Mein Sohn, das Problemkind? Hätte doch nur einer – außer uns – an ihn geglaubt!

Ein November-Nachmittag 2013. Das Licht versenkt sich im Boden, die Blätter wirbeln durch die Luft, von der Sonne ist nichts zu sehen an diesem Tag. Ich komme gerade mit meinem Hund vom Feld zurück, wo wir vom Wind uns haben treiben lassen und Regen und Nässe uns durchgepustet haben.

Nun fahre ich meinen Computer in meinem kleinen und gemütlichen Büro wieder hoch. Drei Nachrichten aus Moritz‘ Internat. Mein Herz klopft schneller. Sie kommen vom Klassenlehrer, vom Erzieher, vom Schulleiter. Alles schlechte Nachrichten. Niederschmetternde Nachrichten, die kein gutes Haar an meinem jüngsten Sohn lassen. Keine einzige Ermutigung, kein gutes Wort, nicht der kleinste Hoffnungsschimmer scheinen durch die bleischweren Nachrichten.

Warum unser jüngster Sohn ins Internat kam

Warum ist Moritz überhaupt im Internat am Niederrhein, einer katholischen Einrichtung mit Klosterkirche, straffen Strukturen und einer strengen Ordnung? Genau aus diesen Gründen. Weil die Pubertät bei ihm so stark gewirkt hat, unser Familienleben derart heftig durcheinandergewirbelt hat, Moritz in der Schule und auch sonst komplett abgedriftet ist, dass ich ihn mit dieser Entscheidung einfach retten wollte.

Moritz ist unser drittes Kind. Die beiden Großen sind acht und zehn Jahre älter und haben längst ihren Weg gemacht. Als mein erster Sohn in die Pubertät kam, und die anderen Mütter geschimpft haben, was das mit ihnen macht, habe ich einfach geschwiegen. Denn das kannte ich von ihm nicht.

Philipp war besonnen, ruhig, zielstrebig, immer ansprechbar. In der Schule hatte er einen einfachen Plan: Er wollte ein sehr gutes Abitur machen. Das ist ihm gelungen. Sein Freundeskreis war solide, alle gingen bei uns ein und aus, Alkoholexzesse gab es nicht, Vereinbarungen hielt er immer ein.

Katharina, unsere Tochter, war schon anders. Deutlich lebhafter, hebelte sie Zusagen auch manchmal aus. Sie wechselte die Schule, wechselte ihre Freundinnen, wechselte ihren Style. Bis heute. Und doch hat sie ein gutes Abitur gemacht und ist längst im Berufsleben angekommen.

Das dritte Kind wirbelte alles durcheinander

Moritz hat alles anders gemacht. Vom ersten Moment seiner Geburt an. Wenn Philipp geschlafen und Katharina geschrien hat, sah Moritz mich bloß mit großen Augen an. Hier bin ich, schien er zu sagen. Er war schon immer extrem willensstark.

Zwei Jahre hat er nicht durchgeschlafen. Schon als kleiner Junge weigerte er sich, zum Friseur zu gehen. Besuche bei der Kinderärztin waren eine Katastrophe, einfache Handhabungen wie Zähneputzen oder die Gabe von Medikamenten eine große Kraftprobe. Wobei er stets zu Extremen neigte. Entweder ließ er alles wortlos über sich ergehen oder er machte solch ein Theater, dass nichts mehr ging und die Ärztin ihren Dienst einstellte.

Kindergarten und Grundschule meisterte er mit Leichtigkeit. Beim ersten Elternsprechtag ließ die Direktorin mich wissen, dass er weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe. Doch ein Zeugnis mit lauter Einsen und Zweien fand ich in Ordnung, und so sahen wir keinen Grund, etwas zu ändern.

Moritz wechselte auf ein Gymnasium. Die ersten drei Jahre verliefen gut, obwohl ich bei jedem Elternsprechtag das Gleiche hörte. Er würde sich zu wenig am Unterricht beteiligen, schnell abgelenkt und nicht bei der Sache sein.

Unterfordert? War Moritz einfach hochbegabt?

Sein Klassenlehrer riet mir, ihn testen zu lassen. Er vermutete eine mathematische Hochbegabung. Moritz würde neue Sachverhalte in Minuten verstehen, dann abschalten und den Clown spielen. Wir haben seinen Rat zunächst nicht befolgt.

Mein Mann, Professor für theoretische Physik, war sicher, dass Begabungen sich auch so durchsetzen. Und ich ließ es laufen. Fehler haben wir gemacht, Fehler hat auch die Direktorin der Grundschule gemacht. Moritz hätte eine extra Förderung gebraucht, um herausgefordert zu werden. So hat sich ein klassischer Underachiever mitten unter uns entwickelt, der bis zum Abitur vor zwei Jahren niemals gelernt hat, zu lernen.

In Klasse acht blieb er sitzen, haarscharf. Für mich war es ein Abklatschen der Lehrer, eine Strafe für unangepasstes Verhalten. Aber da Moritz mit noch knapp fünf Jahren schon eingeschult worden war und ohnehin inzwischen auf G8 umgestellt war, war ein Jahr nicht von Belang. Dann hätte er mit normalem Verlauf ohnehin schon mit 17 Jahren sein Abitur gemacht.

Moritz blieb sitzen, wiederholte Klasse 8

So wiederholte er die Klasse Acht in seiner alten Schule, und nach drei Monaten war der Alltag dort vorbei. Im November 2012 ging ich zum ersten Elternsprechtag in seiner neuen Klasse.

Als ich mit drei seiner Lehrer in Latein, Deutsch und Mathematik gesprochen hatte, die ihm schon jetzt, drei Monate vor Zeugnisausgabe Ende Januar, androhten, sowieso eine Fünf zu geben, egal, welche Anstrengungen er noch unternähme, wusste ich, dass Moritz auf dieser Schule keine Chance mehr haben würde. Und bei zweimaligem Sitzenbleiben seine Zeit auf dem Gymnasium vorbei sein würde.

Also vereinbarte ich für den kommenden Vormittag einen Termin im Internat am Niederrhein. Es war mir empfohlen worden, und da ich selbst Internatserfahrung hatte, die ich sehr schätzte, weil sie mir Halt und Struktur gegeben hat, die ich zuhause nicht haben konnte, dachte ich, dass es für Moritz eine gute Entscheidung sein könnte. Am 12. November 2012 zog Moritz ins Internat nach Goch.

Die erste Zeit im Internat

Die erste Zeit auf dem Internat und in der neuen Schule waren für Moritz sehr aufregend. Und ich habe ihn, obwohl die Stimmung zu Hause vom einen auf den anderen Moment entspannt war, weil es kein Türenknallen, kein Geschrei mehr gab, schrecklich vermisst. Körperlich vermisst, mein Herz tat weh.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, und ich besuchte ihn, so oft ich konnte. Da er nur alle zwei Wochen Heimfahrt hatte, fuhr ich an den übrigen Wochenenden immer hin und manchmal auch unter der Woche. 

Moritz wurde in Klasse Neun versetzt. Im ersten Halbjahr hatte er dann auf dem Zeugnis acht Fünfen und eine Sechs. Die Sechs in Sport, weil er sich geweigert hatte, im Schulschwimmbad, das er schmuddelig fand, mitzuschwimmen. Solch ein Zeugnis hatten wir noch nie gesehen. Ich war verzweifelt, ratlos und sah kaum noch Perspektiven für den Verbleib von Moritz auf dieser Schule.

Wir ließen unseren Sohn ärztlich durchchecken

Gleichzeitig riet uns der Erzieher von Moritz, mit ihm eine Psychologin aufzusuchen, um abzuklären, ob er eine Psychose habe, vielleicht autistisch sei oder Depressionen auszuschließen seien. Wir stimmten zu und nur einige Tage später hatten wir einen gemeinsamen Termin mit Moritz, dem Erzieher, der Psychologin und eben uns in einer Fachklinik.

Nach zwei Wochen bekamen wir ihre Diagnose per Post. Moritz sei ein höflicher junger Mann, der zugegeben habe, dass die strengen Strukturen im Internat ihm helfen. Er zeige keinerlei Anzeichen einer psychischen Störung und sie wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Wir waren beruhigt, obwohl ich wusste, dass Moritz einfach nur von der Pubertät gepackt war und keine der Zusagen, die Erwachsene von ihm forderten, einhalten wollte. Die Erwachsenenwelt wollte immerzu von ihm Dinge, die er nicht bereit war, zu geben. So einfach war das. Ich habe immer an Moritz geglaubt und ihn verstanden. Ich war ihm immer sehr nah.

Ohne Diagnose weiter durch Klasse 9

Ach ja, die Klasse Neun hat er übrigens noch geschafft. In Sport bekam er eine Zwei, weil er gerne und gut Badminton spielte und in allen anderen Fächern holte er so auf, dass seine Versetzung nicht gefährdet war. Eine riesengroße Zitterpartei für Moritz, aber auch für mich und meinen Mann und seine Geschwister. Alle hatten mitgefiebert.

In mir wuchs aber der Unmut, nein – die Verärgerung und Wut über die Macht der Lehrer. Ich habe mit drei Kindern an drei Gymnasien sehr viele Lehrerinnen und Lehrer kennengelernt, mehr, als die meisten anderen Mütter.

Mein Fazit: Es gibt viele schlechte und einige gute. Ich würde sagen: Lieber gar kein Lehrer als ein schlechter Lehrer. Ein guter Lehrer ist für mich ein Mensch, der ein Kind ermutigt. Es lobt, auch wenn es scheinbar wenig oder nichts zu loben gibt. Denn es ist alles eine Frage der Perspektive. Ich kann ein vernichtendes Urteil fällen oder ich kann Hoffnung vermitteln, etwas Gutes finden, das ausgebaut werden kann.

Schüler brauchen Lehrer, die sie ermutigen

Meine Erfahrung ist, dass ein Kind, das von seinem Lehrer, seiner Lehrerin ermutigt wird, die an ihn, an sie glaubt, für diesen Menschen durch’s Feuer geht und Leistung zeigt. Ermutigung ist so wichtig, besonders in den Jahren, in denen das Leben da draußen unsere Heranwachsenden so fordert fordert.

Der Philosoph Richard David Precht hat schon oft vorgeschlagen, dass ein Jugendlicher zwischen dem 14. und dem 17. Lebensjahr keine Schule besuchen, sondern das Leben erproben soll. In dieser Zeit werden so viele Synapsen im Hirn miteinander verknüpft, dass für das ganz normale Regelwerk und den oftmals langweiligen Unterricht einfach keine Zeit bleibt.

Wenn der Jugendliche dann Zeit und Muße hat, könne er die Schule mit Leichtigkeit nachholen. Ein mutiger Gedanke, den ich unterstütze. Ja, Mut und Ermutigung haben Moritz in diesen Jahren gefehlt. Mir auch.

Oft, wenn diese Nachrichten am Nachmittag per Mail oder immer samstags per Post kamen, war mein Tag, mein Wochenende verdorben. Schwarze und schwärzeste Gedanken ergriffen rückhaltlos Besitz von mir. Ich zog die Vorhänge zu und konnte nichts anderes mehr tun, als mich zu sorgen.

Als Mutter verkroch ich mich, hatte nur noch Sorgen

Ich habe alles abgesagt, was mir gut tat. Freundinnen treffen, zum Ballett gehen, die Klavierstunde wahrnehmen, ausgehen. Ich versteckte mich zu Hause und machte mir nur Sorgen.

Hätte es in dieser Zeit nur EINEN Menschen außerhalb der Familie gegeben, der gesagt hätte, dass alles eine Frage der Zeit ist, dass Moritz einen guten Kern hat, dass er sich ganz sicher entwickeln wird, dass ich mir nicht endlos Sorgen um ihn machen müsse – das hätte mir riesig geholfen. 

So war ich umgeben von meinem Mann, Moritz‘ Geschwistern, meiner Mutter, die manchmal einfach sprach- und ratlos waren. Genauso wie ich.

Also beschloss ich, mir meine übergroßen Sorgen um Moritz von der Seele zu schreiben. Ich begann, einen Leitfaden in zehn Schritten zu entwickeln, der mir wie ein Gerüst, an dem ich mich an schwachen Tagen hochhangeln konnte, helfen solle.

Ein Zehn-Punkte-Programm, das wirklich einfach und einleuchtend klingt. Eins ist Vertrauen in Ihr Kind. Endlos und ohne Punkt am Horizont. Zwei ist feste Regeln aufstellen, an die das heranwachsende Kind sich halten muss. Und es drohen bei Nichteinhaltung keine Strafen, sondern es winkt eine Konsequenz, damit der Jugendliche begreift, welche Folgen sein Handeln hat.

Der Punkt Vier, die richtige Schule suchen, nimmt am meisten Raum ein, weil das einer der größten Herausforderungen für mich war. In Kurzform ist es so: Die richtige Schule ist die, auf die unser Kind gern geht. So einfach ist das.

Mein 10-Punkte-Programm zum Durchhalten

Aus diesem 10-Punkte-Programm habe ich ein Buch entwickelt, das ich mit lauter persönlichen Anekdoten angereichert habe. Es ist 200 Seiten dick und hat ein hübsches Cover in Türkis mit schöner Schrift. Es heißt: "Nur Mut. Die Erfahrungen einer Mutter. Eigentlich kein Ratgeber für Eltern herausfordernder Kinder." 

Ich habe das Manuskript an viele Verlage geschickt, die wussten es aber nicht einzuordnen. Es sei ja kein reiner Ratgeber und auch kein reiner Roman. Niemand wollte es drucken. So druckte ich es auf eigene Faust und übernahm die Vermarktung selbst. 

Wie geht es uns heute? Moritz hat vor zwei Jahren Abitur gemacht und studiert nun Jura. Er hat die Pubertät überwunden und räumt manchmal ein, dass er uns und vor allem mir ja richtig „Ärger“ gemacht habe.

Ich sage dann, dass er einfach eine Herausforderung und niemals eine Last war. Und dass ich ihn sehr liebe. Er glaubt mir das, weil es so ist. Von daher bin ich froh über die Erfahrungen mit Moritz. Sie haben mir viel gebracht.

Ach und noch etwas: Bevor ich das Buch habe drucken lassen, hat Moritz es gelesen. Komplett und vollständig. Hätte er Bedenken gehabt, hätte ich es nur in sehr kleiner Stückzahl für unsere Familie drucken lassen. Aber er war ganz lässig und entspannt und gab sein OK. Wir sind uns immer noch sehr nah.

 

—– Infos zur Autorin: Gabriele Schreckenberg, Jahrgang 1960, Journalistin und Autorin, lebt mit ihrem Mann, einem Professor für Physik, in Duisburg. Ihre drei Kinder sind erwachsen. Das Buch „Nur Mut. Erfahrungen einer Mutter“  ist ihr erstes Buch und kann unter: texte@gabriele-schreckenberg.de bestellt werden. Mehr Infos auch unter: www.gabriele-schreckenberg.de

 

 

Du magst vielleicht auch

14 Kommentare

  1. Ich bin so froh…
    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag und die Seite überhaupt…
    Seit Wochen suche ich genau so etwas….etwas das mich bestärkt, das mir etwas Angst nimmt, mich vielleicht wieder ruhiger schlafen lässt, mir Mut gibt, auch an mich zu glauben, dass ich es schaffe, meinen Sohn weiter zu tragen , zu führen, im Hintergrund, für ihn stark zu sein und auch weiter an ihn zu glauben, dass er seinen Weg gehen wird….
    Mein Sohn Nick ist 16,5 Jahre alt und gerade mitten in der Pubertät….

    Danke, herzliche Grüße
    Isabell

  2. Ich bin so froh…
    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag und die Seite überhaupt…
    Seit Wochen suche ich genau so etwas….etwas das mich bestärkt, das mir etwas Angst nimmt, mich vielleicht wieder ruhiger schlafen lässt, mir Mut gibt, auch an mich zu glauben, dass ich es schaffe, meinen Sohn weiter zu tragen , zu führen, im Hintergrund, für ihn stark zu sein und auch weiter an ihn zu glauben, dass er seinen Weg gehen wird….
    Mein Sohn Nick ist 16,5 Jahre alt und gerade mitten in der Pubertät….

    Danke, herzliche Grüße
    Isabell

  3. „In der Schule hatte er einen
    „In der Schule hatte er einen einfachen Plan: Er wollte ein sehr gutes Abitur machen. Das ist ihm gelungen“
    „Und doch hat sie ein gutes Abitur gemacht und ist längst im Berufsleben angekommen.“
    „Doch ein Zeugnis mit lauter Einsen und Zweien fand ich in Ordnung, und so sahen wir keinen Grund, etwas zu ändern.“
    #Mein Mann, Professor für theoretische Physik, war sicher, dass Begabungen sich auch so durchsetzen“

    Lese hier relativ still viele Beiträge mit, aber hier vergeht mir ehrlich gesagt der Spass am Lesen. Ich kann es nicht beschreiben, aber diese Mischung aus akademischen Bildungsbürgertum, guter Kern ist mir zu hochsterilisiert und macht für mich die Geschichte nicht grad glaubhafter.

  4. „In der Schule hatte er einen
    „In der Schule hatte er einen einfachen Plan: Er wollte ein sehr gutes Abitur machen. Das ist ihm gelungen“
    „Und doch hat sie ein gutes Abitur gemacht und ist längst im Berufsleben angekommen.“
    „Doch ein Zeugnis mit lauter Einsen und Zweien fand ich in Ordnung, und so sahen wir keinen Grund, etwas zu ändern.“
    #Mein Mann, Professor für theoretische Physik, war sicher, dass Begabungen sich auch so durchsetzen“

    Lese hier relativ still viele Beiträge mit, aber hier vergeht mir ehrlich gesagt der Spass am Lesen. Ich kann es nicht beschreiben, aber diese Mischung aus akademischen Bildungsbürgertum, guter Kern ist mir zu hochsterilisiert und macht für mich die Geschichte nicht grad glaubhafter.

  5. Danke
    Sehr berührend und ja, endlich ist da eine Mama, die aus ihrem Herzen voller Wahrhaftigkeit schreibt.
    Und wie sehr hätte ich mir diese Worte schon früher gewünscht, um zu spüren, nicht alleine zu sein.

  6. Danke
    Sehr berührend und ja, endlich ist da eine Mama, die aus ihrem Herzen voller Wahrhaftigkeit schreibt.
    Und wie sehr hätte ich mir diese Worte schon früher gewünscht, um zu spüren, nicht alleine zu sein.

  7. Wow..
    Ich bin gerade sehr beeindruckt von diesem Beitrag (der sehr ehrlich, klug und authentisch auf mich wirkt) und den Kommentaren, die dem in nichts nachstehen. Ich danke euch allen für eure Offenheit!
    Auch mir ist ein ganz bestimmter Satz im Kopf geblieben, der bei mir einen Aha- Effekt bewirkt hat: „die richtige Schule ist die, in die er gern geht“
    Du hast völlig Recht! Das hat mir im Bezug auf meine Kinder die Augen geöffnet, dafür danke ich dir.

  8. Wow..
    Ich bin gerade sehr beeindruckt von diesem Beitrag (der sehr ehrlich, klug und authentisch auf mich wirkt) und den Kommentaren, die dem in nichts nachstehen. Ich danke euch allen für eure Offenheit!
    Auch mir ist ein ganz bestimmter Satz im Kopf geblieben, der bei mir einen Aha- Effekt bewirkt hat: „die richtige Schule ist die, in die er gern geht“
    Du hast völlig Recht! Das hat mir im Bezug auf meine Kinder die Augen geöffnet, dafür danke ich dir.

  9. Wow…
    Liebe Gabriele,
    eigentlich bin ich stille Mitleserin auf diesem Blog. Heute muss ich eine Ausnahme machen und mich zu Wort melden. Was für ein Fazit: „Ich sage dann, dass er einfach eine Herausforderung und niemals eine Last war. Und dass ich ihn sehr liebe.“ Dein Sohn kann sich sehr, sehr glücklich schätzen, eine Mama zu haben, die vor diesem Hintergrund diese Worte wählt. Ich selbst bin Mama zweier kleiner Kinder und war nach Meinung meiner Eltern ein schwieriges Kind und ein noch schwierigerer Teenager. Was in diese Richtung gehende, spaßig verpackte Anekdoten und Aussagen mit meinem Selbstwertgefühl angerichtet haben, merke ich eigentlich erst jetzt so richtig. Ich habe den festen Vorsatz, das bei meinen Kindern anders und vor allem respektvoller zu machen und werde mir dich als Vorbild nehmen. Ich habe große Hochachtung und danke dir für deinen grundehrlichen, schwierigen, wunderschönen Text.

  10. Wow…
    Liebe Gabriele,
    eigentlich bin ich stille Mitleserin auf diesem Blog. Heute muss ich eine Ausnahme machen und mich zu Wort melden. Was für ein Fazit: „Ich sage dann, dass er einfach eine Herausforderung und niemals eine Last war. Und dass ich ihn sehr liebe.“ Dein Sohn kann sich sehr, sehr glücklich schätzen, eine Mama zu haben, die vor diesem Hintergrund diese Worte wählt. Ich selbst bin Mama zweier kleiner Kinder und war nach Meinung meiner Eltern ein schwieriges Kind und ein noch schwierigerer Teenager. Was in diese Richtung gehende, spaßig verpackte Anekdoten und Aussagen mit meinem Selbstwertgefühl angerichtet haben, merke ich eigentlich erst jetzt so richtig. Ich habe den festen Vorsatz, das bei meinen Kindern anders und vor allem respektvoller zu machen und werde mir dich als Vorbild nehmen. Ich habe große Hochachtung und danke dir für deinen grundehrlichen, schwierigen, wunderschönen Text.

  11. Verlorene Brüder
    Hallo Mama von Moritz,

    Danke für deine ungefilterte Geschichte; ich habe mich und auch unseren Sohn darin wirklich wiedererkannt. Luc ist unser erstes von drei Kindern. Auch bei ihm schlug die Pubertät zu wie der Hammer bei „hau den Lukas“ auf die Plattform. Luc war da erst 11, hatte die Grundschule verlassen und war in der 5. Klasse des Gymnasiums. Aber von Anfang an.. Luc war auch schon als Baby …anders.. ich möchte wirklich „anders“ und nicht „besonders“ sagen. Er wollte nie so viel kuscheln wie andere Kinder oder getröstet werden. Anziehen von unbequemen Sachen wie Matschhosen waren ein zeitraubender Kampf . Ich war schon früh davon überzeugt, dass mein kleiner Sohn „nicht ganz normal“ war. Doch auch Ergotherapie, Spieltherapie und letztlich eine psychosomatische Reha brachten keine wirklichen Ergebnisse, außer der Bestätigung, dass er sehr willensstark sei. Im Kindergarten viel er durch philosophische Vorträge über die ältesten Knochen, die jemals auf der Welt gefunden wurden, auf. Wir haben viele dieser Themen gar nicht mit ihm besprochen und dennoch schien er einen großen Wissensschatz zu besitzen. Gespielt hat er mit Ameisen, Knochen und liebte Gespräche mit Erwachsenen.Auch damals bekamen wir regelmäßig den Rat, Luc auf Hochbegabung testen zu lassen. Luc mochte den Psychologen auf Anhieb nicht und versicherte mir im Wartezimmer beim zweiten Besuch, dass er genau wisse, was er tun müsse, damit „der Mann ihn in Ruhe lasse“. Raus kam eine Inselbegabung in Mathe und logischem Denken. In der Grundschule gab es einen einzigen Lehrer, der mit ihm sehr gut zurecht kam. Der hatte es aus Luc’s Sicht auch verdient, dass er bei ihm mitarbeiten würde… Doch insgesamt gab es so viele Eskalationen, dass wir uns wieder nach einer Psychologin umsahen. Sie schien uns endlich mal zuzuhören und ermutigte uns, ihrem Rat zu folgen, unseren damals 7-Jährigen in eine vollstationäre Kinderpsychiatrische Einrichtung zu geben, um den hochgradigen Verdacht auf Asperger Autismus in Verbindung mit Hochbegabung überprüfen zu lassen. Schweren Herzens stimmten wir und auch Luc zu. Es war eine schwere Zeit und ich würde mich vermutlich nicht wieder dafür entscheiden, heraus kam keine Diagnose, lediglich Züge eines autistischen Verhaltens wurden bestätigt. Auf dem Gym war es wie vorher, Luc entscheid rein nach Sympathie, ob er sich gut oder schlecht benehmen würde. Er war nicht haltbar und nach einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Direktor sahen auch wir uns Internate an, denn unser Familienleben war bestimmt durch Schule und die damit verbundenen Probleme.Zunächst entschieden wir uns gegen ein Internat, weil Luc es als ein Weggeben empfand. Ein halbes Jahr und zig Gespräche und Katastrophen später bat er selbst darum, sich noch eines anzusehen. Wir finanzierten das Internat selbst, denn das Jugendamt ins Boot zu holen kam für mich nicht infrage; denn es war mein Arbeitgeber! Mit knapp 2000 € im Monat war das für uns heftig viel Geld und ein Lebenswandel war unvermeidbar. Wenn Luc sich auch wohl fühlte, so bekam er diesen Wandel in den nächsten 1,5 Jahren mit. Er bat um ein Gespräch und sprach über sein schlechtes Gewissen, was er habe, weil der Rest der Familie sich wegen seines Benehmens (so nannte er es) einschränken musste. Nachdem wir ihm deutlich klar machten, dass wir sehr zufrieden waren mit seinem schulischen Verlauf und Einschränkungen gern in Kauf nahmen, um als Familie glücklich zu sein, verfolgen wir diesen Weg weiter. Doch Luc suchte immer wieder das Gespräch und konnte mit der Zeit merken, dass wir ihm auch als Familie fehlten, dass er nicht länger Lehrer nach ihrer Frisur und Kleidung beurteilen und mitarbeiten konnte. Er bat darum, dass er bei uns im Ort auf die Gemeinschaftsschule gehen dürfte. Da wir uns sicher waren, dass Luc verstanden hatte, dass es auch an seiner Haltung lag, mit Lehrern und Schulthemen zurecht zu kommen und er nicht aus Geldgründen den Wechsel anstrebte, stimmten wir zu. Luc geht jetzt in die 9. Klasse, ist 15 Jahre alt und pubertiert noch vor sich hin. Allerdings haben wir jetzt das Gefühl, dass er das in dem Rahmen tut wie andere Jugendliche auch. Er sprengt nicht mehr den Rahmen, zeigt sich auch seinen Geschwistern gegenüber verantwortungsbewusst und liebevoll. In der Schule macht er noch immer nur das Nötigste, kommt aber gut zurecht. Er entwickelt allmählich eine berufliche Perspektive und möchte nach seinem Abitur studieren. Zur Zeit macht er seinen Mofa-Führerschein und hat seit ein paar Monaten eine tolle Freundin. Wir denken, dass wir den Sturm überstanden haben und uns „nur“ die Pubertät ein wenig früh und heftig erwischt hat. Ich hätte diesen Artikel gern vor ein paar Jahren gelesen, es hätte mir Mut gemacht, dass wir uns in einer Phase befinden, die vorübergehen wird. In diesem Sinne wünsche ich auch allen anderen Eltern, die heftigen Seegang zu Hause haben, ein wenig Mut, um durchzuhalten, den Glauben an ihr Kind nicht zu verlieren und den Kampf als Paar gemeinsam zu meistern!
    Für euch alles Gute, Moritz‘ Mama!
    Herzlichst,
    Jette

  12. Verlorene Brüder
    Hallo Mama von Moritz,

    Danke für deine ungefilterte Geschichte; ich habe mich und auch unseren Sohn darin wirklich wiedererkannt. Luc ist unser erstes von drei Kindern. Auch bei ihm schlug die Pubertät zu wie der Hammer bei „hau den Lukas“ auf die Plattform. Luc war da erst 11, hatte die Grundschule verlassen und war in der 5. Klasse des Gymnasiums. Aber von Anfang an.. Luc war auch schon als Baby …anders.. ich möchte wirklich „anders“ und nicht „besonders“ sagen. Er wollte nie so viel kuscheln wie andere Kinder oder getröstet werden. Anziehen von unbequemen Sachen wie Matschhosen waren ein zeitraubender Kampf . Ich war schon früh davon überzeugt, dass mein kleiner Sohn „nicht ganz normal“ war. Doch auch Ergotherapie, Spieltherapie und letztlich eine psychosomatische Reha brachten keine wirklichen Ergebnisse, außer der Bestätigung, dass er sehr willensstark sei. Im Kindergarten viel er durch philosophische Vorträge über die ältesten Knochen, die jemals auf der Welt gefunden wurden, auf. Wir haben viele dieser Themen gar nicht mit ihm besprochen und dennoch schien er einen großen Wissensschatz zu besitzen. Gespielt hat er mit Ameisen, Knochen und liebte Gespräche mit Erwachsenen.Auch damals bekamen wir regelmäßig den Rat, Luc auf Hochbegabung testen zu lassen. Luc mochte den Psychologen auf Anhieb nicht und versicherte mir im Wartezimmer beim zweiten Besuch, dass er genau wisse, was er tun müsse, damit „der Mann ihn in Ruhe lasse“. Raus kam eine Inselbegabung in Mathe und logischem Denken. In der Grundschule gab es einen einzigen Lehrer, der mit ihm sehr gut zurecht kam. Der hatte es aus Luc’s Sicht auch verdient, dass er bei ihm mitarbeiten würde… Doch insgesamt gab es so viele Eskalationen, dass wir uns wieder nach einer Psychologin umsahen. Sie schien uns endlich mal zuzuhören und ermutigte uns, ihrem Rat zu folgen, unseren damals 7-Jährigen in eine vollstationäre Kinderpsychiatrische Einrichtung zu geben, um den hochgradigen Verdacht auf Asperger Autismus in Verbindung mit Hochbegabung überprüfen zu lassen. Schweren Herzens stimmten wir und auch Luc zu. Es war eine schwere Zeit und ich würde mich vermutlich nicht wieder dafür entscheiden, heraus kam keine Diagnose, lediglich Züge eines autistischen Verhaltens wurden bestätigt. Auf dem Gym war es wie vorher, Luc entscheid rein nach Sympathie, ob er sich gut oder schlecht benehmen würde. Er war nicht haltbar und nach einer heftigen Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Direktor sahen auch wir uns Internate an, denn unser Familienleben war bestimmt durch Schule und die damit verbundenen Probleme.Zunächst entschieden wir uns gegen ein Internat, weil Luc es als ein Weggeben empfand. Ein halbes Jahr und zig Gespräche und Katastrophen später bat er selbst darum, sich noch eines anzusehen. Wir finanzierten das Internat selbst, denn das Jugendamt ins Boot zu holen kam für mich nicht infrage; denn es war mein Arbeitgeber! Mit knapp 2000 € im Monat war das für uns heftig viel Geld und ein Lebenswandel war unvermeidbar. Wenn Luc sich auch wohl fühlte, so bekam er diesen Wandel in den nächsten 1,5 Jahren mit. Er bat um ein Gespräch und sprach über sein schlechtes Gewissen, was er habe, weil der Rest der Familie sich wegen seines Benehmens (so nannte er es) einschränken musste. Nachdem wir ihm deutlich klar machten, dass wir sehr zufrieden waren mit seinem schulischen Verlauf und Einschränkungen gern in Kauf nahmen, um als Familie glücklich zu sein, verfolgen wir diesen Weg weiter. Doch Luc suchte immer wieder das Gespräch und konnte mit der Zeit merken, dass wir ihm auch als Familie fehlten, dass er nicht länger Lehrer nach ihrer Frisur und Kleidung beurteilen und mitarbeiten konnte. Er bat darum, dass er bei uns im Ort auf die Gemeinschaftsschule gehen dürfte. Da wir uns sicher waren, dass Luc verstanden hatte, dass es auch an seiner Haltung lag, mit Lehrern und Schulthemen zurecht zu kommen und er nicht aus Geldgründen den Wechsel anstrebte, stimmten wir zu. Luc geht jetzt in die 9. Klasse, ist 15 Jahre alt und pubertiert noch vor sich hin. Allerdings haben wir jetzt das Gefühl, dass er das in dem Rahmen tut wie andere Jugendliche auch. Er sprengt nicht mehr den Rahmen, zeigt sich auch seinen Geschwistern gegenüber verantwortungsbewusst und liebevoll. In der Schule macht er noch immer nur das Nötigste, kommt aber gut zurecht. Er entwickelt allmählich eine berufliche Perspektive und möchte nach seinem Abitur studieren. Zur Zeit macht er seinen Mofa-Führerschein und hat seit ein paar Monaten eine tolle Freundin. Wir denken, dass wir den Sturm überstanden haben und uns „nur“ die Pubertät ein wenig früh und heftig erwischt hat. Ich hätte diesen Artikel gern vor ein paar Jahren gelesen, es hätte mir Mut gemacht, dass wir uns in einer Phase befinden, die vorübergehen wird. In diesem Sinne wünsche ich auch allen anderen Eltern, die heftigen Seegang zu Hause haben, ein wenig Mut, um durchzuhalten, den Glauben an ihr Kind nicht zu verlieren und den Kampf als Paar gemeinsam zu meistern!
    Für euch alles Gute, Moritz‘ Mama!
    Herzlichst,
    Jette

  13. Wow ich kann die Anspannung
    Wow ich kann die Anspannung &Verzweiflung spüren.aber auch so viel Liebe! Kinder und Jugendliche sollen/müssen einfach oft funktionieren.und manchmal fühlt man sich von den Schulen alleine gelassen, wenn das Kind nicht in Schema F passt.In dem Bereich muss sich so viel tun um individueller begleiten zu können.Das würde.allen helfen.
    Das Buch muss ich unbedingt lesen.
    Vielen Dank für ihre Geschichte.

  14. Wow ich kann die Anspannung
    Wow ich kann die Anspannung &Verzweiflung spüren.aber auch so viel Liebe! Kinder und Jugendliche sollen/müssen einfach oft funktionieren.und manchmal fühlt man sich von den Schulen alleine gelassen, wenn das Kind nicht in Schema F passt.In dem Bereich muss sich so viel tun um individueller begleiten zu können.Das würde.allen helfen.
    Das Buch muss ich unbedingt lesen.
    Vielen Dank für ihre Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*