27/01/2015 - 21:08

Stadt-Mama Katharina

Muttersein bedeutet Loslassen

Liebe Lisa, hach, ich bin immer noch ganz glücklich über einen tollen Konzertabend bei Fanta 4. War das cool! Mein Mann und ich haben getanzt, Flaschenbier getrunken und uns kurzzeitig gefühlt wie mit 16. Ein wunderbarer Abend. Als wir dann wieder zu Hause waren, ging mir der NIDO-Artikel durch den Kopf, in dem stand, dass 30 Prozent aller Eltern überhaupt nicht mehr zu zweit ausgehen. Diese Zahl macht mich wirklich nachdenklich. Wieso fällt es so vielen Eltern schwer, sich Zeit für einander zu nehmen, mal wieder Paar zu sein?

Ich erinnere mich an meinen Rückbildungskurs mit meiner großen Tochter. Da sagte die Kursleiterin in die Runde: „Bildet Euch nicht ein, Ihr wärt der Sonnenkönig. Eure Kinder werden auch überleben, wenn Ihr Euch mal einen Babysitter nehmt. Gönnt Euch ab und zu ne Pause.“ Dieser Spruch – auch wenn er nur so dahin gesagt war - hat mich schon damals ins Nachdenken gebracht. Zu dieser Zeit konnte ich mir kaum vorstellen, dass irgendwer außer mir jemals auf mein Baby aufpassen könnte. Aber ganz tief in meinem Herzen wusste ich, dass Muttersein auch Loslassen bedeutet. Und umso früher ich Menschen finde, denen ich vertraue, desto leichter würde ich loslassen können.  Aber wie sieht der perfekte Babysitter aus? Er sollte in einem früheren Leben möglichst Notarzt gewesen sein, außerdem sollte er/sie gerne singen und basteln, spazieren gehen, sich in Erziehungsfragen auskennen, ausgewogen kochen, die Kinder niemals fernsehen lassen. Das ist natürlich Quatsch. Am Allerallerwichtigsten ist, dass er/sie lieb ist, liebevoll mit den Kindern umgeht und dass man von der ersten Sekunde an ein gutes Bauchgefühl hat.

Wir hatten das Glück, so einen einen Babysitter-Engel zu finden. Trotzdem waren die ersten Male (ich gebe es ja zu) nicht entspannt, wenn wir ausgegangen sind. Teilweise rannte ich die letzten Meter nach Hause, weil ich einfach nur noch zu meinem Baby wollte. Oder ich hatte mitten im Restaurant Schweißausbrüche, weil ich dachte, die Babysitterin könnte womöglich doch eine international gesuchte Irre sein, die mir mein Baby klauen will. Was natürlich auch alles Quatsch war.

Also sind wir regelmäßig ausgegangen und es wurde von Mal zu Mal leichter. Manchmal musste ich mich regelrecht zwingen, weil ich mir einredete, auf dem Sofa sei es genau so schön und da hätte ich das Baby wenigstens im Blick. Uns hat bestimmt geholfen, dass wir zu der Zeit noch eine Menge kinderloser Freunde hatten, bei denen wir oft zum Abendessen eingeladen waren und denen ich zeigen wollte, dass man trotz Kindern noch ausgehen kann. Und jedes Mal, wenn wir wieder nach Hause kamen, war ich froh, dass ich meinen Hintern vom Sofa gekriegt hatte. Denn ein Abend nur unter Erwachsenen tut Hirn und Herz wirklich gut.

Als das zweite Kind geboren wurde, hatte ich wieder Bedenken. Was, wenn eins aufwacht und das andere weckt? Kann die Babysitterin zwei Kinder beruhigen? . Nur vier Wochen nach der Geburt meines Sohnes hatten wir Hochzeitstag und ich habe mich abermals dazu gezwungen, diesen besonderen Tag nicht einfach ausfallen zu lassen. Wir sind in ein Restaurant nicht weit von der Wohnung entfernt gegangen und ich habe sehr sehr oft auf mein Handy geguckt – und trotzdem war es ganz anders, als sich zu Hause bei Kerzenschein einen schönen Abend zu machen.

Mit dem Umzug in einen anderen Kiez verloren wir unseren Babysitter-Engel. Also habe ich mich erneut auf die Suche gemacht. Glücklicherweise wohnen hier um die Ecke zwei Teenager, die sich um Babysitter-Jobs reißen. Die eine hat sogar einen Babysitter-Führerschein beim Jugendamt gemacht. Also haben wir es wieder gewagt. Und es klappt ganz ganz toll. Auch, weil ich mir immer wieder sage: Wenn irgendwas ist, bin ich in spätestens 25 Minuten zu Hause.

Mein Mann und ich haben uns fest vorgenommen, mindestens einmal im Monat etwas allein zu machen (besser alle 14 Tage). Ich gestehe, ich genieße es, essen zu gehen, ohne, dass ich darauf achten muss, ob jemand den Brotkorb runter reißt oder ein Glas umwirft. Ohne dass jemand auf Toilette muss, sobald mein Essen vor mir steht. Dass wir in Ruhe reden können. Dafür investiere ich gerne ein paar Euro, die ich eben an anderer Stelle spare.

Aber vor allem merke ich, dass dieses Alleine-Ausgehen eine wichtige Lektion für mich als Mutter ist. Dass ich übe, loszulassen. Dass ich für meine Kinder auch andere Vertrauenspersonen schaffe. Dass ich mir klar mache, dass nicht nur die Kinder Pflege brauchen sondern auch meine Ehe.

Passend dazu erschien gerade auf Spiegel Online dieser Artikel.

So, Lisa, und jetzt möchte ich natürlich gerne wissen: Wann warst Du das letzte Mal mit Deinem Mann alleine aus?

P.S. Ich sehe gerade: Lisa war ohne Kinder mit ihrem Mann in London. Hier schreibt sie darüber.

Tags: Babysitter, Paar-Zeit, Kinder, Loslassen, Beziehung, Partnerschaft, Eltern

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Kommentare

kiddo the kid — Mi, 01/28/2015 - 17:09

...wie und wo findet man denn eine gute Babysitterin? Ich überlege gerade, ob ich mein 12 Monate altes Kind einem Teenager anvertrauen würde...hm. Muss mal diesen Baby-Führerschein googeln. Wie habt Ihr das gemacht? Internet, Aushang im Babycafe, Empfehlungen?

Anastasia — Mi, 01/28/2015 - 17:59

Oh ja, das Loslassen ist ein Prozess, welcher nach meinem Empfinden nie wirklich endet! Er ist jedoch, nach meinem Empfinden, ein wichtiger Bestandteil der Erziehung!!!! Es geht nicht nur um die Zeit zu zweit, sondern auch um die Zeit ganz für sich alleine! Ein Kaffe mit der Freundin geniessen und in Ruhe quatschen zu können und dabei die Gewissheit haben, dass das Kind in guten Händen ist. Da bin ich nur froh, dass ich das Glück habe auf keinen Babysitter zurück greifen zu müssen, sondern die Oma allzeit bereit sind! An dieser Stelle: Danke an die Großeltern!!!!

Stadt-Mama Katharina — Mi, 01/28/2015 - 19:43

<p>Unsere erste Babysitterin wohnte nur ein paar Häuser entfernt, sie war früher mal Tagesmutter. Wir haben sie zufällig kennen gelernt und der Funken sprang sofort über. Die Mädchen, die jetzt auf unsere Kinder aufpassen, haben selbst mehrere kleine Geschwister und ich bin mit ihren Müttern befreundet. Generell würde ich mich mal in der Kita umhören und/oder immer Freunde mit Kindern nach deren Babysitter fragen!</p>

Sue von Heldenmamas — Do, 01/29/2015 - 13:21

Genau, mit dem ersten Babysitter fängt es an, dann kommt die Kita-Zeit (nicht mein Kind brauchte 2 Monate Eingewöhnung, sondern ICH - so sehe ich das mittlerweile), und es geht weiter und weiter. Ein Prozess für alle Beteiligten und in meinem Fall entwickeln sich meine Kinder deutlich schneller als die Eltern :-)

Sven — Do, 01/29/2015 - 15:33

Genau beim Babysitter liegt oftmals das Problem. Ihr hattet Glück mit dem Engel - manches Mal gibt es aber nicht genug - gerade in kleineren Städten sind die "Engel" oftmals durch andere gebucht... daher scheitert es manches Mal.

Stadt-Mama Katharina — Fr, 01/30/2015 - 10:42

<p>Das stimmt. Aber eine gute Freundin/Freund/Nachbarin, die einmal im Monat für zwei Stunden abends auf die Kinder aufpasst und dafür mit selbstgebackenem Kuchen entlohnt wird, hat doch eigentlich jeder, oder? Oft muss man sich nur fragen trauen.</p>

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