meiner Meinung nach mit der eigenen Erfahrung mit gutem Beispiel voranzugehen. Viel Freude dir weiterhin mit deiner Familie und viel Erfolg im Berufseinstieg.

Franziska — Di, 11/26/2019 - 08:28

Ich glaube ja, dass Frauen, die anderen Frauen gegenüber so kritisch und intolerant sind, im Grunde auch neidisch auf deren Freiheit sind, ihr Leben zu leben, wie sie es möchten. Ich persönlich fand das erste Jahr mit Baby zuhause sehr schön, fand es aber auch wichtig, danach wieder arbeiten zu gehen. Andere Frauen bleiben viel länger zuhause, teilweise arbeiten sie nie wieder in nennenswertem Umfang, aber gönnen es anscheinend anderen nicht anders. Klar muss man dann argumentieren, dass es so für die Kinder besser sei, aber das ist doch Quatsch. Verlässliche Bezugspersonen sind wichtig.

Gast — Di, 11/26/2019 - 08:43

Liebe Johanna, das was du beschreibst hat wohl jede Mutter erlebt die sich nicht mit Geburt des Kindes im Haus nzw. auf dem Spielplatz verschanzt hat und 2 Kinder und 6-15 Jahre später zum 450€-Job in einem ganz anderen Bereich als sie studiert hat wieder rausgekommen ist. Oder auch gar nicht, passiert ja meistens. Bei mir war es so: Je weiter weg die Personen war, desto entspannter war es. Je weiter die Personen von eigenen Kindern entfernt waren ebenso. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, von jemandem ohne Kinder negative Kommentare bekommen zu haben. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass je ein Mann mit Kindern mich beschimpft hätte. Aber was ich mir von den Hausfrauen habe anhören müssen...man traut sich da ja kaum zu sagen das man arbeitet. Und langsam glaube ich auch zu wissen wieso...wegen Toleranz von den arbeitenden Müttern. Weil wir immer sagen "Ja, wenn es für die Familie passt...mach das doch". Obwohl es soooo oft durch Studien bewiesen wurde, wie schlecht es für Kinder ist, wenn die Mutter länger als 6-8 Monate zuhause bleibt. Und wie gut es für die Vater-Kind-Beziehung ist, wenn die Mutter arbeiten gehen. Wie durch Hausfrauen die Kinder schlechter in der Schule sind, häufiger psychisch erkranken, unglücklicher im Leben sind. Selbst deutlich mehr Arbeiten (die Jungs) und deutlich weniger verdienen im Leben, deutlich seltener auf verantswortungsvollen Positionen sind (die Mädchen). Hausfrauen zerstören nicht nur ihre eigenes Leben, das ihrer Kinder und das ihres Mannes. Da kann man nämlich tolerant sein. Ist ja deren Familie. Aber sie zerstören auch das Leben von mir, meinen Kindern und das meines Mannes. Weil meine Kinder mit dem Wissen aufwachsen, dass der Papa ja arbeiten geht und die Mama Plätzchen backt. Dass Mama die Putzfrau ist und maximal noch die Babyschwester schuckelt während Papa der intelligente, schlaue ist, der Geld verdient und überall angesehen ist. Weil durch Hausfrauen meinen Söhnen verwehrt wird, sich um sein Kind zu kümmern. Beziehungsweise schon - sie sind ja die tollen Hechte, wenn sie sagenhafte 2 Monate Elternzeit nehmen, aber bitteschön nur wenn die Mutter in der Zeit ebenfalls zuhause ist. Weil Hausfrauen dafür sorgen, dass sich lediglich meine Töchter Sorgen um Vereinbarkeit machen müssen, weil sie von Klein auf in der Gesellschaft lernen, dass die Mama der Freundinnen maximal Teilzeit arbeitet und der Papa die großen Geschäftsreisen macht. Das es das Problem meiner Töchter ist wenn sie schwanger werden, nicht das der Väter, schließlich ist es für sie eine Unterbrechung der Karriere. Solange Frauen nicht mindestens genauso häufig arbeiten gehen wie die Männer, werden Hausfrauen auch immer das Leben von arbeitenden Frauen negativ beeinflussen. Weil der Chef weiß, dass die, sobald ein Kind kommt, eh weg sind. Entweder für immer oder für einen Zeitraum, wo man dann noch befristet wen anders einstellen muss. Während beim Vater klar ist, dass er maximal zwei Monate weg ist. Aber auch beim Arbeiten nie eher gehen müsste weil er seine Tochter aus der Kita abholen muss ("Wo ist denn ihre Frau?"), bei Krankheit des Kindes natürlich trotzdem arbeiten geht und auch ansonsten ja ganz klar weiterarbeiten kann wie vor dem Kind. Ich wäre dafür, dass die Mutter nur genauso viele Monate der 12 Monate Elterngeld bekommt, wie der Vater Elterngeld bekommt. Wenn die Mutter 6 Monate nimmt, muss der Vater sich andere 6 Monate um das Kind kümmern. Eine andere Lösung für das Problem, dass Hausfrauen uns arbeitenden Müttern das Leben so schwer machen, fällt mir nicht ein. Aber ich erlebe es täglich und das macht mich echt traurig.

Nina — Di, 11/26/2019 - 09:46

Deine Kritik an Frauen, die (länger) zu Hause bleiben, finde ich im Ton sehr harsch und unsachlich. Ich selbst habe vor, nach der Elternzeit wieder in Teilzeit einzusteigen. Aus einer Reihe von Gründen ist das für mich und meinen Mann die beste Option. Letzten Endes sind alle Varianten mit irgendwelchen Nachteilen behaftet - so ist das Leben nun mal. Sozialpolitisch würde ich mir wünschen, dass für alle Personen, die (kleine / jüngere) Kinder betreuen, in irgendeiner Form weiter in die Rentenkasse eingezahlt wird. Rententechnisch sollte sich niemand, der Care-Arbeit leistet, großen Nachteilen ausgesetzt sehen. Das gilt im Übrigen auch für alle Personen, die weniger oder gar nicht arbeiten, um sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern zu können.

Gast — Di, 11/26/2019 - 10:27

In die Rentenkasse wird eingezahlt. Mein Mann bekommt für jedes unserer Kinder so viele Rentenpunkte, dass er 90€ im Monat pro Kind derzeit mehr erhalten würde. Das erhält jeder Mensch. Dafür, dass er ein Kind großgezogen hat. Was dem Staat erstmal gar nichts außer enorme Kosten bringt. Dazu Kindergeld, was eigentlich eigentlich Steuerentlastung für die Leute sein sollte, die arbeiten gehen. Kriegen jetzt auch Leute, die überhaupt keine Steuern zahlen, sprich zuhause sitzen. Für Personen, die Angehörige pflegen, gibt es Pflegegeld. Und ja, für euch mag es die beste Option sein - dein Mann hat keine Lust auf Kindergebrüll den ganzen Tag, du schon. Kann man ja manchen wie man will. Aber deine Kinder werden ihr Leben lang lernen, dass Mama zuhause ist und Papa arbeitet und Karriere macht. Und das werden nicht nur deine Kinder lernen sondern auch die Nachbarskinder, weil die sehen, das du zuhause bist. Und dein Mann nicht. Und entsprechend wird es nicht nur für deine Kinder sehr viel schwieriger sein, sich gegen ihr eigenes Zuhausebleiben durchzusetzen, sondern auch für dein Umfeld. Und das finde ich schade. Weil eben die Anzahl an Männern, die einen Gegenentwurf zu "Mutter arbeitet maximal Teilzeit", fehlen.

Lara — Di, 11/26/2019 - 15:17

Ich kann mich Nina nur anschließen und finde, dass auch dein zweiter Kommentar nicht weniger negativ rüber kommt. Ich verstehe worauf die hinaus willst, aber mir ist das alles viel zu schwarz weiß gedacht und viel zu wertend geschrieben. Kann doch jedes Elternpaar machen, wie es für richtig hält. Und meiner Meinung nach, gibt es genug Familien, in denen inzwischen auch der Mann (alleine!) Elternzeit nimmt. Bei uns in der Umgebung und im Freundeskreis ist das so üblich. Natürlich muss das auch immer alles finanziell passen usw, aber das gilt ja in allen Fällen. Ich finde so negative Kommentare immer sehr schade, weil es sich so anhört, als wäre nur der eigene Weg der richtige.

Gast — Di, 11/26/2019 - 16:34

Der Kommentar sollte auch nicht positiv sein. Im Gegenteil. Ich bin einfach nur noch genervt, resigniert und traurig. Bis vor ein paar Jahren habe ich auch gedacht, "Kann jeder machen wie er will". Dann bin ich Oma und zeitgleich Chefin eines Konzern mit knapp über 1000 Mitarbeitern geworden. Als Chefin musste ich vor drei Jahren einen sehr, sehr traurigen und beschämenden Schritt gehen: Die Personalabteilung anweisen, Bewerbungen von Frauen zwischen 25 und 35, die nicht bereits Kinder haben, mir nicht mehr weiterzuleiten. Die die Kinder haben, haben nämlich bereits bewiesen, dass sie durch Arbeit + Studium + Kind belastungsfähig sind und mir in Zukunft erhalten bleiben. Das sind tatsächlich meine absoluten Favoriten. Wer sich mit Kind bewirbt, ist quasi direkt genommen- wer noch kein Kind hat, nutzt den Job meistens nur aus. Das ist so traurig, es sind nämlich wirklich hochqualifizierte Frauen dabei, die eine hervorragende Arbeitskraft wären. Und ganz sicher tue ich damit auch 50% der Frauen unrecht - die hätten nämlich weitergerarbeitet. Aber die anderen 50% warten nur darauf, einen bezahlten, sicheren Job zu kriegen. Dann lassen sie sich schwängern und erzählen mir die nächsten 6 Jahre, dass sie ganz sicher wiederkommen. Ach ne, ich bleibe noch ein Jahr länger in Elternzeit, mein Muckelchen mag die Kita nicht. Ach ne, das Kondom ist gerissen und Nummer zwei ist unterwegs. Ach ne, Muckelchen 2 hat auch keine Lust auf die Kita... Merkwürdigerweise sind es immer nur die Frauen. Männer, die nunmal in dem Alter genauso häufig Vater werden, gehen in Elternzeit oder lassen es. Man kann mit ihnen planen. Mit den Müttern nicht. Und das ist traurig - für die Vertretungen, für uns als Firma, für die Familien selbst. Und für alle anderen Frauen, die dadurch keinen Job kriege, für die Gesellschaft, die durch solche Frauen noch immer nicht in der Gleichberechtigung angekommen ist. Und als Oma erlebe ich es genauso, die Diskrimierungen sind immer da. Meine Töchter müssen sich rechtfertigen zu arbeiten, meine Söhne sich rechtfertigen, warum sie nicht in die Kneipe gehen sondern aufs Kind aufpassen. Mein Enkel wird gefragt: "Was arbeitet denn dein Papa?", auf die Möglichkeit, dass die Mama arbeitet, kommt niemand. Ein Angestellter in hoher Position bei mir geht mittags immer 1,5h essen und liest dabei Zeitung, ist also mindestens 1 Stunde später zuhause als nötig. Die Mutti ist ja zuhause und der wird das als notwendige Überstunden verkauft. Das Kind kann den Vater überhaupt nicht sehen unter der Woche weil er durch seine permanten Pausen um 7 in das Büro kommt und es um 7 verlässt. Die Mutter könnte sich sowas, selbst wenn sie arbeiten würde, nie im Leben leisten und alle würden sagen "Oh Gott, warum schafft man sich da Kinder an?". Beim Vater ist es: "So intelligent in einer so hohen Position und versorgt die Familie so toll." Ich weiß nicht, wann sich das in (West)deutschland so entwickelt hat. Vermutlich in den 60ern?

Lara — Di, 11/26/2019 - 18:30

Dazu fällt mir nicht mehr viel ein. Schön, dass du selber weißt, dass du damit vermutlich mindestens 50% der Frauen unrecht tust.

Antje Heyer — Di, 11/26/2019 - 22:15

... sehr offen, so direkt zu einer so eindeutig gesetzwidrigen Diskriminierung zu stehen! Alle diese Frauen, deren Bewerbungen nicht weitergeleitet werden, haben einen Anspruch auf Schadensersatz nach AGG. Dafür sollten Sie sich schämen. Nicht die Mütter und Väter, die Uhr Leben nach ihren Wertvorstellungen leben.

Kathrin — Mi, 11/27/2019 - 12:45

Leider muss ich der Autorin des Kommentars da zustimmen- gerade in den höheren Etagen läuft es so männerdominiert! Lange Arbeitstage sollen von Fleiß zeugen! Was die Herren in der Zeit tatsächlich treiben, wird nicht hinterfragt! Mir hat doch neulich ein männlicher Mitarbeiter gesagt, dass er glücklich über die Gleitzeitregelung ist, da er dann tagsüber 3 Std. zum Sport kann und einfach abends länger macht. Ich habe ihn gefragt, ob seine Frau davon weiß, die in der Zeit die einjährige Tochter ins Bett bringt und eben nicht zum Sport kann- da wurde er rot! Ich antworte auch jedem Mann, der mir erzählt, wie lange er doch auf Arbeit war mit „Oh, da bin ich aber besser organisiert, ich war schon 16:00 Uhr fertig und konnte noch mit den Kids an den See!“ Denn seien wir wirklich mal ganz ehrlich, wie effektiv arbeitet jemand, der täglich über Wochen 9-10 Std. im Büro ist? Ich gehöre zu den Leistungsträgern in meinem Team und coache auch andere MitarbeiterInnen und schaffe das in 30 Std. die Woche. Einfach, weil ich die Zeit, die ich da bin, effektiv nutze.

Kathi — Di, 11/26/2019 - 16:16

Für mich hört sich deine Seite genauso hart an wie wenn eine Hausfrau kein Verständnis für eine arbeitende Mutter hat. Ich wünsche mir Verständnis für jede Seite und das Optimum wäre doch, wenn jede Familie es so machen kann wie es für diese Familie am besten ist. Ich denke auch viele Väter würden gerne mehr Elternzeit nehmen aber das geht in einigen Fällen nxiht ( ja so ist es ! Bei uns nämlich, mein Mann ist selbstständig und hätte nach Elternzeit keine Arbeit mehr!) und es hat schon einen Sinn das es 3 Jahre Elternzeit gibt.... ein Kind bekommt sicher keinen Schaden wenn es die ersten drei Jahre bei seiner hauptbetugsperson ist. Wenn man sich mit der Entwicklung von Kindern auskennt weiß man das diese vor allem das erste Jahr am wichtigsten ist. und eine Hausfrau hat genauso Arbeit, ich arbeite oft länger als mein Mann und sitze nicht daheim und trinke Tee und lege die Beine hoch. Und ich kann von mir persönlich sprechen: meine Eltern haben beide gearbeitet und waren immer gestresst und hatten keine Zeit. Ich war sehr neidisch auf die anderen Kinder die mittags ein warmes Essen auf dem Tisch erwartet hat , die auch mal zur Schule gebracht wurden und pünktlich von der Klassenfahrt abgeholt wurden. So toll ist das nämlich auch nicht für alle Kinder!

Gast — Di, 11/26/2019 - 16:19

Es geht. Komischerweise ist es nur beim Mann so, dass er bei Selbstständigkeit auf gar keinen Fall sich ums Kind kümmern kann. Bei meiner Mutter, ebenfalls selbstständig, musste das gehen. Genauso wie bei allen anderen Müttern auch. Die dann mit Kind im Büro sitzen und arbeiten und ein Kind betreuuen. Siehe zum Beispiel die Autorinnen dieses Blogs, die haben auch Kinder bekommen und gearbeitet und sich dennoch um ihre Kinder gekümmert. Nur bei selbstständigen Männern scheint das ein Ding der Unmöglichkeit zu sein...

Franzi — Di, 11/26/2019 - 17:45

Die Autorinnen dieses Blogs haben nach der Geburt ihrer Kinder sicherlich nicht Vollzeit als Selbstständige gearbeitet und ihre Familien ernährt. Mit einem Neugeborenen zu arbeiten dürfte in den wenigsten Fällen funktionieren. Wie stellst du dir das bei einer Anwältin, einer Steuerberaterin, einer niedergelassenen Ärztin vor? Die müssten ein Kindermädchen einstellen, eine Möglichkeit, von der ich persönlich sehr angetan bin. Aber einfach zu behaupten, dass alle Selbstständigen mit Baby arbeiten können, ist eine Behauptung ohne Hand und Fuß. Was hat denn deine Mutter gearbeitet?

Katharina — Di, 11/26/2019 - 18:31

Ich möchte das gern mal sehen, wenn mein Mann mit Kind auf dem Dach steht :)))) . Wie gesagt. Sie schimpfen noch schlimmer über die Frauen die zuhause bleiben als die Frauen die zuhause sind über arbeitende. Und nicht alle ChefInnen denken so. Meine zum Beispiel findet es gut wenn die Kinder noch nicht mit 1 in die Krippe kommen ;). Wie gesagt, ich wünsche mir Akzeptanz für beide Seiten und das beide Seiten ihr Leben so gestalten können wie sie möchten. Und es gibt Kinder welche sehr offen sind und sich sehr wohl fühlen auch von anderen betreut zu werden. Es gibt aber auch Kinder die brauchen die Sicherheit bei ihrer hauptbezugsperson. Und gerade wenn Frau stillt ist das nunmal die Mutter. Warum wird das überhaupt nichts von ihnen beachtet?! Und ein Pappenstiel ist es ja auch nicht mit Kleinkind nebenher zu arbeiten. Natürlich geht das. Aber das als das normale für alle einzufordern zeigt auch kein Verständnis für alle Seiten.

Ich — Di, 11/26/2019 - 18:04

Hallo Gast! War das mit den Studien „ironisch“ gemeint oder gibt es die wirklich? - Kinder ab 8 Monate in Krippe/Tagesmutter - schlechte Noten von Hausfrauen-Kinder - massive psychische Erkrankungen bei ebendiesen Kindern Hättest du da mal Links für? VG

Eine Mama — Di, 11/26/2019 - 21:34

Psychisch kranke Kinder wegen einer Mutter die Hausfrau war, unglücklich im Leben, zerstörtes Leben von Kindern und Ehemann.... das kling alles nach Meinung von jemanden der sehr verbittert ist...Und warum bitteschön backt man als Hausfrau Plätzchen? Und eine arbeitende Mama hat wohl eine Arbeit bei der sie die Welt rettet? Ich als Kind einer Mutter die schon ziemlich früh nach der Geburt ihres Kindes Vollzeit arbeiten gegangen ist, kann nur den Kopf schütteln wenn ich das lese...ich wäre so glücklich, wenn meiner Mutter ihre Arbeit nicht so wichtig gewesen wäre und wenn sie mit mir Plätzchen gebacken hätte...aber sie war meistens sehr beschäftigt und am Abend ziemlich müde und lustlos um ihren Kindern die wertvolle Zeit zu schenken....aber "zum Glück" war ihre Chefin mit ihr glücklich in Gegensatz zu dir...dich macht das ja so traurig, dass die Mütter sich für ihre Kinder entscheiden und nicht für die Arbeit in deinem Unternehmen....

Karin — Di, 11/26/2019 - 08:48

Auch ich bin vor 10 Jahren nach zwei Wochen wieder arbeiten gegangen, der Vater hat unser Kind betreut. Viele Mütter kamen damit nicht klar und mieden mich. Ich glaube, man zeigt Ihnen eine andere Lebensmöglichkeit auf. Und sie möchten sich damit nicht beschäftigen, weil es ihr eigenes Rollenbild in Frage stellt. Einige stellen auch ziemlich schnell fest, dass Vollzeitmama doch nicht immer so super anfühlt wie sie vor dem Kind dachten. Die Kommentare hören auf, wenn das Kind älter ist. Schöne Grüße

Tami — Di, 11/26/2019 - 22:00

nach zwei Wochen arbeiten gegangen, das ist tatsächlich eine der Lebensmöglichkeiten. Weitere Möglichkeiten wären zum Beispiel: Kind bei Großeltern großwerden lassen, oder bei anderen Verwandten, oder gar in die Babyklappe(wenn man feststellt dass Mama sein doch nichts für einen ist)

Franzi — Mi, 11/27/2019 - 14:37

Aber solche Kommentare sind so dämlich. Wahrscheinlich liest Tami das jetzt gar nicht mehr, aber: schonmal davon gehört, dass man arbeiten und Kind haben BEIDES kann?! Unvorstellbar scheints, aber doch möglich, selbst bei einer 40h-Woche bleiben, Schlaf abgerechnet, ca 80 Stunden für die Familie. Kämst Du auch bei einem Vater auf die Idee, ihm die Babyklappe zu empfehlen, wenn er zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten geht?! Es ist kein entweder-oder, sondern ein sowohl-als-auch. Aber das kommt bei einigen westdeutschen Muttis leider nicht an...

Johanna — Mi, 11/27/2019 - 19:20

Wow! Nach 2 Wochen wieder arbeiten zu gehen, ist ja auch körperlich echt ein Akt! Toll, dass du das so gut hin bekommen hast!

Kathrin — Di, 11/26/2019 - 09:20

Hallo, ich denke vor allem, dass bei diesem Thema die eigenen Erfahrungen eine ganz große Rolle spielen. Wenn man es selber erlebt hat, dass beide Eltern berufstätig sind, prägt es das eigene Leben anders, als wenn immer einer zu Hause war. Ich komme aus Thüringen und lebe jetzt in Sachsen, da ist es völlig normal, dass die Mütter arbeiten. Im ersten Jahr ist es häufig so, dass die Frauen zu Hause sind, aber ab dem 2. Jahr ist das hier extrem ungewöhnlich. Und ja, auch sämtliche Väter in meinem Umfeld sind in die Kinderbetreuung involviert. Seien es meine Kollegen, die Kollegen meines Mannes, die Väter der Freunde der Kinder usw... Bei uns auf Arbeit haben z. B. im Team alle Kinder, bis auf die jüngsten Kolleginnen und Kollegen. Und es klappt super. Aber es war hier ja auch schon immer so, dass Kinder einfach dazu gehörten, nie den einzigen Lebensinhalt darstellten. Und über „Fremdbetreuung“ redet hier niemand, wenn die Kids in Kita und Hort sind. Gerade im Hort pflegt unser Drittklässler Freundschaften und Hobbies, da ist man als Eltern dann auch einfach raus... und ehrlich gesagt, ist das doch toll! Wir Eltern sind doch nicht ein Leben lang die Animateure und Chauffeure unserer Kinder. In diesem geschützten Umfeld können sich die Kinder ausprobieren. Es ist z. B. nicht gewünscht, dass die Eltern über die Teilnahme der Kinder an den Nachmittagsangeboten entscheiden, das machen die Kinder völlig selbstständig. Das ist in meinen Augen auch die beste Vorbereitung auf das Leben. Auch darüber, ob sie die Hausaufgaben im Hort machen, entscheiden die Kinder. Mein Sohn macht sie z. B. lieber erst zu Hause, im Hort hat er lieber Freizeit, die er mit den Schulkameraden nutzt.

Katrin — Di, 11/26/2019 - 11:59

schade, dass du so viel Gegenwind erlebt hast. Aber damit bist du nicht allein. Mein Mann und ich haben uns die Elternzeit nach der Geburt unseres Sohnes geteilt. Erst ich 5 Monate, dann er 5 Monate (dann startete das Kita-Jahr). Als mein Mann zu Hause war, ging ich in Vollzeit arbeiten, 2 kurze Dienstreisen inklusive. Und wir haben ganz ähnliche Reaktionen erlebt. Papa war der Held, ich erntete skeptische Blicke und komische Fragen. Mein Highlight-Kommentar: "dass du deinen Sohn so früh allein lassen kannst..." NEIN, er ist nicht allein, sondern beim Papa. Mein Mann wurde immer wieder gefragt: "Machst du etwa auch den Haushalt?" Als hätte er in den Jahren zuvor nicht seinen Teil an der Hausarbeit erledigt... Wir wissen, dass wir das große Glück haben, dass unsere Gehaltszettel ähnlich hoch ausfallen. Deshalb bestimmen keine finanziellen Notwendigkeiten, wer (länger) zu Hause bleibt. Aber die Vielzahl der negativen Kommentare hat uns wirklich überrascht. Zumal diese weniger von der Generation der Großmütter (die haben uns bestärkt und gesagt, wie toll sie es finden, dass es heute diese Möglichkeiten gibt) kamen, sondern von Personen in unserem Alter.

Franzi — Di, 11/26/2019 - 17:58

Liebe Johanna, du hast zwei Ohren. Zum einen gelangt der Schwachsinn hinein und zum anderen gelangt er ungefiltert und ohne Ärger zu verursachen wieder hinaus. Es geht andere Leute schlichtweg einen feuchten Kuhmist an, wie ihr euer Familienleben gestaltet. Und wenn dir fremde, bekannte oder verwandte Menschen ungefragt Ratschläge oder ihre unqualifizierte Meinung darbieten, kannst du ihnen ruhigen Gewissens auch einmal sagen, dass sie ihre dumme Klappe halten und sich um ihren eigenen Senf kümmern sollen. Das schreibe ich dir als Zwillingsmutter mit einem Mann, der trotz höherem Verdienst 5 Monate in Elternzeit war. Ich habe ausschließlich positive Bemerkungen dazu erhalten hat und alle, die andere Auffassungen verteten, haben diese zu meiner Entlastung für sich behalten.

Nina — Mi, 11/27/2019 - 07:25

Ein toller Beitrag. Ich bin zwar selber zu hause, einfach weil ich als Pferdewirtin die Familie gar nicht ernähren könnte. Aber vor 34 Jahren, nach meiner Geburt (und in den folgenden bei meinen Geschwistern) blieb mein Papa zu Hause und meine Mama ging wieder arbeiten. Und der Bindung zu meiner hat es bestimmt nicht geschadet. ;) Wobei mein Paps sich auch sehr verteidigen musste (und meine Mam auch). Aber für beide war das der richtige Weg und sie haben erfolgreich 3 Kinder grossgezogen. Liebe Grüsse

Katleen Unger — Do, 11/28/2019 - 07:19

Liebe Johanna, ein modernes Modell was ihr als Familie lebt. Seid weiterhin so standhaft den Kritikern gegenüber, denn ich denke, dass bei aller Kritik auch ein wenig Angst und Neid eine Rolle spielt. Angst vor eben solchen Anmerkungen und Neid, es nicht selbst getan zu haben oder tun zu können. Ich selbst wäre schon froh gewesen, wenn der Papa sich für "seine" Elternzeitmonate entschieden hätte. Trotzdem ist die Bindung unserer Kinder zu jedem Elternteil gleich stark. Ich wünsche euch als Familie weiterhin nur das Beste. VG Katleen

Simone — Sa, 11/30/2019 - 11:00

Heftig, wie du wegen ganz privater Entscheidungen angefeindet wirst. Heftig finde ich auch die Kommentare. Ich glaube, die überzogenen Anforderungen der Gesellschaft an Mütter und das damit verbundene ständige schlechte Gewissen triggert bei vielen Hausfrauen das Gefühl, nicht gut genug zu sein, um alles zu schaffen und bei Karrierefrauen das Gefühl, nicht genug Zeit mit den Kindern zu verbringen. Und bei Teilzeit Müttern eben beides. Die meisten von uns machen es so gut wie wir können, jede innerhalb ihrer Möglichkeiten. Mehr Solidarität wäre schön, finde ich. Lasst euch in eurem persönlichen Weg nicht beirren. Und hört auf, euch dafür zu rechtfertigen.

Hans Alef — Mi, 12/04/2019 - 18:10

sind in den USA schon der Normalfall, weil immer mehr Frauen besser verdienen. Meine Frau und ich wurden auch stark angefeindet, aber who cares ? Beide Kinder erziehe ich jetzt seit 19 Jahren seit Geburt in Vollzeit und uns allen 4 geht es gut .

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