Gastbeiträge

25/11/2017 - 06:15

Stadt-Mama Katharina

Zum Roses Revolution Day: Neles dramatischen Erfahrungen in einer Geburtsklinik

Ich bin eine 35 jährige Zweifachmama und habe vor über sechs Jahren psychische und körperliche Gewalt vor, während und nach der Geburt meines 1. Sohnes erfahren. Hier kommt meine Geschichte:

Während der Schwangerschaft zeichnete sich ab, dass mein Sohn sehr groß und schwer sein wird. Ich musste mehrfach zum Diabetestest, der ET wurde geändert, das errechnete Geburtsgewicht lag bei 3800g.

Als der errechnete Entbindungstermin ohne Geburtsanzeichen verstrich, musste ich mich alle zwei Tage für die Untersuchungen in meine Geburtsklinik. Sieben Tage nach ET, tat sich noch immer nichts und ich fuhr nun täglich für die Untersuchungen in meine Geburtsklinik. Bei SSW 41+ 4 wurde ich zur stationären Einleitung aufgenommen. 

Ich bekam morgens, mittags, sowie abends oral Tabletten verabreicht, lag im Anschluss eine Stunde am CTG, wurde im Anschluss jedes Mal vaginal untersucht und musste danach immer zwei Stunden über die Krankenhausgänge laufen, um die Geburt voranzutreiben.

Da ich privat krankenversichert bin, wurden an mir allerhand Untersuchungen vorgenommen und wirklich jeder hat mich dabei vaginal untersucht. Ich hatte fürchterliche Schmerzen, war bereits ganz wund und konnte kaum noch laufen. Außerdem schwollen meine Füße an, ich hatte so viel Wasser in den Füßen, sodass ich nur noch barfuß laufen konnte.

Ich bat darum, die vaginalen Untersuchungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Doch auch weiterhin wurde ich nach jedem unauffälligen CTG unter Tränen untersucht. Ich habe mich nicht getraut, mich zu verweigern.

Als mein Mann an jenem ersten Abend nach Hause fuhr, habe ich in meinem Vierbett- Vorwehenzimmer fürchterlich geweint. An Erholung war nicht zu denken, da in jenem Zimmer vier Frauen ruhten, bei denen die Geburt eingeleitet wurde. Die drei anderen Frauen bekamen Wehen und zogen nach und nach in den Kreißsaal. Alle zwei Stunden ging das Licht an, Betten wurden umher geschoben und neue Frauen zogen ein. 

Am nächsten Morgen begann das Prozedere von vorn: Tabletten, CTG, vaginale Untersuchungen, zweistündige Spaziergänge. Das gleiche mittags, sowie abends - alles ohne Veränderungen. Die zweite Nacht verlief wie die erste und die dritte wie die anderen beiden Nächte zuvor. Ich war schlapp, müde und mit den Nerven am Ende. Bei SSW 42+1 brach ich zusammen und wollte nur noch Hause, als dann doch noch um 14:00 Uhr meine Fruchtblase platzte. Endlich sollte es losgehen. Ich bat um einen Einlauf, dieser Wunsch wurde jedoch mit der Äußerung: „Sie wären nicht die Erste, die uns hier ins Bett scheißt“ abgelehnt.

Mir wurde eine PDA gesetzt, die mich zwischen den Wehen endlich schlafen ließ. Hier im Kreißsaal hatte ich endlich Ruhe und konnte zu Kräften kommen. Kurz nach 2:30 Uhr durfte ich endlich pressen. Doch mein Sohn kam einfach nicht in den Geburtskanal. Gegen 03:00 Uhr bekam ich Fieber, die Sectio wurde vorbereitet. 

Mein Sohn wurde um 3:53 Uhr bei SSW 42+2 mit einem Gewicht von 4490 g, 57cm und einem Kopfumfang von 38 cm geboren.

Er hatte fürchterliche blaue Druckstellen an seinem Kopf und hat einfach nicht in mein Becken gepasst. Mein Sohn wurde im Anschluss an die U1 aufgrund einer Lungenentzündung auf die Neonatologie verbracht, wo er eine Woche lang verbleiben sollte. Ich kam im Anschluss an die Sectio auf die Wöchnerinnenstation in ein Zweibettzimmer zu einer frisch gebackenen Mama mit Säugling. Man hat mich einfach in ein Zimmer ohne Überwachung der Vitalfunktionen gelegt. 

Gegen 7:00 Uhr klingelte ich das erste Mal nach einer Schwester, weil mein Kreislauf absackte. Diese sagte, das wäre normal nach so einer OP und ließ mich ohne weitere Untersuchung liegen. Ich klingelte gegen neun erneut und ich klagte über Unwohlsein, doch man nahm mich einfach nicht ernst. Gegen 11:00 Uhr klingelte ich ein drittes Mal und gab an, dass ich gleich ohnmächtige werde und ich das Gefühl habe, der Blasenkatheter würde nicht mehr richtig liegen, da es sich so feucht im Schritt anfühle. Sie schaute nach und stellte fest, dass ich unter atonischen Nachblutungen litt. Mein Blutdruck lag bei 50/30. Meine Gebärmutter war aufgrund der Größe meines Sohnes, der viel zu langen Schwangerschaft, sowie der tagelangen Einleitung einfach zu erschöpft und bildete sich nicht zurück. 

Sofort wurde eine weitere OP vorbereitet, die Narbe wurde erneut geöffnet, mir wurden 2l Blut aus dem Bauch entfernt und ich bekam drei Blutkonserven verabreicht. Aufgewacht bin ich auf der Intensivstation, mein Mann weinend an meiner Seite sitzend. 

Unser Sohn entwickelte sich prächtig auf der Neonatologie, doch ich hatte ihn noch immer nicht gesehen. Ich hatte große Angst, dass das Stillen nicht klappen würde und schlug so lange Alarm auf meiner Intensivstation, bis mich endlich eine Hebamme von der Wöchnerinnenstation in die Milchpumpe einwies. Dann konnte ich im Rollstuhl meinen Sohn erstmalig auf der Neonatologie besuchen und auch an die Brust legen. Niemand zeigte mir das Stillen, meine Brustwarzen waren schnell blutig und ich bat um eine Beratung. Doch das fiel nicht in den Zuständigkeitsbereich der Mitarbeiter der Neonatologie und die Mitarbeiter der Wöchnerinnenstationen hatten keine Zeit mich auf die Neonatologie zu begleiten. Mit einem Stillhütchen haben wir dann doch noch eine wunderschöne und sehr lange Stillzeit verbracht.

Am zweiten Tag wurde mein Intensivbett für einen anderen Notfall benötigt und ich auf die Wöchnerinnenstation entlassen. Hier habe ich keinerlei Nachsorge wegen meines hohen Blutverlustes oder Hilfe im Umgang mit meinem Säugling erfahren. Drei Tage nach der Geburt habe ich mich selbst entlassen, die Nächte zu Hause verbracht und meinen Sohn die restliche Zeit bis zur Beendigung seiner Antibiotikatherapie allein in diesem Krankenhaus zurück gelassen. Das verzeihe ich mir bis heute nicht. Meine Nerven lagen nach über einer Woche in dieser Klinik einfach blank und ich war so wahnsinnig erschöpft.

Als ich genau drei Jahre später unseren zweiten Sohn gebären wollte und man bei ihm auch ein hohes Geburtsgewicht prognostizierte, entschied ich mich für eine andere Geburtsklinik, sowie für eine Primäre-Sectio. Die Assistenzärzten, die das Anmeldegespräch leitete, belächelte mich, nahm meine Ängste nicht ernst und unterstellte mir, dass ich mir die Sectio wünschen würde, um meinen großen Sohn besser betreut zu wissen.

Diesmal habe ich mir das herablassende Verhalten nicht gefallen lassen, der Klinikleitung daraufhin eine E-Mail geschrieben und mich beschwert. Daraufhin kam es zu einem Gespräch zwischen der Oberärztin, der Assistenzärztin und mir, in welchem sich die Assistenzärztin bei mir entschuldigte und wir alle zusammen meine zweite Geburt unter Berücksichtigung meiner Ängste planten. Die Sectio wurde terminiert, Medikamente um eine atonische Nachblutung zu verhindern, sowie Bluttransfusionen breitgelegt und ein Einzelzimmer reserviert. Kurz vor der Sectio wurde mir auf eigenen Wunsch ein Bonding Band angezogen. Als mein Sohn bei 38+1 mit 4040 g, 56 cm und einem KU von 37cm von der Oberärztin persönlich geboren wurde, hat man ihn mir direkt auf den Bauch in das Bonding Band gelegt, während meine Narbe vernäht wurde. 

Ich habe diese zweite wunderschöne Geburt gebraucht, um die erste zu verarbeiten. 

Vor zwei Jahren habe ich vom jährlichen Roses Revolutionen Day am 25.11. erfahren und mich damit auseinander gesetzt. Im letzten Jahr habe ich mich getraut: Auch ich habe teilgenommen und erstmalig wieder das Krankenhaus betreten, in dem ich so gelitten habe, einen Brief und eine Rose hinterlassen. Das Krankenhaus hat ganz wunderbar reagiert und mich zum persönlichen Gespräch eingeladen. Wir haben uns ausgesöhnt. Es war ein langer Weg und es fließen auch heute noch manchmal Tränen, aber ich bin wieder glücklich und genieße unser kostbares Leben.

 

Tags: Roses Revolutionen Day, Geburt, Krankenhaus, Kind

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Kommentare

Tany — Sa, 11/25/2017 - 12:04

Ich habe 1999 ähnliches erlebt wie du. Kind lag in BEL, vorm KS Termin platze aber die fruchtblase. Es müsste alles schnell gehen und ich bekam eine vollnarkose. Meine Tochter war gesund, aber mir ging es immer schlechter. Mein Mann schlug Alarm, aber es hieß auch, das sei eine normale Reaktion nach der Operation. Von wegen. Kurz vor Mitternacht würde meinem Mann gesagt, dass ich nicht überleben würde. 3 l Blut im Bauch, lungenversagen, Verlegung an die Uni, 9 Tage Koma..... Ich habe ein Jahr gebraucht, mich zu erholen. 2004 war ich wieder schwanger. Ich bin trotzdem ins gleiche Krankenhaus. Wie bei dir, 2 Wochen vorher Kaiserschnitt. Und alles gut gegangen. Von einem 3. Kind habe ich aber abgesehen und mich sterilisieren lassen. Ich wünsche dir alles Gute!

Charlotte — Sa, 11/25/2017 - 23:09

Ja, dass frau nicht gezeigt bekommt wie man stillt ist irgendwie immer so. Bei mir auch und die Brustwarzen waren zerfetzt. Durch Stillhütchen konnte ich dann noch normal stillen. Seitdem habe ich so vielen schon gezrift wie man richtug stillt. Mir ist beim ersten Kind so viel im Krankenhaus passiert, dass ich meine eigene Geschichte datu erzhlen könnte.

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