Ihr Lieben, wir erzählen hier ja auch immer wieder mutmachende Geschichten und diese hier von Franziska ist so eine. Sie landete im Frühjahr wegen Nierenversagen auf der Intensivstation und hatte später nur ein Ziel: Bitte im Herbst zum Konzert der Toten Hosen wieder fit zu sein. Hier erzählt sie, ob das geklappt hat.
Alles begann an einem Morgen Ende April. Mir ging es schon einige Wochen immer mal nicht so gut. Ich schob es auf die Arbeit und den Stress. Wir sind seit gut zwei Jahren selbstständig, mit einem Taxiunternehmen, das wir von meinen Eltern übernommen haben.
Plötzlich war alles anders
An diesem besagten Morgen wollte ich mich endlich mal bei meiner Hausärztin vorstellen. Soweit kam es aber gar nicht mehr. Im Grunde habe ich kaum noch Erinnerungen an die ersten Tage. Ich weiß nur noch, dass mein Mann mir sagte, dass ich die Jungs wecken muss, es war 6 Uhr. Ich starrte auf die Uhr und konnte diese Information gar nicht verarbeiten. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Ab diesem Zeitpunkt fehlt mir nahezu jede Erinnerung. Ich weiß nur so viel: Wenn er mich nicht ins Krankenhaus gebracht hätte, wäre ich vermutlich heute nicht mehr hier. Im Krankenhaus wurden dann rekordverdächte Blutdruckwerte festgestellt. Man vermutete einen Schlaganfall. Auch eine Meningitis stand im Raum, da ich über unglaubliche Schmerzen klagte.
Nierenversagen! Ursache unbekannt
Ich wurde ins nächste Krankenhaus verlegt, das eine Fachabteilung bei Schlaganfall, die Stroke Unit, besaß. Nachdem ich durchs CT und MRT geschoben wurde und auch eine Lumbalpunktion durchgeführt worden war, wurden beide Diagnosen ausgeschlossen. Leider stellten die Ärzte fest, dass meine Nieren versagten. Ursache? Unbekannt!

Also wurde ich erneut verlegt. Mein Weg führte mich per Hubschrauber direkt nach Dresden auf die Intensivstation. Nun lag ich also dort, bekam jede Menge Medikamente über einen zentralen Venenkatheter und über einen Sheldon Katheter lief die Dialyse. Ob meine Nieren wieder ihre Arbeit aufnehmen wusste niemand.
Jeden Tag bekam ich Besuch, von meinem Mann (er war wirklich täglich bei mir!), meinen Eltern, Geschwistern oder auch unseren Jungs. Das bekam ich aber erst ca. drei Tage später wieder bewusst mit. Mir ging es dann in kleinen Schritten besser. Das Sprechen strengte mich anfangs noch sehr an, aber bald wurde es besser.
Auf dem Weg der Besserung
Den Blutdruck bekamen wir allmählich in den Griff, meine Nieren verweigerten aber weiterhin ihren Dienst. Eigentlich wollte ich am liebsten nach Hause, als ich aber das erste Mal Besuch von einer Physiotherapeutin bekam, merkte ich deutlich, wie weit ich noch von einer Entlassung entfernt war.
Schon das Aufsetzten im Bett strengte mich so an, dass ich danach immer erstmal eine Schlafpause brauchte. Aber ich hatte einen Plan in meinem Kopf und den wollte ich auf jeden Fall durchziehen. Wir hatten Karten für das Konzert der Toten Hosen im August. Da wollte ich hin, das war mein Ziel.
In winzig kleinen Schritten ging es mir auch wirklich besser. Ich kam bald darauf auf die Normalstation. Auf Grund einer Komplikation (arterielle Blutung), die nach einer Biopsie der linken Niere auftrat, landete ich erneut auf der Intensivstation. Glücklicherweise nur für 24 Stunden, dann ging es zurück auf die Normalstation.
Ich begann, täglich mit der Physiotherapeutin über den Flur zu gehen, mit einem Rollator. Es ist unglaublich, wie anstrengend so ein bisschen Gehen sein kann. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister bzw. die Meisterin. Ich verfolgte also eisern meinen Plan. Dreimal pro Woche wurde ich zur Dialyse gebracht und spazierte in der Geschwindigkeit einer humpelnden Schnecke über die Flure, meinen Plan weiterhin fest im Kopf.
Regelmäßig wurden meine Nierenwerte im Blut kontrolliert. Die Ärzte machten mir Hoffnung, dass sich die Funktion der Nieren nochmal verbessern könnte. Es gab noch genug nur akut geschädigtes Gewebe, das sich würde erholen können, sodass es Hoffnung gab, dass ich nicht dauerhaft zur Dialyse würden gehen müssen.
Die Dialyse kann pausieren!
Kurz vor dem Pfingstwochenende stand dann ein Oberarzt der Nephrologie vor mir und sagte den einen, mir so wichtigen Satz: „Ihre Nierenwerte haben sich so gebessert, dass wir uns trauen können, die Dialyse zu pausieren.“ Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber es blieb dabei. Die Werte wurden in kleinen Schritten immer besser und ich konnte das Kapitel Dialyse abhaken.

Anfang Juni durfte ich auch endlich das Krankenhaus verlassen, ohne Rollator, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich tankte weiter Kraft. Wir konnten im Juli sogar eine Woche in den Urlaub an den Chiemsee fahren. Mit meiner Schwester und ihrer Familie. Das hat uns allen so gutgetan!
Happy End bei den Toten Hosen
Und dann kam der August und was soll ich sagen: Wir sind zum Konzert gefahren und es war unglaublich! Als wir in der Nacht nach Hause kamen, hatten wir alle keine Stimme mehr, aber unvergessliche Erinnerungen als Familie geschaffen, die ich nicht missen möchte.
Mittlerweile bin ich auch ins Berufsleben zurückgekehrt. Aber eines ist sicher: Da, wo ich in diesem Frühjahr war, möchte ich nie wieder hin. Wir haben viel Stress im Alltag reduziert. Das Wichtigste für mich ist meine Familie und mit diesen vielen Lieblingsmenschen möchte ich noch viele Erinnerungen schaffen. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um glücklich zu sein.




