Interviews

15/01/2020 - 07:00

Stadt-Mama Katharina

Wiedereinstieg in den Job nach dem dritten Kind - für Neele hagelt es Absagen

Liebe Neele, du hast drei Kinder, die Jüngste ist 2 Jahre alt und gerade in die Kita gekommen. Du möchtest nun wieder zurück in den Job, doch das ist gar nicht so einfach. Erzähl mal, was du vor bzw zwischen den Kindern gearbeitet hast. 

Ich habe mein erstes Kind noch während meines Masterstudiums bekommen und dann in der Elternzeit meine Masterarbeit (dank der großartigen Unterstützung meiner Eltern und meines Mannes) fertiggeschrieben. Mit einem Jahr ist mein Großer zur Tagesmutter und ich als Elternzeitvertretung in meinen ersten Job als Pressereferentin bei einem großen Verband auf einer Teilzeitstelle. Die explizite Ausschreibung der Teilzeitstelle war mein Glück, da dadurch viele andere Bewerber abgesprungen sind. Der Job war klasse, die Arbeitszeit mit Kind super, der Chef sehr verständnisvoll und meine Stelle wurde sogar verlängert.

Nach zwei Jahren, zur Geburt meines zweiten Kindes lief diese Stelle dann leider aus. Nach meiner Elternzeit ging der Bewerbungsmarathon wieder los und ich stellte fest: Ui, mit zwei Kindern ist das anscheinend gar nicht so leicht. Ich wurde auf keine passende Stelle eingeladen und war schon drauf und dran die Kinder aus meinem Lebenslauf zu streichen. Dann hat es doch geklappt. Wieder eine Elternzeitvertretung als Fachreferentin in der Öffentlichkeitsarbeit, diesmal jedoch fast Vollzeit! Die Stunden konnte ich nicht reduzieren und ohne Job wollte ich auch nicht bleiben, also Augen und zu und durch. Die Zeit war jedoch echt heftig, der damals Kleine viel krank und mein Mann arbeitet ja auch Vollzeit. Auf dieser Stelle hatte ich aber über die Elternzeitvertretung hinhaus keine Perspektive.

Wir bekamen dann unsere Tochter  und ich wollte bei meinem dritten Kind die Elternzeit etwas strecken und nicht gleich nach einem Jahr wieder einsteigen. Wir haben auch keinen Tagesmutterplatz bekommen, es sollte wohl einfach so sein. Nun ist sie in der Kita, und ich will wieder loslegen. Drei Kinder, immer zwischendruch gearbeitet, aber eben nie lange und durchgehend in einem Unternehmen, so ist der status quo.

 Auf welche Stellen bewirbst du dich jetzt und wie sind die Rückmeldung bisher?

Zur Zeit bewerbe ich mich auf alles, was meiner Ausbildung und bisherigen Berufserfahrung entspricht. Dabei schaue ich gar nicht darauf, ob Teilzeit oder Vollzeit gewünscht ist, es sei denn es steht explizit in der Ausschreibung, dass wirklich 40 Stunden gefordert werden. Ich rechne im Kopf natürlich mögliche Arbeitswege durch, aber auch hier denke ich: Berlin ist groß, lange Arbeitswege sind da nicht vermeidbar, dann muss ich notfalls mit den Stunden runtergehen.

Ich versuche mich wirklich breit zu bewerben, um überhaupt erstmal zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Wenn da alles stimmt, kann man sich immer noch konkret über Organisatorisches unterhalten. So ist jedenfalls meine bisherige Erfahrung aus den vorherigen Jobs gewesen. Nur dazu muss ich erstmal soweit kommen und bisher hagelte es sofort Absagen.

Das ist sicher sehr frustrierend, zumal du ja gut ausgebildet bist. Was meinst Du - warum ist es so schwer für viele Mütter, den Wiedereinstieg zu schaffen?

Es ist wirklich frustriend, zumal ich den Kulturbereich schon ausklammere (in dem ja mein Studienschwerpunkt lag, der aber schon immer sehr heiß umkämpft und in den berufsmäßig schwer reinzukommen ist.) Ansonsten gibt es eigenlich viele ausgeschriebene Stellen in meinen Bereich. Nur warum ist für Mütter der Einstieg/ Wiedereinstieg so schwer? Ich denke, dass man mit Kindern im Lebenslauf sehr schnell aussortiert wird, da natürlich die Priorität nicht allein auf dem Job liegt, sondern zu einem Großteil im Privaten.

Zu einer bestimmten Uhrzeit muss ich den Stift fallenlassen und die Kinder abholen und dann komplett raus aus dem Job, auch mental. Das sind zwei Leben! Und viele Arbeitgeber wählen wahrscheinlich den vermeintlich sichereren Weg mit weniger organisatorischem Aufwand. Meinen zweiten Job hätte ich auch nicht bekommen, wenn der männliche Bewerber ihn nicht abgelehnt hätte. Dazu kommt, dass viele Mütter ja in Teilzeit wieder einsteigen wollen, solange die Kinder klein sind und das Arbeitnehmer auf Teilzeit sehr effektiv arbeiten und im Vergleich mehr schaffen, belegen zwar Studien, ist im Alltag aber nicht so präsent.

Mit jedem weiterem Kind im Lebenslauf wird es komplizierter. Die gesellschaftliche Debatte darüber ist ja schon da, noch spüre ich persönlich aber kaum bis keine Veränderung.

Wenn man ständig Absagen kassiert - was macht das mit dem Selbstwertgefühl?

Zweifel kommen da natürlich schon auf. Zweifel am gewählten Lebensweg und an manchen Entscheidungen. Ich habe studiert, einen Masterabschluss draufgesetzt, ein gutes Abi und frage mich schon manchmal, warum das alles, wenn ich es nicht nutzen kann. Habe ich meine Kinder zum richtigen Zeitpunk bekommen oder hätte ich erst fest in Lohn und Brot stehen müssen? Setze ich mich zuviel unter Druck oder zu wenig?

Allerdings kommen diese Gedanken nur in schlechten Momenten. Im Großen und Ganzen versuche ich positiv und optimistisch zu bleiben und mir vor Augen zu führen, was ich alles schon geschafft habe. Ich begleite drei Kinder auf ihrem Lebensweg und habe zwischendurch immer gearbeitet, mich auf sogar auf wechselnde Arbeitgeber eingestellt und dazugelernt. Mit etwas Geduld wird es auch diesmal klappen.

Du bekommst kein Elterngeld mehr, hat kein eigenes Einkommen. Somit bist du finanziell praktisch abhängig von deinem Mann. Verändert das die Beziehung und wie gehts du damit generell um?

Das ist in der Tat eine neue Situation für mich, sonst habe ich ja schnell nach dem Elterngeld wieder ein eigenes Einkommen gehabt. Mein Mann verdient gut, hat eine sehr sichere Vollzeitstelle als Beamter, die ihn auch aus- und erfüllt. D.h. als Familie geht es uns finanziell gut, so dass keine Existenzängste bestehen.

Aber die eigene Abhängigkeit ganz konkret in der jetzigen Situation und auch im Hinblick auf das Alter (Altersarmut bei Frauen, Rentenanspruch) belastet mich schon. Meine Oma hat immer Haushaltsgeld von meinem Opa bekommen und so ähnlich fühle ich mich jetzt auch. Bei Ausgaben für die Kinder ist alles klar, aber ich selber habe gerade kein gutes Gefühl dabei, mir persönlich etwas zu „gönnen“. Das fällt komplett hinten runter. Als ich gearbeitet und verdient habe, habe ich darüber nicht groß nachgedacht. Beide Partner haben zum Lebensunterhalt beigetragen, beide Partner konnten auch Geld für sich ausgeben.

Und klar verändert sich in so einer Situation auch ein stückweit die Beziehung. Einer ernährt und versorgt sozusagen die Familie, der andere fängt alles andere ab. Ich finde, es führt zu einem größeren Rechtfertigungsdruck, aufgrund des Ungleichgewichts. Zumindest wenn das angestrebte Lebensmodell nicht von vornherein so aufgebaut ist und auch da stelle ich es mir teilweise schwierig vor. Care Arbeit zuhause hat eben nicht den Stellenwert von einem bezahlten Job außer Haus in unserer Gesellschaft.

Hast du schon mal darüber nachgedacht, was ganz anderes zu machen?

Ich denke immer wieder darüber nach und komme dann ins Grübeln, ob mich beruflich nicht noch einmal komplett neu orientieren sollte. Ob nicht jetzt vielleicht der ideale Zeitpunkt wäre, noch mal alles zu verändern. Das bedeutet jedoch entweder noch einmal richtig studieren oder von vornherein auf Gehalt zu verzichten und eine Sicherheit gibt es dann ebenfalls nicht. Auch hier denke ich machnmal, es ist unfair, mich komplett ausleben zu wollen, auf den Schultern meines Mannes, der unser Leben dann finanzieren müsste.

Und ganz ehrlich, ich glaube die Kraft habe ich zur Zeit auch gar nicht. Die Kinder werden größer, brauchen mich aber immer noch sehr doll und ich denke, es ist besser erstmal den „bequemeren“ Weg zu gehen, d.h. in meinem Bereich erstmal wieder beruflichlich Fuss zu fassen. Aber ganz los lässt mich das Thema nicht, gerade weil ich in der Jugend große Träume hatte und sich beruflich mein Leben komplett in eine andere andere Richtung entwickelt hat. 

Wenn du etwas an Eurer Familien-Aufteilung ändern könntest - was wäre das? 

In der Babyphase aller meiner Kinder war ich ein richtiges Muttertier, ich hätte nur schwer auf eine gemeinsame Stunde mit ihnen verzichten können, Jetzt, wo die Kinder zunehmend älter und selbstständiger werden, kann ich mir aber in der Tat gut vorstellen, dass beide Partner reduziert und fast gleichwertig arbeiten. Das ist gut für die Kinder und für die Partnerschaft auch von Vorteil.

Beide Eltern sind zuständig, beide Partner bringen sich gleichwertig ein und wissen auch gleichwertig Bescheid. Meiner Meinung der beste Weg zur Gleichberechtigung. Das setzt natürlich voraus, dass beide ähnlich verdienen, sonst kann ich mir vorstellen, wird es vom Gesamteinkommen in vielen Familien knapp. Aber mein Mann und ich sind beide gleich gut ausgebildet, da dürfte das eigentlich kein Problem sein.

Fühlst du dich unter Druck, möglichst schnell einen Job zu finden?

Das trifft es auf den Punkt. Ich empfinde einen großen Druck. Ich habe schon regelrecht ein schlechtes Gewissen, die Kleine auch an schwierigen Tagen in der Kita abzuliefern, da ich ja „nur“ zuhause bin, auch wenn ich dort Bewerbungen schreibe und den Haushalt wegschaffe u.s.w.,!

Das ist schon komisch, gerade andere Mütter signalisieren mir, dass es mit drei Kindern schon toll ist, überhaupt wieder an einen Job auswärts zu denken. Von den Müttern bekomme ich also eher Verständnis und Aufmunterung, manche fragen sogar, warum ich überhaupt wieder arbeiten will. Vielleicht kommt es auch durch meine Eltern, die beide in der DDR voll berufstätig waren, was völlig normal war. Andererseits versuche ich jetzt auch bewusst zu genießen, die Kinder früher abzuholen, die Kleine nach einem sehr anstrengenden Tag später zu bringen, bei Husten auch mal zuhause lassen zu können und die Nachmittage freier mit anderen Müttern und deren Kindern zu verbringen, mich oft zu treffen.

Das wird mit Job dann alles schwieriger werden und meine Zeit jetzt ist schon gut ausgefüllt. Ich habe auch viele produktive Hobbys, die ich dann weniger akiv ausüben kann. Es wohnen sozusagen zwei Seelen in meiner Brust, zwischen denen ich permanent hin- und herschwanke 

Was wünscht du dir für 2020? 

Gesundheit, Liebe und Freude für meine Familie und mich. Und ganz konkret einen erfüllenden Teilzeitjob, der mir auch weiterhin die Kraft und Zeit lässt, meine Kinder zu begleiten und an ihren vielen kleinen und doch so wichtigen Schritten teilhaben zu können!

Das könnte dich auch interessieren...

Kommentare

Dresden Mutti — Mi, 01/15/2020 - 07:50

Ich hoffe, dass du schnell etwas passendes findest. Gegebenenfalls kannst du vielleicht auch Vollzeit arbeiten und dein Mann reduziert, damit du einfach alle Chancen offen hast, die du jetzt brauchst? Ich denke, so würde ich es in der Situation machen. Und nach dem erfolgreichen Einstieg und wieder einiger Berufspraxis lassen sich die Karten dann auch wieder anders verteilen. Alles Gute für deine Zukunft!

Alu — Mi, 01/15/2020 - 07:57

Hallo Neele, ich habe Fragen. Bin ja selbst in der Situation. 1.bekommst du kein alg1? 2.wieso kann der Mann nicht reduzieren wenn es in deinem Bereich nur vollzeit gibt? 3. Wenn es dir hauptsächlich um den Druck geht, dann solltest du flexibler sein in der Jobsuche, das bringt manchmal sehr spannende Sachen mit sich.

Fiona — Mi, 01/15/2020 - 08:37

Liebe Neele, ich habe auch 3 Kinder und bin nach der Elternzeit mit der dritten Maus in meinen jetzigen Job eingestiegen. Alles gut! Aber, ich hätte niemals die Kinder im Lebenslauf erwähnt. Ich arbeite als Maschinenbauingenieurin eher in einer "Männerbranche" und kenne es nur so, dass die Kinder nie angegeben werden. Es hat ja mit deiner Qualifikation für einen Arbeitsplatz nichts zu tun. Vielleicht eine Überlegung wert, den Lebenslauf auf das rein berufliche zu ändern?

anja — Mi, 01/15/2020 - 11:37

viele frauen müssen ihre elternzeiten angeben, weil sie doch sonst unerklärte lücken im lebenslauf hätten.

Fiona — Mi, 01/15/2020 - 14:32

Wenn man in Elternzeit ist, ist man doch weiterhin bei dem Unternehmen angestellt. Also keine Lücke. Männer geben doch ihre (meist) 2 Monate Elternzeit auch nie auf dem Lebenslauf an, sondern waren in der Zeit weiterhin angestellt. Anders natürlich wenn man freiberuflich ist oder vor der Schwangerschaft nicht gearbeitet hat, dann wird es schwieriger.

Anny — Mi, 01/15/2020 - 09:03

Hi! Wir suchen gerade eine Teamassistentin. Guck mal unter https://www.raiffeisen.de/stellenausschreibungen. Standort wäre Pariser Platz, über Teilzeit kann man reden. VG

Jule — Mi, 01/15/2020 - 13:30

Sie ist doch keine Assistentin, sondern Referentin....

Miri — Do, 01/16/2020 - 05:58

Wenn der Druck so groß ist einen Job zu finden, sollte das doch erst mal egal sein. Woanders bewerben kann man sich ja dann immer noch.

Mädelsmama — Mi, 01/15/2020 - 22:28

Hi, kann man deinen Job vielleicht auf selbstständiger Basis / als Freelancer machen? Das ist aktuell meine Lösung, um mit Vollzeit arbeitendem Mann und drei Kindern arbeiten zu gehen. Ich muss zwar mit einiger Planungsunsicherheit leben sowie mit Phasen, in denen keine Aufträge kommen. Aber da unser Haupt-Einkommen nicht davon abhängt, kann ich diese "Flauten" relativ entspannt angehen und mich über Zeit mit den Kindern und für mich selbst freuen. Auch Ferienzeiten können wir prima überbrücken, weil ich meine Zeit relativ frei einteilen kann. Vielleicht wäre das auch für dich eine vorübergehende Lösung, bis du etwas Festes findest? LG und alles Gute für dich!

Jana — Do, 01/16/2020 - 10:13

Hallo Neele, leider befinde ch mich in derselben Lage wie du. Ich habe zwei Kinder nach dem Studium bekommen und zwischendrin immer für ein Jahr befristet gearbeitet. Nun suche ich schon seit fast 1 Jahr! eine neue Stelle, die mir mehr bietet, als unbefristet der 450 Euro. Ich denke ähnlich wie du, dass man mit einer guten Ausbildung nicht seine Träume und Wünsche loslassen sollte. Meine Kinder gebe ich im Lebenslauf an, weil ich eignetlich der Überzeugung bin, dass Familie zum Leben eines Menschen dazugheört und wichtige Kompetenzen innerhalb der Care Arbeit erworben werden. Leider sehen das Arbeitgeber immernoch nicht. Die Frage lautet doch, warum die Arbeitgeber immernoch dem Irrtum aufgessen sind, dass Menschen keine Kinder bekommen, obwohl es nahezu alle tun? Der Gedanke keimt auch in mir auf, es im Lebenslauf einfach ohne Kinder zu probieren. Wünsche Dir viel Erfolg bei der Jobsuche!

Carolin — Do, 01/16/2020 - 14:55

Ich drücke dir fest die Daumen. Ich würde dir auch raten, die Kinder komplett aus dem Lebenslauf rauszunehmen. Deine persönliche Situation kannst du im persönlichen Gespräch - wenn du sie natürlich schon lange überzeugt hast - erläutern. Auch Lücken lassen sich im Gespräch gut erläutern.

Lisa — Do, 01/16/2020 - 21:29

Bei mir ist die Frage aufgetreten, warum der Kindsvater nicht einen guten Teil der drei Elternzeiten übernommen hat. Wenn er Beamter ist, hat er hierfür doch alle Möglichkeiten. Dann wären die beruflichen Auszeiten kürzer gewesen und die Berufserfahrung mehr. Gerade bei unsicheren Jobaussichten verstehe ich nicht, warum nicht der Mann eine zeitlang kürzer tritt, damit Frau sich beruflich etablieren kann. Alles Gute für dich!

Kathrin — Mi, 01/22/2020 - 14:13

Das impliziert vor Unterton aber, dass der Vater nicht wollte. Im Text selbst steht,dass sie ein Muttertier war und nicht verzichten wollte. Ich glaube leider auch, dass es oft auch daran scheitert: Mütter wollen gern zu Hause bleiben am Anfang und die Väter denken wenig von sich aus drüber nach. Und hinterher hat man dann diese Situation. Denn ja, auch der Papa hätte hier viel Elternzeit machen können.

Christine Heyma... — Fr, 01/17/2020 - 14:27

Hey Neele, Schreib mir bitte per Mail deine Telefonnummer. Ich würde gerne mit dir telefonieren. LG Christine

Neuen Kommentar schreiben