Landleben

26/08/2019 - 07:00

Land-Mama Lisa

Verflixte Früheinschulung: Bitte glaubt den Eltern, wenn sie ihr Kind zurückstellen wollen

Ihr Lieben, ich bin sauer. Sauer aufs System und auf die Hilflosigkeit, mit der ich davorstand und -stehe.

Ich habe schon öfter darüber geschrieben, dass unsere Zwillinge mit fünf Jahren eingeschult werden MUSSTEN. Was wir Eltern davon hielten, welche Meinung wir dazu hatten - das zählte einfach nicht.

Hier in NRW ist der Stichtag der 30.9. Alle Kinder, die bis dahin sechs werden, müssen zur Schule. So traf es auch unsere Jungs, die als Zwillinge zwar für Oktober ausgerechnet waren, dann aber eben doch noch im Spetember zur Welt kamen.

Wir hätten sie gern zurückgestellt und ihnen noch ein Jahr Kindergarten geschenkt. Sie sind Zwillinge. Sie sind Jungs. Sie waren noch sehr klein. Und wir konnten gegen diese Einschulung mit fünf nichts ausrichten.
Wir sprachen mit dem Kinderarzt - der sagte: die beiden sind gut entwickelt, die sind schulreif.

Wir sprachen mit den Erzieherinnen - die sagten, die beiden schaffen das, die sind doch pfiffig. Und trotzdem sagte unser Bauchgefühl: Uiuiui, ob das wohl klappt!?!

Wir hätten kämpfen können. Psychologische Gutachten anfordern, sie vor Fachleuten schlechter machen können, als sie waren.

Man sagte uns voraus, dass wir - falls wir einen Rechtsstreit anfangen wollten - womöglich micht mehr arbeiten könnten, weil das ein Vollzeitjob werden würde. Wir wählten den Weg des geringeren Widerstands und feierten mit unseren fünfjährigen Jungs Einschulung.

Fünf Jahre sind seither vergangen. Fünf Jahre, in denen wir erkennen mussten, dass unser Bauchgefühl stimmte.

Sie hätten das verlorene Jahr noch gebraucht. Noch ein Jahr Kindsein, noch ein Jahr reifer werden, noch ein Jahr spielen - ohne Hausaufgaben und Druck.

Sie waren immer die Jüngsten. Sie bissen sich durch, aber da war nicht diese Leichtigkeit, mit der die große Schwester durch die Schule marschierte. Da war viel Mühe, viel Hinterherlaufen, viel Überforderung.

WARUM?
Warum müssen unsere Kinder heute so gestresst werden?
Warum wird den Eltern nicht geglaubt, wenn sie sagen, die Kinder bräuchten noch ein Jahr?
Warum muss alles so früh und schnell passieren, wenn wir doch heute alle die Möglichkeit haben, 100 Jahre zu leben?

Mit 5 zur Schule und dann durch G8 zum Turbo-Abi, um mit 16 mit verpasster Kindheit und ohne Lebenserfahrung ins Bachelorstudium zu rasseln? Ok, hier übertreibe ich jetzt, aber als Mutter lässt mich dieses Thema einfach unglaublich emotional werden.

Im Rückblick habe ich das Gefühl, dass unsere Jungs in den ersten Monaten nur staunend in der Klasse saßen. Boah. Alles anders. Neue Kinder. Hui. Pausenhof.

Sie waren nicht genügend aufnahmefähig für Schulstoff, weil alles drumherum so aufregend war.

Und wisst ihr, was das Schlimme daran ist? Selbst wenn sie dann später eine Klasse widerholen, weil einfach alles zu früh war - sie können diese Anfangszeit kaum wieder aufholen.

Diese verkrampfte Stifthaltung angewöhnt, weil sie viel zu früh ans Schreiben herangeführt wurden. Dieses Einbüßen von Selbstbewusstsein, weil sie immer mehr leisten mussten, als ihre Reife eigenlich zuließ... Ich schreibe mich in Rage, ihr hört das schon.

Wir blieben mit den LehrerInnen in Kontakt. Unsere Jungs wurden Klassenprecher, sie schlugen sich wacker durch. Und trotzdem fragten wir: Können sie die Eingangstufe nicht noch ein Jahr länger machen (Klasse 1 und 2 wurden zusammen unterrichtet in der so genannten Eingangstufe). Nein wieso? Läuft doch.

Sollen sie Klasse 3 wiederholen? Nein wieso? Läuft doch.

Bei Klasse 4 wurde uns noch mulmiger.

Nächstes Jahr schon sollten sie auf eine weiterführende Schule gehen? Würden sie das packen? Mit Linienbus-Fahrten und Oberstufenschülern und riesigen Gebäudekomplexen und noch mehr Leistungsdruck?

Und: Welche Schule würde passen? Wir machten uns unglaublich viele Gedanken. Und Sorgen. In mir entstanden sogar Fluchtgedanken. Wollen wir nicht einfach ein Jahr um die Welt reisen und sie erst nach unserer Wiederkehr in die 5. Klasse schicken? Mit mehr Reife und mehr Zeit und ohne diesen riesigen Druck?

Das war natürlich utopisch. Zeigte aber einmal mehr, dass Eltern einfach ein Gespür dafür haben, was ihren Kindern gut tut und was nicht.

Wir ließen uns vom schulpsychologischen Dienst beraten. Welche Schulform würde passen? Und entschieden uns. Und hofften.

Es folgte das anstrengendste Jahr seit der Zeit der Kleinkindphase. Mit Wutanfällen vor Klassenarbeiten, mit Resignation (mal bei ihnen, mal bei uns), mit Null-Bock-Verweigerung bei den Hausaufgaben. Das Schulthema wurde zum Kampfthema und ich fragte mich immer wieder und immer lauter: WARUM?

Wir hätten es doch so easy haben können! Wir sahen ja an unserer Tochter, wie Schule bei reif eingeschulten Kindern funktionieren kann. Wir sahen im Fußball, wie viel Ehrgeiz unsere Jungs entwickeln konnten - in einer Gruppe mit Gleichaltrigen. Warum musste uns dieses System so quälen?

Ich bin wirklich kein Mensch, der mit Reue auf getroffene Entscheidungen zurückblickt, aber wenn ich vorher gewusst hätte, welche dauerhaften Nachteile eine so frühe Einschulung mit sich bringt, dann würde ich heute meinen Job an den Nagel hängen und von mir aus ein Dreiviertel Jahr Vollzeit darum kämpfen, dass meine Kinder erst mit 6 zur Schule kommen.

Und deswegen begrüße ich auch die Petition gegen die Früheinschulung unserer Leserin Nadine Kolorz so sehr, die dafür sorgen soll, dass der Stichtag für die Einschulung Rheinland Pfalz auf den 30.6. vorverlegt wird, so dass kein Kind mehr mit 5 die Schulbank drücken muss. (Was anderes ist es, wenn es der Wunsch der Eltern ist, das Kind früher einzuschulen - aber der Zwang muss raus).

Denn wenn wir uns eins wünschen können, dann, dass Eltern ihre Kinder nicht gegen ihr Bauchgefühl zu früh einschulen müssen...

Wie es jetzt bei uns weitergeht? Selbstverständlich extrem. Mit Tränen und Wut und Abschieden. Unsere Jungs werden in dieser Woche noch einmal eingeschult werden. Müssen ihre Freunde ziehen lassen und mit einer neuen Klasse klarkommen, weil sie das Schuljahr wiederholen.

Der Druck muss raus, die Eile, das Ziehen und Zerren. Wir hätten ihnen diese Schmach so gern erspart.

________

Bitte lest dazu auch unseren Gastbeitrag: Schulreif? "Für mein Kind kam die Einschulung zu früh." Eine Mutter erzählt

Und unser Stück: Weiterführend Schule: Über weitreichende Entscheidungen von Eltern

Foto: pixabay

 

Tags: Schule, Schulsystem, Bildung, Kinder, Einschulung, Lernen

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Kommentare

Akkie Te — Mo, 08/26/2019 - 06:55

Ist es jetzt, 5 Jahre später, auch noch so schwer, Kinder zurück stellen zu lassen? Bei uns in Niedersachsen ist der Stichtag auch der 30.9., aber hier wurden dieses Jahr reihenweise Kinder mit 7 eingeschult - Geburtstag im Juni/Juli/August. Das schien kein Problem zu sein, darum frage ich mich, ob es am Bundesland liegt oder es inzwischen bei euch auch einfacher wäre. Was euch natürlich nicht hilft und nichts daran ändert, dass ihr und eure Jungs so eine anstrengende Zeit hat. Ich bin wirklich froh, dass unser für September ausgerechnetes Kind dann doch erst im Oktober kam - und dass wir so noch 2 Jahre Zeit haben, um uns mit dem Thema Schule zu beschäftigen. Ich drücke euren Jungs und euch fest die Daumen für das neue Schuljahr!

Claudia — Mo, 08/26/2019 - 08:45

Schulen sind Aufgaben der Länder, daher regelt es jedes Land anders. Seit diesem Jahr gibt es bei uns in Bayern einen Einschulungskorridor. Hier entscheiden die Eltern (falls das Kind zw Juli und September geboren wurden) ob es eingeschult wird. Aus meiner Schulzeit weiß ich noch, dass die meisten Juli Kinder bereits ein Jahr später eingeschult wurden. Denke Kinder sind so unterschiedlich, dass die Korridorlösung eine gute Lösung darstellt.

Stephanie — Mo, 08/26/2019 - 08:46

Ich kann mich Akkie Te nur anschließen. Wir wohnen auch in Niedersachsen und hier ist es kein Problem Kinder noch ein Jahr zurückzustellen. Die Eltern haben sogar bis Mai Zeit zu entscheiden, ob das Kind nun zur Schule geht oder nicht, was dann wieder Planungsschwierigkeiten bei den Kindergärten zur Folge hat. Bei mir war es damals genau andersrum und ich bin nach dem Stichtag 30.06. mit fünf eingeschult worden, wollte das aber auch und es war auch nie ein Problem. Mein Mann wiederum ist kurz vor dem Stichtag geboren und von seiner Mutter zurückgestellt worden, auch kein Problem. Es scheint dann aber wohl eine Ländersache zu sein. Jedenfalls hört es sich schrecklich an und ich wünsche Euch und Euren Jungs einen guten Neustart.

Stefanie — Mo, 08/26/2019 - 08:56

In Niedersachsen gibt es die Möglichkeit seit 2018, dass Eltern deren Kinder bis zum 30.9. geboren wurden, ihr Kind zurückzustellen. Allerdings-wie gesagt erst seit 2018. Davor mussten auch in Niedersachsen Kinder die bis zum 30.9. Geburtstag haben, eingeschult werden.

Katharina — Mo, 08/26/2019 - 19:03

Früher war es dort der 30.06. und bis 30.09. kann Kind. Das war eine gute Lösung...

Momof4 — Mo, 08/26/2019 - 08:52

Liebe Lisa! Vielen Dank für Deinen ehrlichen Beitrag. Es tut mir wahnsinnig leid für Eure Jungs, die wirklich alles gegeben haben und nun doch letztlich in dem Jahrgang landen, in den sie sowiewo gehört hätten! Aber ihr habt alles getan, macht Euch und den Jungs keinen Vorwurf, sie sind stark und finden hoffentlich wieder etwas mehr Freude an der Schule, wenn der Druck etwas raus kommt. Jetzt sind sie die Großen und Coolen! Du bestärkst mich sehr in unserer festen Planung, unsere Frühchen-Jungs von der Einschulung im nächsten Sommer zurückzustellen. Geboren am 1.6. sind sie hier in Hamburg schulpflichtig, obwohl sie eigentlich erst am 15.8. gekommen wären. 11 Wochen zu früh gebornen sollen sie nun im Turbolauf schneller und besser lernen als Gleichalterige, werden sozusagen doppelt bestraft für die frühe Geburt. Jahre mit Physio, Logopädie und Ergo, aber egal, sie sind doch pfiffig. Da wir schon zwei Schulkinder in der 2. und 4.Klasse haben, die ohne irgendwelche "offensichtlichen " Handicaps und reif geboren keine großen Schwierigkeiten im Schulsystem haben, wissen wir, was den Kleinen schon sehr früh ab der 1.Klasse abverlangt wird. Nochmals danke für Deine ehrliche Einschätzung, die sich absolut mit unserem Bauchgefühl deckt. Drücke Deinen Jungs fest die Daumen für einen guten Neustart! Ihr habt alles richtig gemacht, und jetzt erst recht! Alles Gute, Momo

Land-Mama Lisa — Mo, 08/26/2019 - 15:12

Danke für deine herzerwärmenden Worte, die mich grad ein kleines bisschen vor Rührung haben weinen lassen... <3

Claudia — Mo, 08/26/2019 - 09:53

Hallo, dieses Thema beschäftigt mich auch. Aber ein bisschen aus einer anderen Perspektive. Eins vorab. Der Stichtag in Baden-Württemberg ist auch der 30.9. unser erster Sohn ist im Oktober geboren und der zweite im September. Somit ging der erst mit fast 7 zur Schule und der zweite hätte mit gerade so 6 gehen sollen. Nicht mit mir. Wir haben uns mit dem Kindergarten abgestimmt und sind den Weg der Rückstellung gegangen. Die Schule hätte ihn für reif gehalten ( nach einem 30 Minuten Gespräch ) also haben wir den Antrag gestellt, waren beim Schulpsychologen und haben unsere Argumente schriftlich und mündlich vorgetragen. Und was soll ich sagen ... es hat geklappt. Und es war auch Horrortrip. Ich glaube da wird den Eltern auch viel Angst gemacht. Damit nicht jeder nach Gusto zurück stellt und in gewisserweise das System erhaltenen bleibt. Aber der Fehler liegt halt im System der Stichtage.

Sabrina — Mo, 08/26/2019 - 17:06

Das hat sich ja nun geändert, der Stichtag in Ba-Wü ist ab dem Schuljahr 2020/2021 wieder der 30.06.

Sabine — Mo, 09/02/2019 - 21:45

Der Stichtag wird monateweise auf den 30.06. verschoben. Also: Stichtag 2020/21: 31.08. Stichtag 2021/22: 31.07. Stichtag 2022/23: 30.06. Begründung: Probleme der Kommunen mit den dann fehlenden Kitaplätzen.

Kathi — Mo, 08/26/2019 - 11:08

Liebe Lisa, vielen Dank für diesen ehrlichen Einblick in euer Schulleben. Es tut mir leid, dass die Schule für Eure Jungs bisher nicht optimal lief. Mir macht Dein Beitrag gerade viel Mut - wenn auch aus einer ganz anderen (vielleicht Luxus-)situation. Meine Tochter ist vier Tage nach dem Stichtag in NRW geboren (also am 4. Oktober) und geht somit nächstes Jahr mit fast sieben Jahren in die Schule. Sie ist darüber totunglücklich, weil alle ihre Freundinnen gehen und jetzt nur noch "Babys" im Kindergarten sind. Sie weint viel und gewöhnt sich nur schwer an den Alltag im Kindergarten ohne ihre Freunde - dafür aber mit ganz vielen neuen Dreijährigen..... Sie ist ein ganz normal entwickeltes und intelligentes Mädchen und wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie jetzt zusammen mit ihren Freundinnen in die Schule gegangen und hätte es sicherlich auch geschafft. Ich hatte sooo viele schlaflose Nächte, ob wir sie früher einschulen lassen sollen oder nicht. Mein Blick richtete sich aber immer auf später, was ist mit 9, mit 12 oder mit 16 Jahren..... Aber wer weiß schon, wie es in der Zukunft aussieht. Ich glaube, es ist besser "zu reif" und die älteste zu sein, als "vielleicht schon schulfähig" und die jüngste..... Vielleicht erzählst Du ja in einem Jahr eine Fortsetzung Eurer Geschichte.... Alles Gute Dein Bericht gerade erleichtert mir diese Entscheidung sehr, da es mir einen kleinen Einblick in die Zukunft gibt. Leider gibt es nur so wenig bis gar keine Berichte darüber, was es mit (normal entwickelten und intelligenten) Kindern macht, wenn Sie "zu spät" (?) eingeschult werden und immer die ältesten sind....

Juli — Mo, 08/26/2019 - 23:02

Liebe Kathi, Genau dieses Thema beschäftigt uns auch gerade. Unsere Tochter ist Anfang Oktober geboren, und jetzt ist die Frage, ob wir sie nächstes Jahr mit 5 (fast 6) oder übernächstes Jahr mit 6 (fast 7) einschulen lassen... Meinetwegen könnte sie gerne noch ein Jahr länger in der Kita bleiben, aber alle ihre Freundinnen sind zwei oder drei Monate älter als sie und würden dann vor ihr eingeschult werden. Sie würde als einzige mit lauter dreijährigen Kids in der Kita zurück bleiben. Ich glaube nicht, dass das schön für sie wäre. Ideal wäre es, wenn wir sie zum Halbjahr ein Schulen könnten, aber das geht ja nun leider nicht... Liebe Grüße Juli

Meike — Di, 08/27/2019 - 09:09

Genau diese Situation haben wir dieses Jahr. Wir werden Donnerstag unsere Tochter mit noch 5 früher einschulen lassen. Ausschlaggebend für die Überlegung war ihr eigener Wunsch, da auch hier alle Freunde eingeschult werden und gefühlt nur 3jährige in ihrer Gruppe bleiben. Mein Mann war direkt dafür, da selber mit 5 eingeschult und immer froh über diese Entscheidung seiner Eltern. Ich war als Pädagogin dagegen. Da ich aber die einzige war und selbst eine Psychologin ihr die sozial-emotionale sowie kognitive Schulreife bescheinigte und unsere Tochter unbedingt in die Schule möchte, haben wir uns dafür entschieden. Jetzt ist unsere Tochter sehr aufgeregt, hat auch etwas Angst, aber freut sich einfach sehr auf Donnerstag. Ich bin gespannt, wie es wird.

Kati — Di, 08/27/2019 - 09:56

Einschulung zum Halbjahr wäre ideal ;-) Aber geht ja leider nicht. Irgendwer wird immer am und um den Stichtag geboren sein. Und wenn das schon der Fall ist, dann doch lieber kurz nach dem Stichtag. Ich bin überzeugt, es wird für meine Tochter immer leichter sein, eine der ältesten zu sein. Ich wünsche ihr so sehr, dass sie mit Leichtigkeit und ohne Sorge durch ihre gesamte Schullaufbahn geht. Einfach nur mit Neugierde und Wissensdurst - und ich glaube (oder hoffe), dies geht einfacher, wenn man nicht den großen Kindern "nacheifern" muss. Ein halbes Jahr Langeweile in der Kita ist mit Sicherheit besser zu kompensieren, als mehrere Jahre Überforderung. Und Freundschaften werden sowieso in der Schule durcheinander gewürfelt. Hach ja.... aber trotzdem doofe Entscheidung.....

Nelli — Mo, 08/26/2019 - 11:14

Ja, ich kann nachfühlen wie das ist. Wir mussten unseren Ältesten (Septemberkind) auch mit 5 einschulen. Mein ungutes Bauchgefühl dabei interessierte keinen, das Kind wäre schulreif. Es folgten drei Jahre Stress, Überforderung und viele Tränen auf allen Seiten. Dann hat mein Sohn das dritte Schuljahr auf mein Bestreben wiederholt. Das war übrigens sehr viel unkomplizierter als ihn zurückstellen zu wollen. Jetzt ist er ein entspannter, sehr guter Schüler mit einem Notendurchschnitt von 1,6 in der 5. Klasse. Ich ärgere mich heute noch über die drei Jahre in denen meinem Sohn sehr viel Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich selbst verloren ging. Aber so ist es in NRW.

Kathrin — Mo, 08/26/2019 - 12:00

Bei uns ist der Stichtag der 30.06. und dann gibt es einen Korridor bis 30.09. in dem die Eltern entscheiden können, wenn sie das Kind in einer Schule anmelden, dann ist es schulpflichtig, wenn nicht, dann regulär im nächsten Jahr. Bis 31.12. könnte man noch einen Antrag auf vorfristige Einschulung stellen. Mein Sohn ist im Dezember geboren und kam ganz normal mit 6,7 Jahren in die Schule, er konnte zuvor schon locker im bis Hundert Plus und Minus rechnen, würde auch dort von seiner Lehrerin abgeholt. Er geht seinen Weg ganz regulär und ich bin froh, dass er so reif zur Schule kam, wenn auch er sich bestimmt ein halbes Jahr im Kindergarten gelangweilt hat. Meine Tochter ist am 09.07. geboren 9 Tage nach Stichtag und im Entscheidungskorridor von uns Eltern. Wir haben sie letztes Jahr nicht in der Schule angemeldet, ihre Freundinnen sind dieses Jahr eingeschult worden. Sie war sogar auf einer Feier eingeladen. Unser Kindergarten wollte sie schon letztes Jahr auf Grund der Freundschaften mit in die Vorschulgruppe aufnehmen, was ich bewusst verhindert habe, denn 1. hätte sie die Vorschulgruppe 2 mal gemacht, wäre dann zurück geblieben, wenn die Freunde eingeschult werden, hätte am Zuckertütenfest keine Tüte bekommen usw..., 2. konnte sie in dem Jahr mit den „Kleinen“ endlich mal die Große sein und Freundschaften vertiefen mit Kindern, die jetzt mit in die Vorschulgruppe gekommen sind. Sie ist jetzt glückliche und stolze Vorschülerin und wir halten so Kontakt zu den frisch eingeschulten Freunden. Vielleicht können bei Euch ja die Erzieherinnen den Stolz noch fördern, dass sie jetzt die Größte ist. Ansonsten ist es schon Wahnsinn, dass die Stichtage in Deutschland je nach Bundesland so unterschiedlich sind! Das sind ja ganze Biografien, die damit geprägt werden!

Feli — Mo, 08/26/2019 - 12:07

Ich bin ehrlicherweise froh, dass uns das Problem entging: Die Große kam im Oktober zur Welt, der Kleine im Juni. Beide sind in genau dem Jahrgang, in den sie gehören. Aber ich bin selbst die Betroffene in dem Fall. Der Stichtag in Berlin war damals der 31.8. - ich bin am 2.9. geboren. Auf bestreben meiner Eltern hin wurde ich mit 5 Jahren eingeschult. Ich war immer die jüngste, immer die kleinste, immer "die letzte". Andere wurden 8 - ich wurde 7. So zog sich das durch meine ganze Ausbildung. Als ich mich nach der Realschule bewarb, war ich nicht mal 16. Ich habe dann eine schulische Ausbildung gemacht, danach Fachhochschule. Es blieb bis zum Ende meines Studiums so, auch wenn es irgendwann keine Rolle mehr gespielt hat. Ich weiß heute für mich, dass mir das eine Jahr mehr im Kindergarten gut getan hätte. Bei unserer Großen stand kurzzeitig im Raum, sie früher einschulen zu lassen (Stichtag war der 30.09., Geburtstag der 11.10.). Ich hatte ein langes Gespräch mit ihrer Erzieherin, die mir eindeutig davon abgeraten hat. Und heute bin ich froh, dass sie es tat. Meine Tochter ist in genau der richtigen Klassenstufe, genauso wie mein Sohn und darüber sind wir sehr froh.

Kathrin — Mo, 08/26/2019 - 12:20

Es ist schade und traurig, dass euch dies widerfahren ist. Bei uns in Hessen haz der Stichtag der 30.6. Das ist meines Erachtens auch sinnvoll, da in vielen Bundesländern ja die Ferien oft schon im Juli/Anfang August enden. Manche Juli oder August Kinder kommen mit 5 in die Schule. Aber September-Kinder? Wow! Und bei Frühchen gilt doch in den ersten Jahren immer die korrigiert-Regel, Warum da nicht? Verrückt! Ich hoffe dir euch alle, dass der Stichtag wie bei uns in den Juni gelegt wird! Alles Liebe für den Neustart der Jungs in Klasse 5!

anja — Mo, 08/26/2019 - 12:24

meine erfahrung: der druck entsteht durch die eltern, nicht durch das schulsystem. wenn die kinder in einer normalen grundschule nicht klar kommen, dann gehören sie auf die förderschule. da gibt es keinen druck. wären die kinder 1 jahr später eingeschult worden, hätte es bestimmt die gleichen probleme gegeben. das problem liegt meiner meinung nach eher in der elterlichen erziehung begründet. die kinder machen probleme und weil die eltern nicht selbst die verantwortung für das versagen ihrer kinder tragen möchten, wird dann die früheinschulung als grund herangezogen.

Momof4 — Mo, 08/26/2019 - 13:00

Hallo Anja, hallo Franziska! Wie schade und traurig, den Artikel so hart und unempathisch zu beurteilen! Kinder erzielen die sogenante "Schulreife" sehr unterschiedlich, manche schon mit knapp 5, andere erst mit 7. Ich habe vier Kinder, die alle unsere gleiche Erziehung genossen haben, die sehr unterschiedlich reif für das Schulsystem waren. Es ist einfach schade, dass der Elternwunsch so kurz gesehen wird, schließlich kennen wir die Kinder am besten. Ich bin mir übrigens sicher, dass ein weiteres Jahr im Kindergarten eienn Riesenunterschied macht und sich viele Probleme in dem Alter noch "verwachsen". Erfreulich, wenn das bei Euren Kinern nicht der Fall war, aber etwas kurz gedacht, dass dies bei allen 5-Jährigen so sein muss.

Franzi — Mo, 08/26/2019 - 13:18

jetzt schmeiss mich bitte nicht mit anja in einen topf!! ;) Ich wollte nur etwas relativieren und sagen, dass es vielleicht nicht toll gelaufen ist, aber eben auch nicht so schlimm ist oder sein muss. Drama wird es nur, wenn man eins draus macht. Vielleicht wären die Jungs auch nicht easypeasy durchgelaufen, wenn sie ein Jahr später gegangen wären, who knows, man muss sich deshalb nicht so verrückt machen und sich noch gegenseitig verstärken, wie schlimm doch alles ist. ich habe auch 3 Kinder, eine kam mit 5 als Dezemberkind, einer mit 5 als Septemberkind und einer mit 6 als Septemberkind, habe also auch etwas Erfahrung ;). Ehrlich gesagt geniesse ich es, dass der Jüngste erst mit 6 in die Schule kam, habe ich zum ersten Mal erlebt. Aber die beiden anderen sind auch ihren Weg ohne große Probleme gegangen.

Land-Mama Lisa — Mo, 08/26/2019 - 15:11

Liebe Anja, ich habe an keiner Stelle gesagt, dass unsere Kinder "versagt" hätte - wo kämen wir denn da hin? Sie wiederholen nun auf unseren Wunsch. Die Noten waren okay. Auf der Grundschule kamen sie klar. Und nein, ich bin sicher, sie hätten nicht die gleichen Schwierigkeiten, wenn sie ein Jahr mehr Zeit gehabt hätten, wenn sie einfach eine Woche später geboren und damit den Stichtag umgangen hätten. Dass es an unserer Erziehung liegen soll ist ein schwieriger Vorwurf, denn bei unserem dritten Kind hat diese "Erziehung" ja dann offenbar geklappt.

Franziska — Mo, 08/26/2019 - 12:40

Anja drückt es zu hart aus, aber ein bißchen Recht hat sie schon. Ich denke auch, dass man das Ganze nicht so dramatisieren sollte, das überträgt sich auf die Kinder. „Kindheit gestohlen“- bei unseren super behüteten und verwöhnten Kindern, von denen (außer Schule halt) wirklich nicht all zu viel verlangt wird- das klingt wirklich überzogen. Meine Tochter kam als Deuemberkind mit 5 in die Schule, ganz regulär in Berlin übrigens, und sie macht es gut, ist aber fast 2 Jahre jünger als die ältesten Mitschüler (Wiederholer oder Zurückgestellt)-das finde ich dann auch heftig. Aber ja, mein Punkt ist: vielleicht war das nicht optimal, aber halt auch kein Weltuntergang.

Gast — Mo, 08/26/2019 - 13:12

Ich wohne in BaWü und unser Sohn hat das Glück, dass er (nach aktueller Planung) erst mit 7 eingeschult werden wird, weil der Stichtag bei uns auf den 30.06. vorverlegt werden wird. Ich bin sehr dankbar, weil ich von vielen Seiten schon gehört habe, dass Jungs einfach manchmal länger brauchen. Der Nachteil daran ist der selbe, wie bei seiner großer Schwester. Er wird ein Jahr nach seinen Freunden eingeschult werden, weil die alle vor dem Stichtag geboren sind. Eventuell ist er sogar das einzige Kind aus unserem Kindergarten, das in diesem Jahr eingeschult werden wird. Und jetzt mal ganz altersunabhängig. Wer weiß, wie es gewesen wäre, wenn eure Jungs ein Jahr später eingeschult worden wären? Vielleicht viel besser, vielleicht genauso vielleicht sogar schlechter? Man weiß es nicht und jetzt ist es, wie es ist. Mein Bruder wurde mit 7 eingeschult. Er kam nur mit viel Druck seitens meiner Mutter überhaupt zu einem Schulabschluss. Seine Lehre hat er ebenfalls mit schulisch miserablen Leistungen abgeschlossen. Seine Praxisergebnisse haben ihn gerettet. Er ist von seinem Beruf derart begeistert, dass er in der praktischen Abschlussprüfung Bestnoten bekam. Nur mit der Schule hat er es eben nicht so. Auch heute, mit 20 noch nicht.

Cori — Mo, 08/26/2019 - 14:08

Ich erlebe in meinem Umfeld eine Dramatisierung von dem Thema. Klar (!!!) es gibt wirklich berechtigte Ausnahmen, Zwillinge, Frühgeburt, Beeinträchtigungen etc.. Aber, ich habe schon Septemberkinder erlebt, die auch nicht hochintelligent waren und trotzdem gut in der Schule angekommen sind. Die Sorgen der Eltern sind oft größer als die Probleme der Kinder. Und, unsere Tochter wurde am 30.6. geboren, der Korridor ist für uns also ungerecht. Aber, irgendwer wird von dem starren System immer benachteiligt werden. Das lässt sich leider nicht lösen.

Land-Mama Lisa — Mo, 08/26/2019 - 15:07

Doch, das lässt sich lösen, indem zum Beispiel den Eltern Gehör geschenkt wird. Warum muss es so einen starren Stichtag geben?

Renate Löffler — Mo, 08/26/2019 - 20:56

Für Schulkinder gibt es genug Plätze aber den Kitas fehlt es an Plätzen. Für die Kommunen ist es günstiger eure Jungs zu früh in die Schule zu schicken, selbst wenn sie sitzenbleiben. Aber natürlich ist das eine menschliche Katastrophe. Ich bin sehr froh, dass meine Kinder weit weg vom Stichtag geboren sind.

Petra — Di, 08/27/2019 - 14:47

Aus Lehrersicht (wenn auch aus aus Österreicher und nicht von der NRW-Regelung betroffen) bin ich absolut dafür den Eltern ein großes Mitspracherecht zu geben und ein Korridorsystem festzulegen in dem ohne große Probleme frühzeitig eingeschult oder zurückgestellt werden kann. Die Auswirkungen einer zu frühen Einschulung werden sonst absolut in das Gymnasium mitgeschleppt und wieso soll man Kindern mit fast 6 oder gerade 6 Jahren schon die Lernmotivation klauen die sie noch dringend brauchen werden? Kinder sind ja keine total berechenbare Fertigbackmischung. In Österreich gab es ja den kuriosen Fall, dass je nach Gegend zwischen praktisch keinem und 20% der Schüler bei der Schulreifebeurteilung zurückgestellt wurden weshalb diese jetzt ein neues "Regelwerk" bekommt. Man kann Kinder leicht schulreif beurteilen wenn man es darauf anlegt, umso mehr muss auch auf die elterliche Meinung eingegangen werden. Und Lisa, deinen Jungs viel Spaß in der Schule und vor allem auch beim Fußballspielen.

Cilly — Mo, 08/26/2019 - 17:50

Da sieht man, wie unterschiedlich die Kinder sind, und wie individuell man sie sich bei diesem Thema anschauen muss. Unsere zweite Tochter ist Ende November geboren, und ich bin gottfroh, dass der Stichtag in Ba-Wü erst nächstes Jahr auf den 30.06. zurück gelegt wird. Sie wird jetzt mit fünf eingeschult. Eigentlich wollte sie schon letztes Jahr mit vier in die Schule kommen. Sie ist allerdings auch hochbegabt und das letzte Kindergartenjahr war sehr anstrengend für alle Beteiligten (mit Erziehern, die ihr ihre deutlich weitere Entwicklung abgesprochen haben:“ sie ist genauso weit wie die anderen Sechsjährigen“- da war sie vier). Wir haben allerdings auch alle Instanzen durch (Schulpsychologen, Hochbegabteninstitut, Kinderpsychologe etc.). Letztlich müssen die Eltern die letzte Entscheidung haben, und niemand sonst.

Yvette — Mo, 08/26/2019 - 18:16

Wir haben uns auch für eine Rückstellung entschieden. Hier in Brandenburg ist der 30.09. der Stichtag. Erfahrungsgemäß werden aber die meisten Rückstellungen genehmigt, vor allem von Sommerkindern. Letztlich entscheidet die Schule. Mein Sohn musste sogar extra einen psychologischen Test machen, weil ich als Mutter, die mein Kind seit 6 Jahren täglich beobachte, anderer Meinung als die Amtsärztin war. Der Test bestätigte meine Vermutung... Dieses Jahr sehen wir alle als geschenkte Lebenszeit für ihn. Die Lehrer an der Schule sagen: "es ist noch nie ein Kind zu spät eingeschult worden, aber viele zu früh..." Ich persönlich finde es schade, dass der Wohnort und das Bundesland über den Stichtag entscheiden. Das ist den Kindern nicht fair ggü. Und es sollte mehr auf das Bauchgefühl der Eltern gehört werden. Gerade wenn man schon Geschwisterkinder auf der Schule hat, dann weiß man, was einem erwartet und kann durchaus beurteilen, ob das eigene Kind das schafft... Aber in einem bürokratischen Land wie D entscheiden Geburtsdaten, Jahrgangsstärke und Geschlecht über solche einschneidenden Erlebnisse wie den Schulbeginn... Traurig.

Kirsten — Mo, 08/26/2019 - 19:38

Ich kann em Beitrag nur zustimmen. Der Amtsarzt sagt ja zur Schulfähigkeit und die Erzieherinnen sagten er schafft das schon. Jetzt haben wir hier einen gerade sechsjährigen Jungen der eingeschult werden musste und jeden Abend weint, weil er lieber spielen möchte. Gerne hätte ich ihm ein Jahr länger ohne Bus fahren, Schule und Hausaufgaben gegönnt. Leider passen wir nicht in das System Schule, aber wir müssen da durch.

Susanne — Mo, 08/26/2019 - 20:10

Mir kommt dazu noch ein anderer Gedanke. Etwa was ich bei meinen Töchtern beobachte. Die Ältere ist sehr zielstrebig und die Jüngere macht in Ruhe ihr Ding und lässt sich von niemandem kirre machen. Das bedeutet, sie macht ihre Hausaufgaben einfach nicht, wenn ihr Spielen mit den anderen Hortkindern wichtiger ist. Ihr Naturell war schon immer so und ich würde es nicht unbedingt auf das Einschulalter schieben. Sie wäre auch ein Jahr später nicht so wie unsere ältere Tochter. Ich höre oft, dass die Erstgeborenen auch die pflichtbewussteren sind. Nur so als zweiter Gedanke.

Steffi — Mo, 08/26/2019 - 21:31

Ich lebe mit meiner Familie in Baden-Württemberg. Hier ist dieses Jahr noch der 30.9. der Stichtag. Mein Sohn hat am 25.9. Geburtstag. Wir konnten ihn ohne Probleme zurückstellen lassen. Er war ein Frühchen und sollte erst Mitte November zur Welt kommen. Das war schon mal ein gutes Argument. Außerdem waren sich die Erzieherinnen und ich uns völlig einig, dass er auf der sozial-emotionalen Ebene noch etwas Entwicklungsbedarf hat, bevor es in die Schule geht. Kognitiv würde er es packen, das wäre kein Problem. Aber das ganze Drumherum: der Druck, der Umgang mit Frust, sich auf dem Schulhof gegen Ältere behaupten, die Selbstständigkeit usw. - all das hätte ihn überfordert. Ich bin selbst Grundschullehrerin und weiß, was zum Teil in der ersten Klasse von den Kindern verlangt wird. Ich habe so oft erlebt, dass ich Kinder vor mir hatte, bei denen ich ganz sicher war, dass ein weiteres Jahr Kindergarten ihnen viel Frust, Nerven und manchmal auch Leid erspart hätte. Zum Glück sieht es in Ba-Wü momentan so aus, dass der Stichtag ab nächsten Jahr tatsächlich wieder auf den 30.6. verlegt wird.

Lucy — Mo, 08/26/2019 - 22:25

Mich würde mal interessieren, ob es Eltern gibt, die positive bzw. neutrale Erfahrungen gemacht haben mit Kindern, die kurz vor dem Stichtag (30.9.) geboren wurden und somit Muss-Kinder waren. In meinem Unfeld gibt es durch Zufall sehr viele August bis Oktober Kinder und die sind alle obwohl sehr jung ohne Probleme eingeschult worden. Bzw. die Probleme, wenn es denn welche gab, waren auch nicht anders, als bei den 6,5 jährigen. Und mit Sicherheit ist ein 6,5 jähriges Kind von den neuen Eindrücken genauso überwältigt wie ein knapp 6 järiges.

Yvette — Di, 08/27/2019 - 09:56

Ehrlich? Im Nachhinein würde ich meine Tochter auch zurückstellen. Sie ist am 02.09. geboren und war ein Muss-Kind. Sie wird jetzt in der 4.Klasse erst neun und die anderen sind schon 10, bzw werden es jetzt bald. Die anderen Mädels sind größtenteils 1 Jahr älter. Und das merkt man auch. Sie will noch Pferdchen auf dem Schulhof spielen und die anderen lieber die Jungs necken. Da ist einfach ein Jahr ein riesen Entwicklungsfenster... Der Druck in der Schule ist enorm und mir tut es im Nachhinein leid, nicht für dieses Jahr gekämpft zu haben. Positives gibt es leider gar nichts zu berichten. Habe einen Nachbarsjungen, der Ende September geboren ist und eingeschult wurde. Ich habe gleich gedacht, dass er das nicht packt. Ende vom Lied: er wiederholt nun die erste Klasse... Ein einschneidendes Erlebnis für sein ganzes Leben. Mir tut es leid für die vielen Kinder, denen ein Teil ihrer unbeschwerten Kindheit verloren geht.

Alex — Di, 08/27/2019 - 12:31

Gott sei dank war das bei uns in Bayern vor 20 Jahren nicht so . Stichtag 30.7 mein Sohn ist ein August Kind also eh erst mit 7 zur Schule und mit 7 hab ich ihn dann zurückstellen lassen er war einfach noch nicht so weit. Und wenn ich ganz erlich bin richtig angekommen ist er erst als er nach der fünften Klasse Hauptschule in die fünfte Realschule gewechselt ist. vorher war die Schule schwierig und anstrengend danach ein swlbstläufer.

Alex — Di, 08/27/2019 - 12:32

Selbstläufer soll das heißen

Manuela — Di, 08/27/2019 - 18:22

Hallo Lisa, haben gerade deinen Beitrag gelesen. Wir können das so eine zu eins bestätigen. Unsere Zwillingsmädchen kommen nach den Sommerferien in die 5. Klasse und wir sind sehr gespannt, was uns als Familie dann so alles erwartet ! Auch unsere Kinder sind 2 Tage vor dem Stichtag geboren und sind mit 5 Jahren eingeschult worden. Alles, was du geschrieben hast machten wir ebenfalls durch. Die Grundschulzeit war rückblickend zu mindest für das eine Kind ein einziger Kampf.

Birgit — Di, 08/27/2019 - 20:21

Zwillingsjungs kurz vor dem Stichtag in NRW geboren. Sie wollten nicht zur Schule, sagten das schon bei der Anmeldung aber sie mussten. Denn sie waren offiziell schulreif. Viel Stress in den ersten beiden Schuljahren. Überforderung. Mobbing durch die älteren und kräftigeren Mitschüler. Ich wollte Einen auch die 3. Klasse wiederholen lassen. Abgelehnt. Klappt doch. Ich bin auch sehr enttäuscht, dass wir uns all diesen Stress machen mussten. Und wofür? Wofür dieser Druck und all diese Tränen der Überforderung. So ein Quatsch. Und die Schule ist NICHT fair. Heute werden jüngere und schwächere Kinder nicht besonders gefördert. Es ist friss oder stirb. Eigenständiges Arbeiten, Disziplin und Motivation wird auch von den 5 jährigen einfach verlangt.

Leonie — Di, 08/27/2019 - 21:58

Hallo, komme auch aus BW, ich am 25.9 geboren Stichtag aber der 30. Ich war also auch 5 als ich offiziell in die Schule kam, allerdings in eine Grundschulförderklasse. Diese befand sich in der Dorf-Grundschule, ich konnte hinlaufen,es kamen aber auch einige aus anderen Dörfern mit dem Bus, alles problemlos. Grundschultest hat ich bestanden, meine Eltern hielten mich aber für zu jung (war auch dünn, klein, brav und schüchtern) sowie auch eine Kindergärtnerin. Ich hab sie damals wirklich grhasst, dafür bin ich ihr aber dankbar. Zur GFK: Klassengröße 13 Personen, Klassenlehrerin eine liebe alte Frau im Alter meiner Oma, Bildungsplan gab es nicht wir haben gemacht was uns so einfiel. Wir hatten täglich Sport, mindestens einmal in der Woche einen Naturspaziergang mit Lupen und Tipi bauen, viel vorgelesen bekommen (geliebte Diashow zu Kinderbüchern❤️), oft gebacken, viel gebastelt/gebaut/gewerkelt, waren viel auf dem Spielplatz direkt neben dem Pausenhof, gefühlt wöchentlich kam entweder der Zahnarzt, Französisch Frau, Gärtner, Gesunde Ernährung Projekt, nikolaus, Faschingtruppe...Förderstunden in denen wir zu dritt waren... Habe mich in dem Jahr wirklich entwickelt, hat immer Spass gemacht, feste Pausenzeiten oder ähnliches gab es nicht, Lehrer und Gebaude der Grundschule kannte ich alles. Meine direkten Nachbarn (4!) waren alle ein Jahr jünger und würden mit mir zur ersten eingeschult, im Fußball hab ich auch bei den Jüngern gespielt den da waren wir 5 Mädchen. Das alle dann jünger waren davon bekam ich gar nicht soviel mit. Grundschule bestens überstanden, waren aber wirklich alles Dorfkinder das hat man schon gemerkt, viel Zeit draußen und bei Freunden verbracht, war sehr selbstständig Hilfe bei Hausaufgaben oder so hab ich nie gebraucht. Dann auf G8, fiel mir eigentlich wirklich leicht, Stoff der kompletten fünften! kannte ich aus der Grundschule, während der Reste Aufgaben löste war ich schon bei den Hausaufgaben in der Schule, einziges Problem waren die teilweise wirklichen verdammt komischen Menschen und die Lautstärke bei plötzlich 30 statt 16!. Blieb auf dieser Schule bis jetzt, Ende der neunten, hatte immer genügend Freizeit. Bin in Mathe, Physik, Chemie verdammt gut (1-1,5), hatte daher nie Probleme, Sprachen fallen mir schwerer aber so richtig schlecht geht da ja gar nicht. Zur Wahrheit gehört allerdings auch dass die Hälfte! der Klasse Nachhilfe nimmt, meist in Mathe, Physik, Chemie, Latein, Französisch, verstärkt die Mädchen. Ich wechsel jetzt auf ein Wirtschaftsgymnasium in die elfte, da G9, hab also egal ob G8 oder G9 noch drei Jahre vor mir, komme nach den Ferien allerdings zum Teil mit Schülern mit Realschulabschluss in eine Klasse, also ein Jahr ältere, genau die mit dem Jahrgang ich eingeschult werden sollte. Grund für den Wechsel sind keine 3 Fremdsprachen mehr und dafür Wirtschaft und Informatik. Werde mit der schule ( G8+GFK) genauso lange brauchen wie die die von Real oder Gemeinschaftsschule auf ein G9 wechseln. Die GFK hat mir definitiv mehr gebracht als jetzt noch mit G9 ein Jahr länger zu haben. Finde das toll das das so funktioniert hat, man innerhalb des Schulsystem spezifisch Fächer wählen und abwählen kann. Ich werde mit Sicherheit während oder nach der schule noch ins Ausland. Frühe Einschulung gerade für etwas "unterentwickelte" (Sorry für den Begriff) ist sicherlich hart, auch wegen späterm Freundeskreis. Die 9 bestand aus 14-16 jährigen, als ich 14 war hab ich mich dementsprechend mit 12 jährigen abgegeben, die jetzt erst 14 jährigen mit dem Alkoholkonsum der dementsprechend 16 jährigen... G8 an sich finde ich aber gut, ganz ehrlich: wer das nicht packt packt es eben nicht, dafür ist es eben Gymnasium. Wer Abi will kann das auch noch an einen Real oder Hauptschul Abschluss randhängen, hat es alles schon gegeben, es braucht nur Ehrgeiz. Wenn ich sehe wie viele hier nach und nach ihre Hobbys und Begabungen aufgeben, immer mehr Nachhilfe und Stress haben, dass muss es doch wirklich nicht sein.

Carolin — Mi, 08/28/2019 - 07:11

Liebe Lisa, Die selbe Petition hatte in Baden Württemberg erfolgreich und wird 2021 umgesetzt. Ja das verschärft die Situation in den eh schon vollen Kindergärten noch mehr. Aber mein Sohn wird kein "Opfer" des Systems. Er hat am 29.9. Geburtstag. Schöne Grüße und danke für diesen Text Caro

Vanessa — Mi, 08/28/2019 - 23:18

Liebe Lisa, ich habe das Gefühl, du schreibst über uns. Unsere Tochter wurde im vergangenen Jahr in BW (Stichtag 30.09.) mit 5 eingeschult. Wir haben vom Kinderarzt, wie auch vom Kindergarten die identischen Aussagen erhalten, wie deine Jungs. Aber unser und vorallem mein Bauchgefühl sagen mir ... Nein ... sie benötigt noch das eine Jahr. Sie ist zu verspielt, kann sich nur schwer konzentrieren und zeigt 0 Interesse an schreiben und rechnen. Unser Rektor sagte beim 1. Elternabend: "wenn sich doch rausstelleb sollte, dass die Einschulung zu früh wsr, sollen die Kinder einfach (!) in Klasse wiederholen." Danke fürs Gespräch. Jetzt ... ein Jahr später ... mein Bauchgefühl hatte recht. Und könnte heulen, jeden Tag. Wir haben z. Zt. Sommerferien und unsere Tochter muss täglich im Wechsel Mathe und Lesen üben. Herr Gott ... sie ist in der 1. Klasse und wir fühlen uns, als stünden wir vor dem Sprung in die weiterführende Schule. Sie tut mir so unheimlich leid. Sie kämpft, sie zweifelt an sich, sie weint, sie ist wütend und macht dicht. Sie spielt seit mittlerweile 4,5 Wochen in jeder freien Minute als würde ihr Leben davon abhängen. Weil sie es noch braucht, der Spieltrieb ist groß. Ich weiss nicht, wie es weitergehen wird. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass sie bereits in der Grundschule eine Klasse wiederholen muss um entspannter und stressfreier arbeiten zu können. Ich habe Angst. Mache ich zu viel mit ihr, bleibt die soooooo wichtige Kindheit auf der Strecke. Mach ich zu wenig mit ihr, werden Ihre Freundinnen weiterziehen, während sie dank unserem besch****** System eine Ehrenrunde drehen muss. Denn .... sie ist ja schulfrei. *ironieoff*

Emma — Do, 08/29/2019 - 13:52

....bekomme ich, Lisa, auf diese Stichtagregelung.  Ich habe allergrößtes Mitgefühl. Dein hervorragend geschriebener, wundervoll authentischer Bericht lässt Deine Emotionen greifbar werden. Ich verstehe sie alle und gebe Dir absolut Recht. RiesenMIST der Stichtag. Was für ein Unsinn! Was für ein tiefer Eingriff in die gesamte nach Art. 6 Grundgesetz geschützte Familie. Wodurch lässt der sich rechtfertigen? Durch das staatliche Organisationsbedürfnis? Dass ich nicht lache! Dein Bericht beweist, dass es sich gerade nicht nur um eine Frage der Organisation handelt, sondern dass die gesamte Familie leidet - die ältere Schwester mangels.Zeit, die Mutter aufgrund Hausaufgabenbetreuungspflichten, die Kinder im Selbstwert, die Eltern durch umfassende Sorge, die Familie durch das Gefühl der Fremdbestimmung und der Hilflosigkeit. Da bekomme ich RIESENWUT aus Empathie. --- Ich wünsche euch von Herzen Befreiung durch die Ehrenrunde. Die Jungs schaffen das.bestimmt besser als.Du meinst. Hey, sie haben Deine Gene. Sie sind winner!!!

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