Stadtleben

20/10/2017 - 09:45

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Warum es bei uns keine Haustiere geben wird - auch, wenn meine Kids mich dafür gemein finden

Es gibt Diskussionen, die wohl alle Eltern früher oder später mal führen. Zum Beispiel ob man Schokolade nach dem abendlichen Zähneputzen noch essen darf oder nicht, ob das Sommerkleidchen bei 10 Grad minus angemessen ist oder warum alle anderen Kinder auf die Party dürfen, nur der eigene arme arme Nachwuchs nicht. Zu dieser Kategorie der Diskussionen, die jeder mal führt, gehört auch ganz klar die Haustier-Debatte. Und da ich sie selbst als Kind mit meiner Mutter geführt habe, weiß ich, dass dabei schwere Geschütze aufgefahren werden können. Lisa hat ja vor zwei Tagen erzählt, warum sie sich für Haustiere entschieden haben, heute schreibe ich, wie es bei uns zu Hause läuft. 

Denn ja, auch bei uns war vor einigen Wochen bei uns wieder so weit, dass wir das Thema auf dem Tisch hatten. Auslöser war ein niedlicher Hundewelpe, den sich eine Familie ein paar Häuser weiter angeschafft hatte. Ein kleines, drolliges Kerlchen namens Sammy, den man wirklich sofort ins Herz schließen musste. Meine Kinder streichelten ihn, warfen Stöcken und waren total begeistert. 

Abends, wir saßen gerade am Abendbrottisch, seufzte meine Tochter dann laut und sagte: „Wir werden niemals so einen süßen Hund haben. Niemals. Und das macht mich traurig.“ Aus Solidarität stimmte ihr kleiner Bruder mit ein: „Du bist soooo gemein, Mama. Warum kriegen wir keinen Hund?“ Es folgten alle Sprüche wie: „Wir gehen auch immer mit ihm Gassi“ oder „Du musst Dich um gar nichts kümmern“ und gipfelte in Tränen - weil ich bei meinem Standpunkt blieb: „Bei uns wird es kein Haustier geben. Keine Maus, kein Meerschweinchen, keinen Hund.“ 

Es ist ja nicht so, dass ich keine Tiere mag (auch wenn ich leider auf einige Tierhaare allergisch bin). Und ich glaube auch, dass Kinder vom Zusammenleben mit Tieren profitieren können. Und trotzdem möchte ich keine Haustiere. Warum? 

  1. Ich möchte nicht noch mehr Verantwortung. Mit drei Kindern und einem Job habe ich, ehrlich gesagt, genug zu tun. Ich möchte nicht noch den Hasenstall sauber machen, nachdem ich meine drei Kinder gebadet habe. Ich möchte keine Tierarzt-Termine machen müssen, mir reichen die U-Untersuchungen der Kids schon. Ich möchte keinen Hund erziehen, ich komm schon bei den Kindern kaum hinterher. Kurz gesagt: Noch ein Lebewesen mehr, für das ich sorgen müsste, wäre mir einfach zu viel. 
  2. Ich kenne meine Kinder - sie haben zu 50 Prozent meine Gene. Und ich hatte auch mal versprochen, immer für meine Meerschweinchen da zu sein, immer den Käfig sauber zu machen und sie zu füttern. Das klappte auch - so ungefähr zwei Monate, dann waren doch andere Sachen wichtiger und meine Mutter hat den Käfig sauber gemacht. Genau davor habe ich Angst - dass meine Kinder irgendwann die Lust/das Interesse verlieren und es dann an mir hängen bleibt. 
  3. Wir reisen gerne und viel - wo sollte in dieser Zeit dann das Haustier sein? Immer die Nachbarn bitten? Geht nicht. Die Katze, den Hasen oder die Schildkröte mit in den Urlaub nehme? Geht natürlich auch nicht.

Ich weiß, das mag sich alles furchtbar egoistisch anhören, ist es aber eigentlich nicht. Denn ich denke dabei nicht nur an mich: Wenn man ein Tier in die Familie aufnimmt, sollte man auch zu 100 Prozent dahinter stehen. Man bindet sich . auch emotional - auf Jahre. Das kann wunderbar sein, wenn es für eine Familie passt. Wie oft hört man aber von Fällen, in denen es zu Weihnachten ein Haustier gibt - und in denen das Tier an Ostern schon ins Tierheim gebracht wird, weil die Euphorie verflogen ist?! DAS möchte ich niemand antun - dem Tier nicht, den Kindern nicht, mir nicht. 

Tiere bedeuten Verantwortung, Liebe und Zuwendung. Man sollte sich dessen bewusst sein und sich genau überlegen, ob man dafür bereit ist. Wenn man diese Frage mit NEIN beantwortet, gibt es wunderbare andere Möglichkeiten für die Kinder, mit Tieren in Kontakt zu kommen: 

Vielleicht freut sich die alte Dame von nebenan, wenn man anbietet, mit dem Dackel regelmäßig Gassi zu gehen. Vielleicht kann man auf die Meerschweinchen der Klassenkameradin aufpassen, wenn sie im Urlaub ist. Vielleicht übernimmt man eine Tierpatenschaft im Tierheim. 

In unserem Fall sind die Kinder so verzückt von Sammy, dass sie ihn nun ab und zu besuchen. Dann spielen sie gemeinsam mit den Nachbarskindern und dem kleinen Hund, toben herum und kommen glücklich nach Hause. Ich finde, das ist ein wunderbarer Kompromiss.

—HINTERGRUNDINFO: Dieser Beitrag ist Teil der Initiative „Liebe fürs Leben – Tierschutzunterricht für Schulkinder“, die wir total sinnvoll und gut finden. Ziel ist es, die Kinder für die Bedürfnisse und den Schutz von Hund, Katze & Co. zu sensibilisieren und sie über artgerechte Tierhaltung und den Umgang mit den Tieren aufzuklären. In dem Projekt engagieren sich der Tiernahrungshersteller PURINA und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) gemeinsam. Die Tierschutzlehrer vermitteln alle Themen kindgerecht, spannendund spielerisch. Dabei ist der Tierschutzunterricht frei von Werbezwecken oder Markennennungen und wird bundesweit kostenlos für Grundschulen angeboten. Wer Interesse hat kann auf der Initiativen-Homepage kostenlos die Tierschutzlehrerin buchen. Wir finden das eine super Idee, um Kinder für Haustiere zu sensibilisieren und ihnen klar zu machen, dass ein Haustier wirklich eine Liebe fürs Leben ist - und kein kurzfristiges Spielzeug.

Tags: Haustiere, Purina, Kinder, Entscheidung, Tiere, Pflege

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Kommentare

K — Fr, 10/20/2017 - 09:38

Bei uns gibt es auch keine Tiere im Haus. Ich finde das zwar schön, aber die Wohnung ist zu klein und mir graut es vor dem Dreck, vor Haaren und Kötteln. Ich mag auch den Geruch von Tieren nicht. Wenn, dann ein Kaninchen im Garten. Aber nicht drinnen in der Wohnung. Meine Kinder finden mich auch soooo gemein.

Sabrina — Fr, 10/20/2017 - 12:04

... die Lieben Haustiere. Zu unserem Haushalt gehören neben Papa, Mama und bald zwei Kindern auch noch zwei Hund (ein ziemlich großer und Epilepsie kranker und ein kleiner frecher Kinder liebender) und Schildkröten. Die Tierchen wurden alle während dem Studium der Mama angeschafft und machten mich auch sehr glücklich. Natürlich haben alle unsere Mitbewohner nun ein bleiberecht auf Lebenszeit denn nur so und das tut mir leid kann man den kauf eines Tieres rechtfertigen. Zum Thema glücklich machen, wir lieben die Tiere natürlich immer noch und Sie gehören zu uns, aber das mit dem glücklich machen ist so eine Sache. Haustiere machen wie oben beschrieben viel Arbeit und Dreck, Kleinkinder auch aber eben anders. Trotz Entspannung wenn es z.B. darum geht wenn der Hund mal das Kind ableckt, möchte ich nicht das mein frisches Krabbelbaby ganze Haarbüschel schluckt wenn gerade mal wieder der Fellwechsel ansteht (was soviel heißt wie noch mehr saugen saugen). Noch schlimmer wenn Tier oder Mensch krank sind, der große Hund braucht viel ruhe das Kind will Freunde zum toben in der Wohnung, das Kind hat hohes Fieber der Hund muss bei Schnee und Eis raus mmh. Nun ja das sind nur einige Beispiele aber diese sind denke ich mal übertragbar auf fast jede Art von Haustier und alltags Problem. Also mein persönlicher Tipp ein Tier sollten sich in aller erster Linie die Eltern wünschen, den Ihr könnt euch sicher sein Ihr werdet es Versorgen, beachtet die Individuelle Lebensdauer der Art und überlegt euch ob Ihr euch so lange wirklich binden wollt. Organisiert schon vorher was mit dem Tier im Urlaub passieren soll. Und schafft euch ein Haustier erst an wenn Ihr sicher seid das der Alltag mit den Kinder so weit steht. Ein Säugling und ein Jungtier sind zu allermeist nur auf den Fotos zusammen schick alles andere bringt Chaos. Hier bei nehme ich auch Haustiererfahrene Menschen nicht aus, alles was bereits bei euch gelebt hat wird Irgendwie passend gemacht, aber ein Baby ist an sich erstmal Abenteuer genug. Die schönen Seiten Töchterchen sucht nach dem Urlaub erstmal die Hund, bringt Ihnen Geschenke und fragt mit 2,5 Jahren schon ob Sie auch schon Futter hatten. Wenn das Kind mal Fieber hat schläft schon mal der kleine Hund mit im Zimmer und schon ist die Welt nicht mehr ganz so schlimm.

Anna — Fr, 10/20/2017 - 14:24

Am verantwortlichsten und tierliebsten handelt, wer ganz auf Haustiere verzichtet. Man kann ihnen nicht gerecht werden. Katzen, die ihre Jungen im Puppenkinderwagen bekommen, Hunde, die zweimal am Tag für 2 Minuten vor die Tür geführt werden, das Karnickel, das im Käfig mit der Meersau sein Dasein fristet. Der einzeln gehaltene traurige Wellensittich, der aber immerhin Bubi lieb zwitschern kann..... Verzichtet auf Haustiere und ihr seid die verantwortungsbewusstesten Tierliebhaber.

Eva Dorothee — Fr, 10/20/2017 - 15:01

Ich sehe das ganz genau so wie Du! Mir kommt auch kein Haustier ins Haus! LG

V — Fr, 10/20/2017 - 15:32

Ich sehe es genauso wie Katharina und auch wir die Kommentatorin Anna. Haustiere zu halten ist egoistisch und kann dem Tier nie gerecht werden. Ich besuche auch sehr ungerne Zoos. Ich kann es einfach nicht mit ansehen. Tierdokus über Tiere in freier Wildbahn sehe ich sehr gerne. Und ich bin Vegetarier. Das passt jetzt hier nicht zum Thema, aber ich ärgere mich sehr über militante Tierschützer, die Hunde aus Spanien retten und sich über malträtierte Zirkuspferde aufregen und am Wochenende ein Foto vom fleischbeladenen Grill posten. Sind nicht alle Lebewesen gleich viel wert?

anja — Fr, 10/20/2017 - 22:09

Tiere sollten in der freien Natur leben und nicht in Käfigen und Wohnungen eingesperrt sein. Das möchte ich meinen Kindern vermitteln, deswegen erlaube ich keine Haustiere.

Gast — Sa, 10/21/2017 - 13:19

Tiere sind eine absolute Bereicherung für Kinder und ihre Entwicklung, sei es zu lernen Rücksicht zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen oder Empathie zu erlernen. Ich bin auch der Meinung, dass Eltern hinter dem Wunsch nach einem Tier stehen müssen bzw. sich selbst ein Tier wünschen sollten, denn Arbeit und finanzieller Aufwand wird immer an ihnen hängen bleiben und Kinder machen noch zu viele Entwicklungen durch, um eine solche Entscheidung eine Tierleben lang vertreten zu können. Ich selbst bin mit Hunden und Katzen aufgewachsen. Die Katzen Freigänger und trotzdem gerne mit uns und den Hunden zusammen und die Hunde sind halt Hunde, die sind genetisch dazu veranlagt ihr Rudel zu lieben (leider auch egal was der Rudelführer ihnen antut). Je älter wir wurden, umso mehr waren wir mit unseren Haustieren zusammengeschweisst und mit 25 Jahren habe ich dann nach 15 Jahren, den besten Freund meines Lebens verloren. Ich war dankbar für jede Minute mit ihm und kann mir nicht vorstellen, was für ein Mensch ich ohne die Tiere heute wäre. Es sind einfach Erfahrungen fürs Leben, die man sammelt. Und die Entscheidung der Eltern für oder gegen Haustiere hängt wohl immer sehr davon ab, wie sie selbst aufgewachsen sind.

Tiere sind Freunde — Sa, 10/21/2017 - 16:06

Wir leben in einer immer egoistischer werdenden Welt. Jeder denkt nur an sich, nur keine Verantwortung, Verpflichtung und erst Recht nicht für ein Haustier. Wie armseelig ist das eigentlich ? Solche Menschen tun mir nur eins und zwar leid ! Für Kinder gibt es nix schöneres als mit Tieren aufzuwachsen. Wenn ich so manche Kommentare hier lese, kriege ich echt ne Hasskappe.

melanie — Mo, 11/25/2019 - 23:10

Ich hab Fische und eine Katze. Möchte sie nicht mehr missen

melanie — Mo, 11/25/2019 - 23:11

Hatte schon als Kind Kaninchen

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