Landleben

17/01/2018 - 06:45

Land-Mama Lisa

Schon reif für die weiterführende Schule? Unsere Gedanken zur Schulwahl nach der Grundschule

Liebe Katharina, ich danke dir für deinen tollen Text zur Eingewöhnung und zum Bauchgefühl, deine Kleine nicht in die Kita zu geben. Am Ende kam ja dann alles viel besser als gedacht und ehrlich, so gehe ich auch oft durchs Leben. Wird schon gut werden. Und meine Kinder sind zwar älter als deine, aber vor diesen großen Fragen steht man doch immer wieder.

Bei uns steht in diesem Jahr der Abschied von der Grundschule an. Die Zwillinge gehen in die vierte Klasse und nun laufen wir – wie auch vor zwei Jahren mit unserer Tochter – von Tag der Offenen Tür zu Tag der Offenen Tür der weiterführenden Schulen.

Denn nur, weil die eine Schule für unsere Tochter passt, heißt das ja noch lange nicht, dass diese auch für unsere Söhne passt. Und wenn es um die Schullaufbahn der Kinder geht, macht man sich halt ECHT viele Gedanken. Schließlich werden sie auf der weiterführenden Schule die meisten Schuljahre ihres Lebens verbringen. Da will man als Eltern nichts falsch machen.

Und natürlich können die Kinder auch zwischendurch nochmal die Schule wechseln, aber ganz ehrlich: wem wäre es nicht recht, gleich von Anfang an die richtige Schule gewählt zu haben? Ich gönne den Kindern sehr, dass sie nicht dauernd den Freundeskreis wechseln müssen, dass sie Ruhe im äußeren Rahmen haben, um sich auf das Wichtigste konzentrieren zu können: groß werden, Freundschaften schließen, lernen.  

Du hast dich bei deiner Tochter auf dein Bauchgefühl verlassen. Wir durften das bei unseren Jungs leider nicht. In NRW müssen alle Kinder, die bis zum 30.9. geboren wurden, eingeschult werden. Unsere Jungs sind nur wenige Tage vor diesem Termin geboren, also mussten sie mit 5 zur Schule. Als Zwillinge. Als Kinder, die eigentlich erst im Oktober hätten zur Welt kommen sollen und denen unserer Ansicht nach einfach noch ein Jahr Kita gut getan hätte.

Wir haben versucht, sie zurückstellen zu lassen. Wir durften nicht – und so sind sie nun immer und überall die Jüngsten. Und müssen sich dementsprechend doller anstrengen. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn es ist anstrengend, immer etwas mehr geben zu müssen, als es die Reife hergibt. Bis heute glauben wir: Alles wäre leichter für sie gewesen, wenn man ihnen einfach noch etwas Zeit gegeben hätte.

Sie sind Jungs, sie spielen gern Fußball, sie spielen gern Playmobil, sie hören gern TKKG-Hörspiele. In jedem Jahr ihrer Schullaufbahn dachten wir: Hm, eigentlich alles ein zu früh. Sie bräuchten einfach noch ein bisschen Zeit, ein halbes Jahr. (Wie toll wäre es, wenn alle sechs MOnate eine Einschulung stattfände? Wie im Studium zum Winter- und Sommersemester...). Und jetzt, da es an die Wahl der weiterführenden Schule geht, denken wir das noch einmal verstärkt.

Wir wissen ja durch unsere Tochter, welch großer Schritt das ist. Wenn da plötzlich knutschende oder rauchende Schüler auf dem Schulhof stehen. Wow. Wenn man plötzlich allein mit dem Linienbus zur Schule fährt. Wow. Wenn da plötzlich 1000 statt 100 Schüler durch ein Gebäude rennen. Wow.

Und dann kommen noch neue Freundschaften hinzu, man will sich verabreden. Ich kann sagen: In der ersten Zeit auf der neuen Schule war an Lernen fast gar nicht zu denken. Viel zu spannend war alles andere drum herum. Und deswegen kreist gerade unser Gedankenkarussell. Welche Schule könnte die richtige sein? Welcher Weg der beste?

Es ist echt schwer, das zu entscheiden, wenn das Bauchgefühl sagt: Eigentlich bräuchten sie einfach noch ein Jahr - oder noch besser: ein halbes. Wir wollen sie nicht unter- aber auch nicht überfordern. Noch sind wir auf der Suche und haben keine Lösung gefunden, wir möchten uns aber dennoch hier schon einmal mit allen anderen Eltern solidarisch erklären, die auch gerade in dieser Entscheidungsphase stecken! Wir wollen doch alle nur das Beste für unsere Kinder… Ich drück uns allen die Daumen, dass am Ende alle mit dem gewählten Modell glücklich werden.

Zum Weiterlesen:

Weiterführende Schule: Über weitreichende Entscheidungen von Eltern

Welche weiterführende Schule passt zu uns?

 

Tags: Schule, Gymnasium, Gesamtschule, Realschule, Schulform, Entscheidung, Eltern, Kinder, Bildung, Bildungssystem

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Kommentare

Manuela — Mi, 01/17/2018 - 09:13

Liebe Lisa Wir kommen aus Bayern und haben unsere Zwillinge zurückstellen lassen letztes Jahr und ich bin verwundert ja sogar verärgert, warum das Bei Euch in NRW nicht geht?! Puh, hart für die Kinder und für die ganze Familie!! Wir hatten die Schuleignungsuntersuchung letztes Jahr und da hat bei unseren Beiden auch alles wunderbar geklappt, aber die Dame, die diese Untersuchung gemacht hat, machte mich darauf aufmerksam, dass unsere Jungs schon noch sehr zurückhaltend und schüchtern sind und noch ein kleines Babygesicht haben, ob wir als Eltern nicht über eine Zurückstellung nachgedacht haben. Haben wir bis dato nicht, denn unsere große Tochter kam ja auch mit gerade gewordenen 6 Jahren in die Schule. Aber ich bin der Dame heute noch dankbar, dass sie uns darauf aufmerksam gemacht hat, denn unsere Jungs kamen in der 36.SSW schon auf die Welt und man merkt das einfach. Es war ein harter Kampf, die Rückstellung bei Kindergarten und Schule durchzusetzen, aber wir haben nicht locker gelassen, Atteste vom Kinderarzt usw. besorgt und unsere Jungs kommen somit erst dieses Jahr in die Schule, worüber wir sehr froh sind! Ich finde es schrecklich, dass die Eltern, die ihre Kinder am besten kennen und einschätzen können, nicht mehr Mitspracherecht und Entscheidungsfreiheit haben! Denn ich denke, hätte man Euren Kindern ein Jahr mehr gegönnt, bzw. Euch als Familie ein Jahr mehr "geschenkt", wären jetzt Eure Jungs auch schon viel weiter und die Entscheidung der weiterführenden Schule wäre wahrscheinlich gar nicht mehr so schwer! Ich drücke Euch die Daumen, dass ihr die richtige bzw. eine gute weiterführende Schule für Eure Jungs findet und Eure Jungs sich dann wohl fühlen werden! Es ist ja sehr gut bei Zwillingen... sie sind nicht alleine! ;O) und können sich gegenseitig Halt, Unterstützung, Sicherheit und Hilfe geben.

M — Mi, 01/17/2018 - 10:15

Unser Sohn wurde hier in England mit gerade mal 4 (voellig regelkonform) eingeschult, und fuer ihn ist es definitiv zu frueh gewesen, und das merkt man leider jeden Tag. Zurueckstellen konnten wir ihn auch nicht (die relevante Gesetzesaenderung kam fuer uns zu spaet). Euch alles Gute. Und hoffentlich findet ihr eine gute Loesung.

Julia — Mi, 01/17/2018 - 10:40

Da bin ich jetzt froh, dass mein Sohn im Dezember Geburtstag hat. Er ist nun 6 und wartet auf die Schule. Und ein bißchen Schleichwerbung für Ergobag habt Ihr auch noch eingebaut. Wir haben unserern gestern bestellt und sind gespannt.

Granatenmama — Mi, 01/17/2018 - 12:35

Schade das man den Zwillingen nicht die Möglichkeit gegeben hat noch ein Jahr im Kita zu bleiben und nicht individuell entscheiden kann. Immer Gesetz und fertig. Jedes Kind ist anders. Der eine kann mehr und vielleicht mit 5 in die Schule und darf nicht wegen dem Gesetz und langweilt sich dann. Lasst Sie doch dann in die Schule. Genauso auch mit Zurückstellung. Ich bin froh, dass mein Sohn ein Jahr zurück gestuft wurde und ein Jahr mehr Vorschule machen durfte und nun mit acht Jahren in der zweiten Klasse gut mit kommt. Ich finde die Politiker müssen umdenken und mit der Zukunft gehen und nicht an alte Werte festhalten. Dafür ändert sich die Welt viel zu schnell.

Jana — Mi, 01/17/2018 - 16:02

Ich kann euer "Dilemma" und die Sorge gut verstehen, ich bin froh, dass meine kleine Viertklässlerin in wenigen Wochen 10 wird, der Schulwechsel ist für uns kein Schreckgespenst, sondern eigentlich nur eine Formalie. Doch bei Kind 2 war es bei uns eh viel ruhiger, mit der gewachsenen Erfahrung sind wir doch deutlich gelassener. Mich hat der Hype bei Kind 1 regelrecht genervt, bei jedem Elternzusammentreffen ging es nur darum. Stundenlang wurden Gerüchte, vermeintliche Erfolge und Misserfolge, übertriebene Beschreibungen etc etc aller umliegenen Schulen ausgetauscht, tagelang waren die Kinder in allen Schulen hospitieren und bei sämtlich Tagen der offenen Tür und und und. BULLSHIT sage ich heute. Ich bin Schulsozialarbeiterin an einer IGS, Kind 1 besucht ein Gymnasium. Letztlich ist es immer dasselbe, hüben wie drüben. An jeder Schule gibt es Dinge die wirklich toll laufen und Sachen die katastrophal sind. So wie immer im Leben. Für die allermeisten Kinder ist die Schulwahl nicht so wichtig, sie würden auf den allermeisten Schulen klarkommen. Dann gibt es die Kinder mit ganz besonderen Bedürfnissen (Entwicklungsbedarf sozia-emotional, Förderbedarf, LRS, ADHS usw.), da müssen im Vorfeld Beratungsgespräche an den Schulen in Anspruch genommen werden, um eine Entscheidung zu treffen. Aber die meisten Kinder kommen mit den meisten Schulen klar. Wichtig ist hier die Einstellung der Eltern. Wenn ihr immer im Kopf habt "Es ist zu früh, sie müssen sich so anstrengen, es wäre besser anders..." dann wird das, ohne dass ihr es verhindern könnt, eure Jungs beeinflussen. Traut ihnen die 5. Klasse zu und wenn es nicht klappt, dann lasst sie in Klasse 5 zurückstellen. Ich habe mir für Kind 2 ganz genau EINEN Aspekt rausgesucht, den ich für sie und ihre Entwicklung besonders wichtig finde, danach suchen wir jetzt die Schule aus, bzw. haben sie im Grunde schon ausgesucht. Das einzige was ihr unsere Entscheidung schwer macht sind die anderen Familien, die die Schulen in aller Öffentlichkeit vergleichen und die Hälfte davon schlecht reden.

Annika — Mi, 01/17/2018 - 20:06

Unser zweiter Sohn ist ein Kann-Kind. Wir waren uns nicht sicher, ob er schulreif ist, weil unser Großer nicht als Vergleich herhalten konnte (hochbegabt). Daher meldeten wir ihn auf Verdacht für die Schulbesuchtage als Kann-Kind an. Nun, die Rektorin lehnte ihn danach ab und meinte, er bräuchte ein weiteres Kindergarten. Wie recht sie hatte! Jetzt ist er der Älteste in seiner Klasse und ist trotzdem noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt als Buchstaben malen oder rechnen. Manche brauchen einfach sehr viel mehr Zeit als andere. Bei euch klingt es so, als ob ihr euch auch schon entschieden hättet, auch wenn es nirgends steht. Gibt es eine Möglichkeit, die beiden ein Jahr zurückzustufen? Jetzt, oder halt später? Mir wurde berichtet, dass viele "vorzeitig eingeschulte" (neuer Begriff in bei uns an der Schule für Kann-Kinder) in der frühen Pupertät zurückgestuft werden, vor allem aus Gründen der Reife gegenüber ihrer Mitschüler. Wenn ihr jetzt schon ein ungutes Gefühl habt, vielleicht könnt ihr dem vorgreifen? Viel Erfolg!

Birgit — Mi, 01/17/2018 - 21:28

Meine Zwillinge sind von August und auch so früh eingeschult. Sie packen es aber ich denke auch oft, ein Jahr mehr Kindergarten wäre super gewesen. Es macht so Alles mehr Mühe und weniger Spass in der Schule. Aber Ja, in NRW interessiert es keinen. Schade.

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