04/12/2014 - 08:57

Land-Mama Lisa

Wie sich das für Mama anfühlt, wenn auch die jüngsten Kinder Schulkinder werden.

Liebe Katharina, Du hast mich bedauert. Darauf möchte ich gern antworten. Die letzten Tage in der Kita waren schwer. Ich dachte: das kann es doch jetzt nicht gewesen sein. Es kann doch nicht wahr sein, dass ich ab jetzt keine Kitamutter mehr bin und quasi per Einrichtung nur noch mit den großen Kindern zu tun haben werde. Alle drei in der Schule?

Es ist so: In NRW müssen alle Kinder zur Schule gehen, die bis Ende September sechs Jahre alt werden. Meine Zwillingsjungs waren für Oktober ausgerechnet, kamen aber noch knapp im September zur Welt. So hatten wir uns schon früh mit der Thematik Einschulen oder Zurückstellen auseinandersetzen müssen.

Wir bekamen bei unserer Tochter mit, was Schulalltag bedeutet und konnten anhand dessen überlegen, ob unsere beiden Söhne das auch packen würde. Aber wissen tut man es ja nie! Und ohne Zweifel würden sie zu den Jüngsten gehören. Denn sie waren zwar Septembergeborene, aber eben erst Oktoberreife.

Sie schaffen das, hatten alle gesagt, die Erzieher, der Kinderarzt, unsere Freunde. Wir hätten klagen müssen, um sie zurückstellen zu können. Man warnte mich: So eine Klage bedeutet ein halbes Jahr lang Vollzeitjob, weil Du Psychologen, Gutachter und Papierkriege brauchst, bis Du das durch bekommst. Wir klagten nicht. Sie würden das packen.

Die WM im Sommer hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass der Anfang der Schulzeit für unsere Jungs super lief. Sie kickten auf dem Schulhof und hatten so direkt ihre „Fußball-Kumpels“ von Klasse 1 bis 4 auf ihrer Seite. Wenn ich sie morgens zum Schulhof brachte, wurden sie mit „High Five“ und „Hallo, Ihr Beiden“ begrüßt.

Es war so, dass wir, als wir von Berlin aufs Land zogen, erst einmal keinen Kindergartenplatz fanden und irgendwann dann einen zugeteilt bekamen, der relativ weit weg von uns lag. 11 Kilometer. Ich fuhr sie morgens 11km hin, dann wieder elf zurück, mittags wieder elf hin und elf wieder zurück: 44km Kitafahrten täglich. Das fällt jetzt weg, die Schule ist nur 1,5 km entfernt. Es entlastet also auch, das Schulleben, in unserem Fall.

Natürlich müssen wir pünktlich sein, jetzt, aber das ist ein anderes Pünktlichsein als in der Kita. In der Kitazeit musste ich sie treiben, in der Schulzeit verspüren sie selbst den Druck und sagen: Mama, jetzt mach doch mal hinne, sonst kommen wir zu spät. Da ist ein Schalter umgelegt.

Was mich wundert ist, dass meine Kinder in Berlin, als sie noch sehr klein waren, oft bis 15, manchmal sogar 16 Uhr in der Kita waren. Von 10 Uhr an. Hier auf dem Land gingen sie ab morgens 9, dafür aber nur bis 14 Uhr. Und die Schule endet an drei Tagen in der Woche um 11.25. Das ist eine komische Chronologie, dass sie, je älter sie werden, desto weniger Zeit außerhalb der vier Wände verbringen. Aber ich merke auch: Sie brauchen dann Pause. Nach vier Stunden Schule. Sie legen sich dann auf den Teppich und hören ein Hörspiel oder lassen auch mal Druck ab, im Garten.

Es ist nicht die Pünktlichkeit oder die kurze Schuldauer, die mich ab und zu wehmütig an die Kitazeit zurückdenken lässt, wir haben eine tolle und sehr engagierte Schule hier, es ist eher das Gefühl der Abhängigkeit, das für mich den größten Unterschied ausmacht. Das Ausgeliefertsein an die Schulpflicht. Das Gefühl: Wenn jetzt der Anfang nicht gelingt, dann kann ich nicht sagen: Nö, jetzt doch nicht, Schule ist nichts für uns.

Ich weiß, dass sie die nächsten Jahre auf einer Schule verbringen müssen, zum ersten Mal fühlt man sich als Eltern in seiner Entscheidungsfreiheit für das Kind also beschnitten. Ich weiß nicht, ob ich es gut beschreiben kann, aber zu wissen, dass, wenn sie es doof finden in der Schule, ich nicht die Möglichkeit habe, ihnen einen Ausweg zu bieten, das ist ein stumpfes Gefühl.

Umso glücklicher bin ich, dass der Anfang gut lief. Und der erste Eindruck zählt ja schließlich, oder? Auch wenn die Hausaufgaben regelmäßig zu wilden Wutanfällen führen, mal beim einen, mal beim anderen, so ist doch das Grundgefühl da, dass sie sich wohlfühlen. Und so lässt sich das stumpfe Gefühl ganz wunderbar ignorieren.

P.S. Ich schreibe übrigens auch die Kolumne "Doppelstunde" über die Vor- und Einschulungszeit unserer Jungs. Auch zum Beispiel darüber, wie ich beim Abschied aus der Kita fast weinte.

Tags: Einschulung, Schule, Eltern, Kita, Veränderung, Umstellung, Schulpflicht

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Kommentare

Anna — Fr, 12/05/2014 - 11:30

Mein Sohn wird ab September von 8 Uhr morgens bis 15/16 Uhr nachmittags in der Schule sein werden, weil Middi eben arbeiten geht. Ich mache mir da schon Gedanken. Er geht zwar jetzt auch von 8-16 Uhr in die Kita, aber die Schule wird schon ein anderer Schnack sein.

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