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18/01/2018 - 06:45

Land-Mama Lisa

Mutter erzählt: Warum die Waldorfschule die richtige Schule für mein Kind ist

Ihr Lieben, unsere Blogger-Kollegin Tanja von Zuckersüße Äpfel hat sehr gute Erfahrungen mit der Waldorfschule für ihr Kind gemacht und erzählt uns heute, was sie an der Schulform mag, warum Kinder vor dem Matheunterricht stricken lernen sollten und wie sie mit den "Ihr tanzt doch eh nur euren Namen"-Vorurteilen umgeht. Dabei ist ein sehr informatives Interview entstanden, das bestimmt einigen Eltern bei der Entscheidungsfindung für die richtige Schule helfen kann.

Liebe Tanja, deine Kinder gehen auf eine Waldorfschule, wieso habt ihr euch damals dafür entschieden?

Meine Tochter geht auf die Waldorfschule, mein Sohn noch in den Waldorfkindergarten. Unsere Entscheidung für die Waldorfschule ist erst langsam gewachsen. Mein Mann und ich waren beide auf staatlichen Schulen und hatten in unserer Kindheit keinen Kontakt zur Waldorfpädagogik. Als unsere Tochter ein Jahr alt, sind wir durch Zufall in eine Waldorfspielgruppe gekommen.

Ich habe vorher bereits viele Jahre als Pädagogin in staatlichen Elementar- und Frühfördereinrichtungen gearbeitet und war von der Spielgruppenatmosphäre und den anderen Eltern dort sehr beeindruckt. Es war ein starker Gegensatz zu dem, was ich bisher kannte und ich freute mich auf jedes Treffen.

Nach der Spielgruppe entschieden wir uns für den Waldorfkindergarten und meine Tochter war dort viele Jahre unglaublich glücklich. Als die Zeit immer mehr Richtung Schulanmeldung ging, kam uns als Eltern auch die Überlegung, warum eigentlich nicht die Waldorfschule?

Hattet ihr vorher Bedenken, dass die Kinder im späteren Leben eventuell nicht so mitkommen wie die anderen, dass sie abgehängt werden? Ich höre immer wieder, dass sich Eltern bei der Wahl der Schule solche Gedanken machen…

Natürlich waren da auch Bedenken und viele Vorurteile von unseren Familien und einigen Freunden und wir haben uns erst  einmal näher mit dem Thema beschäftigt. Wir wurden damit konfrontiert, dass mit der Schule nun mal der Ernst des Lebens beginnt und man seine Kinder nicht verweichlichen lassen darf. Dass die Waldorfpädagogik nichts mit der Realität zu tun hat und ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich den „Namen-tanzen-Satz“ schon gehört und belächelt habe...

Wir haben viele Menschen erlebt, die sich negativ geäußert haben und nun durch die eigenen Erfahrungen ihrer Kinder an staatlichen Schulen plötzlich ganz anders denken. Es gibt ein Kind aus unserer Verwandtschaft, das aus einer staatlichen Einrichtung gewechselt ist und nun den gleichen Weg wie unsere Kinder geht. Und das, obwohl die Eltern und Großeltern anfangs voller Vorurteile und Unverständnis waren.

Habt ihr euch denn auch andere Schulen angesehen?

Ja, als Vorbereitung haben wir uns die staatlichen Schulen in unserem Einzugsgebiet angeschaut. Welche Lernmethoden ich dort an dem „Tag der offenen Tür“ erlebt habe, macht mich als Pädagogin und Mutter immer noch sprachlos. Wir haben mit Freunden(innen) und Kindergarteneltern gesprochen, die auf der Waldorfschule waren und wir haben uns selbst ein Bild gemacht.

Dabei haben wir sehr schnell festgestellt: Vorurteile herrschen nur bei denen, die keine Ahnung von dem Unterricht haben und oftmals noch nie den Fuß in einer Waldorfschule hatten. Und negative Äußerungen kamen oftmals von Menschen, die eigentlich auch gerne den Weg mit ihren Kindern gehen würden, aber die Vorurteile scheuen, eine Absage von der Schule bekommen haben oder das Schulgeld nicht aufbringen können oder wollen.

Wart ihr euch gleich einig?

Mein Mann, der am kritischsten von uns beiden war, hat zwei Kennenlern-Wochenenden an unserer jetzigen Schule mitgemacht. Dort werden die Eltern wieder zu Schülern und durchlaufen die einzelnen Fächer. An den Wochenenden war ihm schnell klar, dass es diese Schule für seine Kinder werden soll.

Nicht nur, weil er die Gestaltung des Unterrichtes sehr gut fand, sondern auch weil alles aufeinander aufbaut und einen Sinn macht. Beispielsweise lernen die Kinder in der ersten Klasse stricken, bevor sie mit dem Rechnen anfangen, weil dadurch vorher die Synapsen im Gehirn verbunden werden. So zieht es sich durch alle Fächer und Schuljahre, nichts wird dem Zufall überlassen.

Was genau ist es, das dich an der Waldorfschule so sehr überzeugt?

An der Waldorfschule überzeugt uns vieles und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll! Alle Waldorfschullehrer, die ich bisher erlebt habe, sind hochmotiviert, kreativ, sehr intelligent und mit ganzem Herzen LehrerInnen. Sie entscheiden sich sehr bewusst für ihren Beruf und die Pädagogik. Die Wertschätzung, mit denen sie ihren Schülern und den Eltern begegnen, ist etwas Besonderes.

Es gibt einen großen Zusammenhalt zwischen allen und der Wunsch der Eltern, sich aktiv an der Schullaufbahn ihrer Kinder zu beteiligen. Es gibt viele Feste, Konzerte und Theaterstücke im Jahreslauf, bei denen die ganze Schule mit viel Engagement mitmacht.

Ist das Lernen auch ein anderes?

Ich glaube, staatliche Schulen achten sehr auf den Kopf und Waldorfschulen auf Kopf, Herz und Hand. Das Lernen an der Waldorfschule ist nicht rein kognitiv, es wird ganzheitlich gelernt. Die Fächer Mathematik, Deutsch, Musik, Religion, Werken, Handarbeit, Kunst, Sprachen, Biologie, Physik und Chemie, Erdkunde, Turnen, Eurythmie, Medien, Theater und was es noch alles gibt, haben alle den gleichen Stellenwert.

Dabei wird die Persönlichkeit des Kindes gefördert und der Blickwinkel liegt auf den Kompetenzen, nicht auf den Defiziten. Es gibt in den ersten Jahren keine Hausaufgaben und keine Noten, aber ein sehr detailliertes Zeugnis für jedes Kind, an dem alle Lehrer zusammen schreiben. Ich habe vorher nie erlebt, dass Kinder in ihrer ganzen Person so intensiv von ihren LehrerInnen wahrgenommen werden.

Der Hauptunterricht findet bis zur achten Klasse in Epochen statt. Das heißt, meine Tochter hat im Moment drei bis vier Wochen lang die ersten beiden Stunden (von täglich sechs Stunden in der zweiten Klasse) zum Beispiel rechnen und widmet sich dabei ganz den Zahlen. Der Hauptunterricht sind die Fächer Deutsch, Mathematik und Formen zeichnen, später Sachkunde, Physik, Chemie, Biologie, Geografie, Geschichte und Kunstgeschichte. Dazu hat sie seit der ersten Klasse jeden Tag Englisch und Französisch. Alle Kinder lernen von Anfang an Flöte spielen, dazu oft noch ein weiteres Instrument für das Orchester.

Nun ist es ja so – wie wahrscheinlich bei jeder anderen Schulform auch – dass die Waldorfschule für manche ein Segen ist, für andere aber genau das Falsche. Wer nicht eigenmotiviert lernt, geht da unter, oder?

Ich empfinde die Kinder an der Waldorfschule als sehr motiviert, immer wieder Neues zu lernen. Auch im Freizeitbereich erlebe ich, was für eine starke Eigenmotivation die Freunde und Klassenkameraden meiner Tochter haben. Ich persönlich denke, dies liegt daran, dass sie ohne Druck und nicht der Noten wegen lernen. Und dass ihr Lernen in allen Bereichen gefördert wird, der kognitive Stress ist dadurch sehr reduziert.

Ich habe als Pädagogin viele Jahre nebenbei im Hortbereich einer staatlichen Schule gearbeitet. Teilweise saßen dort die jüngsten Kinder schon jeden Nachmittag über eine Stunde zusätzlich an den Hausaufgaben. Das sie danach kaum noch Lust und Kraft haben, sich für etwas anderes zu begeistern, ist klar.

Neulich hörte ich von einem Waldorfschul-Elternabend, der nicht nur bis ein Uhr nachts ging, sondern der auch damit begann, dass alle Eltern erstmal über ihre Gefühle reden sollten…

Ich kenne nur die Elternabende bei meiner Tochter und die sind immer sehr schön, interessant und gut besucht. Länger als 2 ½ Stunden hat auch noch kein Elternabend gedauert, vielleicht gab es in dem Fall einen besonderen Anlass oder ein Fest mit Buffet? Von Gefühlen haben wir bisher noch nicht gesprochen, aber ich persönlich würde es auch nicht schlimm finden. Sie gehören zum Leben dazu. Auf unseren Elternabenden geht es darum, was die Schüler derzeit machen, wie aktuell das Gruppengefüge ist, ob es Konflikte oder Sorgen gibt, welche Aktivitäten zusammen mit den Eltern demnächst anstehen und andere organisatorische Themen. 

Nun klingst du ja sehr begeistert. Was genau findest du die entscheidenden Punkte, die nur die Waldorfschule bieten kann?

Unsere Waldorfschule bietet ein ganzheitliches Lernen in einem sehr schönen Umfeld. In der Grundschule gibt es wenig Leistungsdruck und keinen Hausaufgabenstress. Meine Tochter kann noch alle ihre Hobbys an den Nachmittagen durchführen und ihre Freunde regelmäßig sehen. Sie geht jeden Tag gerne zur Schule und fiebert dem Ende der Ferien entgegen. Ich denke, dies ist ein guter Weg, um motiviert und voller Begeisterung die ganze Schulzeit zur Schule zu gehen.

„Meine Kinder sollen in erster Linie glücklich sein, nicht erfolgreich. Bei glücklichen Menschen kommt der Erfolg von ganz allein. Und der muss eben nicht materiell sein.“ Würdest du diesen Satz so unterschreiben?

Meine Tochter hat im Werkunterricht in der ersten Klasse einen sehr schönen Flötenbeutel mit Knopfloch und Träger ganz alleine gestrickt. Als er fertig war, strahlte sie über das ganze Gesicht und war über dieses Erfolgserlebnis unglaublich glücklich und stolz. Ich glaube dieses Selbstwertgefühl, etwas alleine mit den eigenen Händen und Willen geschafft zu haben, schenkt einem Kind keine Note in einer Klassenarbeit. 

Wer mehr über Waldorfschulen erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch „Jedes Kind ein Könner“ von Henning Kullak.

 



 

Tags: Schule, weiterführende Schule, Alternativpädagogik, Waldorfschule, Lernen, Waldorfpädagogik, Bildung, Erziehung, Eltern, Leher, Schüler

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Kommentare

Mimi — Do, 01/18/2018 - 09:05

Vorweg: ich war selbst fünf Jahre Waldorfschülerin in den 1990ern, habe heute noch viel Kontakt zu ehemaligen Waldorfschülern und habe mich als Kind auch mehr oder weniger wohl in dem System gefühlt. Meine Ablehnung begann, als ich mich auf fachlicher Ebene mit Steiner, seinen Lehren und die Auswirkungen auf die heutigen Waldorfschulen beschäftigt habe. Was man einfach wissen muss, ist: 1. Rudolf Steiners Lehren sind in Teilen rassistisch und entsprechen keineswegs einem freien, liberalen Menschenbild. Sie bilden die Basis, auch wenn sie (zum Glück) heute nicht mehr unterrichtet werden. 2. So selektiv Steiners Gedankengut selbst ist, so selektiv sind die Schulen bis heute geblieben. Entscheidendes Aufnahmekriterium sind Berufe der Eltern, soziale Herkunft, aber auch Zahlungskraft. Die meisten Waldorfschulen gelten als "ausländerfreie Zonen" und werben teilweise sogar damit. Das deckt sich mit meiner persönlichen Erfahrung. Die Kinder sind oft sehr homogen, alle sind auf Linie, Blicke nach links und rechts erfolgen selten. Als ich auf später auf die staatliche Schule kam, war ich erstaunt, dass es auch Achmets und Ludmillas gibt und nicht nur Gretas und Davids. Dass man mit den Gretas und Davids vermutlich anders arbeiten kann als beispielsweise mit einer grossen Klasse, in der auch noch etliche traumatisierte Kinder sind, ist klar. Doch ist das Sinn und Zweck von Schule? Selektion von Kindesbeinen an? 3. Unter Waldorflehrer sind viele, die das nur als Plan B machen. Eigentlich wollten sie freischaffende Künstler, Waldpädagogen oder Musiker werden. Nicht wenige wären gerne an staatlichen Schulen verbeamtet worden. Hat leider nicht geklappt. Es gibt dort viele, viele.engagierte Lehrkräfte. Es gibt aber genauso viele Versager und Menschen, die ungeeignet sind, wie an staatlichen Schulen auch. Oft wird das aber jahrelang gut gedeckt, da die Kontrollen fehlen. Diese Punkte und noch viele mehr sind für mich ausschlaggebend, warum meine Kinder nicht auf Waldorfschulen gehen. Ich finde auch, dass das staatliche Schulsystem verbesserungswürdig ist. Ich glaube aber auch, dass das Dilemma nicht dadurch gelöst wird, dass gut ausgebildete, gut verdienende Eltern auf Privatschulen schicken und der "Rest" dann eben mit dem klar kommen muss, was es gibt. Sondern ich glaube daran, dass allen Schulen und Konzepte nur funktionieren, wenn es eine gute Durchmischung gibt und alle Kinder dort abgeholt werden können, wo sie stehen. Unabhängig von sozialer, kultureller, religiöser, ethnischer Herkunft.

Ella — Do, 01/18/2018 - 20:55

Mimi, dein Kommentar spricht mir aus der Seele! Ich habe 3 Jahre Waldorfkindergarten und 11 Jahre Waldorfschule "hinter"mir und werde meine Kinder aus den oben genannten Gründen nicht auf eine Waldorfschule schicken. Wer sich mit der Anthroposophie ( der Grundlage der Waldorfpädagogik) auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass diese eine Weltanschauung ist, die mit der Realität im Jahr 2018 wenig zu tun hat.

Anna — Fr, 01/19/2018 - 23:08

Die Lehren von Rudolf Steiner sind sogar in großen Teilen rassistisch. Er nahm eine klare Trennung zwischen "Negerkindern"(wie Steiner sie nannte) und "Kindern mit weißer Hautfarbe" vor. Es wird oft hervorgehoben, wie die Waldorfpädagogik auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler intensiv eingeht. Letztendlich sind die Walddorfschulen doch sehr oft sehr elitär. Kinder aus sozial schwachen Familien oder gar "Ausländer" sucht man dort oft vergebens. Martin Trefzer aus dem Vorstand des Landesverbandes der Afd Treptow-Köpenick hat seine 3 Kinder auf der großen Waldorfschule in Berlin Niederschöneweide. Ich denke, dass die Ideologie der Waldorfpäfagogik dazu beiträgt, dass Personen mit diesem politischen Hintergrund ihre Kinder auf Walddorfschulen schicken.

Ernst — Do, 01/25/2018 - 09:27

Betrachtungen und Gedanken Steiners von der Jahrhundertwende 1899/1900 bis in die Zwanziger sind von unseren heute grundverschieden, immer aber getragen von der Achtung vor dem Menschen, egal welcher Herkunft. Was wir heute versuchen zu klären, hängt mit der heutigen Sprachauffassung zusammen. Und heute erleben wir die völlige Verdrehung von Wahrheit und Wirklichkeit täglich in den Medien und in der Politik. Dem Kinderseelen nicht auszusetzen ist ein Teil des Ziels der Waldorfpädagogik, bis die Jugendlichen selber fähig sind,das kritisch zu betrachten.

Andreas Lichte — Mo, 01/29/2018 - 12:27

@ Ernst Ich nenne Ihnen im folgenden 2 Kriterien, die für die Bewertung von Rassismus im Werk eines Autors von Bedeutung sind: 1. – wann hat der Autor gelebt? Welche Kenntnis der Welt konnte er haben? 2. – welche Position nimmt der Rassismus im Werk des Autors ein? Ist der Rassismus zentral – “sinnstiftend” – für das Werk, oder nur eine Randerscheinung? – 1. – Rudolf Steiner lebte von 1861 bis 1925. Große Teile von Steiners Werk entstanden erst im zwanzigsten Jahrhundert, zu einer Zeit, als der von Rudolf Steiner verachtete Albert Einstein seine die Welt verändernde Relativitätstheorie entwickelte. Steiner war mit seiner eklektischen Esoterik schon zu Lebzeiten ein Anachronismus – und ein unverbesserlicher Rassist, der es hätte besser wissen müssen, ein Zitat von 1897: “There are many humorous things in the world, among them the white man’s notion that he is less savage than the other savages.” Mark Twain, Zitat aus: “Following the Equator”, 1897 – 2. – Historiker wie Peter Staudenmaier und Helmut Zander stellen die Rassenlehre Rudolf Steiners als ZENTRAL für die Anthroposophie heraus. Steiners esoterische Evolutionslehre – die „Menschheitsentwickelung“ – ist Beweggrund und Ziel der Anthroposophie, Zitat Staudenmaier: „Ausgehend von Blavatskys4 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht IM MITTELPUNKT von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”5 Zum Vergleich Helmut Zanders zusammenfassende Darstellung von Rudolf Steiners Rassenlehre, Zitat Zander: „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als ‘degenerierte Menschenrasse’ im ‘Hinsterben’ (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als ‘degenerierte’, ‘zurückgebliebene’ Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse ‘das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet’ (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, ‘popularisierter’ Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun ‘die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse’ (GA 349,67 [1923]).“6 „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‘degenerierten’, ‘zurückgebliebenen’ oder ‘zukünftigen’ Rassen keine ‘Unfälle’, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“7 Quellenangaben für die Zitate von Peter Staudenmaier und Helmut Zander hier: https://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/49644 "Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‘Rassen’"

Luise — Di, 09/11/2018 - 01:18

Hallo Anna Sind die Kinder von Herrn Trefzer nicht noch kleiner? Gibt es ein Statement der Schule?

Kathrin — Do, 01/18/2018 - 09:44

Wir wohnen in einer sächsischen Großstadt und mein Sohn geht auf die staatliche Grundschule, die unsere Einzugsgebietsschule ist. Auch dort wird bereits ab erster Klasse Französisch unterrichtet (gut, das ist das Special dieser Schule) und der Unterricht ist toll und vielseitig! Er geht sehr gerne! Und ich finde, die Lehrer holen die Kinder alle toll ins Boot- und die Klasse ist wirklich vielseitig, ich weiß gar nicht genau wieviele Nationalitäten die Eltern der Kinder mitbringen! Auch sozial ist sie gemischt, aber bisher erlebe ich es so, dass alle Eltern das Beste für Ihre Kinder möchten und die Lehrer alles so gestalten, dass jeder die Möglichkeit hat mit seinen Mitteln Teil zu nehmen! Und der Hort ist spitze, täglich gibt es eine Vielzahl von Aktivitäten- keine teuren Kurse, sondern da spielen die Hortner mit einigen Kindern Fußball, andere machen Experimente, Tanzspiele, Tischfußball, Quizrunden usw. während der Hortzeit beschäftigen sich alle anwesenden Horterzieher intensiv mit allen Kindern, da steht keiner rum und quatscht nur! Ich finde, man sollte staatliche Schulen wirklich nicht per se aburteilen!

Tanja — Do, 01/18/2018 - 11:08

Hallo! Das klingt wirklich nach einem schönen Schulalltag für die Kinder. Ohne wirklich viel darüber zu wissen, könnte ich mir dieses entspannte Lernen auch gut für meine Kinder vorstellen. ABER: in unserer (mittelgroßen) Stadt gibt es gar keine Waldorfschule! Meine Kinder müssten einen sehr langen Schulweg in die nächste Großstadt in Kauf nehmen, um überhaupt eine Waldorfschule besuchen zu können. Allein deshalb scheidet das schon für uns aus. Das kriegen wir in unserem Alltag gar nicht geregelt! Noch dazu wäre kein anderes Kind aus der Nachbarschaft mit ihnen zusammen in der Schule. Das fände ich auch irgendwie schade. Wir haben also die städtische Grundschule in der Nähe gewählt und freuen uns einfach, dass wir dort nette Lehrerinnen angetroffen haben und die Kinder sich dort wohl fühlen. Man hat eben nicht immer und überall den Luxus, im eigenen "Kiez" Waldorf-, Montessori-, katholische und wer weiß noch was für welche Schulen zur Auswahl zu haben. Viele Grüße! Tanja

Lena — Do, 01/18/2018 - 11:25

Ich glaube, jede Schule, die mit genügend motiviertem und qualifizierten Personal, genügend Räumlichkeiten und Mitteln ausgestattet ist, und am besten noch einen besonderen Schwerpunkt hat, sei es Sport, Bilingualität, Inklusion, Waldorf, oder Religion, wird einen guten Unterricht gewährleisten. Leider eine Utopie, denn die Politik gibt immer noch viel zu wenig Geld für Bildung aus. Kein Lehrer kann mit einer viel zu großen Anzahl Kinder, die aus unterschiedlichsten Hintergründen kommen, oftmals zu hoher Prozentzahl zu Hause kein Deutsch sprechen, vernünftigen Unterricht machen. Ich muss leider feststellen, dass man sich an dem Punkt, an dem die eigenen Kinder eingeschult werden und man mit den teilweise unerträglichen Zuständen an den öffentlichen Schulen (zumindest hier in Berlin) konfrontiert wird, sich von jeglicher Sozialromantik verabschiedet und sich einfach nur ein ruhiges, lernfreundliches Umfeld für seine Kinder wünscht. Ich finde es falsch, die Ursachen für diese Schwierigkeiten in der Durchmischung von zu vielen Nationalitäten oder sozialen Schichten zu sehen; mit genug Investitionen in qualifiziertes Personal könnte man das sicher alles bewältigen. Aber so wie es im Moment an den Schulen aussieht, können doch die wenigsten ein gutes konzentriertes Lernklima garantieren, im Gegenteil. Wir haben uns daher, auch natürlich aufgrund unserer eigenen Religiosität, die uns sehr wichtig ist, für eine katholische Schule entschieden und sind damit sehr glücklich.

Nicole — Fr, 01/19/2018 - 08:44

Ich war selber Waldorfschüler. Und was hier geschrieben steht, dass die Waldorfpädagogik rassisch sei, liegt falsch. Die Pädagogik ist alt, sie ist in den 20er Jahren entstanden, doch nicht rassisch! Übrigens hatte ich im meiner Klasse auch Özan, Özgül, Boris, Giulia um nur einige zu mennen... Nur wenn man in einer Schuleart schlechte Erfahrungen gemacht hat, heißt das nicht dass alle diese Schularten schlecht sind.

Anna — Fr, 01/19/2018 - 23:14

Wo war denn die Schule ? In Berlin-Kreuzberg? Eine große soziale Mischung in Walddorfschulen gibt es doch eher selten.

Nina — Fr, 01/19/2018 - 16:08

... gibt es auch auf der Waldorfschule Vor- und Nachteile. Ich war auch auf einer Waldorfschule - und davor dort im Kindergarten - und habe mit Abitur abgeschlossen. Daher kenne ich nichts anderes, aber ich denke sehr gerne an meine Schulzeit zurück. Sehr viele meiner ehemaligen Klassenkameraden sind heute extrem erfolgreich im Berufsleben und das Vorurteil, dass Waldis weltfremd und verweichlicht sind, kann ich überhaupt nicht bestätigen. Im Gegenteil: ich habe das Gefühl, dass wir durch unsere Schulzeit ein aufgeschlosseneres, freieres Denken gelernt haben und Dinge oft anders angehen. Die Rassismus-Vorwürfe sind so alt wie Rufolf Steiner selbst. Man darf nicht vergessen, zu welcher Zeit und Weltsituation die Gründer der Bewegung gelebt haben. Während meiner Schulzeit habe ich niemals das Gefühl gehabt, dass rechtes Gedankengut mitschwingt - ganz im Gegenteil: viele Mitschüler waren deutlich Links einzuordnen (immerhin dieses Bild des Dreadlock-tragenden Ökos kann ich bestätigen:-) ). Schüleraustausche, Partnerprogramme und Hilfsprojekte mit/in verschiedensten Ländern bestärken die Weltoffenheit. Trotzdem weiß ich noch nicht, ob meine Kinder auch auf eine Waldorfschule gehen werden. Es kommt schon sehr auf das Kind an. Sollten sie sich eher analytisch-mathematisch entwickeln, eher nicht. Denn dafür ist diese Schulform nicht gemacht. Einige meiner Mitschüler haben sich sehr schwer getan, den kreativen und musikalen Elementen etwas abzugewinnen. Zudem ist eine Klassengemeinschaft, die mindestens die ersten 8 Jahre (nahezu) unverändert bleibt, auch nicht für alle Kinder positiv. Alles in allem möchte ich aber keine Erfahrung missen, seien es die vielen Theater- und Musikaufführungen, die das Selbstbewusstsein und das Sprechen vor Publikum trainiert haben, oder die starke Klassengemeinschaft, die viele Freundschaften hervorgebracht hat - und, und, und ...

Nina — Fr, 01/19/2018 - 16:10

Unstrukturierte Textwüsten sind ätzend.

Stephanie Sell — Sa, 01/20/2018 - 00:56

Meine 4 Geschwister und ich waren alle auf einer Waldorfschule. Wir sind mit den verschiedensten Abschlüssen abgegangen und haben zum Teil sehr ungewöhnliche Lebensläufe. Ich habe es immer als Stärke von uns empfunden, dass wir den Mut für unseren sehr eigenen Weg aufgebracht haben. Meiner war wohl am langweiligsten, weil sehr gradlinig. Ich habe Abitur gemacht, Gymnasiallehramt studiert und bin Lehrerin an einer Waldorfschule geworden. Ich liebe meinen Beruf sehr und es erfüllt mich mit tiefer Freude, wenn ich unsere Schüler nach 12 oder 13 Jahren die Schule als aufkeimende Persönlichkeiten verlassen sehe. Ich selbst arbeite als Klassenlehrerin in der 6. bis 8. Klasse. Eine spannende Zeit, in der Lernen oft nicht funktioniert und man viel kaputt machen kann, wenn man einen Schüler über- aber auch unterfordert. Ich bin dankbar für die vielen künstlerischen und handwerklichen Fächer und Projekte, die von einer ganz anderen Seite das Selbstbewusstsein der Schüler unterstützen und entwickeln. Als ehemalige Waldorfschülerin und als Waldorflehrerin weiß ich, dass an Waldorfschulen nicht alles toll ist. Es gibt wie an jeder Schule Lehrer, deren Unterricht oder Verhaltensweisen verbesserungswürdig sind. Gleichzeitig kann man viel Engagement und ein hohes Interesse an jedem einzelnen Schüler erleben. Wenn ich auf meine Geschwister meinen Sohn und meine inzwischen 12 Neffen und Nichten blicke (alle Waldorfschüler) bin ich absolut überzeugt von dieser Pädagogik, die dem Menschen die Zeit und die Erlebensvielfalt anbietet sich selbst kennenzulernen. Das Gewähren von Zeit verhindert dabei keineswegs gute Ergebnisse. Alle haben das Abitur entweder abgelegt oder streben dies demnächst an. Mich beeindruckt aber vor allem das tiefe Interesse an der Welt und das große Bedürfnis, sich mit sinnstiftenden Berufen in der Welt einbringen zu wollen. Als zunehmend verletzend empfinde ich die vielen Vorurteile, die über Waldorfschulen im Umlauf sind. Bei uns an der Schule gibt es ebenso selbstverständlich Inklusion wie Integration. Wir haben das gesamte Lernspektrum an der Schule genau wie alles Lebensleid, das junge Menschen erleben können. Es tut mir immer sehr leid, wenn ich erleben muss, was unsere Schüler sich in ihrem Freundeskreis an Kommentaren anhören müssen. Dies ist umso unverständlicher, als sie am Ende einen staatlichen Abschluss absolviert und zusätzlich all die vielen Dinge gelernt haben, die man eben nur an einer Waldorfschule lernt. Entscheidet man sich dafür sein Kind an eine Waldorfschule zu geben, so lässt man sich auf einen sehr individuellen Weg. Ob es auch der passende ist, zeigt sich in der Regel erst beim Laufen.

Andreas Lichte — Mo, 01/29/2018 - 13:09

Auszug aus meinem Interview mit Prof. Dr. Stefan T. Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, über Waldorfschule, Rudolf Steiner und die Anthroposophie: – Andreas Lichte: "noch einmal zur Jahrsiebtelehre – von 0–7 Jahre wird der physische Leib entwickelt, von 8–14 Jahre der Ätherleib, von 15–21 Jahre der Astralleib, vom 21 Lebensjahr an endlich das „Ich“ – erst dann ist der Mensch ein Mensch. Was sagen Sie zu Steiners Mensch aus dem Esoterik-Baukasten?" – Prof. Hopmann: "Wir leben in einer freien Gesellschaft. Also hat jede/r das Recht, jeden Unfug zu glauben. Nur sollten sich Eltern, die ihr Kind einer Waldorfschule anvertrauen, darüber im klaren sein, dass sie dann einer Pädagogik vertrauen, die ein heilloses Gebräu esoterischer Glaubenssätze über Drüsen, Zahnentwicklung, astrologischen Einflüsse und ähnliches ist, das von der modernen Kinderpsychologie und der aktuellen Lehr-Lern-Forschung durchweg als durch nichts begründbarer Unsinn abgelehnt wird. Entschiedene Waldorfianer wird das nicht anfechten: Wie alle Sekten sind sie gegen widersprechende Wissenschaft immun. (…)“ – mehr: https://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-„man-kann-nicht-nur-ein-»bisschen«-waldorf-sein“/30117

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