Interviews

30/06/2016 - 10:15

Stadt-Mama Katharina

"Selbständig sein heißt mutig sein" - Interview Mompreneurs-Gründerin Esther Eisenhardt

Wer Mutter ist und mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, kommt an Esther Eisenhardt nicht vorbei. Die Berlinerin hat Mompreneurs gegründet - ein Netzwerk und Wegweiser von und für selbstständige Mütter, die mit weniger mehr erreichen wollen. Wir sind schon lange Fans von Mompreneurs und freuen uns deshalb, dass wir Esther für ein Interview gewinnen konnten: 

1. Liebe Esther, Du hattest einen tollen, sicher gut bezahlten Job in einer Führungsposition – den Du gekündigt hast, um Dich selbstständig zu machen. Kannst Du Dich noch an die Reaktionen aus Deinem Umfeld erinnern?

Ja, ich habe viele Jahre in der Internetbranche gearbeitet, das hat Spaß gemacht. Aber in mir war schon immer der Wunsch, was Eigenes zu machen. Als ich das dann gewagt habe, bekam ich eigentlich nur positive Rückmeldungen. Viele Mütter, denen ich das erzählt habe, fanden es mutig – sagten aber auch, sie hätten sich das nicht getraut.

2. Gab es denn einen konkreten Moment, einen Auslöser, für Deine Entscheidung oder ist dieser Gedanke langsam gereift?

Es gab viele kleine Situationen, in denen ich gemerkt habe, dass ich flexibler arbeiten möchte. Mein Mann ist viel beruflich unterwegs, da muss ich einiges abfangen. Das war bei meinem alten Job kaum mehr möglich. Ich war außerdem dort die einzige Frau mit Kindern, bei einigen Kollegen fehlte das Verständnis, wenn ich nachmittags los gegangen bin – auch wenn ich morgens schon weit vor ihnen im Büro war.

3. Ich habe viele Mami-Freundinnen, die auf ihren Teilzeit-Stellen versauern. Worin siehst Du das größte Problem mit diesen Teilzeit-Stellen?

Tja, leider bedeutet Teilzeit oft Abstellgleis. Und obwohl diese Frauen viel Erfahrung haben und bestens qualifiziert sind, bekommen sie plötzlich nur noch uninteressante Aufgaben, weil das Kind ja krank sein könnte oder sie nicht an Meetings nach 16 Uhr teilnehmen kann. Das wiederum führt dann zu großer Unzufriedenheit bei den Frauen. Die wollen ja was bewegen, was mitgestalten. Aber wenn man nur noch Idiotenarbeit macht, denkt man sich „Also dafür lasse ich die Kinder aber nicht so lange im Kindergarten“ und bleibt lieber zu Hause.

4. Viele trauen sich eine Selbstständigkeit nicht zu. Welche Eigenschaften braucht man als Selbstständige?

Den Willen, etwas zu verändern. Mut, Riskiobereitschaft, Leidenschaft, den Wunsch Verantwortung zu übernehmen, Selbstbewusstsein. Außerdem muss man bereit sein, die eigene Komfortzone zu verlassen, denn es kann mitunter sehr anstrengend sein.

5. Hast oder hattest Du manchmal schlaflose Nächte, in denen Du denkst: „Ich schaff das nicht?“ Und was tust Du gegen diese Gedanken?

Natürlich habe ich die. Ich bin eh ein emotionaler Mensch. Wenn es mir nicht gut geht, dann heule ich schon mal. Dank Meditation finde ich aber wieder schnell zu mir. Außerdem habe ich einen sehr starken Willen und stehe immer wieder auf.

6. Oft werden Mütter untereinander ja als stutenbissig und rechthaberisch beschrieben. Dass sie mit ihren Kindern angeben und perfekt sein wollen. Empfindest Du das bei den MomPreneurs-Meetings auch so?

Gar nicht. Wir haben alle einen gemeinsamen Nenner – wir sind Mütter und wollen uns selbst verwirklichen. Das schweißt zusammen. Wir wissen einfach alle wie es ist und es ist toll zu wissen, dass man mit den ganzen Herausforderungen nicht alleine da steht. 

7. Was können MomPreneurs voneinander lernen?

Dass man zusammen schneller zum Ziel kommt. Dass es sinnvoll ist, zu kooperieren, dass man nicht alles selbst wissen muss – aber dass da draußen eine Menge Frauen sind, die über ungeheure Kompetenzen verfügen und dass man sie um Hilfe fragen kann.

8. Gibt es eine MomPreuneurs-Geschichte, die Dich besonders bewegt/stolz macht?

Mir imponieren besonders die Frauen, die es besonders schwer hatten. Etwa, weil sie alleinerziehend sind. Und mich bewegt es immer wieder, wenn eine Frau sagt: "Es war hart, aber ich bin so glücklich. Denn jetzt ist das wirklich MEINS!"

9.  Wo und wie tankst Du Kraft für all deine Projekte?

Ich gehe jeden Morgen joggen, achte sehr auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. 

10. Wer sind Deine Frauen-Vorbilder?

Alle Frauen, die was bewegen wollten und dafür etwas riskiert haben. Aktuell zum Beispiel Sheryl Sandberg. 

12. Du hast ja zwei Töchter – welche Werte möchtest Du ihnen unbedingt mit auf den Weg geben?

Dass sie ihren eigenen Weg finden und sich dann auch trauen, ihn zu gehen. Außerdem ist mir Ehrlichkeit und Selbstständigkeit wichtig.

Tags: Mompreneurs, Mutter, Job, Netzwerk, Selbstständig, Unternehmerin, Arbeiten

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Kommentare

Maren — Mo, 07/04/2016 - 10:19

Liebe Katharina, ein tolles Interview mit einer tollen Persönlichkeit, vielen Dank! viele Grüße vom Brabbelblog-Team (http://brabbelblog.de/) Maren

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