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29/08/2017 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

"Meine drei Kinder haben drei verschiede Väter" - Interview mit Steffi

Liebe Steffi, Du hast drei Kinder von drei verschiedenen Männern und sagst, dass das ein Lebensmodell ist, das Du Dir nicht erträumt hast. Was hast Du Dir denn früher erträumt?
 
Ja, ich habe zwei Jungs und ein Mädchen. Der eine ist 9 Jahre, der andere wird 5 Jahre und die Kleine ist 2 Jahre alt. Ich hatte mir das - wie viele andere Frauen - so vorgestellt: Mann, Haus, Hochzeit, Kinder und dann zusammen alt werden ... Dass ich mal drei Kinder von drei Männern habe, hätte ich nie für möglich gehalten. 
 
Erzähl mal, warum und wann die Beziehung zu den jeweiligen Vätern kaputt gegangen ist. 
 
Die erste Ehe ist 2010 kaputt gegangen, da war unser Sohn  knapp 2.  Mein damaliger Mann war ein Workaholic, seine Empathie war gleich null. Sex, Blumen oder andere normale Dinge gab es nur, weil es ein Termin im Kalender war. Die Ehe ist letztendlich kaputt gegangen, da er mich für seine damalige neu gegründete Firma als "Strohfrau" benutzt hat und mich dann mit dem kompletten Scherbenhaufen seiner Firma allein gelassen hat.Getrennt habe ich mich. 
Meine zweite Ehe ging nach knapp einem Jahr kaputt. Im Jahre 2014 wurden wir geschieden. Unser gemeinsamer Sohn war zum Zeitpunkt der Trennng auch knapp 2 Jahre alt. Auch diese Beziehung habe ich beendet, da ich es nicht mehr ausgehalten habe mich kontrollieren zu lassen und mich zu fühlen, als würde ich sein Besitz sein. 
Von dem Vater meiner Tochter trennte ich mich, da war die Kleine fünf Monate. Monatelange Lügen, Affären vor, während und nach der Schwangerschaft bis hin zum Erwischen inflagranti im eigenen Haus waren einfach zuviel. 
 
Wie haben die Kinder diese Trennungen erlebt?
 
Die Kinder haben die Trennungen eigentlich gar nicht wahrgenommen, sie waren ja alle noch recht klein und kannten das klassische Familienleben praktisch nicht. Sie sind in die Situation reingewachsen und es ist normal für sie, dass ihre Eltern nicht mehr zusammen leben. 
 
Wie ist das Verhältnis zwischen Vätern und Kindern heute?
 
Die Kinder haben ein super Verhältnis zu ihren Vätern. 
 
Und wie ist das Verhältnis zwischen Dir und Deinen Ex-Männern?
 
Die letzten beiden Väter sind sich charakterlich sehr sehr ähnlich und haben meine vollzogene Trennung als persönliche Niederlage gesehen, mit beiden gab es einen schmutzigen Sorgerechtsstreit vor Gericht. Mein mittlerer Sohn wohnt bei seinem Papa und ist alle 14 Tage bei mir. 
Allgemein kann ich sagen: Es ist mal so, mal so. Eine Woche läuft mal alles entspannt und gut, in der nächsten Woche kann es sein, dass irgendeiner schon wieder durchdreht.
Ich habe das Gefühl, keiner von ihnen kommt mit meinem Lebensstil bzw. damit klar, dass ich mittlerweile in meinem Leben wieder glücklich und zufrieden bin. Der Eine will mir immer erzählen, wie ich mein Leben doch solider führen könnte. Der Andere denkt bei jedem Anruf von mir, wir ziehen in den persönlichen Nahkampf und geht in den ersten Sätzen völlig auf Konfrontation. Und mit dem Letzten ist eine normale Kommunikation leider noch nicht möglich. 
 
Hast Du das Gefühl, dass die Gesellschaft/Freunde/Bekannte über Eure Situation urteilen?
 
Die Gesellschaft schon irgendwie, viele haben ja ihre festen Meinugen und können nicht über den Tellerrand schauen. Wie Anfangs ja gesagt, ich hätte mir das alles auch anders gewünscht. Aber es passiert - und ich habe die Väter geliebt. Aber erkläre das mal anderen Menschen...
Ich bin sehr froh, dass ich meine Kinder alle unabhängig von den Vätern sehen kann und nichts von der Vergangenheit auf die Kinder projiziere. Das erlebe ich nämlich oft bei anderen Frauen, die alleine mit ihren Kindern sind und finde das so schlimm.
 
Meine Freunde sind meine Familie, da urteilt keiner oder gibt doofe Kommentare über meine Situation. Die sind mein Fels in der Brandung, mein Anker im Hafen und einfach wunderbar! 
 
Haben Deine Kinder je doofe Kommentare wegen Eurer Familie bekommen?
 
Mein knapp fünfjähriger Sohn (der ja nicht bei mir lebt) hatte dort vor kurzem ein Erlebnis, im Kindergarten erzählte er vom tollen Urlaub mit mir und dann sagte ein anderes Kind: "Du hast doch gar keine Mama".  Das hat ihn sehr getroffen - aber ich habe das dann direkt aufgeklärt und er war mega stolz, dass es die Mama natürlich gibt und sie auch immer da ist - auch wenn sie im Alltag nicht immer sichtbar ist. 
 
Wie regelt Ihr Feiertage wie Weihnachten und Geburtstage?
Feiertage und Geburtstage sind immer geplant und da gibt es keinen Stress. Der Vater meines ersten Sohnes ist ein Terminmensch - mit dem plane ich immer das kommende Jahr durch und bei jeder Trennung ist der nächste Vater mit in den Rythmus eingestiegen. Es ist zum Beispiel so: Wenn im einen Jahr die Kinder Heiligabend bei mir sind und Silvester bei den Papas, ist es im darauffolgenden Jahr andersrum. Genauso an Geburtstagen. Also das ist bei uns wirklich unspektakulär. 
 
Sind denn die jeweiligen Großeltern auch eingebunden?
 
Ich habe keine Eltern mehr, somit fallen von meiner Seite die Großeltern weg. Mein mittlerer Sohn, der bei Papa lebt, hat seine Grosseltern ständig um sich rum und lebt mit Ihnen genau das, was man sich wünscht. Ich finde das sehr schön und freue mich total für ihn. Meine kleine Tochter hat noch die Großeltern von Papas Seite und auch regelmässigen Kontakt. Für meinen großen Sohn ist es schwer, er hat sehr an meinen Eltern gehangen und beide Todesnachrichten miterlebt. 
Er hat zwar noch eine Oma von Papas Seite, aber das ist eher wie eine Bekannte für ihn, da sein Papa kein gutes Verhältnis zu seiner Mutter hat. 
 

 

Tags: Vaterschaft, Familie, Trennung, Kinder, Patchwork, Umgang

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Kommentare

Flora — Di, 08/29/2017 - 08:33

auf jeden Fall die Art und Weise wie Steffi Beziehungen führt und welche Art Mann sie als Beziehungspartner wählt.

Eva — Di, 08/29/2017 - 09:31

Ich kann das alles sehr gut verstehen. Meine 3 sind auch von unterschiedlichen Vätern. Beim 3. Leben wir aber. Ich weiß, wie schwer es ist, mit dem üblichen, spiessigen Vorurteilen zu kämpfen. Es genügt nicht,dass man sich selber Vorwürfe macht, die Gesellschaft macht es auch. Die Lehrerin meines jetzt 13-jährigen hat mal seinen Betreuer ausgefragt, was denn das bitte für eine Familie ist. Das hat mich sehr verletzt. So eine Lebenssituation plant man nicht. Niemals. Wie alle "normalen " Familien hatten wir den Traum der heilen Familie. Kaum einer guckt über den Tellerrand. Und wer hat sagt denn bitte, dass beim ersten Mann bleiben und sich unglücklich fühlen, der richtige Weg ist? Kriegt mal dann dafür ein Lob? Für das sich opfern? Warum ist der Weg, sein eigens Wohlergehen auch wichtig zu nehmen, falsch? Manchmal passt es auch mit einem neuen Partner und den mitgebrachten Kindern nicht. Dann sind die Kinder womöglich unglücklich. Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch? Oder kann man das vielleicht doch einfach jedem selbst überlassen ohne zu urteilen?

Line — Di, 08/29/2017 - 12:50

Liebe Lisa& Katharina, toll dass ihr immer wieder Themen findet, die aus dem Leben gegriffen sind. Mich machen die zahlreichen geschiedenen Ehen in meinem Bekanntenkreis schon nachdenklich, zumal sie häufig mit finanziellen Problemen (Unterhalt, gemeinsames Haus muss verkauft werden etc.) einhergehen. Bei allem überwiegt aber für mich der Stolz und die Dankbarkeit, dass wir in einem Land wohnen, in dem bei allen schrägen Blicken, Frauen sich heute scheiden lassen können, ohne gesellschaftlich geächtet zu werden. In unserer Elterngeneration kenne ich mehrere Frauen, die sich mit jahrelanger Ankündigung erst getrennt haben, als die Kinder aus dem Haus waren und dann teilweise noch ihrem (Ex-)Mann weiter die Wäsche gemacht haben... Zu Steffis persönlicher Geschichte möchte ich eigentlich gar nicht so viel schreiben, weil ich eben auch finde dass es jedem selbst überlassen ist, wie er seine Entscheidungen trifft und es ist doch offensichtlich, dass niemand mit der Scheidung vor Augen heiratet und es ja doch bei vielen zum Lebenslauf gehört. Aber doch ein Kompliment, denn man hört deutlich heraus, dass Steffi, Du Dir viele Gedanken über das Wohlergehen Deiner Kinder in dieser sicher nicht leichten Situation machst und das ist doch zentral! Mich persönlich hätte noch interessiert, wie Du das Ganze finanziell wuppst, und ob in Deinem Leben Platz für eine Vollzeitstelle ist...

Steffi — Di, 08/29/2017 - 13:45

... die Steffi, um die es hier geht ! Liebe Line, Gerne beantworte ich Dir noch diese Fragen, ich bekomme das alles Gott sei Dank alleine finanziell gewuppt und da bin ich verdammt stolz drauf. Ich war auch während meiner Beziehungen und Trennungen nie von den Männern finanziell abhängig. Ich arbeite als freiberufliche Journalistin, da ust mir auf der Einen Seite die freie Zeiteinteilung möglich, was die Betreuung der Kids erleichtert aber natürlich übersteigt es an kinderlosen Tagen dann einen Vollzeitjob - was aber völlig in Ordnung ist. Ich liebe das was ich mache und überalles hinaus meine Kinder. Wenn ich direkte Kommentare, auf FB lese von "Muddis" die meinen über mich, obwohl Sie weder mich noch meine Geschichte kennen, bestätigt es mich wie so oft was in der Gesellschaft falsch läuft. Allerdings freue ich mich auch sehr zu lesen, dass es doch eine ganze Gruppe gibt für die es nichts zu werten gibt. Wenn wir alle nach wissenschaftlichen Vorgaben handeln würden, wären wir wahrscheinlich bald ausgestorben !

S — Di, 08/29/2017 - 14:22

Wir leben auch ein eher unkonventionelles Familienleben. Im Kindergarten hatte ich den Eindruck, dass es meine Kinder hindert, Freunde zu finden. Daher thematisiere ich es jetzt in der Schule mit den Müttern gar nicht. Der Papa kommt zu allen Klassenfesten mit und wir verhalten uns "normal". Ansonsten fällt es eh nicht auf, wenn der Vater nicht zuhause ist. In vielen Familien ist der Vater ja meist auf Arbeit. Für uns ist das hier auf dem Land so leichter. Wenn jemand fragt, würde ich natürlich die Wahrheit sagen aber ohne Anlass fragt auch keiner. Z

Kathi — Di, 08/29/2017 - 15:40

Da ich selbst Familienanwältin (mit Spezialisierung auf Scheidungen) bin, habe ich schon tausende solcher Fälle gesehen. Die Kinder tun mir zwar leid, da schon viele 1-fach Scheidungskinder große Probleme mit der Verarbeitung haben, aber man kann nun mal nicht nicht in die Zukunft schauen. Ich denke, die Autorin hat bei jedem Mann gedacht, dass er nun der Mann fürs Leben ist. Dass man sich mit dieser Einschätzung auch mal vertun kann, ist absolut menschlich. Das man sich jedoch 3(!) Mal innerhalb kürzester Zeit (zwischen den 3 Kindern liegt schließlich ein Altersabstand von insgesamt 7 Jahren) so vertun kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Da scheint es mir eher, als habe Steffi sich dem nächstbesten an den Hals geschmissen und mit ihm ein Kind bekommen. Ich würde da meine Männerauswahl mal ganz stark überdenken. Auch, dass Steffi in allen 3 Fällen ausschließlich den Männern die Schuld gibt - wenn man sich mit 3 Männern so sicher war, dass man mit ihnen ein Kind bekommen hat - finde ich sehr merkwürdig. Irgendwie scheint Steffi noch nicht so richtig zu wissen, wen und was sie im Leben haben will. Und das man unter solchen Umständen dann 3 Kinder von 3 Männern in die Welt setzt ... nun ja, hoffen wir mal, dass Mann Nummer 4 und evtl. Kind Nummer 4 dann nicht sofort ausgetauscht werden. Den Kindern wünsche ich alles erdenklich Gute und dass sie trotz des Liebesleben ihrer Mutter die nötige familiäre Struktur und Bindung erfahren können, um es dann selbst eines Tages mal besser machen zu können.

Steffi — Di, 08/29/2017 - 17:29

Liebe Kathi, unfassbar wie Du meinst mich zu kennen und wie ich mich scheinbar den Männern an den Hals geschmissen habe. Vielleicht wird mal überdacht, dass dies ein Interview zu 9 bestimmten Fragen ist bzw. war - Du weisst nichts von davor, danach und auch nicht wie sehr ich versucht habe trotz Allem was war die Beziehungen zu retten. Ich gebe nicht meinen Ex-Partnern die Schuld - es war im Interview lediglich die Frage warum es zu einer Trennung kam ! Das an einer Trennung immer beide schuld sind ist völlig klar - aber Einer ist immer der der geht ! Es sollte nur daraus hervorgehen, dass sich stark genug war um zu gehen, da ich mit meinen Kindern ein glückliches Leben führen möchte.

Regina — Fr, 09/01/2017 - 10:46

Zunächst vielen Dank für dieses Interview Katharina. Und: wie gut, dass sich Steffi in diesem Medium zu den Kommentaren äußern kann... und es auch tut... super! Meine Meinung: nach dem Lesen der letzten beiden Kommentare war ich noch deutlicher und bewundernder "auf Steffis Seite" ... Bis mir klar wurde: Kathi hat tagtäglich fast ausschließlich mit den negativen Auswüchsen unreflektierter und rosenbekriegter Trennungen auf die Kinder zu tun. Davon habe ich in meinem Beruf als Lehrerin auch viele erlebt und finde es grausam... Aber: in meinem persönlichen Umfeld durfte ich mehrfach erleben, dass es anders geht. Scheidungen tun immer weh, doch wer die Bedürfnisse der Kinder achtet und die eigene Verletztheit sogar dahinter stellt, kann es schaffen. Und das hat nichts mit Schulbildung zu tun, sondern mit Liebe. Von daher: ich ziehe den Hut Steffi... und Kathi wünsche ich viel mehr positive Trennungsfälle, in denen die Eltern ihre ureigenste Pflicht wahr- und ernstnehmen.

Stani — Mi, 04/11/2018 - 22:08

Hallo erstmal! Ich bin die Lebensgefährtin des "3 . Vaters" Vielen Dank für diese Darstellung. Verrückt, wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sind! Meine Sicht zu der Situation: Wie kam es zur Trennung? Durch die Inhaftierung Steffis! Wie erlebten die Kinder die Trennung? Die Kleine musste mit ins Gefängnis und konnte erst nach ca 3 Wochen Knastaufenthalt zurück zu Papa. Wie ist das Verhältnis der Kinder zu den Vätern? Alle Kinder leben bei ihren Vätern! Wie ist das Verhältnis zwischen den Eltern? Ohne Wahrheit, kein Verhältnis. Eher ein Abkommen. Gesellschaftliche Beurteilung? Phantasie - Geschichten kann man mögen aber nicht beurteilen. Doofe Kommentare? Da jedes Kind beim Vater lebt ist es für sie ganz normal. Zumindest die Kleine verbindet Papa nicht mit Mama. Umgang Feiertage etc? Tatsächlich mal die selbe Wahrheit! Großeltern? Auch hier eine Übereinstimmung! Das ist doch ein schönes Ergebnis 7:2 !

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