Interviews

13/03/2017 - 07:15

Stadt-Mama Katharina

Kitafreie Erziehung: "Selbstbetreuer nehme ich als gelassenere Mütter wahr"

Ihr Lieben, wir können nicht oft genug sagen, wie wichtig es uns ist, hier die verschiedensten Lebensmodelle und Frauen vorzustellen. Ein Thema, das uns immer wieder bewegt, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wann will ich nach der Geburt wieder in den Job einsteigen? Will ich überhaupt zurück in den Job? Wann soll mein Kind in die Kita und wie lange kann ich es mir finanziell erlauben, auszusteigen? Heute stellen wir Euch Noemi vor. Sie ist 30 Jahre alt und hat einen zweijährigen Sohn und eine sechs Monate alte Tochter. Sie hat sich entschieden, ihre Kinder bis zum klassischen Kindergartenalter (also mit über drei Jahren) zu Hause zu betreuen, also für diese Zeit aus dem Job auszusteigen. Wie die Reaktionen darauf sind und wie ihr Alltag aussieht, erzählt sie uns im Interview. Vielen Dank für den Einblick in Dein Leben, liebe Noemi!

Liebe Noemi, was sagst Du, wenn Dich jemand fragt, was Du beruflich machst?

Ich bin Klavier- und allgemeine Musiklehrerin, aber zur Zeit kümmere ich mich um meine Kinder, solange sie klein sind und noch nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen. 

Und wie sind die Reaktionen darauf? 

Die Reaktionen sind meistens neutral. Im Moment habe ich ein sechs Monate altes Baby, da ist es in den Augen der meisten natürlich "stimmiger", dass ich zu Hause bin. Wenn es allerdings darum geht, dass auch mein Sohn (etwas über zwei Jahre alt) den ganzen Tag mit mir und seiner kleinen Schwester verbringt und erst nächstes Jahr nach dem Sommer (also mit etwa dreieinhalb Jahren) und nur halbtags, sogar möglichst ohne Mittagessen, in den Kindergarten kommen soll, reagieren viele schon etwas erstaunt.

Es gibt aber auch vereinzelt sehr positive und bestärkende Rückmeldungen, gerade von älteren Menschen, die sagen dann meistens so etwas wie: "Die werden so schnell groß. Genießen Sie die Zeit mit ihnen, solange sie klein sind!". Mütter, die auch zu Hause sind, zeigen natürlich tendenziell mehr Verständnis und freuen sich mit mir, berufstätige Mütter von kleinen Kindern erklären in solchen Momenten dagegen häufiger, warum sie selbst das nicht wollen oder können. Männer tun dies in der Regel nicht (sich erklären), vielleicht ist das der Unterschied. 

Wann und wie hast Du Dich entschieden, erstmal zu Hause bei den Kindern zu bleiben?

Es war mir schon immer klar, dass ich das so möchte. Das wurde bzw. wird mir auch von meiner Mutter und meinen beiden älteren Schwestern so vorgelebt (übrigens alle akademisch bestens ausgebildete Frauen und auch wieder berufstätig, sobald die Kinder größer waren/sind/werden).

Auch mit meinem Mann habe ich das von Anfang an klar so besprochen, dass es für mich nicht in Frage kommt, die Kinder vor dem "klassischen" Kindergartenalter außerhalb des häuslichen Rahmens betreuen zu lassen. Er ist da zum Glück ganz auf meiner Linie. 

Wie erlebst Du die Mütter, die nach wenigen Monaten wieder zurück an den Arbeitsplatz kehren?

Ganz ehrlich? Einerseits vielleicht ein bisschen strukturierter als vorher mit Baby zu Hause, auf der anderen Seite aber auch innerlich unausgeglichen, hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Verantwortungen und Verpflichtungen. Ich nehme bei Müttern, die den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen sind und sich ganz auf diese konzentrieren und einlassen können, unabhängig vom Charaktertypus, mehr Gelassenheit und Ruhe im Umgang mit den Kindern wahr.  

Viele Frauen haben keine andere Wahl, als wieder arbeiten zu gehen, weil sie auf das Gehalt angewiesen sind. Was würdest Du diesen Frauen wünschen?

Echte Wahlfreiheit! Ein vom Haushaltseinkommen abhängiges Erziehungsgehalt für die ersten drei Lebensjahre, falls das Gehalt des Partners nicht ausreicht, auch und besonders für Alleinerziehende. So etwas wie das mittlerweile ja wieder weitestgehend abgeschaffte Betreuungsgeld, allerdings höher und politisch und gesellschaftlich nicht herabgewürdigt (Stichwort "Herdprämie").

Rentenpunkte gibt es ja drei Jahre lang für den Elternteil, der zu Hause bleibt, aber die helfen einem in der konkreten Situation finanziell nicht weiter. Auch mehr Teilzeitmodelle seitens der Arbeitgeber wären gut, dass z.B. in mehr Berufen erst einmal nur zwei bis drei (halbe) Tage die Woche gearbeitet werden könnte. Wenn der andere Elternteil das auch so machen könnte, müsste das Kind nicht oder nur wenig in außerfamiliäre Hände. 

Wie sieht ein typischer Tag bei Euch aus?

So um 7 Uhr stehen wir alle auf, um 8 Uhr geht mein Mann ins Büro. Wenn das Baby um 9 Uhr noch einmal schläft, koche ich schon mal das Mittagessen und mache ein bisschen Haushalt, wenn mein Sohn mich lässt. Oder ich beschäftige mich eben ein wenig in Ruhe mit ihm ohne seine Schwester. Um 10 Uhr gehe ich raus, einkaufen und auf den Spielplatz. 12 Uhr Mittagessen, 13-15 Uhe Mittagsschlaf (manchmal lege ich mich auch ein wenig hin, oder aber ich nutze die Zeit, lese ein wenig, schreibe Emails, telefoniere oder räume herum). Um 16 Uhr gehen wir spätestens wieder raus, je nach Wetter nochmal auf einen Spielplatz oder wir sind mit anderen Müttern und Kindern zu Hause oder draußen verabredet.

Einmal die Woche gehen wir nachmittags zum Kinderturnen und ein- bis zweimal die Woche zu einer Spielgruppe. Um 18 Uhr gibt es Abendbrot, um 18.30 Uhr kommt mein Mann nach Hause, übernimmt unseren Sohn und bringt ihn um ca. 20 Uhr ins Bett. Ich bringe das Baby um ca. 19 Uhr ins Bett. Zweimal die Woche gehe ich dann noch kurz zum Sport (mein Mann auch) und einmal die Woche zur Chorprobe, aber in der Regel beginnt spätestens um 21h unser Feierabend (bis das Baby wieder Hunger hat…). 

Mütter, die schnell wieder arbeiten, sind Rabenmütter. Mütter, die zu Hause bleiben, sind Glucken und faul. Wie erlebst Du diese Diskussion und was ist Dir im Bezug darauf wichtig?

Sicherlich sind sowohl die einen als auch die anderen mitunter kritischen Reaktionen ausgesetzt, und das nervt natürlich. Was mir allerdings bisweilen auffällt, ist, dass arbeitende Mütter von Kleinkindern - und es geht in der Diskussion ja vor allem um die ersten Lebensjahre - häufig von einem "schlechten Gewissen" sprechen, von "Zerrissenheit", davon, allen Seiten "gerecht werden zu müssen".

Von diesen Gefühlen höre ich bei nicht berufstätigen Müttern in der Regel nicht. Sie haben dafür vielleicht öfter mit mangelnder (Selbst-)Wertschätzung und weniger Zeit "für sich" zu kämpfen, aber ein schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber haben sie nicht.

Ein schlechtes Gewissen, das sollte mir doch niemand von außen einpflanzen können, ebenso wenig, wie es mir von jemand anderem wieder genommen werden kann. Wenn ich mit meiner Entscheidung im Reinen bin, sollte es mir eigentlich gut gehen damit. 

Von der politischen Seite her wird jedoch eindeutig der rasche Wiedereinstieg in den Beruf gefördert und gefordert, weswegen ich persönlich in der gesellschaftlichen Debatte und von den finanziellen Möglichkeiten her die Vollzeitmütter eher im Nachteil sehe und deswegen das Klagen über den "Rabenmuttervorwurf" mancher berufstätiger Frauen als Selbst-Rechtfertigung empfinde.

Wichtig ist mir ganz einfach wirkliche Wahlfreiheit für jede Frau, dafür müssen aber erst einmal die politischen Strukturen geschaffen werden, die dies möglich machen. 

Hast Du das Gefühl, dass Deine Arbeit zu Hause genügend honoriert wird?

Von meinen Kindern, mir selber und meinem Mann: ja! Besonders von Letzterem bekomme ich sehr häufig Bestätigung und Wertschätzung ausgesprochen, das tut mir sehr gut, gerade nach einem anstrengenden und nervenaufreibenden Tag.

Von "der Gesellschaft" bzw. dem Staat eher nicht. Das Elterngeld im ersten Lebensjahr ist zwar ganz nett, aber wenn man vorher nicht gearbeitet oder nicht besonders viel verdient hat, reicht es nicht für viel und vor allem nicht über das erste Lebensjahr hinaus. 

Hast Du einen Plan, wann und wieviel Du wieder arbeiten gehen möchtest? 

Also, erst einmal: Ich arbeite jeden Tag von morgens bis abends, ich werde nur nicht dafür bezahlt! ;-) 

Im Moment gebe ich eine Nachhilfe- und eine Klavierstunde die Woche. Das kann ich gerade so in meinen Alltag einbauen (einmal in der Mittagspause und einmal abends) und es hilft, um ein wenig "am Ball" zu bleiben. Da habe ich bei meinem Beruf natürlich Glück, dass das so geht.

Wir wünschen uns noch in drittes Kind und auch dieses Kind soll erst mit drei Jahren und auch nur halbtags in den Kindergarten gehen, also bis dahin möchte ich auf jeden Fall zu Hause bleiben. Und dann müssen wir mal sehen, was finanziell vielleicht vonnöten sein wird und was aber auch praktikabel ist, wenn ich weiterhin möchte, dass meine Kinder schon vor oder direkt nach dem Mittagessen zu Hause sein können. Mehr als eine halbe Stelle wünsche ich mir erst einmal nicht. Ich hoffe, wir werden so auskommen. Wenn alle Kinder in der Schule sind, kann ich mir auch wieder mehr vorstellen. 

Welchen Vorteil haben Deine Kinder dadurch, dass Du zu Hause bist?

Hm, keine leichte Frage, da meine Kinder ja nicht direkt antworten können. Ich nehme vor allem meinen Sohn (das Baby ist ja noch ein Baby) als sehr ausgeglichen und in sich ruhend wahr. Er hat einen übersichtlichen Alltag ohne Stress und mit viel Ruhe und Zeit für das, was gerade dran ist.

Er trifft so gut wie jeden Tag andere Kinder (zufällig und/oder gezielt), aber er kann sich zurückziehen, wenn es ihm zu viel wird (meistens nach ein bis zwei Stunden). Er ist sehr unabhängig und mutig, weiß mich aber gleichzeitig immer im Hintergrund und kann sich jederzeit auf mich beziehen, wenn er mich braucht. Er schläft mittags in seinem vertrauten Zuhause und wird von mir in den Schlaf und aus dem Aufwachen heraus begleitet.

Ich weiß ganz genau, was er tagsüber erlebt und was ihn beschäftigt und kann darauf eingehen. Dadurch, dass ich ihm meinen ganz normalen Alltag vorlebe (mit dem Umsorgen des Geschwisterchens, dem Haushalt, dem täglichen Kochen etc.), lernt er das Leben "aus erster Hand" kennen, ahmt mich in vielen Tätigkeiten nach und beschäftigt sich auch ziemlich gut alleine.

Ich bin überzeugt davon, dass er sich auf diese Weise in seinen ersten Lebensjahren ein sehr stabiles Fundament aufbauen kann, um dann ganz gestärkt und mit viel Vertrauen in die (Kindergarten-)Welt zu ziehen. Diesen Schritt soll er erst machen müssen,  wenn er wirklich bereit ist, sich von mir als seiner "Basisstation" zu lösen.

Thema Finanzen: Wie gehst Du damit um, dass Du kein eigenes Geld verdienst, also auf das Gehalt Deines Mannes angewiesen bist?

Damit habe ich überhaupt gar kein Problem, weil mein Mann und ich da eine andere Auffassung haben. Wir sind eine Familie und somit eine Lebensgemeinschaft, in der jeder verschiedene Aufgaben erfüllt. So wie er meine Arbeit zu Hause mit den Kindern wertschätzt, so bin ich auch dankbar dafür, dass er jeden Tag für uns ins Büro geht.

Wir haben ein gemeinsames Konto, auf das der Großteil des Gehalts meines Mannes einfließt, das ist unser "Familiengeld": für Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Sparen für die Kinder etc. Dann hat noch jeder von uns ein eigenes Konto (über das wir allerdings theoretisch jeweils gegenseitig verfügen können), auf dem jeden Monat die gleiche (niedrige) Summe Geldes eingeht bzw. verbleibt, für unsere privaten Ausgaben: Handy, Friseur, Bücher, Geschenke etc.

Ich lege einen kleinen Teil dieses Geldes noch für meine Altersvorsorge an. Sollten wir uns scheiden lassen (was wir selbstverständlich ganz und gar nicht vor haben, sonst hätten wir ja nicht geheiratet!), würde ich wahrscheinlich früher als gewünscht wieder selber berufstätig sein müssen, aber solange dies nicht der Fall ist, verstehen wir uns als Einheit, in der jeder Teil füreinander aufkommt.

Hast Du manchmal Zukunftsangst, dass Du den Wiedereinstieg in den Job nicht schaffen wirst, weil Du zu lange draußen warst?

Nein. Wie gesagt, als Pädagogin habe ich das Glück, ganz gut nebenbei ein paar Unterrichtsstunden geben zu können, und auch die Jobchancen stehen eher dauerhaft gut. Außerdem lerne ich durch die Erziehung meiner Kinder so vieles dazu, was ich auch im Beruf brauchen kann! Ich denke, das gilt nicht nur für pädagogische Berufe.

Wir Eltern wissen doch alle, welche Kompetenzen man durch seine Kinder erwirbt: Effizienz, Belastbarkeit, Organisation, Geduld und soft skills ohne Ende ;-). Ich glaube, man braucht einfach ein wenig Mut, sich diese "Lücke" im Lebenslauf zu gönnen, sollte aber schon innerlich wach bleiben und die Perspektiven nicht aus den Augen verlieren, um sich ggf. auch wieder schnell auf den Markt zu bringen. Unser Leben ist doch aber hoffentlich noch so lang, warum sollte ich denn nicht auch einfach einige Jahre später noch beruflich durchstarten können, wenn ich das will und/oder muss!?

Welche Werte möchtest Du deinen Kindern vermitteln?

Ich wünsche mir, dass sie sich zu Menschen entwickeln, die ihre Lebensentscheidungen mit Herz und Verstand treffen können. Dass sie den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen und sich selber treu bleiben. Dass sie ihr persönliches Glück nicht von Oberflächlichkeiten, Statussymbolen und äußerem Erfolg abhängig machen. Dass ihr höchstes und wichtigstes Gut immer die Beziehung zu anderen Menschen sein wird.

Was möchtest Du besonders Deiner Tochter in Bezug auf Mutterschaft mitgeben?

Ich wünsche meiner Tochter, dass sie innerlich und äußerlich so frei ist, dass sie sich ihrer Mutterschaft ganz selbstbestimmt widmen kann, wie auch immer das dann konkret aussehen wird. Ein Lebenspartner, der die gleichen Werte teilt, ist meiner Meinung nach eine wichtige Grundvoraussetzung dafür. Ich hoffe, dass sie sich nicht zu sehr an den Erwartungen der Gesellschaft orientieren, sondern unabhängig ihre ganz eigenen Maßstäbe erfüllen wird, auch wenn das eventuell Einbußen und Einschränkungen auf der materiellen Ebene mit sich ziehen könnte.

Jedes Kind hat nur eine Mutter (lassen wir Eizellspenden und Leihmutterschaft mal beiseite) und jede Mutter hat nur eine Mutterschaft mit ihrem jeweiligen Kind. Diese Zeit ist unwiederbringlich und sollte so intensiv wie möglich gelebt werden können.  

Welche Frau aus der Öffentlichkeit beeindruckt Dich momentan und warum?

Also, Frau Schwesig schon mal nicht! ;-). 

Mich beeindruckt jede Frau, die ihre Prioritäten nach Möglichkeit mit dem Herzen setzt. Das bedeutet in diesem Zusammenhang bei einer Mutter: Die Bedürfnisse der Kinder und der Familie stehen an erster Stelle und es besteht grundsätzlich die Bereitschaft zur Hingabe (diese Einstellung schätze ich übrigens genauso bei Vätern).

Wenn sie es dann auch noch schafft, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und ihr weiteres Leben selbstbestimmt und auch innovativ zu gestalten, finde ich das bewundernswert und stark.

Ich persönlich mag Bodenständigkeit und Bescheidenheit, was aber nicht zwangsläufig ausschließt,  beruflich erfolgreich zu sein! Vielleicht kann man diese Kombination bei Meryl Streep finden: Mehrfache Oscar-Preisträgerin und Mutter von vier Kindern, die eben nicht alles gleichzeitig, sondern alles immer jeweils zu seiner Zeit gemacht und geschafft hat und die sich selber nicht allzu wichtig zu nehmen scheint.

Dass mir gerade keine konkrete Frau aus der deutschen Öffentlichkeit einfällt, die diese Einstellung vertritt, spricht Bände über die familienpolitische Landschaft in Deutschland. Lob bekommt da meistens nur, wem es gelingt, sein Familienleben den Strukturen des Berufslebens unterzuordnen und nicht umgekehrt.

INFO: Noemi verfasst gemeinsam mit ihrer Freundin Helena Artikel zu dem Thema Selbstbetreuung und Wahlfreiheit in der Mutterschaft. HIER gehts zu ihrer Facebook-Seite

------ZUM WEITERLESEN:

- Und plötzlich ist Lisa wieder eine Working Mom

- Warum ich gerne Hausfrau und Mutter bin

- Was berufstätige Mütter von berufstätigen Vätern unterscheidet

 

Tags: Hausfrau, Vereinbarkeit, Erziehung, Familie, Rollenverteilung, Kinder, Kita, Job

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Kommentare

Christine — Mo, 03/13/2017 - 08:52

Hallo,wer wünscht sich nicht seine Kinder in Ruhe aufwachsen zu lassen? Früher war das so üblich. Da bekamen Frauen nach der Scheidung aber auch mehr Unterhalt.Diese Lebensplanung kann nur klappen, wenn a) der Partner gut verdient und b) die Ehe hält. Da haben wir sie jetzt gefunden, die Abhängigkeitsfalle. Habe mir mal die Seite der hier vorgestellten Mutti angesehen, die sie mit einer Gleichgesinnten betreibt. Die Freundin hat mit 23 das Studium wegen ihrer Mutterschaft abgebrochen. Nun ist sie 30 und hat drei Töchter, bei denen es nicht bleiben soll. Ich habe eine 34 jährige Tochter, die bald zum 3. Mal ein Kind in die Krippe gibt.Alle wurden sanft eingewöhnt und sind fröhliche Kinder, die genau wissen wo sie hingehören. Ich hätte kein gutes Gefühl, wenn meine Tochter Studienabbrecherin in Abhängigkeit von ihrem Ehemann wäre. Aber jeder entscheidet das selbst. Wünsche allen dabei viel Glück.

Hannah — Mo, 03/13/2017 - 09:10

Toller ausführlicher Beitrag! Es ist schön wenn so intensiv auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann... und für eine stabile Psyche sind die ersten 3 Jahre nun mal entscheidend, da braucht man nicht drumherum zu reden. Dieser Artikel macht Mut für andere die diesen Weg genau wie wir gehen, zurück zu den Grundwerten: Bindung, Liebe, Fürsorge. Aussterbende Begriffe in unserer Gesellschaft.... Alles Liebe euch!

Noémi — Mo, 03/13/2017 - 13:17

Liebe Hannah, genau das möchte ich: Mut machen! Danke für Deine Rückmeldung.

Mareike — Mo, 03/13/2017 - 09:15

Es ist wie so oft das gleiche: Die Autorin des Artikels wünscht sich von der Gesellschaft Anerkennung und Toleranz gegenüber ihrem Lebensmodell, kritisiert aber gleichzeitig Erziehungsmodelle, in denen Kinder unter 3 in die Krippe gehen. Mein Sohn ist 2, ich gehe Vollzeit arbeiten und bin sehr glücklich damit. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hierzu habe und verspüre am Nachmittag auf dem Spielplatz auch nicht das Bedürfnis mich dafür zu rechtfertigen :-) Egal, wie man sich entscheidet, kritisiert wird man immer... das finde ich schade!

Noémi — Mo, 03/13/2017 - 13:15

Liebe Mareike, auf den für mich entscheidenden Unterschied weise ich in einer Antwort hin: Politisch ist der frühe Wiedereinstieg in den Beruf gewollt. Elterngeld gibt es nur für ein Jahr und es ist eigentlich oft auch nicht genug. Somit gibt es in der Debatte zwei unterschiedliche Ausgangslagen, finanziell gesehen. Es gibt keine wirkliche Wahlfreiheit. Wenn die hergestellt ist, dann bleibt es letztlich eine "Geschmackssache", und wenn dann jemand blöd guckt, kann es einem egal sein, weil man sich dann ganz sicher hundertprozentig frei für sein ganz eigenes Modell entscheiden konnte. Das ist heute bei vielen Frauen einfach noch nicht der Fall.

Anna — Mo, 03/13/2017 - 10:25

Auch wenn wir es anders machen finde ich es super, wenn sich Eltern viel Zeit für ihre Kinder nehmen und wenn das Kind erst später in die Kita soll - so what? Nur warum bleibt das wieder alles an der Mutter hängen? Warum übernimmt nicht der Vater mal eins dieser Jahre? Gerade für den älteren Sohn wäre es eine unheimliche Bereicherung und Vorbild. Ich bin (vor 30 Jahren) auch erst mit drei in die Kita gegangen - aber schon damals haben sich meine Eltern die Betreuungszeit 50/50 geteilt. Ich würde mir wünschen, dass in diesen Betreuungdebatten nicht immer nur die Mütter miteinander in den Ring gestellt werden, sondern auch die Rolle der Väter mal etwas mehr hinterfragt wird.

Noémi — Mo, 03/13/2017 - 13:11

Liebe Anna, in einer Antwort schreibe ich genau von so einem Modell - beide Elternteile in Teilzeitarbeit. Aber abgesehen davon ist es bei uns zum Beispiel einfach schlüssiger so, da ich meinen Sohn bis ins zweite Lebensjahr hinein gestillt habe und mich nun ja wieder um das neue Baby kümmern muss. Bis das abgestillt ist, ist unser Sohn dann sowieso schon im Kindergarten :)

Lydia — Mo, 03/13/2017 - 10:39

Interessantes Interview zu einem kontroversen Thema! Ich habe mich entschieden, nach einem Jahr Elternzeit wieder 20 Stunden zu arbeiten, verteilt auf drei Tage. Mein Sohn wird währenddessen bei einer tollen Tagesmutter mit vier anderen Kindern betreut. Dort kann er in geschützter häuslicher Atmosphäre spielen, wird altersgerecht gefördert, kann sich seine Auszeiten aber auch jederzeit nehmen, wenn er sie braucht. Ich nehme ein fröhliches, ausgeglichenes und zufriedenes Kind in Empfang, wenn ich ihn abholen. Außerdem erlebe ich immer wieder, wie sozial er im Umgang mit anderen Kindern ist und wie viel er von den älteren Kindern abguckt und lernt. Und zu mir selbst: Ich genieße absolut die andere Seite meines Lebens, nämlich die als berufstätige Frau in einem spannenden Job. Mir kommen ehrlich gesagt die nicht berufstätigen Mamis in unserem Freundeskreis zur Zeit ziemlich gestresst und unzufrieden vor. Die 24h Betreuung des eigenen Kindes ist halt nicht nur pure Glückseligkeit. Das darf man aber irgendwie nicht laut sagen. Wahrscheinlich ist es letztlich Typ- und Erziehungssache. Das eine oder andere zu verteufeln ist jedenfalls zu kurz gedacht. Liebe Grüße!

Anni — Mo, 03/13/2017 - 14:01

Noemi wünscht allen Frauen die Wahlfreiheit! Nur leider gibt es die erst, wenn es normal ist, dass Männer Elternzeit nehmen (und nein, damit meine ich nicht die so genannten 2 "Vätermonate"). Wenn es normal ist, dass auch Männer ihre Kind-Krank-Tage ausschöpfen. Wenn auch Männer Vater-Kind-Kuren beantragen. Wenn auch Männer in Teilzeit gehen. Aber das geht ja nicht, weil der Mann ja mehr verdient? Und warum tut er das? Genau, weil er keine Elternzeit nimmt, keine Kindkranktage und Teilzeit für ihn nicht in Frage kommt. Dann bleibt lieber die Frau daheim, egal ob 1 oder 2 oder 5Jahre. Und liefert sich einen Wettkampf. Im vorliegenden Fall um die entspannteste, geduldigste und bedürfnisorientierteste Mutti. Berufstätige Frauen können das natürlich nicht leisten. Die haben auf ganzer Linie versagt. Schmeissen Kinder, Job, Haushalt; werden keinem gerecht, kriegen überall eins drauf, werden von niemandem ernstgenommen und von der Bezahlung reden wir besser auch nicht. Ich finds nicht schön.

Lydia — Mo, 03/13/2017 - 14:13

Liebe Anni, ich gebe dir absolut Recht damit, dass die obligatorischen 2 Männer Monate keine echte Aufteilung der Elternzeit bedeuten, wohl eher zusätzlichen Urlaub für den Papa... Andererseits gebe ich zu bedenken, dass es die wenigsten Zuhause-Mamis begeistert aufnehmen würden, wenn die Hälfte ihrer Elternzeit an den Partner gehen würden! Oft wird der finanzielle Aspekt als Grund angegeben, aber ist es nicht auch oft (legitimer) Wunsch der Mutter, die ersten Jahre mit dem Nachwuchs zuhause zu sein?? Also schimpf nicht so auf die Papas ;) Übrigens fühle ich mich ganz und gar nicht als Versagerin! Eher als Gewinnerin in beiden Bereichen!

Gabi — Mo, 03/13/2017 - 16:48

Interessant, wie unterschiedlich zwei Menschen die gleiche Situation sehen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass ein rascher Berufseinstieg von der Politik überhaupt nicht gewollt ist: Wie soll man sich denn den Mangel an Kitaplätzen sonst noch erklären? In Großstädten bewerben sich Frauen um einen Kitaplatz teilweise schon in der 6. SSW, also direkt, wenn sie den Schwangerschaftstest gemacht haben. Ich kenne viele Frauen, die gern möglichst schon nach 12 Monaten Elternzeit arbeiten würden (wirklich!), es aber nicht können, weil sie den Kitaplatz erst später bekommen und dann auch nur Teilzeit. Also das sehe ich ganz anders: Die Politik will, dass die Frau möglichst lange beim Kind bleibt und daher geht der Kita-Ausbau nur so schleppend voran - damit die Frau eben gezwungen wird, zu Hause zu bleiben. Im meinem Freundeskreis gibt es nur zwei Mädels, deren Kinder schon 2-3 sind und immer noch bei Mama zu Hause. Diese Mädels beschweren sich dauernd, wie einseitig doch ihr Leben ist, jeden Tag das Gleiche und man würde nichts Neues lernen, dass man mit den Kindern nicht zurechtkommen würde etc. Ich kann es nicht beurteilen, weil ich eben selbst nicht in dieser Situation bin. Aber dass nicht berufstätige Mütter entspannter sind und weniger Stress haben, diese Beobachtung kann ich wirklich nicht bestätigen. Sie haben einen anderen Stress, so würde ich es formulieren. Ich finde es sehr schön für die Autorin, wenn in ihrem Leben alles so gut gepasst hat - der Mann mit einem - anscheinend guten Einkommen - ein Job, in dem man sehr flexibel arbeiten und in den man auch nach 5 Jahren Elternzeit wiedereinsteigen kann. Nur gibt es keine Situation zwei Mal und man sollte doch versuchen, andere Eltern für ein anderes Lebensmodell nicht zu verurteilen. Ich glaube, die Autorin wollte so nicht rüberkommen, aber ich fand das Interview an manchen Stellen schon sehr besserwisserisch.

Mimi — Mo, 03/13/2017 - 17:54

Solange Mütter sich sowohl für das eine als auch das andere Modell rechtfertigen müssen, gibt es in den Köpfen keine Wahlfreiheit. Der finanzielle Aspekt ist das eine, und der könnte sicher durch neue Modelle seitens der Politik gelöst werden. Das andere sind aber ideologische Debatten, die wir längst hinter uns gelassen haben sollten. Noemi nimmt eine gesetzliche Elternzeit, so what? Ihre Familie lebt eher traditionelle Rollenbilder, so what? Was mich stört, ist, dass sie bei ihren Rechtfertigungen, die sie eigentlich doch nicht nötig hat, gleich wieder berufstätige Mütter platt macht....Muss das sein?

Lisa — Mo, 03/13/2017 - 19:38

Die Politik will vor allem deshalb, dass Frauen früh wieder in den Beruf einsteigen, weil sie häufig folgendes sieht: der Wiedereinstieg nach 8 Jahren zu Hause klappt eben oft nicht, weil die vorher oft gute Ausbildung quasi entwertet ist. Das geht heute sehr schnell. Die Frauen sind dann lange arbeitsuchend und finden nur Jobs in unteren Einkommensbereichen. Der andere Fall ist der heutzutage ja auch sehr häufige Fall der Trennung. Dass sich die Frau komplett auf den Mann verlassen hat, ist ihr dann zum Nachteil, wenn sie wieder für ihr eigenes Einkommen sorgen muss. In beiden Fällen steigt ihr Armutsrisiko deutlich. Davor schützt: auf eigenen Beinen stehen und Einkommen erzielen. Zumindest mit einem Teilzeitjob, der es ermöglicht, im Beruf zu bleiben. Der Politik ist es angesichts dieser Lage faktisch unmöglich, eine Familienpause finanziell zu unterstützen, die deutlich länger als ein Jahr andauert. Die Kinderbetreuung ist in Deutschland nicht so schlecht, dass sie Kindern nicht zumutbar wäre. Das angesprochene vorgelebte Rollenmodell spielt bei der Einschätzung dieser Frage sicher eine gewichtige Rolle. Kindern können so oder so zu tollen Menschen werden. Als Kita-Kinder und als zu Hause betreute Kinder.

Denise — Mo, 03/13/2017 - 20:01

Ich bin auch eine Zuhause-Mama. Habe mich bewusst dafür entschieden, die ersten drei Jahre bei meinen Kindern zu bleiben. Das bedeutet aber auch, dass wir auf einiges verzichten müssen, weil wir nunmal auf ein zweites Gehalt verzichten. Aber das ist ok so. Ich kann aber auch die andere Seite verstehen, Frauen die schnell wieder zurück zum Job möchten oder auch müssen. Was ich unglaublich schade finde,dass es scheinbar ein Sport unter Müttern ist,sich gegenseitig fertig zu machen. Wir soll viel mehr zusammen halten, denn im Grunde sitzen wir alle im gleichen Boot. Wie oft musste ich mich schon rechtfertigen, erst weil ich "früh" (mit 27) das erste Kind bekommen habe,dann weil ich mein Kind noch nicht in die Kita geht und ich Zuhause bin. Das finde ich schade. Wir sollten uns lieber gegenseitig die Anerkennung entgegen bringen, die wir alle verdienen, denn wir alle wollen einfach nur die bestmöglichen Eltern für unsere Kinder sein und das jeder auf seine eigene Art und mit seinem eigenen Modell.

#tanja — Mo, 03/13/2017 - 20:22

Jede so, wie sie möchte. Das finde ich grundsätzlich völlig richtig, egal ob zu Hause betreuen o. arbeiten u. Kinder in die Betreuung geben. Das ist wirklich Jederfraus eigene Entscheidung. Ich habe mittlerweile "größere" Kinder u. bekomme in meinem Freundes- und Bekanntenkreis tatsächlich häufig mit, dass ein Wiedereinstieg nach vielen Jahren schwer ist. So wie es auch Lisa beschreibt. Es bringt einem der schönste Studienabschluss nichts, wenn nur wenig bis keine Berufserfahrung vorhanden ist. Das sollte man als Frau immer im Hinterkopf behalten - auch wenn derzeit verheiratet u. momentan gut versorgt. Genau das kann sich aber schnell ändern. Gerade ab Grundschulalter geht oft noch mal eine ganze "Trennungswelle" los......

Nadja — Mo, 03/13/2017 - 22:08

Nach den Zahlen des Familienministeriums sind nur etwas mehr als die Hälfte der Frauen, die ein Kind unter drei Jahren haben, erwerbstätig (54%). Das heißt, die " kitafreie Erziehung" von Noémie ist gar nichts so besonderes, sondern fast die Hälfte der Familien in Deutschland praktiziert das so. Dass das Modell von Noémie hier als etwas so besonderes herausgestellt wird, hat meines Erachtens mit einer "Berlin Blase" zu tun. In der Hauptstadt hat man offenbar die Wahrnehmung, dass fast alle Mütter nach spätestens einem Jahr wieder in den Beruf einsteigen. Das entspricht aber überhaupt nicht der gesellschaftlichen Realität in Deutschland. Also Noémie, du bist nicht allein, die Mütter in Deutschland sind in dieser Frage ungefähr halbe halbe aufgeteilt. Liebe Grüße!

Franziska — Di, 03/14/2017 - 07:29

Naja, die Zahl 54% bedeutet ja nicht, dass die eine Hälfte der Kinder unter 3 in die Kita geht und die andere nicht, sondern dass insgesamt die Hälfte der Kinder in diesem Alter in die Kita geht. Sprich durchschnittlich gegen sie mit 18 Monaten. Ein gutes Alter finde ich, für die Mütter um ein bißchen loszulassen und den Horizont wieder zu erweitern ;)

Nadja — Di, 03/14/2017 - 13:19

Liebe Franziska, die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren betrug laut statistischen Bundesamt 2016 in den neuen Ländern 51 % und in den im ehemaligen Bundesgebiet 28 Prozent. Damit ist also im Westen sowieso und auch insgesamt in Deutschland eine Minderheit der Kinder unter drei im Kindergarten. Ich hatte meine Kinder übrigens auch unter drei im Kindergarten. Mich wundert nur die verschobene Wahrnehmung, nachdem ja angeblich fast alle Kinder schon ab eins in die Kita gehen. Noemies Modell ist eben nichts besonderes, für das sie sich rechtfertigen müsste, sondern mehrheitlich gelebte gesellschaftliche Realität in Deutschland.

Nordlicht — Di, 03/14/2017 - 09:18

Liebe Mütter, wenn ihr länger zuhause bleibt, sichert euch ab! Ungeachtet der Frage, ob Beziehungen lebenslang halten, kann auch ein an sich leistungsstarker, gut verdienender Partner durch Krankheit, Schicksal usw mal schneller erwerbslos werden, als man denkt. Wenn dann die - oft nicht so hohe - Rente des Mannes das Familieneinkommen darstellt und frau nach längerer Pause in Teilzeit wieder einsteigt und ggf noch Pflege des Partners und Erziehung bewältigt, wird es schnell sehr eng. Das wünscht man niemanden, aber das Leben ist noch lang und nur weil jetzt alles tipptopp ist, bleibt das nicht zwingend so. Verteilt die finanzielle Last nicht nur auf einem Paar Schultern! Sorgt vor, lasst den verdienenden Partner in (nennenswertem!!) Umfang in private Altersvorsorge für den nicht verdienenden Partner einzahlen. Lasst euch dazu beraten - es geht ja nicht nur um die Absicherung von uns Müttern, sondern auch um die der Kinder! Ansonsten schließe ich mich allen Aufrufen zur Müttersolidarität an :-) Leben und Leben lassen und gemeinsam dafür eintreten, dass es der Hälfte der Bevölkerung gut geht!!

Großstadtmutti — Di, 03/14/2017 - 10:55

Ich respektiere Frauen, die sich für das oben beschriebene Modell entscheiden und möchte im Gegenzug auch für meine Entscheidungen respektiert werden. Ich ging/gehe jeweils nach einem Jahr wieder arbeiten, in Teilzeit, meine beiden Söhne in die Krippe. Warum das andere Modell runtermachen? Aus Unsicherheit vielleicht? Was ich nicht verstehe: das Elterngeld wird im Interview als unzureichend in seiner Höhe beschrieben. Es hängt aber vom vorherigen Gehalt ab, wie viel man bekommt. Das kann man nicht so über einen Kamm scheren.

Noémi — Di, 03/14/2017 - 15:33

Liebe Großstadtmutti, kein anderes Modell wird in hier automatisch "runtergemacht", dadurch, dass ich mein Modell einfach ganz persönlich schildere. Aber das nur am Rande. Zu Deiner Frage: Das Elterngeld ist eben gehaltsabhängig. Dadurch werden gut verdienende Eltern bevorzugt und Geringverdiener benachteiligt. Wenn man wegen eines älteren Geschwisterkindes zu Hause war und kein Geld verdient hat, bekommt man nur den Mindestsatz. Wenn man 1800 Euro Elterngeld bekommt, reicht das natürlich, um einen Beitrag zum Haushaltseinkommen zu leisten. 300 Euro hingegen sind einfach zu wenig. Deswegen wäre ich für eine höhere Summe (600-800 Euro im Monat), über einen längeren Zeitraum, und zwar gehaltsunabhängig, es sei denn, der andere Elternteil verdient überdurchschnittlich gut, dann könnte man aus Solidarität eine Grenze einführen, ab der man keinen Anspruch auf Elterngeld hat. Andererseits soll ja auch die Unabhängigkeit des erziehenden Elternteils gewahrt bleiben, also vielleicht doch ganz einfach pauschal einkommensunabhängig. Ach, da gäbe es verschiedene Möglichkeiten, könnte man alles durchdenken :)

Anna — Di, 03/14/2017 - 20:29

Eigentlich werden doch Gutverdiener benachteiligt, da es bei 1800 gekappt ist. Ich gehe bald in Elternzeit und werde weniger als 50% meines Gehaltes bekommen. Da finde ich 300 Euro wenn man vorher nicht gearbeitet hat eigentlich ein 'Geschenk', da es ja kein Einkommensersatz ist... s

Noémi — Di, 03/14/2017 - 21:16

Nee, sorry, aber das kann man so nicht hindrehen. Das Elterngeld, so wie es jetzt eingerichtet ist, verstärkt die soziale Ungerechtigkeit, weil es sich an der vorherigen Berufstätigkeit und nicht an der aktuell geleisteten Arbeit (nämlich der Kindererziehung und Pflege etc.) orientiert. Gut qualifizierte Vielverdiener sollen möglichst Kinder bekommen und bald weiter arbeiten, sozial schwache Eltern sollen (und müssen) ihre Kinder auch lieber früher abgeben, weil sie es sich anders nicht leisten könnten. 1800 Euro ist echt viel Geld, by the way. Wenn man vorher mehr als das doppelte verdient hat, kann man das für eine Weile schon verkraften, denke ich ;-), wohingegen 300 Euro echt wenig Geld sind. Man bekommt die ja nicht geschenkt für nichts, sondern man kümmert sich um einen kleinen Staatsbürger :). Hinzu kommt, dass ein KITA-Platz mit bis 1000 Euro monatlich (z.T. auch mehr) subventioniert wird. Wenn ich also mein Kind selber betreue, spart sich der Staat dieses Geld... Deswegen wäre ich für ein eher hoch angesetztes "Erziehungsgeld", welches man wahlweise für die Selbst- oder Fremdbetreuung einsetzen dürfte.

Franziska — Di, 03/14/2017 - 21:20

Durchdenken kann man natürlich vieles. Für mich als berufstätige Mutter ist aber die Vorstellung, durch meine Steuern die "entspannten" Mamas zuhause zu finanzieren, mehr als absurd. Neben Sozialversicherung und Krankenkasse, in die ich einzahle. Der Staat greift da nämlich schon üppig unter die Arme mit Steuerklasse3 für Alleinverdiener und kostenlose Krankenkasse für die Ehefrau zuhause. Und ich finde, da schwingt auch immer mit, die berufstätigen Eltern hätten zuhause weniger zu tun, aber den Haushalt muss ich genauso schmeißen, bloß halt nach meiner Arbeit. Und Die Kinder sind auch 75% ihrer Zeit bei mir- kriege ich dann 75% der "600-800 Euro"? Sorry, dass ich da etwas bissig rüberkomme. Aber sich dieseS antiquierte Familienmodell von dem anderen bezahlen lassen wollen- nö. Diesen Luxus muss man sich leisten können, meine Meinung.

Noémi — Di, 03/14/2017 - 22:44

Mein Mann zahlt von seinem (übrigens unterdurchschnittlichen) Gehalt Steuern, die die Kita-Plätze von Doppelverdienern mitfinanzieren, während wir gleichzeitig durch die Selbstbetreuung auf diese Subventionierung verzichten. Die kostenlose Mitversicherung gilt auch für kinderlose verheiratete Paare, das ist nochmal eine andere Ebene. Es gibt ja auch unverheiratete Elternpaare. Haushalt muss so oder so gemacht werden. Es geht um die Kinderbetreuung/Fürsorge/Erziehung. Von einer Rückkehr in die 50er Jahre ist nirgendwo die Rede. Die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern interessieren sich herzlich wenig dafür, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befinden :). Allein wenn ich mein Kind stillen möchte, kann mich da der Vater eine ganz schön lange Zeit nicht ersetzen. Deswegen sollte es flexible Modelle geben und keine erzwungene 50-5o-Aufteilung.

Mimi — Di, 03/14/2017 - 22:00

Ich muss Franziska leider zustimmen. Alles (viele Jahre Elternzeit und gleichzeitig Geld bekommen) is halt nicht. Und ist natürlich auch volkwirtschaftlich nicht tragbar. Schweden macht was vor, was ich mir gut vorstellen könnte: 480 Tage Elterngeld (das ist dort ein Teil der Sozialversicherung), 80 Prozent vom letzten Gehalt (gibt einen Mindestbetrag). Jeweils 60 Tage sind jedem Elternteil vorbehalten, der Rest frei einteilbar. Die Folge? Über 40 Prozent der Männer nehmen längere Elternzeit, reduzieren danach. Denn: in Schweden hast du acht Jahre Recht auf eine befristete Teilzeit. Ich sehe die Lösung eher in solchen Modellen, in denen die Väter gleichberechtigt eingebunden sind, als in einer Rückkehr in die 50er-Jahre. Deshalb finde ich etwas erschreckend welches Mutterbild du, liebe Noemi, hast.

Noémi — Di, 03/14/2017 - 22:44

Mein Mann zahlt von seinem (übrigens unterdurchschnittlichen) Gehalt Steuern, die die Kita-Plätze von Doppelverdienern mitfinanzieren, während wir gleichzeitig durch die Selbstbetreuung auf diese Subventionierung verzichten. Die kostenlose Mitversicherung gilt auch für kinderlose verheiratete Paare, das ist nochmal eine andere Ebene. Es gibt ja auch unverheiratete Elternpaare. Haushalt muss so oder so gemacht werden. Es geht um die Kinderbetreuung/Fürsorge/Erziehung. Von einer Rückkehr in die 50er Jahre ist nirgendwo die Rede. Die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern interessieren sich herzlich wenig dafür, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befinden :). Allein wenn ich mein Kind stillen möchte, kann mich da der Vater eine ganz schön lange Zeit nicht ersetzen. Deswegen sollte es flexible Modelle geben und keine erzwungene 50-5o-Aufteilung.

Noémi — Di, 03/14/2017 - 22:43

Mein Mann zahlt von seinem (übrigens unterdurchschnittlichen) Gehalt Steuern, die die Kita-Plätze von Doppelverdienern mitfinanzieren, während wir gleichzeitig durch die Selbstbetreuung auf diese Subventionierung verzichten. Die kostenlose Mitversicherung gilt auch für kinderlose verheiratete Paare, das ist nochmal eine andere Ebene. Es gibt ja auch unverheiratete Elternpaare. Haushalt muss so oder so gemacht werden. Es geht um die Kinderbetreuung/Fürsorge/Erziehung. Von einer Rückkehr in die 50er Jahre ist nirgendwo die Rede. Die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern interessieren sich herzlich wenig dafür, in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befinden :). Allein wenn ich mein Kind stillen möchte, kann mich da der Vater eine ganz schön lange Zeit nicht ersetzen. Deswegen sollte es flexible Modelle geben und keine erzwungene 50-5o-Aufteilung.

Mimi — Di, 03/14/2017 - 23:55

Liebe Noemi, ich sehe das ein wenig anders als du. Die Bedürfnisse von Babies und Kleinkindern werden doch nicht missachtet, nur weil der Papa sich auch kümmert oder es eben noch eine Erzieherin/Oma/Tagesmutter gibt, die sich - eventuell auch staatlich subventioniert- um das Kind sorgt? Und wer sagt denn, dass sich eine längere Stillzeit und die väterliche Fürsorge oder Erwerbsarbeit ausschliessen? Und wenn du nun anführst, dass dein Mann die Kitaplätze von Doppelverdienern mitfinanziert, dann kann ich nur lächeln. Für mich ist das eine absolut absurde Neiddebatte, die unter einem Vorwand geführt wird. Was glaubst du, wie sich deine Rentenpunkte finanzieren? Was glaubst du, wie sich die Kindergartenplätze deiner Kinder finanzieren? Letztlich geht es darum, einen Weg zu finden, seinen Kindern gerecht zu werden und im Job zu bleiben. Denn langfristig geht es eben nicht ohne - weder für ihn, noch für sie. Oder?

Franziska — Mi, 03/15/2017 - 06:25

Liebe Noemi, da hinkt Deine Argumentation aber. Allzuviel Steuern zahlt Dein Mann sicher nicht mit Steuerklasse 3. Da kann er gegen das Doppelverdienerpaar locker einpacken. Ich verdiene auch nicht so üppig und drücke mit der 5 ordentlich was ab. Überleg doch mal, was dem Staat bei euch durch subventioniertes Ehegattensplitting und nicht gezahlte Sozialbeiträge entgeht. Da kommst Du locker auf die 600€ die Du forderst. Trotzdem bin ich j der Meinung: Mach so, ist okay. Was mich aber so ärgert ist diese Art, so zu tun, als sei Dein Weg der Bessere, weil er den Kindern gerechter würde. Und das finde ich eine arrogante und Fakten ignoriere es Sichtweise. Da können Eltern mit Kindern in der Kita noch so oft schreiben, dass es den Kindern da gut geht, ihr Supermamas wisst es natürlich besser. Das ist so engstirnig. Eine Kita ist doch im besten Fall wie ein zweites Zuhause, wo die Kinder gern hingehen. Mit weiteren Bezugspersonen, Freunden und Anregungen. Und ihr Zuhause bei Mama und Papa noch dazu.

Lilli — Mi, 03/15/2017 - 07:32

Für mich gibt es zwei Probleme in der Argumentation in der Diskussion außerhalb des Artikels : die Bedürfnis-Debatte und Forderung nach mehr Geld für eine eigenwillige Lebensidee. Ich bin generell für mehr und längeres Elterngeld, höhere Sätze für wenig UND Vielverdiener. Aber: ich finde nicht dass es ein Staat bezahlen muss, dass jemand 3 Kinder bekommen, 3 Jahre pro kind komplett und dann halbtags bis zur schule betreuen kann - das ist abgefahrener Luxus, den sich einfach nur Reiche leisten können. Bei uns ist mein mann viel zu hause weil er seinen job wegen unvereinbarer arbeitszeiten aufgeben musste und nun in der probezeit mit gebrochenem arm zu hause sitzt - für den würde ich auch gern einfach 3 jahre geld kriegen - würde ich aber nie erwarten. So haben wir halt angst um seinen job, um genug Geld und daran sind wir selbst schuld. Gesellschaftliche Realität solle man bei allen Wunschvorstellungen nicht aus den Augen verlieren. Bedürfnisse von Kindern können auch in der kita erfüllt werden. So frei wie ihre Eltern sind, sind auch die Kinder. Bei Müttern die klammern, kann das Kind die Trennung von der Mutter nicht ertragen, sie hat ihm doch beigebracht, dass es ohne sie nicjt existieren kann. Sind alle entspannt, kann es passieren, dass man seine 2 jährige um 4 aus der kita abholen will, sie aber noch kneten, tuschen und klettern möchte und man noch eine Stunde in der kita verbringt - weil es einfach ein schöner Ort für Kinder ist! Der Knackpunkt an dem Artikel : die Beurteilung der berufstätigen als unentspannter -da ist sie, die leise Verurteilung. Und das ist schade, denn ich finde es schon interssant über andere Modelle zu lesen, solche Vorwürfe machen aber leider unheimlich unsympathisch und ziehen den Zorn "der anderen Gruppe" auf sich.

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 08:08

Liebe Lilli, ich habe niemandem einen Vorwurf gemacht - in meinem persönlichen Bekanntenkreis kann ich persönlich diese Beobachtung machen, ich habe nur ganz ehrlich und offen geantwortet. Und es geht mir nicht um die Finanzierung eines vermeintlichen Luxuslebens, es geht mir sowieso nicht um mich, sondern um das jeweilige Kind. Und was für dieses Kind am besten ist, sollen doch bitte seine Eltern entscheiden dürfen. Dass Mütter wie ich "klammern", nehme ich übrigens als ziemlich haltlose Unterstellung wahr ;-)

Iris — Sa, 04/27/2019 - 14:53

Liebe Franziska, ich habe selbst in verschiedenen Kitas gearbeitet - Krippe-Kindergarten, Vorschule und 1999 sogar noch im Hort - und kann Noemi nur zustimmen. Was die Wenigsten wissen ist, dass Krippen-und Tagespflegebetreuung - also Gruppenbetreuung ab drei Kindern aufwärts - Kindern unter drei Jahren massiv schadet; sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit leiden massiv darunter. Es macht sich in der Psychosomatik und Infektanfälligkeit bemerkbar. Gerade scheinbar pflegeleichte Kinder leiden am meisten unter der Fremdbetreuung. Wenn Sie anscheinend pflegeleicht und extrem angepasst sind, um ihr Nervenkostüm zu schützen, bedeutet das für die Kleinen noch mal größte Kraftanstrengung. In Frankreich ist die frühzeitige Krippenbetreuung normal. Darüber gibt es einen interessanten Artikel von zeit.online der "Liebe auf Distanz" heißt. Frankreichs Kinder lernen frühzeitig ein Funktionieren. Frankreich ist Weltspitzenreiter im Verbrauch von Antidepressiva. Ich arbeite gerade an einem Buchprojekt in dem ich meine eigenen Erfahrungen aus den Kitas aufschreibe und die Bildungspolitik und Bindungsforschung mit einfließen lasse. Überall, wo flächendeckende Ganztagsbetreuung ab oder sogar schon vor dem 1. Geburtstag angeboten und genutzt wird, sind hohe Infektanfälligkeiten, psychosomatische Probleme und im erwachsenen Alter Bindungsstörungen bei vielen (nicht allen, aber vielen) Krippenkindern, bzw. dann ehem. Krippenkindern zu beobachten. Das war auch in der ehem. DDR der Fall. Beruflich sind die meisten erfolgreich. Ich lege allen Krippenbefürwortern "Krippenkinder in der DDR" von Agathe Israel ans Herz, "Schadet die Kinderkrippe meinem Kind?" von Serge Sulz, "Risiken der frühen Krippenbetreuung" von Dr. Erika Butzmann, zu der ich übrigens Kontakt habe und die mir für mein Buch ihren gesamten Vortragstext zur Verfügung gestellt hat. Ein Kind ist erst zwischen 3 und 4 Jahren (kommt auf die Sensibilität des Kindes drauf an) dem Kitaalltag am Vormittag (ganztägig ist auch für die Kindergartenkinder eine Überforderung) gewachsen. Vom Staat werden Eltern, die die ersten 3 Jahre ihre Kinder selbst betreuen, finanziell im Stich gelassen. Es fehlt ja ein komplettes Einkommen, die Steuerklasse macht das auch nicht wett. Wieso bekommen Erzieher ein Gehalt und eine Rente und Mütter und Väter die die gleiche Arbeit - Betreuung und Erziehung – beim eigenen Kind/bei den eigenen Kindern leisten, nichts? Das ist mehr als ungerecht. Und es geht hierbei um die Bedürfnisse der Allerkleinsten und Schwächsten in unserer Gesellschaft. Kein Kita-Erzieher kann den Bedürfnissen eines Babys und Kleinkindes gerecht werden, es sei denn es wäre eine 1:1 oder max. 2:1 Betreuung . Aus Gesprächen mit Eltern (als ich noch in Kitas gearbeitet habe), insbesondere Müttern , weiß ich, dass die meisten gerne 3 Jahre beim Kind zu Hause geblieben wären, es aus finanziellen Gründen aber nicht konnten. Hierzu gibt es ein gutes Buch "Vater, Mutter, Staat - das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung - wie Politik und Wirtschaft die Familie zerstören" von Rainer Stadler. Alles Gute Dir und Deiner Familie:-)

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 07:23

Um Neid geht es mir nirgendwo, um das mal ganz klar zu sagen. Es gibt einfach noch sehr viele Frauen, nicht zuletzt Alleinerziehende, die keine Wahl haben in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes. Und nur um diese Zeit geht es mir hier erst einmal. Sie ist entscheidend prägend, da kann niemand widersprechen, und Eltern sollten die Möglichkeit haben, selber zu entscheiden, was sie in dieser Phase für richtig halten - zu Hause oder Kita. Wahlfreiheit! (und zwar finanzierbare!)

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 07:54

"Art 6. (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung. (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft."

Mimi — Mi, 03/15/2017 - 08:26

Im Kern geht es nicht darum, ob man oder frau die ersten drei Jahre zuhause bleibt oder nicht, sondern darum, wie man dauerhaft über diese drei Jahre hinaus im Job bleibt. Die drei Jahre sind doch, wenn du so willst, bereits staatlich gesichert. Du bekommst Elterngeld (das kannst du dir ja auch auf zwei Jahre splitten), Rentenpunkte, bist krankenversichert und hast das Recht auf Rückkehr in den Job. Ein mehr an Allem wäre schön, ist vermutlich aber nicht leistbar. Natürlich ist es deutlich anstrengender, mit einem Kleinkind arbeiten zu gehen. Natürlich ist der Stressfaktor für die Mamas vermutlich höher. Aber viele sind damit trotzdem zufriedener. Das muss man genauso akzeptieren, wie eine Mama, die drei Jahre oder länger zuhause bleibt. Und jetzt sei mal ganz ehrlich: geht es dir dabei wirklich nur um deine Kinder? Vielleicht fänden sie eine Kita toll, vielleicht wäre es eine Bereicherung ein paar Stunden ohne Mama zu sein. Du hast es doch nicht ausprobiert und kannst es dementsprechend nicht beurteilen, oder? Ich wünsche dir, das du einfach den,Einstieg in den Job irgendwann findest, und glaub mir er wird immer etwas anstrengend, egal ob die Kinder 1,3 oder 8 Jahre alt sind.

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 08:41

Natürlich geht es mir um meine Kinder! Ich mache das, weil ich überzeugt davon bin, ihnen auf diese Weise meine Werte am besten zu vermitteln. Selbstverständlich dürfen andere Eltern anders entscheiden (sie probieren dann ja auch die jeweils andere Variante nicht aus). Und ja, eben, ein Mehr wäre nicht nur schön, sondern auch notwendig, um echte Wahlfreiheit zu schaffen. In meinem Fall kommen wir finanziell klar, andere Eltern schaffen es aber nicht mit nur einem Gehalt, das finde ich nicht gerecht. In Österreich z.B. gibt es wahlweise 800 euro für 18 Monate, 600 Euro für 24 Monate oder 400 Euro für 36 Monate.

Mimi — Mi, 03/15/2017 - 11:26

Du führst Österreich als gutes Beispiel für Wahlfreiheit an? Ohwei. Ich lebe an der Grenze, habe viele Freundinnen dort. In Österreich musst du nach zwei Jahren wieder arbeiten, sonst ist der Job weg. Deshalb gehen dort die meisten Kinder unter 3 in den Kindergarten. Man bekommt dort entweder 14 Monate Elterngeld (davon zwei Partnermonate), das 80 Prozent vom letzten Gehalt ist oder eben die Mindestbeträge maximal 36 Monate. Nehmen aber nur die, die ohnehin keinen Job haben oder gar keine Lust haben, zurückzukehren. Die Väter sind in Österreich ziemlich aussen vor, da die Karenz, also Elternzeit, ausschliesslich einem Elternteil, also der Mutter, vorbehalten ist. Finde ich nun nicht besonders fortschrittlich. Du wünschst dir ein Modell, nach dem Mütter, drei Jahre Erziehungszeit finanziert bekommen. Das haben wir doch bereit, nur das das Geld eben auf dem Gehalt deines Mannes landet. Günstige Steuerklasse, 400 Euro Elterngelf, 360 Kindergeld. Nun rechne doch mal auf drei Jahre durch. So mies ist das doch überhaupt nicht. Und zum Thema Wahlfreiheit: ich behaupte mal, dass für den,Grossteil der Frauen das Geld allein (ich kann dir gern mal vorrechnen, was mit Steuerklasse 5 in einem Teilzeitjob und durchschnittlichen Betreuungsgebühren für Kleinkindern so übrig bleibt) gar nicht das schlagende Argument ist. Da gibt es viele andere. Die Zeiten ideologischer Debatten sollten wir langsam überwunden haben. Im Übrigen ist die Welt nicht schwarz und weiss. Ich kenne viele Mamas, die nicht arbeiten und ihr Kind trotzdem mit 1,5 in Spielgruppen/Kitas/Kindergärten besuchen. Und ich kenne viele Mamas, die die ersten 18 Monate/2 Jahre usw. zuhause waren und dann arbeiten mit Kita. Natürlich wissen berufstätige Mütter, wie ist es ist, zuhause zu sein. Denk mal an das erste Jahr, die Ferien, Krankheiten, Wochenenden usw. Zumal viele doch Teilzeit arbeiten und vielleicht ja fast genauso viel Zeit mit ihren Kindern verbringen wie du. Ich persönlich glaube, dass es für Kinder sehr schön ist, weitere Bezugspersonen zu haben und es auch in den ersten Jahren toll ist, wenn noch mehr stattfindet als Nur-Mama. Ob jetzt in der Kita, Krippe, Spielgruppe, beim Kinderturnen, bei Oma usw. Dieses ausschliessliche Mutterbild gefällt mir dagegen gar nicht. Das ist irgendwie so typisch für Deutschland (und mir kommt es so vor, als wäre es heute, wo es echt viel Wahlfreiheit gibt irgendwie auch stärker geworden)...

seinfeld — Sa, 03/18/2017 - 10:25

Hi, ab 1.3.2017 ändern sich gerade die Karenz-Modelle. 2013 sah es noch so aus, dass ich mir das 20+4 Monate Modell ausgesucht habe. Ich hätte 24 Monate daheim bleiben können, aber bin nach 20 Monaten wieder arbeiten gegangen. Da mein Mann der bessere Verdiener ist, hat er auch die 4 Monate (wenn es denn seine Arbeit zugelassen hätte) nicht beansprucht. Und ja bei uns in Österreich ist es so, wenn man nach 2 Jahren nicht zurückkehrt, dass der Job weg ist. Und ja, ich habe bei uns in der Abteilung selber miterlebt, als der Mann in der Karenz gestorben ist, und die Frau nach 2 Jahren wieder den Job antreten wollte, die Firma nein sagte. Sehr sozial oder? Ich für mich hätte mir gar nicht vorstellen können , 3 Jahre daheim zu sein. Mir war nach 4! Monaten langweilig ohne Ende. Aber wie gesagt, jeder soll selber entscheiden, was er für seine Familie richtig hält. Ich mag es nur nicht, wenn man Österreich als Paradebeispiel hinstellt, dem ist nicht so!

Franziska — Mi, 03/15/2017 - 08:12

Mensch, ich will mich ja nicht ärgern und könnte jetzt auch aufhören, weil wir uns im Kreis drehen. Aber dass Du jetzt anfängst, auch noch diese ollen Paragraphen heranzuziehen- was ist das, wenn nicht 50er Jahre style? Natürlich ist es Recht und Pflicht der , ihre Kinder zu betreuen und erziehen. Aber da ist es wieder, das Vorurteil: Berufstätige Eltern machen das wohl irgendwie nicht so gut wie die, wo einer komplett zuhause bleibt. Und da werde ich jetzt mal provokant ud behaupte: Sie machen es besser! Jetzt mal so als offene Unterstellung, nicht so zwischen den Zeilen wie bei Dir. Besser weil: Sie leben dem kind gleichberechtigte Eltern vor und eine auf eigenen Füßen stehende Mutter. Sie trauen dem Kind zu, auch in anderen Kontexten klar zu kommen und können loslassen. Für sie ist es klar, dass auch Frauen der Gesellschaft etwas geben über die Mutterrolle hinaus. Sie brechen alte Muster auf und werden zu freien Menschen die sich auch trennen könnten, wenn die Beziehung nur noch Fassade ist.

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 08:22

Also, nun hast du dich selbst in Aus katapulitiert ;-) Dieser "olle Paragraph" ist ein Artikel unseres Grundgesetzes, das gilt zur Zet, soweit ich informiert bin. Ich jedenfalls würde es ungern ins Lächerliche ziehen... Nirgendwo sage ich, dass berufstätige Eltern ihre Erziehungsaufgabe schlechter wahrnehmen als andere. Dass ich für mich meinen Weg gut finde, ist ja logisch, sonst würde ich es anders machen. Ich möchte, dass es Eltern möglich ist, zu entscheiden, was sie für richtig halten. Wenn es die Kita oder die Tagesmutter ist - okay, wenn es die Selbstbetreuung ist - auch okay. Beide Wege müssen finanzierbar sein und politisch akzeptiert (im Sinne von gleichwertig unterstützt).

Mimi — Mi, 03/15/2017 - 10:09

Doch, Noemi, du unterstellst Berufstätigen, deren Kinder unter drei stundenweise von anderen Personen betreut werden, so Einiges. Das fängt schon mit deiner Wortwahl an. “Selbstbetreuung“ vs. Fremdbetreuung, beides ideologisch stark gefärbt. Betreuen/erziehen Eltern nicht den Grossteil der Zeit selbst, wenn die Kinder auch andere vertraute Bezugspersonen haben, mit denen sie einige Stunden verbringen? Mutterschaft hört wohl kaum an der Kitatür auf, oder? Du sagst, du nimmst “Vollzeit-Mütter“ (das sind übrigens Berufstätige auch), die sich voll auf die Kinder einlassen, konzentrieren und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen (das tun berufstätige Eltern demnach ja nicht) als enstpannter und gelassener im Umgang wahr (ergo alle anderen sind gestresst). Du wünschst dir, das dein “Lebensmodell“ (das wie bereits beschrieben ausserhalb von Berlin ja der Grossteil aller Eltern so lebt) akzeptiert und finanziell unterstützt wird. Du kannst gleichzeitig aber nicht akzeptieren, dass Eltern, die andere Modelle leben, mehr Geld haben, ihre Kinder in die Kita geben, das vielleicht sogar noch als bereichernd und toll für ihre Kinder finden. Und das ist wohl der Knackpunkt: du fühlst dich benachteiligt, obwohl du es deiner Meinung nach ja besser machst als die anderen. Ich sehe da ehrlich gesagt keine Benachteiligung. Du hast doch finanziell und beruflich die Möglichkeit, drei Jahre zu pausieren. Und du hast dich doch dafür entschieden, die nächsten Jahre nicht zurückzugehen mit drittem Kind usw. Das scheint doch offenbar alles prima zu funktionieren (mit Einbussen, aber die haben Mütter mit Teilzeit-Job und hohen Kitagebühren doch sowieso auch). Deshalb kann ich diese Propaganda nicht verstehen. Bist du dir sicher, dass du wirklich deinen Weg gefunden hast, oder kann das sein, dass du innerlich doch irgendwie kämpfst?

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 12:40

1. Ich bin mir ganz sicher mit meinem Weg, das darfst du mir glauben. 2. Du unterstellst mir Vorwürfe durch eine bestimmte Wortwahl. Das sind für mich einfach sachliche Beschreibungen und keine ideologischen Begriffe. Die Gelassenheit, das sagte ich bereits mehrmals, nehme ich persönlich in meinem persönlichen Bekanntenkreis so wahr, das kann ich nicht ändern. 3. Bei mir funktioniert es gut, ja. Bei vielen anderen aber nicht, und für die setze ich mich ein. Ich glaube, an dieser Stelle führt die Diskussion im Internet gegen eine Wand. Ein persönlicher, direkter Austausch wäre da m.E. sinnvoller, damit sich nicht um Begrifflichkeiten gestritten werden muss...

Mimi — Mi, 03/15/2017 - 13:42

Da gebe ich dir Recht, das führt zu nix. Was meinst du damit, dass du dich für diejenigen einsetzt, “bei denen es nicht funktioniert?“ Was nicht funktioniert? Dass sie drei Jahre zuhause bleiben? Weil sie das wollen und finanziell nicht können? Und du meinst da helfen solche Interviews?

Iris — Sa, 04/27/2019 - 15:03

Liebe Noemi, vielen Dank für Deinen Beitrag und dass Du für Deine Kinder da bist. Deine Kinder werden es Dir später danken. Die Krippenbefürworter sehen es aus der Erwachsenen-Perspektive - Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und das die Frau nicht den Anschluss im Beruf verliert, sowie die Rentenpunkte. Du siehst es aus der Perspekte der Bedürfnisse von Kindern - Bindungsforschung. Ich finde das toll! Alles Gute Dir und Deiner Familie:-)

Franziska — Mi, 03/15/2017 - 08:45

nein nein, im Aus bin ich nicht, eher mitten im Leben und nicht in meiner Nurmutter-Blase ;). Weiß ich doch,wo das Zitat her ist, nur eben von der Formulierung her total veraltet und nicht mehr der Lebensrealität vieler Familien entsprechend,zum Beispiel derer die eben nicht verheiratet sind. Wir sind doch gleichauf in demPunkt, dass jede/r selbst entscheiden soll. Aber die gleichwertige Unterstützung ist eben diskussionswürdig. In meinen Augen wird das anachronistische Alleinverdienermodell zu stark gefördert.Ich bin für Abschaffung des Ehegattensplittings und dafür bessere Förderung von Familien mit Kindern, egal ob Trauschein oder nicht.Du nimmst aber in meinen Aufen kaum wahr, dass Dein Familienmodell aktuell schon sehr stark gefördert wird. Der Staat verliert mehr durch Ehegattensplitting als er für die Kitaplätze ausgibt. Und böse gesagt zahlen die arbeitenden Muttis für dich die Krankenkasse mit.

Noemi — Mi, 03/15/2017 - 08:52

Solange es das Ehegattensplitting gibt, profitieren verheiratete Doppelverdiener-Eltern davon genauso wie verheiratete Nicht-Eltern und wie verheiratete Ein-Verdiener-Paare. Von mir aus abschaffen und nur Eltern steuerlich bevorzugen, ob verheiratet oder nicht.

Lea — Mi, 03/15/2017 - 15:00

Hallo. Es hat sich doch schon längst gezeigt, dass es in Beziehungen auf die Qualität und nicht die Quantität ankommt. Auch in der Beziehung zum Kind. Im Endeffekt ist es doch dieses Prinzip was wir auch den Vätern zu gestehen. Ein Vater verbringt viel Zeit mit dem Arbeiten/ dem Geld verdienen /Absichern der Familie und die Zeit die er mit seinem Nachwuchs verbringt ist wertvoll. Warum gestehen Mütter sich das so ungern zu? Bzw kritisieren andere Mütter die dieses Prinzip leben? Ihr kennt doch sicher alle diesen Spruch dass es ein ganzes Dorf braucht um ein Kind groß zu ziehen? Warum werden Eltern dann kritisiert wenn sie ihre Kinder andere Einflüsse ermöglichen, zB durch den Kindergarten Besuch? Hier werden Beispiel von anderen Ländern angeführt, wo es anders, vermeidlich besser läuft. Aber seien wir doch Mal dankbar für das was wir haben. Die Wahlmöglichkeiten die uns Frauen zustehen. Das macht es für niemanden immer einfach. Ihr wisst schon, wer die Wahl hat, hat die.... Wir Frauen haben doch in der Weltgeschichte noch garnicht so lange die Möglichkeit frei für uns und unsere Kinder zu wählen. Lasst uns doch darüber froh sein und uns immer vor Augen führen, dass jede Mama für ihr Kind nur das Beste will. Und hoffen das wir die Größe haben sie darin zu unterstützen, auch wenn das vielleicht nicht unseren Ansichten entspricht.

Iris — Sa, 04/27/2019 - 16:06

Liebe Lea, gerade für Kinder unter drei Jahren ist die Quantität der Zeit in der 1:1 Betreuung mit der konstanten Bezugsperson wichtig. Es ist nicht wichtig, das Kind in einer Qualtitätszeit zu bespaßen, sondern immer in der Nähe zu sein; ihm Zeit, Liebe, Zuwendung und Geborgenheit zu schenken. Das geht übrigens auch bei den täglichen Hausarbeiten; hauptsache, das Kind sieht, riecht und fühlt auch seine Bezugsperson. Eine Wahlfreiheit haben wir Frauen nicht; würde es sie geben, würden viel mehr Mütter die ersten drei Jahre beim Kind zu Hause bleiben. Heute ist die Familie in vielen Fällen auf ein zweites Einkommen angewiesen aufgrund des Niedriglohnbereiches. Aus vielen Gesprächen mit Eltern, insbesondere Müttern (als ich noch in Kitas gearbeitet habe), weiß ich, dass die meisten Mütter sehr gerne drei Jahre beim Kind zu Hause geblieben wären, es finanziell aber nicht machbar war. Sie waren sehr traurig darüber, ihre Kleinen so frühzeitig in die Ganztagsbetreuung geben zu müssen. Die Kleinen weinen und schreien ja auch nach ihren Mamas und Papas. Die ganz stillen, die scheinbar pflegeleicht und angepasst sind, leiden am meisten unter der Fremdbeteuung. Um nicht noch mehr Stress zu haben, passen sie sich an und leiden still. Studien aus der Bindungs-und Stressforschung belegen, dass eine Gruppenbetreuung (bei mehr als drei Kindern) Kindern unter drei Jahren schadet. Der Spruch "ein ganzes Dorf erzieht ein Kind" ist bei einer Kitabetreuung nicht passend. Denn ein Dorf besteht aus vielen Erwachsenen und Kindern. In den Kitas kommen aber mehr als 8 Kinder (in der Krippe) und mehr als 15 Kinder (in der Kindergartengruppe) auf einen einzigen Betreuer. Oft sind es noch mehr Kinder. Also wenige Erwachsene und ganz viele Kinder. Die Kindergruppen platzen aus allen Nähten.

BerlinBound — Mi, 03/15/2017 - 15:31

Danke für das Interview! Ich finde Noemis Perspektive auf die Dinge sehr interessant und habe sie persönlich nicht als herabwertend ggü. anderen Familienmodellen wahrgenommen. Auch die Diskussion im Anschluss verfolge ich mit großem Interesse und finde sie sehr bereichernd. Nur würde ich mir wünschen, dass in den Kommentaren etwas weniger Angriffslust und etwas mehr gegenseitiges Verständnis durchkäme. Sehr gerne mehr (respektvollen) Austausch zu diesem so wichtigen Thema!

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