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30/04/2019 - 06:45

Stadt-Mama Katharina

Interview mit Melanie: Plötzlich Hausfrau - warum ich meinen Job aufgeben werde

Foto: Pixabay

Liebe Melanie, ab Mai bist Du "nur" noch Haufrau und gibst deinen Job auf. Was hast Du beruflich gemacht und wie waren deine Arbeitszeiten?

Ich habe „nur“ Teilzeit 12 Stunden als Buchhalterin in einer Hausverwaltung gearbeitet. Die Stunden waren auf 3 Vormittage die Woche aufgeteilt.

Dein Kind war in dieser Zeit in der Krippe. 

Genau. Als unser Kind ein Jahr alt wurde, ging er in die Krippe unser Kind in die Krippe und wurde dort den ganzen Tag betreut. Im Dezember war dann der Wechsel in den Kindergarten. Diesen Wechsel hat er leider nicht so gut verktaftet, so dass er dann erstmal nur von 8.30 Uhr bis 14 Uhr betreuut wurde. Unser Sohn hat(te) ein sehr großes Defizit was seine sprachlichen Kompetenzen angeht und wird seit einiger Zeit durch Logopädie unterstützt. Weil wir merken, dass der Umgang mit größeren Kindern seiner Sprache sehr gut tut, hatten wir große Hoffnungen in den Kindergarten. Doch es kam leider ganz anders. 

Sein Verhalten im Kindergarten hat sich total verändert. Er hörte nicht mehr und hat angefangen andere Kinder zu beißen. Mit unserer Psychologin aus der Schreiambulanz  (er war ein Schreibaby, wir wurden ab dem 4. Lebensmonat in der Münchener Schreiambulanz kompetent betreut und begleitet)  konnten wir dann den Grund dafür herausfinden. Dadurch, dass er sprachlich hinterher hinkt, wei´ er sich einfach oft nicht anders zu helfen. 

Dadurch, dass ich nun zu Hause bleibe, können wir ihm und uns auch den Luxus gönnen, dass er mal einen Tag zu Hause bleiben kann, wenn ich merke, dass es kein guter Tag für ihn ist und er seine Mama braucht – oder einfach auch mal um einen schönen Ausflug mit ihm zu machen.

Du hast uns geschrieben, dass Dir Haushalt/Kind/Job einfach über den Kopf gewachsen ist. Beschreib mal genau, wie es Dir ging! 

Als Hintergrund muss man wissen, dass ich an einer verschleppten Wochenbettdepression litt, die erst über ein Jahr nach der Geburt erkannt wurde.  Für mich war es anfangs sehr schwer, mein Kind richtig anzunehmen. Ich konnte ihn manchmal nicht mal richtig ansehen und sagen: "Du bist mein Kind, ich liebe Dich." Zum Zeitpunkt der Diagnose hatte ich noch einen anderen Arbeitgeber mit 20 Stunden auf 5 Vormittage verteilt. Nach der Diagnose war ich ein Jahr krankgeschrieben, bekam Medikamente und habe eine Therapie gemacht. Seit einem Jahr muss ich keine Medikamente mehr nehmen.

Heute geht es mir besser, aber meine Geduld mit einem 3 jährigem Kleinkind, das mitten in der Trotzphase steckt und sich seit dem Kindergarten total verändert hat, ist sehr gering. Wir haben nie viel gekuschelt, ich konnte das auf Grund der Depression nicht und er hat es auch nicht aktiv eingefordert. Das ist nun seit dem Kindergarten anders. Er hängt nachmittags richtig an mir und es heißt nur „Mama Arm“ und er will oft kuscheln – der Haushalt und alles andere bleibt dann natürlich liegen. 

Wenn wir solche Diskussionen führen, wird natürlich immer gefragt: Und wo ist der Mann/Vater des Kindes? Kannst Du erzählen, inwieweit Dein Partner in Haushalt und Kindererziehung eingebunden ist und wie seine Arbeitszeiten sind?

Mein Freund (und ab Mai „mein Mann“) ist wirklich der Beste. Er unterstützt mich überall, wo er kann und ist mein Fels in der Brandung, meine Mauer, die immer hinter mir steht und mich auffängt und das trotz 40-Stunden-Woche! Nur langsam merke ich, wie auch sein Putz langsam aber sicher bröckelt und er auch weniger belastbar wird. 

Gab es einen Schlüsselmoment, an dem Du beschlossen hast, dass du nicht mehr arbeiten möchtest?

Ja den gab es – das wa im Februar. Ich lag morgens mit Fieber im Bett und war nicht in der Lage in den Kindergarten zu fahren. Mein Freund blieb extra länger zu Hause, damit er unseren Sohn in den Kindergarten bringen konnte. Leider wollte unser Sohn nicht und hat ein riesiges Drama gemacht, gebrüllt, geheult – eben das volle Programm. In diesem Moment habe ich einfach richtig gemerkt, dass mein Freund total überfordert war und innerlich wie vor einer Wand stand. In diesem Moment habe ich mir selber und dann später auch zu ihm gesagt, dass sich etwas ändern müsse.

Wie haben Arbeitgeber/Bekannte auf diese Entscheidung reagiert?

Mein Arbeitgeber, hat sehr verständnisvoll reagiert, da wir auch privat sehr gut befreundet sind und er mich einerseits als Mitarbeiterin, anderseits aber auch meine/unsere Situation als Freund der Familie gekannt hat. Im Bekanntenkreis hat keiner negativ reagiert – zumindest nicht offen uns gegenüber – im Gegenteil: eher Stimmen, die uns gesagt haben, dass sie das auch gerne hätten, wenn sie sich das finanziell leisten könnten.

Hast du manchmal Angst, dass Du deinen Job/Kollegen vermissen wirst?

Ich arbeite(te) in einer sehr kleinen Firma, die auch hier direkt im Ort ist und ein Besuch bzw. gemeinsames Mittagessen bei den Kollegen ist auf jeden Fall eingeplant! Meinen Chef sehe ich ja so und so weiterhin.

Und wie sieht es finanziell aus. Ist es nicht seltsam, plötzlich kein eigenes Einkommen zu haben?

Das ist in der Tat ein merkwürdiges Gefühl. Allerdings haben mein Freund und ich hier auch offen darüber gesprochen, dass ich monatlich einen Betrag X als Dauerauftrag auf mein Konto bekomme und davon nach wie vor so einkaufen gehe und das besorge, was wir brauchen bzw. meine Hobbys finanziere.

Bei größeren Anschaffungen oder Ausgaben, die eventuell das Budget übersteigen, werden wir weiterhin gemeinsam darüber sprechen, ob wir es nun jetzt leisten und er mir dann Geld dafür gibt oder ob wir noch warten. Bisher war Geld nie ein Streitthema bei uns. Ich denke, es ist einfach sehr wichtig, offen darüber zu sprechen und eine Lösung zu finden, die für beide Seiten passt. 

Was meinst Du, ändert sich an Eurem Alltag, wenn Du nicht mehr arbeitest?

Ich werde definitiv wieder mehr Zeit haben, um mich sinnvoll und auch effektiv um unseren Haushalt zu kümmern – das Ausmisten des Kinderzimmers und des Wohnzimmers stehen auf jeden Fall ganz oben auf meiner Liste. Und natürlich wird unser Kind profitieren, dass ich nicht mehr gehetzt von der Arbeit komme, ihn dann zum Einkaufen schleppe oder sonst was erledigen muss - sondern dass die Nachmittage wirklich für unser Kind sind. Vor allem jetzt, wo der Sommer kommt, werden wir viel Zeit draußen verbringen und das nachholen, was wir verpasst haben. 

Gibt es etwas, was Du Dir in der nächsten Zeit für Dich vorgenommen hast, was Du lange nicht mehr machen konntest?

Ja, ich will meinem Hobby Nähen wieder effektiver nachgehen. 

Meinst Du, Du wirst irgendwann in den Job zurück kehren?

Die Möglichkeit seitens des Arbeitsgebers besteht. Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich es mir nicht vorstellen - aber wer weiß, was noch alles passiert...

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Kommentare

Dresden Mutti — Di, 04/30/2019 - 07:21

Deine Gesundheit hat dir Warnsignale gegeben und dein Sohn braucht eine besondere Betreuung - Ihr habt also eine sinnvolle Entscheidung getroffen. Ich selbst arbeite 40 Stunden, aber ich finde trotzdem, dass man auf seine Gesundheit sehr achten sollte. Tankt jetzt erstmal Kraft. Vielleicht findest du in der Auszeit auch neue Ideen, was du beruflich machen möchtest.

Steffi — Di, 04/30/2019 - 08:02

Ich selbst arbeite auch 40h und aktuell klappt das für uns gut und ich bin glücklich damit. Aber jede Familie hat eigene Besonderheiten und Bedürfnisse. Es freut mich besonders, wenn diese nicht nur erkannt sondern auch umgesetzt werden (können).

Dagmar — Di, 04/30/2019 - 08:12

Deine Entscheidung finde ich richtig gut! Offensichtlich braucht dich dein Sohn sehr und es wird sicher der ganzen Familie gut tun!

felicitas — Di, 04/30/2019 - 11:14

liebe melanie, herzlichen glückwunsch zu dieser entscheidung. leider trauen sich nur wenige, diesen schritt auch wirklich zu tun. verständlicherweise. es hängt ja auch viel dran. es gibt immer mehr menschen, stelle ich fest, denen das tempo der welt zu schnell wird und die anforderungen zu extrem. es ist mutig, sich dies einzugestehen und notfalls rechtzeitig die notbremse zu ziehen. genieße deine freie zeit und dein kind und lasse dir von niemanden ein schlechtes gewissen machen. lg

Doreen — Di, 04/30/2019 - 13:04

Eine echt mutige Entscheidung komplett zu Hause zu bleiben. Ich könne das nicht, da ich den Ausgleich/ die Erholungspause durch die Arbeit brauche und auch viel zu viel Angst wegen Rente etc. hätte. Aber gut das ihr da auf euer Bauchgefühl hört. Was für mich als Frage jedoch offen geblieben ist, ob ihr mal darüber gesprochen habt, dass dein Freund/Mann auf z.B. 30 Stunden reduziert. Er hätte mehr Zeit mit dumm Knirps, ihr könntet euer jetziges Modell fahren und du würdest trotzdem etwas arbeiten können. Es klang ja schon so, dass du nicht unglücklich auf deiner Arbeit warst.

Anna — Mi, 05/01/2019 - 09:28

Ich verstehe ehrlich nicht, warum es so hoch gelobt und als Ausgleich gepriesen wird, zu arbeiten wenn man (kleine) Kinder hat! Auch das Argument, dann ja "kein eigenes Geld" mehr zu haben, befremdet mich! In einer Familie gibt es für mich ein Familieneinkommen, von dem die Ausgaben halt bestritten werden müssen. Wir haben ein gemeinsames Konto. Wir entscheiden gemeinsam über größere Ausgaben. Wer etwas braucht, kauft es sich. Dazu zählt auch mal ein Buch oder eine Freizeitaktivität alleine. Mich nervt es gewaltig, dass mittlerweile die "Nur-Hausfrau" als Exot und irgendwie bemitleidenswert gilt. Ich wäre unglaublich gerne zu Hause geblieben, hätte mich um Haushalt und Kinder gekümmert, ohne diesen Dauerstress und die Zerrissenheit zwischen Job und Kinder und Haushalt. Was genau ist der Vorteil? Leider musste ich nach jeweils 1 Jahr wieder arbeiten, weil wir sonst weder Wohnung noch Auto (wir leben hier in der Pampa ohne ÖPNV) hätten bezahlen können. Ich finde es schade, dass für die meisten Frauen(und auch Männer!) eben keine wirkliche Wahlmöglichkeit besteht, ob Arbeit oder zu Hause bleiben. Es ist ganz einfach so dass viele Familien zwei Einkommen brauchen. Und da meine ich nicht, dass man sich sonst keinen Urlaub leisten kann. Sondern da geht es ums alltägliche. Ich werde meine Stundenzahl noch einmal deutlich erhöhen müssen, obwohl mir schon jetzt alles zu viel ist (27 Wochenstunden derzeit). Ich finde es gut dass Melanie es sich leisten kann, zu Hause zu bleiben. Sicher entspannt sich die Situation für sie und das Kind dadurch enorm. Aber ich finde es fast beschämend und abwertend wie darüber geschrieben wird. Sorry, es macht mich mittlerweile einfach oft wütend wie hier berichtet wird. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr hier lesen.

Katja — Mi, 05/01/2019 - 18:07

Es wird doch gar nicht abwertend darüber geschrieben, wenn jemand zu Hause bleibt. Das habe ich nicht so herausgelesen. Ich finde es nur immer schade, dass für viele Frauen ihre Arbeit offenbar nur eine Belastung ist. Ich arbeite Vollzeit mit kleinem Kind und finde es toll und inspirierend, zu arbeiten. Jeder, wie er mag, oder?

Anna — Sa, 05/04/2019 - 07:25

Es kann eben nicht jeder so wie er es für richtig hält oder gerne möchte. Das ist der Punkt den ich meine. Wer Vollzeit arbeiten will soll das gerne tun. Ich finde es schon oft (mehr oder weniger dezent) abwertend, wie über dieses Thema geschrieben wird. Mag sein dass ich da empfindlicher bin, eben weil ich nicht so kann wie ich es für richtig halte. So geht es aber in meiner Umgebung vielen Frauen (und auch Männern).

Linda — Mi, 05/01/2019 - 14:36

Fand den Artikel auch so unnötig irgendwie. Ist doch total normal, dass man als Mutter zuhause bleibt/bleiben kann. Es wird so getan, als ob eine selbstverständliche Wahlfreiheit auch noch gerechtfertigt werden muss. Ganz seltsam!

Anna — Sa, 05/04/2019 - 07:27

Ich finde eben dass diese Wahlfreiheit leider recht theoretisch ist.

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