Interviews

04/04/2019 - 07:00

Land-Mama Lisa

Spiel mir das Lied vom Kot: Auch Schauspieler-Familien kochen nur mit Wasser (echt!) - Unser Interview mit Shari und André Dietz

Fotos: Catja Vedder

Ihr Lieben, Shari und André  Dietz wohnen ganz in der Nähe von Lisa im Bergischen. Während er als Schauspieler aus der Sendung Alles was zählt bekannt ist, bezeichnet sie sich als Hausfrau (darüber sprechen wir später noch). Die beiden haben vier Kinder und HEUTE, am 4.4. erscheint ihr gemeinsames Buch ALLES LIEBE - Familienleben mit einem Gendeffekt (Affiliate Link), denn ihr zweites Kind kam mit dem Angelman-Syndrom zur Welt.

Verdammte Hacke, bei Instagram sieht das bei euch immer so meeeega ordentlich aus, wie schafft ihr das nur mit vier Kindern und Hund?!

Shari: Vielen Dank für das Kompliment, sollte hoffentlich so sein! Auch wenn man über Instagram natürlich nur Bildausschnitte zu sehen bekommt: Wir sind beide sehr aufgeräumte und strukturierte Menschen, die es nur schwer ertragen können, wenn Chaos herrscht. Ich achte vielleicht etwas mehr auf Sauberkeit, André mag es besonders aufgeräumt – wir ergänzen uns also toll. Es sieht also immer und fast überall bei uns so aus.

Schaffen kann man das nur mit gezielter Arbeitsteilung und ständigem Hinterherräumen. Insgeheim werfe ich mir zwar manchmal vor, mehr Zeit mit den Kindern beim Spielen zu verbringen und nicht überwiegend hinterherzuräumen; wir sind aber davon überzeugt, dass es sich besser spielt, wenn es aufgeräumt ist. Und weil uns das immer viele fragen: Wir haben eine Haushaltshilfe!

Shari, du hast dich bewusst entschieden, zu Hause bei den Kindern zu bleiben (naja, gut, und dabei zu bloggen und ein Buch zu schreiben, das ist ja schon auch nicht nichts, aber das wollen wir hier jetzt mal ganz kurz freundlich übersehen). Hast du das Gefühl, dich als „Hausfrau“ dafür heutzutage rechtfertigen zu müssen? Nach dem Motto: Toll, du tust dem Feminismus einen Bärendienst und wirfst deine Karriere weg, während dein Mann weiter Geld scheffeln kann?

Ich wollte schon immer Mutter und Hausfrau sein und habe auch noch nie etwas darauf gegeben, was die Leute denken. Mit dem ersten Kind hatte ich kurz das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, dann kam aber sofort Nummer zwei … drei… und vier. Vier Kinder in fünf Jahren. Und nachdem wir die Diagnose für Mari hatten, habe ich das – mich wirklich nicht sehr tangierende – Gefühl komplett abgelegt.

Jeder muss für sich entscheiden, welches Modell er leben möchte und ich bin mir sicher, dass auch jedes Modell seine Berechtigung hat. Wie schön, dass wir in einer Zeit leben, in der man sich das selber aussuchen kann!

Nun wohnt ihr ja bei mir in der Nachbarschaft, im schönen Bergischen, habt ja aber auch Stadterfahrung. Ich habe grad selbst noch in einem Interview über die Vor- und Nachteile des Landlebens gesprochen. Ich monierte, dass die Gesprächsthemen andere sind („Heizung kaputt?“), man die Kinder mehr rumfahren muss, weil nichts fußläufig zu erreichen ist und dass sich Eltern nicht auf Spielplätzen treffen, weil jede Familie hier einen eigenen im Garten hat. Dafür halt: frische Luft, Leben mit Tieren, ein riesiger Garten zum Toben… Wie ist es bei euch?

Wir hatten eine Altbauwohnung mitten im Szene-Viertel von Köln und es war toll! Ohne Kinder. Mit Kindern war es einfach super nervig.

Wir wollten, dass unsere Kinder (fast) so aufwachsen wie wir. Nur fast, weil insbesondere ich mit dem totalen Landleben keine schöne Kindheit verbinde. Ich bin in Immekeppel (mitten auf dem Land, ca. 30 Minuten von Köln entfernt) aufgewachsen und fand es als Kind schrecklich, keine Kinder in der Nachbarschaft zu haben und ständig von meinen Eltern abhängig zu sein. Ich habe mich so isoliert gefühlt und habe mir nichts sehnlicher gewünscht, als in einem Reihenhaus in einer Siedlung zu wohnen und nicht in einem schicken Fachwerkhaus mitten im Nirvana.

André und ich wollten also Vorstadtleben. Jetzt wohnen wir im „Schlafzimmer von Köln“. Ein Bungalow am Wald, trotzdem eine große Wohnsiedlung um uns herum. Die Kinder können zu Fuß mit ihren Freunden zur Schule laufen und gemeinsam auf der Straße Fahrrad fahren und spielen. Das Naturschutzgebiet grenzt an unser Grundstück und die Kinder verbringen so viel Zeit im Wald. Mit ihren Freunden. Hier ist immer etwas los, das ist so cool!

Die Bahn in die Kölner Innenstadt ist zehn Gehminuten entfernt, Supermarkt und Drogerie erreicht man in fünf Gehminuten. Wir fühlen uns hier super wohl. Wir lieben die Natur um uns, den Wald und den See. Trotzdem treffen wir ständig Freunde und Nachbarn, gehen gemeinsam mit den Hunden spazieren, sitzen auf der Straße und gucken den Kindern beim Spielen zu.

Wir können unsere Kinder hier laufen lassen, ohne Angst vor Glasscherben auf Gehwegen oder wohnungslosen Trinkern auf Spielplätzen zu haben und sind gleichzeitig ein Wochenend- und Ferien-Domizil für unsere stadtgeplagten Freunde.

Bei Stadt Land Mama lassen wir ja immer wieder verschiedene Menschen zu Wort kommen, als wir neulich ein Promi-Interview veröffentlichten, bat uns eine Kommentatorin, doch mal ein richtig ehrliches Promi-Interview zu führen. Also so richtig, richtig ehrlich. Sie schrieb: „Mich würde es wirklich mal interessieren wie ein Alltag bei Promis aussieht. Wie viel Unterstützung haben sie, was müssen sie alles organisieren, wie war es mit einem Schreikind, wo waren ihre Grenzen, wie gehen sie mit mangelndem Schlaf um, wie schaffen sie es kurz nach Entbindung top auszusehen.......etc....“ Wow, jetzt ihr. Wie macht ihr das?

Super Frage! Die würde ich auch gerne mal Heidi Klum stellen.

Wir sind wirklich extrem normal, dazu gerne mal unser Buch lesen! :-) In der Woche muss André meistens früh arbeiten, dann sorge ich dafür, dass alle angezogen sind. Der Große geht alleine in die Schule, die Mädels bringe ich in den Kindergarten, die Kleinste ist noch bei mir Zuhause. Dann folgen Einkäufe, der Hund muss raus, die Betten werden gemacht, ich sauge jeden Tag. Habe aber – wie gesagt – auch eine Haushaltshilfe!  Insbesondere am Wochenende, wenn alle Kinder zuhause sind, gibt es viele Momente der puren Verzweiflung.

Das Leben mit Kindern ist einfach extrem stressig und aufreibend, auch wenn es natürlich unzählige, schöne Momente gibt. Worst Case sind Krankheiten. Magen-Darm-Grippe: Ich möchte Euch Details ersparen, aber die zieht sich hier immer über Wochen durch und wenn Du denkst, alle sind durch, fängt der Erste wieder an. Hölle!!!

Schlafmangel haben wir beide. Ich finde aber, man gewöhnt sich an wenig Schlaf. Und seit wir mit dem Buch begonnen haben, trinke ich Kaffee. Hätte mir ruhig mal jemand früher sagen können, wie gut das Zeug hilft! Ein Bild kurz nach der Entbindung anbei ;)

Damit kommen wir dann auch zu eurer Tochter, nur weil André Schauspieler ist und du als Model gebucht wurdest (und wieder wirst, wie wir hörten!) heißt das ja nicht, dass das Leben manchmal Überraschungen bereit hält…

Ja. In unserem Buch erzählen wir viel von unserem Plan, den wir vom Leben hatten. Aber oft kommt es eben anders als geplant, was nicht zwingend bedeutet, dass das schlecht ist. Wir haben nach der Diagnose gelernt, uns über die kleinen Dinge im Leben zu freuen, unbefangen an Dinge heranzugehen und alles auf uns zukommen zu lassen. Denn: Was wir wissen, ist, dass wir nichts wissen.

Was hat der Special Effect euer Tochter Mari und aber auch überhaupt das Leben mit vier Kindern –  denkt dran, gern ehrlich!:-) – mit eurer Beziehung gemacht? In welchen Situationen geratet ihr auch mal aneinander? Und welche schweißen euch aber auch zusammen?

Insbesondere in stressigen Momenten – wenn alles drüber und drunter läuft – geraten wir aneinander. Beispielsweise, wenn einer von uns an einem Wochenende (wie gesagt: in unserem Familienleben die stressigste Zeit der Woche) krank wird. Das aber nicht unbedingt, weil der andere etwas falsch gemacht hat (dafür kann man ja in den wenigsten Fällen etwas), vielmehr, weil es einfach extrem frustrierend ist, dass man mit vier Kindern ständig fremdbestimmt ist und nur selten das machen kann, was man in dem Moment gerade machen möchte.

Und den Frust darüber lässt man einfach am ehesten an seinem Partner ab. Glücklicherweise sind wir uns aber darüber immer bewusst und uns nie lange böse. Am Ende des Tages wissen wir einfach, dass wir ein unfassbar gutes Team sind und dass unsere Familie nur funktionieren kann, wenn wir als Team funktionieren.

Wenn euer jetziges Leben eine Soap Opera wäre: Welchen Titel würdet ihr ihr geben?

Die coolste Frage, die wir in den letzten Wochen bekommen haben! Und da fallen uns natürlich viele Titel ein: Von der Windel verweht; Schlaflos in Refrath; Spiel mir das Lied vom Kot; Die 4 Groschenoper; Für eine Handvoll Schnuller; Storch und Vorurteil; In Kreischweite; Wir hatten einen Plan; Alles Liebe :-)

 

Alles Liebe - Familienleben mit einem Gendeffekt (hier könnt ihr es bestellen, es ist ein Affiliate Link, der uns eine kleine Provision beschert)

 

 

 

Tags: Shandre, Angelman Syndrom, Inklusion, vier Kinder, Großfamilie, Landleben, Hausfrau, Schauspieler

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Kommentare

aprilwirbel — Do, 04/04/2019 - 07:39

Hallo ihr zwei, ganz tolles Interview! Buch über Euren Link ist bestellt - vielen Dank für die Inspiration! LG, Sandra

Land-Mama Lisa — Do, 04/04/2019 - 07:43

...das freut uns. Vielen lieben Dank!!! Und viel Freude beim Lesen...

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