Interviews

02/10/2018 - 06:30

Land-Mama Lisa

Nicht Pärchen, sondern Trärchen: Diese drei Jungs führen eine Beziehung zu dritt – kann das gut gehen?

Ach, so ein Blick über den Tellerrand kann so gut tun. Und deswegen geht es hier heut mal nicht um eine Mama – nein, nicht einmal um Kinder, sondern um eine Beziehungsform, die wir bemerkenswert finden.

Simon, 27, Johannes und Matthias 26 leben zusammen in Köln – und lieben sich. Alle miteinander. Sie führen eine Dreier-Beziehung. Wie das geht? Ob jeder sein eigenes Zimmer hat? Und ob es da nie Eifersucht gibt? Das haben uns die drei in einem WhatsApp-Interview erzählt.

Die Antworten gab´s per Sprachnachricht, weshalb wir um Verständnis bitten, dass wir nicht immer genau zuordnen konnten, wer der drei nun was gesagt hat ;-) Wir haben es jetzt so gehalten: Wenn jemand Neues redet, gibt es einen neuen Absatz. Wenn wir den Namen zuordnen konnten, haben wir ihn einfach davor geschrieben. Viel Spaß bei der Lektüre!

Ihr Lieben, ihr lebt in einer Partnerschaft zu dritt. Wir sind ja mit EINEM Mann schon manchmal überfordert (hehe)... Wie klappt das bei euch?

Ja, wie klappt das, wenn wir jeweils gleich ZWEI Männer an der Backe haben? Na, manchmal ist das natürlich anstrengend und wir glauben, das gehört auch zu einer Beziehung dazu, dass es mal nervig ist oder mal stressiger wird, je nachdem wie es so im Alltag läuft… Aber ich glaube, wir ziehen eben auch doppelt Energie da raus, dass man doppelt Zuneigung bekommt, doppelt Liebe.

Simon: Wenn Matthias der jetzt ne Ausbildung als Koch macht, am Wochenende quasi gefühlt durcharbeitet, dann sind halt Johannes und ich zu Hause. Wenn wir jetzt nur ein Pärchen wären, dann wär halt am Wochenende einer alleine zu Hause. Und das ist dann auch wieder das, wo wir dann auch die Mehr-Energie rausziehen.

Wie können wir uns das denn vorstellen: Habt ihr euch alle Drei zusammen kennengelernt oder waren erst zwei zusammen und dann kam ein Dritter hinzu?

Matthias: Wir haben uns nicht alle drei gleichzeitig kennengelernt. Ich hab Simon und Johannes zusammen kennengelernt, als die beiden schon vier Jahre zusammen waren.

Habt ihr anderen beiden euch dann gleichzeitig in Matthias verliebt?

Ob es jetzt exakt der gleiche Zeitpunkt war, lässt sich im Nachhinein nur noch schlecht sagen, aber es war quasi im selben Zeitraum, in dem sich das entwickelt hat und da wir da so viel drüber geredet haben – Simon und Johannes viel, aber auch wir zwei untereinander und zu dritt – hat sich dann halt relativ zügig rauskristallisiert, dass da jetzt doch mehr im Raum steht, als nur ne gute Freundschaft.

Und Mathias kam ja dann auch relativ früh dazu, mit uns darüber zu reden, was er jetzt denkt. Von daher war das dann doch schon einfach. Nur so konnte es funktionieren, weil wir von Anfang an offen über alles geredet haben.

Nun lesen ja hier viele Mütter mit, die das kennen, ihre Liebe aufteilen zu müssen, weil sie mehrere Kinder haben. Viele sagen: Ich liebe meine Kinder gleich stark, aber eben doch jedes auf unterschiedliche Weise. Ist das auch bei euch so?

Ja, das ist ein ziemlich guter Vergleich. So hab ich da auch noch nicht drüber nachgedacht, dass es ja vergleichbar mit Kindern sein könnte. Aber ich glaube, so ähnlich ist das. Also man liebt dann quasi den jeweils anderen auf eine andere Art und Weise. Man hat andere Gemeinsamkeiten, nicht komplett andere, aber man weiß halt, dass man mit dem einen über Sachen reden kann oder über Sachen lachen kann, über die man mit dem nicht unbedingt vor Lachen ausrasten kann.

Simon: Wenn jetzt Mathias und Johannes übers Kochen, Einkaufen und so reden, da bin ich meistens raus, weil die beiden eh am liebsten und am besten kochen können und dann übernehmen die beiden da einfach die Planung. Und dafür haben Matthias und ich dann wieder Gemeinsamkeiten, wo Johannes dann raus ist.

Ist es denn auch bei euch so, dass es da auch mal über einen Zeitraum einen Favoriten in der Konstellation gibt?

Johannes: Mittlerweile würde ich Nein sagen, aber gerade am Anfang war es natürlich so, als Matthias frisch dazu gekommen ist, da gab es Zeiten, wo er spannender oder irgendwie interessanter war.

Simon: Der Johannes und ich, wir waren ja schon vier Jahre zusammen. Ich mein, klar ist da jemand, den man neu kennenlernt, erstmal interessanter.

Johannes: Aber seitdem? Natürlich mag es immer mal wieder Zeiten geben, wo der eine sich so ein bisschen mehr aus der Beziehung rauszieht, weil er vielleicht grad mehr gestresst ist, aber das hält dann in der Regel nie lange und das ist noch nie ein Problem gewesen.

Ja, oder man zofft sich vielleicht mit dem einen so ein bisschen oder es gibt Streitereien, dann redet man mit dem anderen darüber, dann versteht man sich mit dem in dem Moment besser, aber das hält eigentlich nie lang an.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Was bedeutet euch das Thema Eifersucht, wie definiert ihr das oder gibt es das bei euch gar nicht?

NEIN, gibt es bei uns nicht. Klassikerfrage! Das bedeutet uns nichts.

Sie würde uns etwas bedeuten, wenn sie denn existent wäre, aber das ist sie nicht.

Es ist natürlich ein wichtiges Thema, wenn es Eifersucht gibt, muss man auch drüber reden, aber dadurch, dass wir von Anfang an immer über jegliche Befindlichkeiten geredet haben, gibt es da wenige Unklarheiten. Wo andere vielleicht sagen würden, ich schluck das jetzt mal runter, reden wir von Anfang an miteinander.

Wir sagen halt, wenn uns was stört. Und das haben wir von Anfang an so gemacht, von daher ist da nie das Gefühl von Eifersucht aufgekommen. Und ich glaub auch, dass Eifersucht ein Problem ist oder zum Problem wird, wenn man nicht offen genug miteinander redet, sondern das vielleicht zu seinem besten Freund oder Freundin geht und mit ihm oder ihr über den Partner redet. Und das ist dann irgendwie problematisch.

Oder wenn man aus allem, was man meint, grad mitzubekommen, irgendwie seine eigenen Schlüsse zieht und so für sich verarbeitet, statt einfach mal mit dem Partner drüber zu reden. Denn häufig gibt es ja für vieles ganz einfache Lösungen.

Das ist ja aber dann kein Miteinander, sondern eher ein Gegeneinander und dann frage ich mich, wie viel Sinn die Beziehung eigentlich noch macht.

Nun gelten Dreierkonstellationen ja ohnehin als eher schwierig. Fühlt sich da also ab und zu auch mal jemand zurückgesetzt?

Naja, also bei uns fühlt sich eigentlich generell nie jemand zurückgesetzt. Wenn, dann ist es meist eine freiwillige Entscheidung, dass jemand sagt, ich brauch heut Abend mal meine Ruhe, ich brauch vielleicht auch mal längerfristig meine Ruhe, weil ich grad irgendwie gestresst bin von der Arbeit vom Studium oder von was auch immer…

Ja, die Sache ist halt, das muss sich dann erstmal einspielen…

Mathias: Man kann jetzt nicht von heute auf morgen verlangen, dass eine Beziehung, die sich vier Jahre lang eingespielt hat, direkt weiter runter läuft, wenn man plötzlich zu dritt ist. Weil irgendwie verändert sich dann ja auch die Beziehung zwischen den beiden! Wie gesagt, die beiden waren am Anfang schon sehr auf mich fokussiert, weil ich ja der Neue war. Und dann konnte ich halt nicht erwarten, dass das jetzt nicht zu Spannungen zwischen den beiden führt.

Deine Mutter ja auch irgendwie gefragt: „Fühlst du dich nicht wie das dritte Rad am Wagen?“ Das war ja eher das Gegenteil. Dass wir dich ziemlich in Beschlag genommen haben. Aber mittlerweile ist das eigentlich ziemlich ausgeglichen.

Hat denn jeder von euch ein eigenes Zimmer? Oder schlaft ihr nachts alle in einem riesig großen Bett?

Nein, wir haben aktuell nicht alle ein eigenes Zimmer, wir haben ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer…

Wir leben auf 50qm.

Ja, das ist hier in Köln in der Innenstadt immer so ein bisschen ist oder war als Student nicht anders möglich…

Mathias: Die Wohnung war halt eigentlich mal von Simon und Johannes und ich bin quasi einfach dazu gezogen. Deswegen schlafen wir jetzt zu dritt in einem Standard-1,80m-Doppelbett, was völlig in Ordnung ist. Viele Leute fragen uns, ob das nicht zu eng ist. Aber wir haben uns dran gewöhnt und es ist alles Gewöhnungssache. Aber es wäre natürlich schon schön, in einer neuen Wohnung mal ein bisschen mehr Freiraum, mehr Platz zu haben. Vielleicht auch mit einem eigenen Zimmer oder einem größeren Bett, aber das steht jetzt gerade noch nicht zur Debatte.

Das kommt dann in der neuen Wohnung, die für Mitte, Ende nächsten Jahres zumindest in Planung ist.

Welche Absprachen und Planungen braucht es, damit das bei euch funktioniert?

Wir haben einen gemeinsamen Kalender, ja, wir haben auch einen Kalender für jeweils zwei von uns, wo aber jeder immer drauf zugreifen kann. Wir haben mehrere verschiedene Kalender, aber am Ende können wir alle auf alle Kalender zugreifen und sehen, was los ist. Wer was zu tun hat, egal ob arbeitstechnisch, privat oder sonstwie. Nur so kann das funktionieren, sonst kämen wir durcheinander mit all den Terminen, sonst kriegen wir das auch mit anderen Freunden nicht so hin.

Aber habt ihr regelmäßige Treffen zum Reden oder Dates?

Dates mit jeweils einem? Ich glaub, es ist eher so, dass wir zusammen leben.

Wir lang sind wir jetzt zu dritt genau zusammen?

Wir sind jetzt zu dritt über 4 Jahre zusammen, da haben wir keine Dates mehr.

Also klar, machen wir Sachen zusammen, aber wir nennen das nicht Dates, egal in welcher Konstellation.  

Aber wir haben immer zwei Treffen pro Woche im Kalender stehen, die kriegen wir eigentlich auch gut hin, um mal abzusprechen, wie sieht´s nächste Woche aus, wie am Wochenende, wie schaut´s mit Urlaub aus. Und auch mit so banalen Sachen wie: Was kochen wir die nächsten Tage? Einfach um sowas uu planen, weil sonst wird es halt doch schwierig.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Ihr führt – so sieht es jedenfalls bei Instagram aus – eine sehr glückliche Beziehung. Mögt ihr uns zum Abschluss noch euer Geheimrezept verraten?

Gut ausleuchten ;-) Für Instagram-Bilder (Lachen!). Irgendwie ein effektives Fake-Lachen draufkriegen. Spaß! Sagen wir so, wir haben es sicher so perfektioniert, dass wir selbst in Situationen, in denen wir vielleicht nicht die allerbeste Stimmung haben, wo wir uns vielleicht auch grad mal auf den Sack gehen…

…Was ja auch normal ist…

…also in Situationen, in denen wir eigentlich ein Bild machen wollen, weil wir vielleicht grad im Urlaub sind..

…oder weil wir grad vor einer tollen Kirche stehen, dass wir es dann auch schaffen, für´s Foto ein Lächeln anzuknipsen, das dann nach dem Foto auch gleich wieder weg ist (lacht).

Nein, aber die meisten Bilder sind nicht so gestellt. Die meisten sind sehr authentisch. So wie wir sind eben! Und ja, das kann man schon glücklich nennen.

 

 

Tags: Beziehung, Liebe, Vielfalt, Regenbogenfamilie, Gay, schwul, Fürsorge, Geborgenheit

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Kommentare

Britta — Di, 10/02/2018 - 08:13

Liebes Stadt-Land-Mama-Team, Seit Jahren lese ich regelmäßig eure Beiträge und fand sie informativ, unterhaltsam, meine Themen als Mutter treffend. Seit einiger Zeit empfinde ich die Auswahl eurer Interviewpartner seltsam bis sehr skurril. Gehen euch die Themen aus? LG Britta

Land-Mama Lisa — Di, 10/02/2018 - 08:22

Liebe Britta, wenn uns die Themen ausgingen, würde hier ja nichts mehr stehen, dann würden wir auf Veröffentlichungen einfach verzichten. Tatsächlich ist es aber so, dass sich - und da spreche ich für mich (Lisa) - deutlich merke, dass sich mein Fokus wieder öffnet. Dass ich gern über reine Babythemen hinaus denke und genauso, wie sich mein Leben oder meine Mutterschaft entwickelt, so entwickelt sich natürlich auch unser Blog. Ich hab kein Baby mehr zu Hause, gehe wieder mehr raus aus den eigenen vier Wänden und stoße immer wieder auf wunderbare und interessante Geschichten. Einige davon schaffen es hierher. Weil sie mich faszinieren, weil sie Denkanstöße geben, weil sie uns Einblicke in eine Welt geben, die uns vielleicht sonst verschlossen bliebe. Ich hoffe, das erklärt es ganz gut. Viele liebe Grüße!

Sabine — Di, 10/02/2018 - 16:16

Hatte die gleichen Gedanken wie Britta beim Lesen... Mir kam das Thema so an den Haaren herbei gezogen vor... Und dann noch so amateurhaft: wer sagt was? Vielleicht klappt's beim nächsten Beitrag wieder besser. Eigentlich finde ich es toll, dass so gut wie täglich ein neuer Beitrag erscheint, aber lasst Euch ruhig mehr Zeit, dann geht es nicht auf Kosten der Qualität.

Sabrina — Di, 10/02/2018 - 08:56

Ich habe mich heute morgen eher über den Artikel gefreut, weil ich gestern eher dachte "Hm, das Thema kommt grade auch öfter." Was ja auch klar ist, wenn man in Lisas Situation ist.

Saskia — Di, 10/02/2018 - 09:02

Ich finde es großartig das hier über die drei Jungs geschrieben wurde und so das Thema toleranz gegenüber anderen und anderem angestoßen wurde. Generell verstehe ich nicht wieso manche sich mit Toleranz so schwer tun, als gäbe es nur eine Farbe und zwar die eigene.

Maria — Di, 10/02/2018 - 09:09

Vielen Dank für das Interview! War bestimmt nicht so leicht, dass dann aufzuschreiben. Ich finde es auch immer toll, über den Tellerrand zu schauen. Wir leben in einer Gesellschaft mit so vielen Tabus und vermeintlichen Regeln. Zu sehen, was es noch so gibt und dass das dann auch funktioniert, ist doch eine Bereicherung.

Lala — Di, 10/02/2018 - 11:18

Die drei wirken sehr sympathisch und scheinen wirklich glücklich in ihrer Beziehung zu sein. Eine Frage habe ich aber, nachdem ich mir die Fotos auf Instagram angesehen habe (und das ist wirklich ernst gemeint): Bewegen sich die drei immer in der gleichen Konstellation? Läuft, sitzt, schläft immer der gleiche in der Mitte, der gleiche links, der gleiche rechts? Pendelt sich das irgendwann so ein? Oder ist das ein Effekt für die Fotos?

Romy — So, 10/07/2018 - 14:49

Liebes Stadt Land Mama Team, für mich ein sehr befremdliches Thema. Ich wäre geschockt, wenn mein Sohn zu mir gekommen wäre u. mir erzählt hätte, er lebt in einer Drei- oder Mehrfachbeziehung. In meinem Kopf schwirren die Fragen: ' Ist das alles noch normal?', ' Was ist normal?', 'Bin ich einfach nur intolerant ?' NEIN! Ich glaube an eine Zweierbeziehung,die ich lebe und auch meinem Sohn vorgelebt habe. Ebenso seine Großeltern und Urgroßeltern. Und ich bin nicht intolerant. Ich muß aber nicht alles gut und richtig finden. Romy

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