Landleben

02/02/2017 - 06:45

Land-Mama Lisa

Petition gegen Schönheits-OP-Apps: Was haltet ihr von Beauty-Spielen für Kinder?

Ihr Lieben, manchmal lernt man Menschen nur kurz kennen und folgt ihnen dann aber irgendwie weiter. Dank sozialer Medien ist das ja heute auch wirklich einfacher möglich als damals. Bei einem Empfang vor zwei Jahren in Berlin habe ich also Alena kennengelernt, die sich unermüdlich für AnyBody Deutschland engagiert.

AnyBody Deutschland und das internationale Endangered Bodies-Netzwerk sprechen sich gegen starre und mächtige Schönheits- und Schlankheitsideale in Medien und Gesellschaft aus und kämpfen für mehr individuelle Freiheiten und Vielfalt von Körpern und Erscheinungsbildern in der öffentlichen Darstellung. Alena machte uns nun auf die neuste Aktion aufmerksam, von der wir hier gern berichten.

Denn warum müssen Barbies eigentlich immer so spindeldürr sein? Warum gibt es kaum Laufstegmode für Normalos wie uns? Wie kann es sein, dass Frauen nur aufgrund ihres Körpergewichtes im Kreißsaal diskriminiert werden? Ihr könnt euch vorstellen: Da gibt es einiges zu tun! Die neueste Petition widmet sich nun Schönheits-OP-Apps für Kinder. Ja, sowas gibt es wirklich!

Als Spiel für Kinder getarnt, bieten die Apps ihren Benutzern an, mit Skalpellen, Injektionsspritzen und anderem „Werkzeug“ an virtuellen Patienten „herumzudoktoren“, um sie angeblich zu verschönern.

Titel der Petition dagegen: Stoppt Schönheits-OP-Apps für Kinder #SurgeryIsNotAGame

In der Begründung der Petition schreibt Gudrun Wiborg: „Als Psychologin und Psychotherapeutin arbeite ich unter anderem mit jüngeren und älteren Frauen. Viele der Frauen leiden unter ernsthaften Problemen mit ihrer Körperwahrnehmung, die zu Essstörungen, Schönheitsoperationen, Depressionen und damit verbunden zu einem selbstschädigenden und reduzierten Leben führen.

Selbst viele der Frauen mit weniger schwerwiegenden Körperbildproblemen glauben, ihren Körper verändern zu müssen.

Diese Probleme sind die Konsequenz einer Gesellschaft, die sich selbst auf "Top Model, Perfekte Körper, Für-immer-Jung-Bleiben-müssen", sprich auf Schönheit als standardisiertes Konzept reduziert.“

Gudrun ist selbst Mutter einer elfjährigen Tochter. Sie beobachte, so schreibt sie, eine Manipulation von Kindern durch die vielzähligen Schönheits-Apps, die die obsessive defizit-suggerierende Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen zum Ziel haben.

Ihr Appell: „Ich möchte, dass meine Tochter und alle Kinder in Freiheit aufwachsen: in Freiheit, sich selbst lieben und akzeptieren zu dürfen in der Diversität und Schönheit, die jedes Kind in sich trägt – innerlich und äußerlich.“

Die Schönheits-OP-Apps werden nämlich schon für ab neunjährige Kinder angeboten. Welches Bild vermittelt das? Dass wir alle nicht gut genug sind? Oder ist es nur ein Spiel?

Fakt ist: Weltweit wurden laut Internationaler Gesellschaft für Ätshetische Chirurgie im Jahr 2015 über 21 Millionen sogenannte Schönheits-OPs durchgeführt. In Deutschland fühlen sich ein Drittel der 11jährigen Mädchen zu dick, fand die aktuelle internationale HBSC-Studie heraus, die das Gesundheitsverhalten von Schulkindern weltweit untersucht und vergleicht.

Gudrun Wiborg findet: „Ganz egal in welchem Land Kinder aufwachsen: Sie sollten Freude am Spielen und Lernen haben dürfen, anstatt kritisch über ihr Aussehen zu grübeln.“ Wenn ihr das auch so seht, könnt ihr gern ihre Petition unterzeichnen.

Tags: Kinder, Körper, Selbstbewusstsein, Eltern, Verantwortung, Spiele

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Kommentare

Maria — Do, 02/02/2017 - 08:47

Für diesen Beitrag. Ich finde sowas sehr wichtig. Unglaublich, dass es solche Apps gibt. Ich selbst habe zwei kleine Töchter und möchte nicht, dass sie jemals an sich oder ihrem Körper zweifeln. Ich denke, dass es aber auch für Jungs immer schwerer wird...

Lilli — Do, 02/02/2017 - 13:52

Danke, dass ihr auf das Thema aufmerksam macht. Ich bin bei merchandise eigentlich eher entspannt, ein bisschen Lillifee&hello Kitty stören zwar den Geldbeutel und die Geschmacksnerven der Eltern, wirklich langfristig hat das bis jetzt kein Kind das ich kenne beeinflusst. Anders bei dem Topmodel Mist. Meine kleine Schwester (Nachzügler) hat mir mit ihren 10 Jahren alles über Kalorien, angestrebte Modelfiguren und den Streit untereinander über die schönste Figur erzählt. Heute mit 12, geht es bei ihr immer noch um die Figur, sie macht aktiv Diäten und Snapchat Filter die zum Puppengesicht ummodellieren sind ihr Lebensinhalt. Sie isst keinen Käse mehr, weil der zu viele Kalorien hat... Alles was Schönheit definieren will und sie als einziges theamtisier, ist Gift für Kinderseelen. Diese Apps sind die Kirsche auf dem Sahnehäufchen. Die tigerente wie von Janosch kann meine Tochter von mir aus gerne haben, auch wenn sie viel mehr kostet als eine normale, diesen "Beauty" Müll boykottiere ich.

Maro Schmitt — Mo, 03/13/2017 - 10:35

Leider lauern nach meiner Beobachtung noch andere jugendgefährdende Dinge im Web, z.B. die Selbstdarstellungen von Magersüchtigen - Dünnsein-Wettbewerbe (s. Sendung 7 Tage... gegen die Essstörung, Min. 25-28) oder diese fürchterlichen YouTube-Channels zum Thema Trans* (z.B. MrThink Queer, ftm tom henrik, Transgender-Life) oder die selbstdarstellerischen Macho-Transmann-Medienauftritte von Balian Buschbaum. Jugendliche, die sich in der sensitiven Phase des Erwachenwerdens befinden und mit ihrer Entwicklung hardern, geraten dadurch sehr leicht in eine "Szene", aus die sie oft nicht mehr herausfinden. Die diversen "Heilslehren" dieser Szenen erinnern an andere alternativ spirituelle Vereinigungen. Mit rationalen oder wissenschaftlichen Argumenten ist dem nicht bei zu kommen. Jahrelang beschäftigen sich diese Jugendlichen damit, lassen sich z.T. operieren, schlucken Medikamente oder Hormone, die nicht medizinisch indiziert sind, gehen hohe Risiken ein, nehmen sich u.U. das Leben. Doch niemand scheint das zu interessieren. Gibt es irgendwo besorgte Eltern, Psychologen, Mediziner oder Politiker?

M. Schmitt — Mo, 03/13/2017 - 15:13

Für sog. Körperdysmorphe Störungen gibt es therap. Ansätze und Therapeuten, z.B. https://www.uni-muenster.de/KDSAmbulanz/K%C3%B6rperdysmorphe_St%C3%B6rung/Kds.html oder http://www.dysmorphophobie.de/start.htm. Bei Essstörungen auch, z.B. vielfältige Therapien, die zur Körperakzeptanz führen sollen. Nur bei Menschen, die sich mit ihrem Körper wegen der geschlechlichen Körpermerkmale nicht arrangieren können, gibt es das nicht. Keine therap. Ansätze, mittlerweile glauben sogar offensichtlich die meisten Therapeuten an die sog. born-that-way-These, die aber noch nie wissenschaftlich belegt werden konnte. Der Körper sei falsch, Gott habe einen Fehler gemacht, etc. Die Trans-Menschen werden nur noch 'gecoacht' und es gibt jede Menge Helfer-Syndrom, Aktionismus und Machbarkeitswahn in dieser Szene.

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