Stadtleben

05/10/2014 - 09:00

Stadt-Mama Caro

Nora Imlau, die Expertin zum Thema Glückliche Babys gibt uns Antworten zum Attachment-Parenting!

Ihr Lieben, in einem Beitrag hat Lisa sich vor Kurzem gefragt, ob bedürfnisorientierte Erziehung nur in kleineren Familien funktionieren kann. Dieser Beitrag sollte mal keine rhetorische Frage sein, sondern sie war wirklich gespannt auf Antworten zu dieser Frage. Und weil sie findet, dass die Autorin Nora Imlau die deutsche Päpstin auf diesem Gebiet ist, haben wir sie einfach mal gefragt, ob sie nicht Lust hat, uns darauf zu antworten. Und - wow! - sie hat sich tatsächlich die Zeit genommen, uns ihre Gedanken dazu aufzuschreiben. Einige werden Nora Imlau als Autorin der Zeitschrift Eltern kennen, andere durch ihr liebevolles Buch Das Geheimnis zufriedener Babys, das Caro auch hier im Blog schon einmalvorgestellt hat. Besucht Nora auch gern mal auf ihrer Internetseite. Jetzt aber! Attachment Parenting für Mehrkindfamilien.

Ja, auch mit vielen Kindern klappt "Attachment Parenting". Was die Zahl der Kinder angeht, steht es zwischen uns 3 : 2 für Dich, liebe Lisa. Insofern musste ich schmunzeln, als Du mich um eine Einschätzung batst, ob der so genannte bedürfnisorientierte Umgang auch in Familien mit mehr als zwei Kindern alltagstauglich sei. Denn so intensiv ich mich als Mutter und Autorin mit dem Thema auch beschäftigt habe: Eine authentische Antwort darauf, wie sich die Grundideen „Attachment Parenting“ im Familienalltag zu fünft, zu sechst oder gar zu siebt anfühlt, kann ich Dir aus eigener Erfahrung nicht geben.

Doch du hast Glück: Gerade letztes Wochenende hatten wir Besuch von guten Freunden mit vier Kindern – die allesamt über zwei Jahre nach Bedarf gestillt und viel im Tragetuch getragen wurden, und die alle im Familienbett schliefen. Ihre Mutter, meine Freundin Julia, ist übrigens trotzdem bei jedem Kind nach maximal zehn Monaten in ihren Beruf zurückgekehrt – in Vollzeit. Eine moderne Supermutter? Nein: Eine Frau wie du und ich, die ihre Kinder liebt und ihren Job, und die für sich einen Weg gefunden hat, die Bedürfnisse aller Familienmitglieder so gut es geht unter einen Hut zu bekommen. Den bedürfnisorientierten Weg geht sie nicht, weil sie ihren Job als Mutter besser machen will als alle anderen – sondern weil er sich für sie normal und natürlich anfühlt, und außerdem: Zeit und Kraft spart.

Wie bitte? Das lange Stillen, die gemeinsamen Nächte, das Tragen kiloschwerer Kindpakete – das soll Energie sparen statt rauben? Meine Freundin sagt: Ja. Und ich verstehe sie. Denn mir ging es genauso.

Wollte meine große Tochter Fußball spielen, kam die Kleine einfach ins Tragetuch und mit nach draußen. Wollte sie mit mir puzzeln oder Puppen wickeln, lag die Kleine meist an der Brust. Zwei Kinder ins Bett zu bringen ging super, weil ich die Kleine in den Schlaf stillen konnte während ich der Großen vorlas. Wurde die Kleine morgens wach und ich war noch müde, legte ich sie an die Brust und ließ sie schlicht dauernuckeln, damit ich noch liegen bleiben konnte. Ich weiß, dass das für viele Mütter unrealistisch klingt – für mich war es eine wunderbare Lösung. Für meine Freundin Julia auch: Mit dem jeweils jüngsten Baby ganz nah an sich dran kümmerte sie sich um die Großen, stillte das Kleine routiniert auch im Stehen und Gehen, musste sich weder um feste Schlafens- noch um feste Fütterzeiten kümmern und dank Familienbett nachts niemals aufstehen. Natürlich fand sie den Familienalltag trotzdem oft anstrengend – aber deutlich weniger, als wenn sie auch noch Fläschchen und Schnuller auskochen, einen sperrigen Kinderwagen in den Bus wuchten und nachts zum Gitterbettchen hätte gehen müssen. Ob sich der bedürfnisorientierte Weg nach einer Belastung oder nach einer Befreiung anfühlt, ist deshalb letztlich eine höchst individuelle Frage. Für Julia, mich und viele meiner Freunde hat sich der liebevolle, bedürfnisorientierte Umgang mit unseren Kindern jedenfalls als so selbstverständlich und alltagstauglich erwiesen, dass es völlig egal ist, ob wie zwei, drei, vier oder fünf Kinder haben – wir wollen das Stillen, das Tragen, das gemeinsame Schlafen und die große Verbundenheit zu unseren Kindern, die dadurch entsteht, einfach nicht mehr missen.

Tags: Attachment Parenting, bedürfnisorientiert, Imlau, Erziehung, Eltern, Kinder, Mutter

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Kommentare

Anna — Sa, 05/10/2014 - 11:26

Jedes Kind länger als 2 Jahre nach Bedarf gestillt aber nach spätestens 10 Monaten in Vollzeit gearbeitet... Wie geht das?? Und mal ehrlich, die angeblichen Vorteile (kein schwerer Kinderwagen wird gebraucht, keine Sauger abkochen) klingen doch sehr weit hergeholt. Wenn ich dafür ein kaputtes Kreuz vom Tragetuch und ein dauernuckelndes Baby an meiner Brust in Kauf nehme... Aber egal, jeder so wie er denkt und so lange alle glücklich sind: weiter machen.

Sylvia — Mo, 05/12/2014 - 14:07

@Anna Stillen nach Bedarf heißt bei einem größeren Kind nicht, dass es den ganzen Tag an die Brust will. Aber wenn man nach Hause kommt und der Zwerg will so die verpasste Nähe des Tages wieder aufholen können schonmal fix ein paar Schlückcken Milch helfen. Und kaputter Rücken muss nicht sein. Ich trage meinen kleinen Mann meist noch vorne trotz 9,5 Kilo und habe gar keine Probleme. Wichtig sind entweder eine gute Bindetechnik dasmit alles fest sitzt oder eine gute Tragehilfe. Z.B. verteilt die Manduca die Last auch auf die Hüfte. Ach und von Anfang an und jeden Tag tragen hilft auch. Dann wächst die Rückenmuskulatur mit seinen Aufgaben bzw. der Masse des Kindes mit. Geht also :o)

tatjani — Sa, 05/10/2014 - 12:01

ich finde den artikel wirklich sehr interessant, danke dafür :) ich stelle es mir allgemein nur leichter vor, wenn die größeren kinder schon in die kita gehen, so hat frau dann ja doch nur für bestimme zeit des tages "nur" das jeweils kleinste kind. und wenn die freundin ja auch wieder vollzeit arbeiten gegangen ist, sind die kidner ja sicher auch ganztags in der kita.

Kristin — Sa, 05/10/2014 - 13:48

willkommen in der Welt der Vorurteile Anna ;) wenn man ein Tuch richtig bindet,passiert da nix mit dem Rücken und Babys werden nicht zu kleinen verwöhnten Anhängseln wenn man sie auch einfach mal nur nuckeln lässt, zum Glück :D und wie du schon gesagt hast,solange alle glücklich sind,weiter machen! Ich kann den Mädels nur bei pflichten,wer das kleine oft bei sich hat ohne starre Essenszeiten,im Tuch oder stillend nebenbei,hat def. mehr Möglichkeiten und Raum für das große Kind! Wir haben für uns auch den goldenen Mittelweg aus Kinderwagen,Tragen,Familienbett, gemeinsames Schlafen im Kinderzimmer,Stillen,Zu füttern und noch vielem mehr gefunden und ich bin erstaunt,dass es dafür erst den zweiten n Mini-Mann gebraucht hat :D in diesem Sinne wünsche ich allen Mamas morgen einen schönen Mamitag und gutes Wetter für nen feinen Ausflug!Z

Laura — Sa, 05/10/2014 - 15:51

vom Stillen und Tragen, aber nach einer Weile (6 Monate ziemlich genau) habe ich beides doch mehr als Einschränkung gesehen. Dauerhaft ein Baby umgebunden oder an der Brust zu haben, hat mir auch im Gegensatz zu der Autorin nicht mehr Raum für meine Große verschafft, sondern eher weniger. Und nicht zuletzt auch der Raum für mich selbst war eingeschränkt. Klar, jeder sollte es so machen wie es eben der Bauch vorgibt. Vielleicht hängt es auch einfach von den Kindern selbst ab. Meine haben von Anfang an sehr gerne im Babybay und später im eigenen Zimmer geschlafen. Und auf ihren Spieldecken/ im Laufstall war es doch aufregender als in der Manduca. Das ist für mich "bedarfsorientiert" Mutter sein, nicht nach irgendwelchen Richtlinien àla attachment parenting sondern eben so wie es für alle Beteiligten am besten passt.

Sabinchen — Sa, 05/10/2014 - 18:08

Vorweg: auch ich habe meine beiden Töchter viel getragen, lange gestillt und das Familienbett gibt es immer noch, ABER: Mir geht dieses Geschwätz darüber sowas von auf den Keks. Denn es suggeriert, dass alle, die das anders machen (Fläschchen und Schnuller geben, Kinderwagen, getrennte Zimmer) nicht nach den Bedürfnissen ihres Kindes handeln! Mädels, hört auf, euch so einen Druck zu machen!!! Kinder sind glücklich, wenn man sie liebt, auf die eingeht und versucht, sie zu verstehen - und das muss nicht dauernuckelnd an der Brust und im Tragetuch passieren! Natürlich geht das auch bei Kind 2 und 3 und 4! Letztlich sollte Frau aber auch ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren! Und sich nicht ständig nur vergleichen!

Nora — Sa, 05/10/2014 - 21:58

Ich stimme in vielem zu, allerdings hört sich das in der Theorie oft netter an. Deshalb würde ich gerne eure Meinung zu einigen Details wissen. Mit Tragetuch raus gehen, damit man den sperrigen Kinderwagen nicht durch Türen oder in Bahnen wuchten muss. Ist es in der Realität denn nicht auch bei euch so, dass man mit zwei Kindern (oder noch mehr) immer wie ein Packesel bebackt ist!? Ich bin froh wenn ich einen Kinderwagen dabei habe mit Kiddiboard. Wie sollte ich Baby, dreijährigen, Laufrad, Sandspielzeug, Wickeltasche tragen!? Geschweige denn von Einkäufen, welche wir oft noch im Anschlussen. Selbst wenn ich nur mit Baby im Tragetuch unterwegs bin macht das wirklich nur für einen Spaziergang Spaß. Sobald ich Einkaufstüten dann auch noch tragen muss, finde ich es, egal wie gut gebunden, nur noch anstrengend. Fazit: Ich habe das erste Kind öfters getragen als jetzt das Zweite! Zum stillen. Ich stille viel und gerne. Aber stillen zum einschlafen und dem anderen Kind dabei vorlesen!? Das geht meiner Meinung nach doch nur in den allerersten Monaten. Mein Baby ist sieben Monate alt und wäre dadurch total abgelenkt. Der würde zum Buch hin wollen! Er ist schon sehr mobil und möchte"mit spielen" und nicht an der Brust liegen wenn ich mit dem Bruder interessante Sachen mache. Genauso wäre er auch nicht mehr im Tragetuch auf dem Spielplatz zufrieden. Was also machen wenn das Baby sich durch den Sand robben möchte, der "Große" angeschaukelt werden möchte etc...!? Meiner Meinung nach hält diese Phase viel länger an und ist nicht mit Brust und Tuch zu regeln. Schönen Muttertag euch allen morgen!

Lorelai — Sa, 05/10/2014 - 22:02

Meine Antwort habe ich ja schon beim entsprechenden Beitrag gegeben. Ich kenne ebenfalls eine Mutter von 7 Kindern, die alle gestillt, getragen, familiengebettet, fast alle zuhause geboren und windelfrei praktiziert hat. Geht ganz gut und sie ist nun sogar auf Homeschooling umgesattelt die (grösseren) Kinder müssen nicht mehr zur Schule...

Sabinchen — Sa, 05/10/2014 - 23:37

Huhu, muss dich nochmal was schreiben... Lorelai, also wieder ein Vergleich mit einer Supermami, wie ihn Nora ganz oben auch gemacht hat. Und was lernen wir daraus? Supermamis brauchen keine Fläschchen, Bettchen, Schnullerchen, Windelchen, Wägelchen, die sind Ärztinnen, Lehrerinnen, Hebammen, Köchinnen, Erzieherinnen und das für vier, ach sieben Kinder. Mindestens. Klar, sie arbeiten natürlich noch Vollzeit in ihrem eigentlichen Job und haben Kinder, die das alles ganz toll finden. Schließlich werden ihre Bedürfnisse ja immer sofort gestillt. Und alle sind ganz, ganz glücklich. Glaubt ihr diesen Quatsch eigentlich wirklich? Ein bisschen Ehrlichkeit und Selbstreflexion sollte echt sein! Ich wünsche wirklich allen Mamis, und besonders euch, Nora und Lorelai, ein bisschen mehr Gelassenheit mit all diesen Themen und ein bisschen weniger Drang nach Perfektionismus (wer maßt sich hier eigentlich an, so genau zu wissen, was Kinder brauchen und was nicht?). Scheiß Supermami! Seid ihr selbst! Schönen Muttertag!

Lucy — Mo, 05/12/2014 - 13:30

Ich find das ja ganz toll, dass manche 7 Kinder mit links erziehen, stillen und tragen... obwohl ich mir das echt nur schwer vorstellen kann. Meine Erfahrung: Fläschchen und Schnuller auskochen geht schnell und unkompliziert - kann auch der Papa abends übernehmen. Tragen - hab ich supergern gemacht und fand es praktisch, aber wirklich nur die ersten 7 Monate. Seitdem kommt die Trage nur beim Wandern zum Einsatz. Mit einem leichten wendigen Kinderwagen ist Bus, Bahn, Einkauf gar kein Thema! Jedes mal wenn ich einkaufen gehe, bin ich sooo froh, dass ich einen KiWa hab und die Einkäufe samt Kind nicht schleppen muss. Aber letztendlich geht es darum, dass man sich wohl fühlt und die Kinder glücklich sind - dann ist alles gut! Danke an Nora für den Beitrag! Lucy

SUSI — Mo, 05/12/2014 - 14:59

auch ich finde, nicht unter druck setzen! wenn die kinder vollzeit in die kita gehen - mal ehrlich, wieviel zeit bleibt da noch übrig fürs tragen? eine mama, die länger zuhause bleibt bei ihrem kind, aber lieber den kiwa schiebt als trägt, gibt ihrem kind sicher über den tag verteilt mehr nähe. jede eben so wie sie kann und will!

Julia — Mo, 05/12/2014 - 16:11

…was ist denn hier wieder los?! Dass Frauen immer so zickig sein müssen…. ;-) Also es ist doch mal wieder -wie so oft im Leben - so individuell alles, oder? Ich hab bei Kind Nr 1 und 2 (genauso alt wie Cleo) die Devise, je nachdem, was praktischer ist! Hab das Gefühl, Nr. 2 legt man öfter mal ab, weil Nr. 1 was braucht oder was will, oder man Essen machen muss etc.pp. Wenn es geht, trag ich sie aber. Auf dem Spielplatz/unterwegs finde ich meist KiWa praktischer, weil ich das Gefühl habe, die Kleine mag es nicht so gern länger als 1-2 Stunden darin und muss sich mal Strecken und bewegen. Allerdings habe ich sie letztens im Tragesystem sogar gestillt(!) in der Berliner UBahn (!!)… ging nicht anders… Ich finde allerdings auch, dass dieses "Gestillt, getragen, familiengebettet" oft wie so eine Auszeichnung vor sich her getragen wird..;-) Als ob "Flaschegebend" nicht "genug liebend" sein könnte.. Runter vom Ross und runter von den Barrikaden! :-) Liebe Grüße, Julia

Kristin — Mo, 05/12/2014 - 21:02

Wirklich schön hast du das gesagt Julia! Wie ich oben bereits erwähnte, ist es bei uns auch die Mischung aus vielen verschieden für uns als Familie praktischen Dingen. Mal tragen,mal Wagen,Schnulli,Beruhigungsstillen,Flaschen,wenn Mama einmal im Monat Mädelsabend hat ;) beide Jungs im gemeinsammen Schlafzimmer,bis Mini Hunger hat und Maxi von allein kommt :D usw usw ... in diesem Sinne einen wünsch ich dir noch einen schönen Abend mit deinen zwei kleinen

franziska — Mo, 05/12/2014 - 21:58

Dass Leute, die lange Stillen und Tragen, irgendwo das Wort "beduerfnisorientiert" fuer sich reklamieren, was ja suggeriert, dass den anderen die Beduerfnisse ihrer Kleinen egal waeren. Und das ist einfach Quatsch. Mein Kleinster zb hat es im Tragetuch gehasst - kannte er seine eigenen Beduerfnisse nicht :) ? Sicher hat jedes Baby ein Beduerfnis nach Koerpernaehe, aber doch in sehr unterschiedlichem Ausmass. Und auch ohne Stillen laesst sich Naehe herstellen. Und wenn mein Kind super im eigenen Bett klarkommt freue ich mich darueber und ziehe mir nicht den Schuh an, weniger fuer seine Beduerfnisse da zu sein als die Eltern, die sich mit den kids im Bett quetschen.

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