Landleben

24/10/2017 - 08:15

Land-Mama Lisa

Jugendsünden: Dürfen Kinder wissen, dass Mama und Papa auch mal Mist gebaut haben?

Ihr Lieben, neulich entstand in einer Facebook-Gruppe mit anderen Eltern am Abend eine Diskussion – nein, so kann man es nicht nennen, eben ein Chat. Es ging darum, ob man jetzt als Eltern spießiger bzw. konservativer geworden sei oder im Gegenteil: vielleicht sogar lockerer als früher. Und es ging um Dinge, die wir früher so angestellt haben. Um Szenen, denen wir angehörten – oder auch nicht. Und dann fiel eben auch der Satz, den ich in letzter Zeit so oft gehört habe: „Oh mann, das dürfen unsere Kinder nie erfahren".

Und natürlich sind wir als Eltern Vorbilder – und trotzdem halten wir es damit irgendwie anders. Denn natürlich waren auch wir wild und unvernünftig, aber ist es nicht gerade schön, wenn die Kinder das erfahren und wissen:  Okay, die Ollen wurden auch nicht mit der Weisheit geboren? Die waren auch nicht immer brav und perfekt (und sind es bis heute bei weitem nicht)?

Können wir ihnen nicht sagen, dass wir ganz schön Quatsch gemacht haben damals? Und dass wir deswegen ganz gut nachvollziehen können, wenn sie auch komische Ideen haben, dass wir aber eben aus unseren Erfahrungen gelernt haben – und eben manches empfehlen und anderes weniger empfehlen können? Das muss natürlich niemand so handhaben, aber bei uns ist das irgendwie so.

Und die Quintessenz ist doch die: Wir hatten alle unsere Jugend. Wir haben alle mal Mist gebaut. Aber wir sind doch jetzt alle da, wo wir sind (und doch halbwegs vernünftig geworden). Und ist das nicht gut so? Haben uns diese Zeiten nicht auch unglaublich geprägt und zu denen gemacht, die wir heute sind? Wenn aus uns noch halbwegs was geworden ist, dann wird doch auch aus unseren Kindern halbwegs was Ordentliches werden auch oder gerade wenn sie Phasen haben werfen, in denen sie vielleicht wenig anbrennen lassen.

Ich finde die Vorstellung auch gruselig, dass sich mein Kind mit 16 Jahren in einer dunklen Diskozone in Lateinamerika nachts um 2 Uhr ein Zungenpiercing stechen lassen könnte – so wie ich das damals gemacht habe. Aber auch dazu möchte ich euch eine Anekdote erzählen. Als ich ein paar Tage später mit extrem geschwollener Zunge mit meiner Mutter telefonierte und sie sofort kapierte, was los ist und geschockt den Hörer an meinen Bruder weitergab ("Die hat Mist gebaut") und mich dieser mit den Worten: "Na Schwesterchen, bist du schwanger?" begrüßte, da war die Welt meiner Mutter kurzfristig wieder in Ordnung. Dann doch lieber ein kleines Metallstück in der Zunge, als mit 42 Jahren Oma werden... Alles eine Sache der Verhältnismäßigkeit.

Natürlich war das bescheuert und ich würde so etwas nie niemals wieder machen und auch meinen Kindern dringend davon abraten. Aber ich erzähle ihnen davon. Ich sage, schaut her, hier gibt es eine Narbe in meinem Mund. Da war ich ganz schön doof, da hätte auch vieles schief gehen können, denn in der Zunge sind tausende von Muskeln und der Geschmackssinn hätte kaputt gehen können. Macht sowas bloß niemals, das tut höllisch weh.

Sie wissen: Wir sind keine Heiligen. Ich finde, das kann auch ganz schön Druck von ihren Schultern nehmen. Und ich hoffe zudem darauf, dass sie – wenn sie denn dann selbst in solche Phasen kommen, in denen sie denken, sie sind unsterblich und ihnen kann eh nix passieren – dass sie dann nicht nur nen fetten Schutzengel an ihrer Seite haben, sondern dass sie sich vor allem nicht schämen, das mit uns zu teilen. Einfach weil sie wissen, dass wir alle nicht perfekt zur Welt gekommen sind. 

Oder was meint ihr? Wie ehrlich seid ihr zu euren Kindern?

Tags: Jugend, Jugendsünden, Eltern, Vorbild, Vorbilder, Erziehung, Authentizität, Ehrlichkeit

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Kommentare

Hannah — Di, 10/24/2017 - 09:01

Ich bin auch total dafür dass man auch in diesem Punkt ehrlich ist zu seinen Kindern. Manchmal denke ich dass ich in der Pubertät ein weitaus besseres Verhältniss zu meinen Eltern gehabt hätten wenn sie mal zu mir gesagt hätten „ Mensch das war schon ganz schön blöd von dor , aber weißt du was ich mal gemacht habe...?“. Das haben sie nämlich nicht. Aus meiner Sicht war ich der einzige Mensch mit Fehlern in der Familie und meine Eltern zwei Heilige die schon so organisiert und engagiert auf die Welt gekommen sind. Beide kamen aus ziemlich einfachen Verhältnissen und waren praktisch ab Tag eins voll dabei aus diesen einfachen Verhältnissen rauszukommen. Beide ein Einser Abitur (angeblich) keine Eskapaden nur sichere Schritte nach vorne. Ich wsr nicht besonders gut in der Schule weil ich unfassbar faul wsr und meine Freundinnen und Jungs viel interessanter wsren. Vor allem aber war ich verunsichert diese ganze Pubertät hatte mich ganz schön hart erwischt und es hätte mir sicher geholfen auch mal zu hören dass meine Eltern auch die ein oder andere Dummheit angestellt haben. Heute bin ich 27 habe eine 7 Jährige zu Hause der ich schon viele Dinge erzählt habe die ich so in ihrem Alter angestellt hatte. Und ja ich war ein ganz schöner Wildfang :). Ich finde das gehört dazu in einer Familie wir teilen unser Leben miteinander wir erziehen unsere Kinder und wollen ihnen doch Ehrlichkeit und Mitgefühl vorleben da gehört das doch dazu ich finde wir dürfen unsere Fehler nicht vor ihnen verstecken wenn wir sie doch so oft auf die ihren hinweisen weil wir sie „verbessern“ wollen. Natürlich muss ich meiner Tochter mal nicht dumme Idee von meinem pubertären Ich erzählen auch mir dreht sich der Magen um wenn ich mir vorstelle dass meine Tochter sich mit 16 heimlich in einen Club schmuggelt Alkohol trinkt und mit Jungs anbändelt und natürlich werde ich sauer sein wenn ich sie erwische ABER ich werde niemals sagen „Sowas habe ich NIE gemacht!“ denn in einer Familie lügt man sich nicht an. Ich werde versuchen Vertrauen zu haben und Verständnis so wie ich es mir von meinen Eltern gewünscht hätte denn ich weiß auch wenn man Fehler macht macht uns das nicht zu schlechten Menschen sonder es macht uns einfach nur menschlich und man lernt meiner Meinung nach eine Menge fürs Leben. Heute habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern und meine Tochter auch und meine Mitter freut sich glaube ich schon drauf ihrer Enkeltochter die ein oder andere Geschichte über ihre Mutter zu erzählen... hmmm ;)

Alexandra — Di, 10/24/2017 - 20:47

Aus "Fehlern" lernt man? Wenn die Kids, egal ob schon Tenni oder noch Pampersrocker, jedes Kind muss seine eigenen Erfahrungen machen Vorher soll es wissen, dass es weh tut, wenn es von der Couch runter fällt, wenn die Eltern immer sagen nein nein nein!? Woher soll es Konsequenzen kennen lernen, wenn es nichts darf? Kinder müssen lernen, und nur durch tun lernen sie. Man kann ihnen natürlich als Eltern den Weg zeigen...aber am Ende entscheidet das Kind selber. Ich führe seit 2 Wochen ein elendes Thema mit meinem Zwerg...keine Matsch Hose...am Besten in Kurze Hose und Shirt raus.. Ja und warum soll ich ewig diskutieren? Dann wird es gemacht, denn so kapiert er dann nach 3 Metern vor der Tür, dass es doch zu kalt ist dafür.

Anna — Do, 10/26/2017 - 09:32

Ich bin eigentlich immer sehr offen meinen Kindern gegenüber mit meinen Jugendsünden umgegangen. Habe nun aber vor kurzer Zeit damit begonnen, nicht mehr alles zu erzählen, seitdem ich bemerkt habe dass mein 15-jähriger meine Erfahrungen als Freischein für sich selbst benutzt. "Aber du hast doch auch..." höre ich da immer öfter. Meine Hinweise, dass ich bestimmte Dinge allerdings aus heutiger Sicht als falsch empfinde und im Nachhinein nicht mehr tun würde, werden dabei bewusst ignoriert. Stattdessen handhabt Sohnemann es so etwa nach dem Motto: "Na, die braucht sich nicht aufzuregen, die hat ja selbst...". Ich bin somit mittlerweile durchaus zurückhaltender geworden mit dem Ausplaudern meiner Jugendsünden.

Birgit — Do, 10/26/2017 - 23:22

Ich erzähle auch Vieles nicht. Zwar sind meine Kinder erst im Grundschulalter, dennoch erzähle ich nicht, dass ich z.B. Feuer gemacht, über fremde Grundstücke gelaufen bin o.ä. einfach, um sie nicht auf dumme Gedanken zu bringen. Und nie werde ich meinen Kindern freiwillig erzählen, dass ich geraucht und gekifft habe. Ich will sie davor bewahren und Ihnen nicht das Gefühl geben, dass es ok wäre. Da möchte ich lieber den Kindern ein gutes Vorbild sein.

Rod_darlehen — Mo, 12/04/2017 - 12:29

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