Ihr Lieben, Kathi (manche kennen sie schon wegen ihres erfolgreichen Instagram-Profils und weil sie hier auch schon mal ein Interview gegeben hat) ist Kinderärztin, vierfache Mama, eine Freundin von Katharina und seit Neustem Unternehmerin. Sie hat nämlich gerade eine Seitlagerungstasche für Babys auf den Markt gebracht und diese auch in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt.
Wir haben mit Kathi rund um das Thema Babyschlaf und ihre neue Seitlagerungs-Tasche PEANUT gesprochen:
Liebe Kathi, du als vierfache Mama und Kinderärztin weißt: Das Thema Schlaf ist wohl das wichtigste für Eltern. Viele Babys lassen sich nur schwer zum Schlafen ablegen. Warum ist das so?
Man muss sich vorstellen, was für eine enorme Umstellung die Geburt für ein Baby bedeutet: Neun Monate lang liegt es eng begrenzt und in einer eher runden, gebeugten Haltung im Mutterleib. Nach der Geburt soll es dann – völlig zu Recht im Rahmen der Kindstodprophylaxe – zum Schlafen flach auf dem Rücken liegen. Viele Babys empfinden diese offene Position als ungewohnt. Ihnen fehlen die Begrenzung an der Körpervorderseite, der Körperkontakt und die Nähe generell, die sie aus dem Mutterleib kennen.
Dazu kommt, dass das Nervensystem in den ersten Lebensmonaten noch unreif ist. Babys haben häufig einschießende unwillkürliche Bewegungen und Schreckreaktionen, und auch der sogenannte Moro-Reflex ist noch deutlich ausgeprägt. Dabei schnellen plötzlich Arme und Beine nach außen – und gerade beim Einschlafen kann das dazu führen, dass sie sich selbst wieder aufwecken. Deshalb schlafen viele Babys auf dem Arm, am Körper der Eltern oder in einer stärker begrenzten Position zunächst leichter ein. Nähe, Wärme und Begrenzung vermitteln ihnen schlicht etwas sehr Vertrautes.
Wie ist denn eigentlich die aktuelle Empfehlung zum Thema Babyschlaf
Babys sollten im gesamten ersten Lebensjahr zum Schlafen grundsätzlich auf den Rücken gelegt werden – besonders natürlich in den längeren, unbeobachteten Schlafphasen, wenn die Eltern selbst schlafen. Die Schlafunterlage sollte fest, flach und frei sein: also keine Kissen, Decken, Nestchen, Plüschtiere oder Himmelchen im Bett.
Am besten schläft das Baby in einem passenden Schlafsack, damit nichts über das Gesicht rutschen kann. Außerdem sollte Überwärmung vermieden werden und das Kind in einer rauchfreien Umgebung schlafen. Stillen gilt als schützend, ebenso wird ein Schnuller zum Einschlafen mit einer geringeren SIDS-Rate in Verbindung gebracht.
Die Bauchlage wird wegen des plötzlichen Kindstodes nicht empfohlen, aber die Rückenlage ist für viele Babys auch nicht immer ideal, richtig?
Genau! Die Bauchlage erhöht im Schlaf das Risiko für den plötzlichen Kindstod, deshalb ist die Rückenlage weiterhin die klare Empfehlung für den unbeobachteten Schlaf. Allerdings hat man sich mit dieser konsequenten Rückenlage auch zwei Probleme eingekauft. Zum einen schlafen manche Babys darin unruhiger, weil ihnen Begrenzung und Körperkontakt fehlen – sie liegen ein bisschen wie kleine Käfer auf dem Rücken und suchen Halt.
Zum anderen sehen wir seit Einführung der konsequenten Rückenlage häufiger lagebedingte Kopfabflachungen, also Plagiozephalien. In vielen Fällen ist das vor allem ein kosmetisches Thema und bildet sich mit zunehmender Beweglichkeit wieder zurück. Bei ausgeprägteren Formen kann aber Physiotherapie notwendig werden, in wenigen Fällen sogar eine teure und aufwendige Helmtherapie.
Wenn ein Baby immer wieder auf derselben abgeflachten Seite liegt, kann sich diese Position zusätzlich verfestigen und es kann zu muskulären Verkürzungen im Halsbereich kommen. Deshalb sind tagsüber unter Aufsicht Positionswechsel und eine Entlastung des Hinterkopfs sinnvoll!
Deshalb hast du ein Produkt für die Seitenlage erfunden. Welche Vorteile hat die Seitlage generell?
Die Seitenlage kann für Babys tagsüber unter Aufsicht eine sehr angenehme Position sein, weil sie ihnen wieder mehr Begrenzung und Körperkontakt gibt. Viele Babys kommen dadurch leichter zur Ruhe und erschrecken weniger durch ihre eigenen unwillkürlichen Bewegungen. Gleichzeitig wird der Hinterkopf entlastet, was bei Babys mit beginnender lagebedingter Kopfabflachung, aber auch ganz generell prophylaktisch hilfreich sein kann.
Die Seitenlage an sich ist natürlich keine Neuerfindung – sie wird bei Babys schon lange praktiziert. Viele Eltern improvisieren dafür einen Vorrollschutz, zum Beispiel mit zusammengerollten Handtüchern oder Kissen. Bei sehr kleinen, noch wenig mobilen Babys mag das teilweise funktionieren. Sobald die Kinder aber aktiver werden, muss so ein Vorrollschutz wirklich zuverlässig sein.
Genau das war unser Ziel: eine stabile Seitenposition zu ermöglichen, ohne das Baby in seiner Beweglichkeit unnötig einzuschränken. Arme und Beine bleiben frei beweglich, gleichzeitig soll ein Vorrollen verhindert werden. Uns war außerdem wichtig, dass gerade im Kopf- und Gesichtsbereich ausreichend Raum und eine gute Luftzirkulation erhalten bleiben. Das wird durch die Taillierung beziehungsweise Ausbuchtung der Tasche im Kopf- und Fußbereich sowie durch das Seitlagerungstool unterstützt, das zusätzlich als Abstandshalter fungiert.
Wichtig ist aber: Die Seitenlage ersetzt nicht die Rückenlage für den unbeobachteten Schlaf. Für die Nacht und längere unbeaufsichtigte Schlafphasen gilt weiterhin die Rückenlage als Standard zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods. Die Seitenlage ist deshalb vor allem eine zusätzliche Position für beaufsichtigte Ruhephasen am Tag.
Wie genau funktioniert eure Tasche? Wie lege ich das Kind da rein?
Das Seitlagerungstool wird in die Tasche eingelegt, sodass Herz auf Herz liegt. Das Baby wird dann mit dem Bauch nah an den Keil geschmiegt in die Tasche gelegt. Anschließend wird das Band um den Rumpf des Babys geführt und am äußeren Taschenrand befestigt. Es ist stufenlos verstellbar und kann sich dadurch an unterschiedliche Rumpfgrößen anpassen und sozusagen mitwachsen.
Das dazugehörige Kissen hebt den Kopf leicht an. Dadurch entsteht gleichzeitig eine entlastende Aussparung für den unten liegenden Arm. Auch die Hüfte war für uns ein wichtiger Punkt. Für eher kurze, beaufsichtigte Ruhephasen tagsüber ist diese Position bei einer reifen, unauffälligen Hüfte in der Regel unproblematisch. Wenn eine Hüftunreife oder Hüftdysplasie bekannt ist, sollte die Lagerung individuell mit der behandelnden Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt werden. Sollte ein Baby über längere Zeit in Seitenlage ruhen, kann zusätzlich ein kleines Kissen oder gefaltetes Tuch zwischen die Knie gelegt werden, um die Bein- und Hüftposition zu entlasten.
Ist die Tasche auch für den Nachtschlaf oder eher für das Nickerchen zwischendurch?
Die PEANUT ist nicht für den unbeobachteten Nachtschlaf gedacht, sondern vor allem für kurze, beaufsichtigte Ruhephasen tagsüber. Genau das ist für uns der entscheidende Punkt: Das Baby kann zur Ruhe kommen, der Hinterkopf wird für eine gewisse Zeit entlastet und die Eltern haben gleichzeitig einmal die Hände frei. Gerade tagsüber kann das eine angenehme zusätzliche Position sein, ohne die Rückenlage als Standard für längere unbeobachtete Schlafphasen zu ersetzen.
Kannst du mehr über die Materialien sagen, die ihr verwendet?
Uns war bei der Materialauswahl besonders wichtig, dass die Stoffe für den intensiven Kontakt mit Babyhaut von Geburt an geeignet sind. Wir verwenden einen hochwertigen Baumwollstoff in Canvas-Webung, der nach OEKO-TEX STANDARD 100, Produktklasse 1, zertifiziert ist. Das ist die strengste Produktklasse und speziell für Babys und Kleinkinder vorgesehen.
Darüber hinaus erfüllen die eingesetzten Materialien die relevanten Vorgaben der europäischen REACH-Verordnung, die den Einsatz bestimmter gefährlicher Chemikalien in Verbraucherprodukten verbietet. Der formgebende Körper der Tasche besteht aus einem hochwertigen Polyolefin-Schaumstoff. Auch hier haben wir bewusst auf ein schadstoffgeprüftes, für den Babybereich geeignetes Material gesetzt.
Nun ist die Tasche durchaus eine Investition – sag mal, warum sich diese aber auf jeden Fall lohnt.
Ich glaube, wichtig ist zunächst: Die Nutzungsdauer ist länger, als es in der Höhle der Löwen vielleicht rüberkam. Die Seitlagerungsfunktion ist tatsächlich vor allem für die ersten Lebensmonate gedacht – also für die Zeit, in der die Babys noch nicht aktiv aufsetzen und sich aus der Position herausbewegen. Aber die PEANUT kann darüber hinaus während des gesamten ersten Lebensjahres als leichtes, mobiles Tagesbettchen in Rückenlage genutzt werden.
Genau darin sehen wir einen großen Vorteil: Sie schließt für uns eine Lücke zwischen dem festen Babybett und den relativ schweren, sperrigen Lösungen wie Babyschale oder Kinderwagenaufsatz. Gerade innerhalb der Wohnung, wenn man beispielsweise mehrere Etagen hat, aber auch unterwegs, auf der Terrasse, bei Freunden oder im Urlaub, hat man einen leichten, geschützten Liegeplatz fürs Baby dabei. Eine Babyschale ist in erster Linie für den Transport gedacht und ein Kinderwagenaufsatz ist häufig groß und unhandlich – die PEANUT ist dagegen bewusst leicht und mobil konzipiert.
Und ja, die eigentliche Seitlagerungsphase ist naturgemäß ein begrenztes Zeitfenster. Aber gerade dieses Zeitfenster ist besonders relevant. In den ersten Lebensmonaten ist der Schädel noch sehr formbar (noch weicher, offene Fontanelle, Schädelnähte zueinander noch verschiebbar), und genau dann kann man durch wechselnde Lagerung und Entlastung des Hinterkopfes am ehesten Einfluss auf eine lagebedingte Abflachung nehmen. Gleichzeitig ist es genau die Phase, in der viele Eltern einen enormen Leidensdruck haben, weil sich ihr Baby kaum ablegen lässt und immer wieder aufwacht.
Wenn es gelingt, einem Baby in dieser Zeit eine zusätzliche, sichere und beaufsichtigte Ruheposition anzubieten, den Hinterkopf regelmäßig zu entlasten und den Eltern gleichzeitig zwischendurch die Hände frei zu geben, dann hat das für Familien einen sehr konkreten Wert. Und anschließend bleibt die Tasche eben weiterhin als mobiles Tagesbettchen nutzbar. Deshalb sehen wir die PEANUT nicht als Produkt für wenige Wochen, sondern als Begleiter durch das gesamte erste Babyjahr!

