Ihr Lieben, ein tragischer Unfall das das Leben von Christines Familie total verändert. Ihr erwachsener Sohn muss gepflegt werden und kämpft sich nach einem Jahr im Wachkoma mühsam zurück ins Leben. Wir haben mit ihr gesprochen:
Liebe Christine, dein Sohn David ist schwer behindert. Kannst du uns kurz sagen, was er genau hat.
Mein Sohn David ist 25 Jahre alt, er erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT) mit lebensbedrohlichen Hirnverletzungen. Bei ihm musste ein Teil des Schädels operativ entfernt werden. Im weiteren Verlauf entwickelte er einen Hydrozephalus, der mit einem komplexen Shuntsystem behandelt wird. Außerdem leidet er an struktureller Epilepsie.
Zu den Folgen der Hirnverletzung gehören eine Aphasie, Gedächtnisstörungen, Einschränkungen der Eigeninitiative und der Handlungsplanung sowie motorische Einschränkungen. Darüber hinaus hat er Schluckstörungen und eine PEG-Sonde.
Diese Behinderung hat David durch einen schrecklichen Unfall…
Genau, er hatte einen Unfall beim Skifahren. Der Unfall ereignete sich am 26. März 2023 am Hintertuxer Gletscher in Österreich. David stürzte aus großer Höhe und erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Er wurde nach Innsbruck gebracht und notoperiert.
Kannst du dich noch erinnern, was du gefühlt hast, als du David das erste Mal nach dem Unfall gesehen hast?
Der Anruf, dass David n am Hintertuxer Gletscher schwer verunglückt war, hat unser Leben von einer Sekunde auf die andere verändert. Als ich David das erste Mal im Krankenhaus sah, war das unbeschreiblich. Mein Sohn lag dort, und plötzlich war nichts mehr selbstverständlich. Ich hatte solche Angst, ihn zu verlieren. Die Ärzte machten uns wenig Hoffnung, dass David jemals wieder aufwachen würde.
Ich konnte und wollte das nicht einfach akzeptieren. David war doch mein Sohn. Ich habe gehofft, gebangt und jeden noch so kleinen Schritt mit ihm mitgemacht. Damals wusste ich nicht, welchen langen Weg wir vor uns haben würden – und dass David ungefähr ein Jahr im Wachkoma liegen würde.
Was war damals deine schlimmste Angst in der Zeit im Wachkoma?
Natürlich dass er stirbt und dass wenn er wieder aufwacht, dass er nie wieder laufen oder sprechen wird. Wenn ich heute zurückblicke, kann ich kaum begreifen, was seit diesem Tag alles passiert ist. David hat sich ins Leben zurückgekämpft und macht bis heute Fortschritte. Er ist schwer beeinträchtigt und braucht viel Unterstützung, aber er ist da. Er kann lächeln, Freude zeigen und uns immer wieder mit kleinen Fortschritten überraschen.
Dieser Tag hat unser Leben für immer verändert. Und auch wenn ich mir für David ein ganz anderes Leben gewünscht hätte, bin ich unendlich dankbar für jeden Moment, den wir heute miteinander erleben dürfen.
Wie wird er seit dem Sturz medizinisch versorgt?
David wurde nach dem Unfall zunächst intensivmedizinisch behandelt und lag ungefähr ein Jahr im Wachkoma. Seit dem Unfall war er in den vergangenen dreieinhalb Jahren schätzungsweise 20- bis 30-mal im Krankenhaus. Anfangs dauerten die Aufenthalte jeweils mehrere Wochen, später kam es aufgrund verschiedener Komplikationen immer wieder zu erneuten Krankenhausaufenthalten. Dazwischen war David in neurologischer Rehabilitation und in Betreuungseinrichtungen.
Wie geht es ihm gerade?
David macht weiterhin Fortschritte, obwohl er durch die schwere Hirnverletzung erheblich beeinträchtigt ist. Er nimmt seine Umgebung wahr, erkennt vertraute Menschen, reagiert emotional, lächelt und kann zunehmend an Alltagssituationen teilnehmen. In letzter Zeit gab es schöne Momente, in denen er sich mit anderen Menschen verständigen konnte und mich sogar in die Tierarztpraxis begleitet hat.
Gleichzeitig treten immer wieder Phasen mit ausgeprägter Unruhe, häufigem Rufen und auffälligem Verhalten auf. Die Ursache dieser Episoden ist bislang nicht abschließend geklärt. David benötigt weiterhin eine umfassende Betreuung und Unterstützung im Alltag.
Um es mal ganz plakativ zu machen: Was kann David trotz der Behinderung?
Er kann selbstständig gehen, hat dabei allerdings deutliche Gleichgewichtsprobleme und eine erhöhte Sturzgefahr. Er kann mit Unterstützung Fahrrad fahren und hat im Wasser bemerkenswerte Fortschritte gemacht.
Er nimmt seine Umgebung wahr, erkennt vertraute Menschen und reagiert auf sie. Er versteht offenbar mehr, als er selbst sprachlich ausdrücken kann. Er kann einzelne Wörter schreiben, darunter seinen Namen.
Er kann Freude zeigen, lächeln und Wünsche äußern. Er kann einzelne Bewegungsabläufe ausführen, benötigt bei vielen Alltagshandlungen jedoch Anleitung und Unterstützung.
Und was kann David nicht oder nur eingeschränkt?
Er kann sich sprachlich nicht ausreichend verständigen, um seine Bedürfnisse, Schmerzen oder Beschwerden zuverlässig zu beschreiben. Sein Gedächtnis ist erheblich eingeschränkt, und neue Informationen kann er nur schwer behalten.
Er hat Schwierigkeiten, Tätigkeiten selbstständig zu beginnen, zu planen und zu Ende zu führen. Er kann seinen Alltag nicht eigenständig organisieren und benötigt umfassende Unterstützung bei der Körperpflege, Ernährung und anderen täglichen Verrichtungen.
Wegen seiner Schluckstörung muss bei der Nahrungsaufnahme besonders auf Sicherheit geachtet werden. Er kann Gefahren nicht immer zuverlässig einschätzen und benötigt deshalb eine engmaschige Betreuung.
Welche Auswirkungen hatte der Unfall auf die gesamte Familie?
Der Vater der Kinder konnte damit nicht umgehen und hat sich aus dem Staub gemacht. Er ist tatsächlich einfach gegangen und ist seit dem nicht mehr aufgetaucht.
Der kleine Bruder leidet ganz schlimm. David war sein großes Vorbild, die beiden hatten eine sehr enge Beziehung. Dass. David heute nichts mehr der Alte ist, damit kann der Kleine nicht umgehen.
Ich kann kaum noch arbeiten gehen, weil mich Davids Pflege sehr einnimmt, gerade in den Phasen, in denen David viel schreit.
Was würde dir sofort das Leben erleichtern?
Dass die Krankenkasse und der Staat mir nicht ständig Steine in den Weg legen…
Was wünschst du die für die Zukunft?
Ich wünsche mir nur, dass David gesund wird und ein eigenständiges, glückliches Leben leben kann.






